Naturschutz
heute Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001
Dicke Bretter bohren
Ulrike Ziskoven informiert über Holz als Baustoff.
Holz-Häuser:
Zeitgemäßer Baustoff * Bausysteme: Fachwerkhaus
weiterentwickelt * Bauphysik: Belastbar wie Stahlbeton
* Holzschutz: Vorbeugen ist besser als streichen *
Fenster, Tür und Decke: Ein bisschen Schwund ist immer
* Parkett und Laminat: Heimelige Fußböden
* Ökologische Produktion: Kein Brett ohne Siegel
Buchtipps * Adressen * Holzhaus-Hersteller
* Links
Das
Traumhaus der Deutschen soll umweltfreundlich sein. Das erklärten
rund 90 Prozent bei einer Umfrage der Zeitschrift "Stern"
und der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Ökologisches Bauen soll
dabei gesundes Wohnen mit den Bedürfnissen von Umweltschutz und
kommenden Generationen verbinden.
Holz als nachwachsender, sich selbst regenerierender und problemlos
recyclebarer Baustoff bietet sich geradezu an. Doch das Image der zugigen
Bretterbude hält sich hartnäckig, trotz Jahrhunderten Bautradition.
In den letzten 150 Jahren haben Stahl, Glas, Beton, Aluminium und Kunststoffe
den Baustoff Holz fast gänzlich verdrängt. Restriktive Vorschriften
zum Holz- und Brandschutz - je nach Bundesland - und Holzschutzmittelskandale
tragen ebenfalls zum Negativbild bei. Massivbau aus Stein oder Stahlbeton
hat sicher Vorteile, was Pflegeaufwand, Haltbarkeit oder Schallschutz
betrifft, aber Holz zieht kräftig nach, mit guter Wärmedämmung,
kurzen Bauzeiten und vor allem positiver Ökobilanz.
Noch sind nur etwa 15 Prozent aller Häuser in Deutschland aus Holz,
Tendenz jedoch steigend. Es gibt viel mehr Holz als verbraucht wird.
Die Waldfläche nimmt stetig zu. Anfang der 90er Jahre waren es
10,8 Millionen Hektar. Jährlich kommen - zum Beispiel durch Flächenstilllegungen
in der Landwirtschaft - etwa 5400 Hektar hinzu. So ist der Baustoff
Holz reichlich vorhanden. Mit dem Holzbau kann die Waldwirtschaft gestärkt
werden, die sich um ökologische Verträglichkeit bemüht.
Wer Ressourcen schonen will, wird sich beim Neubau sicher für Passiv-
oder Niedrigenergiehäuser interessieren. Holz ist hier wegen seiner
ausgezeichneten Dämmeigenschaften ein idealer Bau- und Werkstoff.
Doch Niedrigenergiehaus darf sich "nach der Rechtslage jede zugige
Bretterbude nennen", moniert die Zeitschrift "Öko-Haus".
Man sollte schon genau hinsehen, wie viel Energie ein Haus frisst. Dicke
Bretter bohren - beim Holzverbauen ist das vor allem gute Planung und
Information. Man darf bei der Wahl des Traumhauses eben kein Brett vor
dem Kopf haben.
Holz-Häuser:
Zeitgemäßer Baustoff
Häuser sind
immer ein Eingriff in den Naturkreislauf. So wird man sich beim Ökobau
an Formen halten, die den geringsten Verbrauch an Energie und Naturschätzen
haben. Das wirkt vielleicht manchem zu kastig oder zu schlicht. Aber
Erker, Giebel, Türmchen, komplizierte Dachlandschaften oder Winkelbauten
treiben den Energieverbrauch durch vermehrte Flächen enorm in die
Höhe - und den Baupreis natürlich auch. Wer sich für
ein Wohnhaus aus Holz interessiert, sollte sich fragen, welches Holzbausystem
für seine Bedürfnisse in Frage kommt und mit welchen natürlichen
Bau- und Werkstoffen sich der Innenausbau kombinieren lässt. Man
kann sich bei der Entscheidung von unabhängigen Institutionen beraten
lassen.
Im
Holzbau unterscheidet man drei Fertigungsabläufe:
- Erstens Abbund (Aushärten durch Trocknen) der Konstruktionshölzer
in der Zimmerei sowie Montage und Beplankung (Bekleidung der Hölzer)
auf der Baustelle.
- Zweitens Abbund und Montage der Wandelemente mit Beplankung in der
Werkstatt sowie Aufstellen der Wände auf der Baustelle.
- Drittens industrielle Vorfertigung kompletter Bauelemente und Montage
auf der Baustelle.
Entsprechend eignen sich die beiden ersten Abläufe zum Mitanpacken.
Etwa ein Drittel der Baukosten lassen sich dabei maximal sparen. Man
braucht neben dem Know-How viel Zeit und Kondition, sonst entwickelt
sich die Einsparmöglichkeit schnell zur Kostenschraube. Es gibt
Selbstbausiedlungen, die nach dem Prinzip gegenseitiger Hilfe unter
Fachanleitung entstanden, etwa Mitte der 90er Jahre im Rahmen der "IBA
Emscherpark" im Ruhrgebiet.
Bausysteme:
Fachwerkhaus weiterentwickelt
Für moderne
Holzbauten werden vor allem die Rippen- und die Skelettbauweise gewählt.
Die Skelettbauweise - auch Ständerbau genannt - entwickelte den
Fachwerkbau weiter, mit senkrechten Ständern und waagerechten Trägern.
Statisch wird das Haus von diesem Skelett getragen.
Die Zwischenräume (Gefache) sind viel größer als beim
traditionellen Fachwerk, so dass sie viel Dämmmaterial aufnehmen
können. Der Rippenbau oder Holzrahmenbau wiederum wurde in Nordamerika
entwickelt und ist dort weit verbreitet. Hier bestehen ganze Wandscheiben
aus senkrechten Rippen (Ständern) und einer aufgenagelten Holzverkleidung,
der Beplankung. Eine Unterform des Rippenbaus ist der Holztafelbau.
Er hat einen höheren industriellen Vorfertigungsgrad. Ganze Wandflächen
und Raumzellen werden fertig auf die Baustelle gebracht und brauchen
nur noch montiert zu werden. Er eignet sich vor allem für Mehrgeschossbauten
und Fertighäuser in Serie.
Der
Skelettbau ist sehr vielseitig, was die Fassadengestaltung und den Innenausbau
betrifft. Die nicht tragenden Wände werden unabhängig vom
Skelett eingebaut. Sie können jederzeit entfernt oder neu eingezogen
werden. Dieser Haustyp ist günstig für spätere Innenausbauten.
Der einmal gewählte Grundriss kann aber nicht mehr ohne weiteres
verändert werden. Die Verkleidung der Außenwände ist
dagegen flexibel. Äußerlich kann man diese Häuser oft
gar nicht mehr als Holzbauten erkennen. Sie können mit Holzwerkstoff-
oder Gipsbauplatten verkleidet und verputzt oder verklinkert werden.
Ausmauerungen der Gefache oder Glasfronten sind ebenfalls möglich.
Die Stützen und Träger werden fertig auf der Baustelle montiert.
Die Wände sind nur zum Teil vorgefertigt. Bei den nichttragenden
Bauteilen können Häuslebauer selbst mit Hand anlegen.
Beim Rippenbau stehen die Ständer auf einem Holzrahmen auf. Die
Beplankung wird flächig auf die Rippen gelegt und steift die dadurch
entstehende Wand aus. Die Last wird von der kompletten Wand getragen
und bildet zusammen mit den Decken die tragende Konstruktion. Für
die Beplankung dienen Platten aus Holzwerkstoffen oder Gips, die gleichzeitig
dämmen. Durch die Verknüpfung der Funktionen Tragen, Dämmen,
Raumabschluss ist der Holzrippenbau sehr flächensparend und wirtschaftlich.
Die Deckenbalken werden quer auf die Wände aufgelegt und verschraubt.
Darauf werden dann ebenfalls Werkstoffplatten befestigt. Die Decke wirkt
statisch wie eine Scheibe, die das Haus stabilisiert. Spätere Erweiterungen
sind durch das flexible Planungsraster relativ einfach. Beim Holztafelbau
mit seinem hohen Vorfertigungsgrad sind Eigenleistungen kaum möglich.
Ein Einfamilienhaus kann in ein- bis drei Tagen montiert werden, was
die Baukosten günstig macht.
Blockhäuser erlebten Mitte der 90er Jahre zwar eine Renaissance,
insgesamt werden aber jährlich nur rund tausend Stück davon
in Deutschland gebaut. Sie sind vergleichsweise teuer, denn es wird
massiv gebaut und dabei nur Kernholz verwendet, also das Innere des
Baumstamms. Moderne Blockhäuser sehen längst nicht mehr aus
wie Trapperhütten und gelten als besonders schalldicht. Das alte
Zugluftproblem durch Ritzenbildung zwischen den Balken, wenn das Holz
arbeitet, wird heute mit aufwändigen Verbindungstechniken gelöst.
Bauphysik:
Belastbar wie Stahlbeton
"Lieber in
eigener Holzbaracke als in des Gutsherrn Hofe" wird sich mancher
mit knappem Budget sagen. Doch genaueres Wissen über bauphysikalische
Eigenschaften ergibt immer mehr Vielfalt und verbesserte Wohnqualität.
Selbstbescheidung ist also gar nicht nötig. Geringere Baukosten
kommen als "Nebeneffekt" hinzu. Ein ökologisch vertretbares
Haus für eine vierköpfige Familie gibt es schon ab 250.000
Mark ab Bodenplatte/Kellerdecke, wobei der Begriff "schlüsselfertig"
immer hinterfragt werden sollte, da er nichts über den Grad des
Innenausbaus besagt.
Massivholz ist in Faserrichtung so belastbar wie Stahlbeton. Dabei ist
es hochelastisch und nimmt auch nach starker Beanspruchung seine ursprüngliche
Form wieder an. Beim Brandschutz ist Holz weit besser als sein Ruf.
Wenn die oberste Schicht verkohlt, bildet sie eine Art Isolierung für
das noch ungeschädigte Holz darunter, die eine viel geringere Wärmeleitfähigkeit
hat. Die Wärmeleitfähigkeit von Beton ist etwa 16 mal so hoch
wie die von Holz, die von Stahl sogar 460 mal höher. Die Abbrandgeschwindigkeit
hängt von der Dicke des Holzes im Querschnitt. ab. Die Bestimmungen
zum baulichen Brandschutz sind in den Bundesländern verschieden
(Landesbauordnungen) und müssen unbedingt beim Hauskauf eingeplant
werden. Sonst steht man nachher ohne Baugenehmigung da.
Holz sorgt für ein angenehmes Raumklima. Es "atmet" und
speichert neben Kohlendioxid auch Feuchtigkeit. Die aufgenommene Feuchtigkeit
wird bei zu trockener Raumluft wieder abgegeben. Je mehr Holz in einem
Haus verwendet wird, desto besser ist die Luft. Auch die Dämmeigenschaften
sind aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit sehr gut.
Zur Beurteilung der Dämmungsqualitäten eines Haustyps sollte
man in der Beschreibung der Baufirma auf den k-Wert, den Wärmedurchgangskoeffizienten
achten. Er gibt Auskunft über den Wärmestrom, der durch das
jeweilige Bauteil von der warmen zur kalten Seite fließt. Je kleiner
der k-Wert, desto besser ist der Wärmeschutz. Durch gute Dämmung
mit schadstofffreien Naturmaterialien können Heizenergieverbrauch
und Schadstoffausstoß auf einen Bruchteil der üblichen Werte
gesenkt werden. Die Werte der noch geltenden Wärmeschutzverordnung
von 1995 werden in der Regel beim Holzbau weit unterschritten, und auch
der wesentlich schärferen neuen Energiesparverordnung (ab 1. Januar
2002) kann er getrost entgegen blicken.
Holzschutz:
Vorbeugen ist besser als streichen
Durch konstruktiven
Holzschutz lässt sich die Lebensdauer eines Gebäudes enorm
erhöhen. Dachüberstände müssen die Fassade vor Schlagregen
schützen, Unterlüftungen sorgen für schnelle Abtrocknung.
Tropfnasen, Abtropfkanten, Sperrschichten oder überdachte Haustüren
dienen ebenfalls dem konstruktiven Holzschutz. Horizontale Oberflächen
müssen abgeschrägt oder abgedeckt werden.
Voraussetzung für Bauholz ist, dass es gut ausgetrocknet ist, also
nicht frisch geschlagen und dadurch feucht und anfällig. Hölzer
für das Dach oder die Stützen sollten nicht mehr als 18 Prozent
Feuchte haben. Für den Innenausbau sind bei naturbelassenen Hölzern
unter 10 Prozent empfehlenswert. Dann haben weder Pilze (benötigen
20 bis 25 Prozent) noch Insekten (brauchen 9 bis 12 Prozent) eine Lebensgrundlage.
Wichtig ist, dass Hölzer in der Winterzeit während einer Frostperiode
geschlagen wurden. Wenn das Holz dagegen noch im Saft steht, verliert
es seine Widerstandsfähigkeit, neigt zu Rissbildungen und Verformungen
und ist anfälliger für Schädlinge. Für den Innenausbau
kommt nur vollkommen entrindetes Holz in Frage, da die meisten Holzkäfer
direkt unter der Rinde sitzen. Dachböden sollte man an sämtlichen
Öffnungen mit Fliegengittern schützen und schlecht belüftete,
dunkle Ecken regelmäßig kontrollieren.
Unbehandeltes, offenporiges Holz hat keimtötende Eigenschaften.
Versuche zeigten, dass Bakterien nach wenigen Minuten vollständig
absorbiert werden. Wenn Hölzer mit Chemiefarben oder ungeeigneten
Holzschutzmitteln gestrichen werden, verstopfen die Luftporen und die
natürliche Aufnahmefähigkeit wird teils oder ganz vernichtet.
Giftstoffe werden von der Holzoberfläche langfristig wieder an
die Raumluft abgegeben. In einem neuen Haus oder einer frisch renovierten
Wohnung kann es bis zu 70.000 chemische Verbindungen geben. Hochgiftige
Löse- und Bindemittel entweichen aus Farben, Lacken und Klebern
Manche Holzschutzmittel enthalten Schwermetalle wie Cadmium oder Blei.
Sie führen zu schwersten Krankheiten; ebenso ausdampfende Zusätze
wie Lindan oder Pentachlorphenol (PCP). Die Interessengemeinschaft der
Holzschutzmittelgeschädigten hat eine Liste herausgegeben, welche
Holzschutzmittel PCP oder Lindan enthalten.
Zum Anstrich im Außenbereich eignen sich relativ unbedenkliche
Borsalzimprägnierungen - frei von Schwermetallen und Chlorchemie
- mit einer Klarlackschicht auf Naturharzbasis als Schutz vor Auswaschungen.
Auch Holzessig oder Holzteer (durch Holzerhitzung erzeugt) sind Naturprodukte.
Eine umweltfreundliche Alternative für Großflächen ist
eine Heißluftbehandlung, die aber nur ein Fachbetrieb ausführen
sollte. Das ist zwar teuer, aber immer noch günstiger als der Abriss
eines fauligen Dachstuhls.
Fenster,
Tür und Decke: Ein bisschen Schwund ist immer...
"Es ist kein
Holz, aus dem sich alles schnitzen lässt". Das gilt für
den Hausbau ganz besonders. Beim Konstruktionsholz kommt es vor allem
auf die Festigkeit und Tragfähigkeit an. Für Böden sollte
man strapazierfähiges Hartholz nehmen, für Deckenverkleidungen
besser Weichholz. Einheimische Weichhölzer sind Fichte, Tanne,
Kiefer, Lärche, Weide oder Linde. Harthölzer sind Rotbuche,
Ulme, Eiche, Ahorn und Nussbaum. Als Konstruktionshölzer eignen
sich Fichte, Tanne, Kiefer und Douglasie. Sie haben wenig Schwund und
sind fast witterungsunempfindlich. Die schwere, feuchtigkeitsbeständige
Eiche ist ebenfalls gut geeignet, aber für Hausbauzwecke recht
teuer. Sie wird vorwiegend im Schiffsbau und für Eisenbahnschwellen
verwendet.
Bei
Holzverkleidungen in Wohnräumen (Decken, Wände, Dachschrägen)
sollte man nur unbehandeltes Massivholz verwenden, keine vorbehandelten
Paneelen oder Bretter. Holz trocknet nach dem Einbau immer noch nach.
Für Verkleidungen wurden darum Profile entwickelt, bei denen Schattennuten
entstehende Ritzen weniger auffallen lassen. Holz im Innenraum braucht
grundsätzlich keine Holzschutzmittel.
Für Fensterrahmen ist Holz allen anderen Materialien wärmetechnisch
überlegen. Es braucht circa alle fünf Jahre einen neuen Schutzanstrich.
Neben der Trockenheit des Holzes ist es wichtig, dass die Eckverbindungen
des Flügels dauerhaft sind. Die Fuge zwischen Fensterflügel
und Verglasung muss absolut dicht gegen Wasser und Wind sein. Dichtstoffe
auf der Basis von Ethylen-Propylen-Polymerkautschuk sind eine umweltfreundliche
Alternative zu Silikonen. Vor Durchfeuchtungen sollte das Fenster konstruktiv
geschützt werden.
Bei Türen ist massives Holz empfehlenswert. Statt teurem Tropenholz
tun es Fichte, Tanne und Eiche ebenso gut. Holzschutz ist überflüssig,
wenn die Tür durch ein Vordach vor Witterungseinflüssen geschützt
ist. Bei Innentüren kann man teures Massivholz sparen, in dem man
für Kassettenfüllungen Holzfaserstoffe einsetzt mit einer
Deckschicht aus Linoleum. Es ist ökologisch gut verträglich,
da es aus natürlichen Materialien besteht. Glatte Türen mit
Weichholzrahmen, Pappmittellagen und dünner Furnierung halten nicht
lange.
Parkett
und Laminat: Heimelige Fußböden
Holzfußböden
sind fußwarm, elastisch, wirken heimelig, fühlen sich gut
an und laden sich kaum elektrostatisch auf. Die Auswahl reicht von massiven
Dielenbrettern und Edelparkett bis zu mehrschichtigen Fertigparketten,
bei denen nur die oberste Schicht massiv ist.
Naturholzböden lassen sich mit natürlichen Ölen und Wachsen
leicht pflegen. Wichtig gegen Fugenbildung (das Holz arbeitet ja) bei
Dielen ist, dass sie bei der Verlegung nicht mehr als zwölf Prozent
Feuchte haben. Sie werden auf eine Unterkonstruktion aus Lagerhölzern
genagelt.
Echte Parkette bestehen aus massiven Hartholzstäben, etwa Eiche,
Buche, Kirsche oder Ahorn. Sie sind ringsum genutet und mit Federn verbunden
zu Fischgrät-, Würfel- oder Schiffsbodenmustern. Parkette
werden auf einen hölzernen Unterboden genagelt, plan geschliffen
und je nach Holzart mit Öl oder Wachs behandelt. Massives Parkett
ist bis zu zehn mal abschleifbar. Sie gelten als haltbarste Holzböden,
je nach Dicke weit über 100 Jahre. Fertigparkette müssen an
der Oberseite eine mindestens zwei Millimeter dicke Nutzschicht aus
Echtholz haben. Darunter findet man kreuzweise verleimtes Holz oder
Spanplatten. Bestehen die Schichten aus unterschiedlichen Holzarten
oder Materialien, kann der Boden durch unterschiedliches Schwund- und
Quellverhalten reißen. Erst ab einer Deckschicht von vier Millimetern
ist Fertigparkett ein- bis zweimal abschleifbar.
Laminat als preiswerter Parkettersatz besteht nur im Unterbau aus Holzwerkstoffen,
die Oberfläche ist bedrucktes Papier mit Kunststoffversiegelung.
Da lässt sich natürlich nichts abschleifen, wenn sich Kratzspuren
oder Abdrücke eingezeichnet haben. Wer eine ökologische und
preiswerte Alternative zu Holzböden sucht, ist mit unversiegeltem
Linoleum besser bedient. Es besteht aus Kork- und Holzmehl, das mit
einer Mischung aus Leinöl und Kolophinum (Linoleumzement) auf einem
Träger aus Jute gebunden wird. Zur Färbung dienen Kreide und
Pigmente.
Ökologische
Produktion: Kein Brett ohne Siegel
Holz als Baustoff
ist nur dann ökologisch wertvoll, wenn zu seiner Gewinnung die
Kriterien nachhaltiger Forstwirtschaft eingehalten werden. Als nachwachsender
Rohstoff steht Holz zwar praktisch immer zur Verfügung, aber nur
solange nur soviel abgeholzt wie auch wieder angepflanzt wird.
Ökologische Waldwirtschaft sollte sich am Maßnahmenkatalog
des auch vom NABU unterstützten Weltforstrats "Forest
Stewardship Council" (FSC) orientieren. Raubbau an Tropenwäldern
und Kahlschlag in den Wäldern Nord- und Osteuropas führten
bei vielen Verbrauchern zum Abnahmeboykott. Das stärkte in den
letzten Jahren den Absatz heimischer Hölzer und reduziert den Energieverbrauch
für Transporte.
Holz speichert Kohlendioxid
und verhält sich bei der Auflösung kohlendioxid-neutral. Bei
der Zersetzung oder Verbrennung wird nämlich nur genau soviel Kohlendioxid
frei, wie das Holz vorher aufgenommen hatte. Wer ökologisch bauen
will, muss auch an die Entsorgung der Baustoffe denken. Jedes Holzprodukt
verbessert als Kohlendioxidspeicher die Atmosphäre. In Hauswänden,
Dachstühlen, Böden, oder Wandverkleidungen aus Holz setzt
sich dieser Speichereffekt fort.
Aber woran erkennt man als Laie, ob Hölzer ökologisch verarbeitet
wurden? Die vielen Zertifikate geben kaum Orientierungshilfe, eher sieht
man oft vor Bäumen den Wald nicht mehr. Wie eine Untersuchung der
Zeitschrift "Öko
Haus" ergab, hat der Kunde praktisch keine Chance zu beurteilen,
was ein Gütesiegel taugt. Bisher gibt eigentlich nur das Siegel
des FSC verlässliche Auskunft. Das "Paneuropäisches Forstzertifikat"
(PEFC) - seit kurzem als FSC-Konkurrenzsiegel auf dem Markt - macht
darin keine Ausnahme. Es verwässert sich durch zahlreiche Ausnahmeregelungen.
So sind Kahlschläge darin zwar prinzipiell verboten, aus Gründen
der "wirtschaftlichen Situation" aber wieder erlaubt. Hinter
dem Siegel stehen zahlreiche europäischen Waldbesitzerverbände.
Auch was die Verwendung von Ökosiegeln für Holzschutzmittel
betrifft, fühlt man sich eher auf dem Holzweg. Zu unterschiedlich
sind die Philosophien über erlaubte Schadstoffmengen. Aus den Vergaberichtlinien
für den "Blauen Engel"
zum Beispiel wird man kaum schlau - eine fachchinesische Ansammlung
von Kürzeln und Querverweisen auf EG-Kategorien. Auch bei Holzwerkstoffen
wird der Kunde oft geleimt. Wenn zum Beispiel das Siegel "formaldehydfrei"
auf einer Spanplatte klebt, aber stattdessen klammheimlich mit dem mindestens
ebenso gesundheitsschädlichen Polyurethan gebunden wurde.
Buchtipps
-Arbeitsgemeinschaft
der Verbraucherverbände: Fertighäuser in Holzbauweise.
Planung, Bau, Kosten, Vertrag. - 320 Seiten. 25 Mark. ISBN 3-88835-108-1.
Tel. 02 28-64 89-0, Fax 02 28-64 42 58.
- Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände:
Wärmedämmung. Vom Keller bis zum Dach. - 149 Seiten. 14 Mark.
ISBN 3-88835-118-9. Innen- und Außendämmung mit Naturmaterialien.
- Manfred Fritsch: Handbuch gesundes Bauen und Wohnen. Von Asbest bis
Zentralheizung. -384 Seiten. 24,90 Mark. ISBN 3-423-36010-0. Über
200 Stichwörter von A-Z zum Thema gesundes Bauen und Wohnen.
- Bernd Grützmacher: Niedrigenergie-Häuser aus Holz. Natürlich
bauen - Allergiefrei wohnen - Kosten senken.- 159 Seiten. 89,90 Mark.
ISBN 3-7667-1304-3. Montageanleitung für Selberbauer.
Sabine Kampmann: Preiswert bauen mit Holz. 33 kostengünstige moderne
Einfamilienhäuser. - 160 Seiten. 89,90 Mark. ISBN 3-7667-1491-0.
Erscheint im September 2001 im Callwey-Verlag.
-
Holger König: Wege zum gesunden Bauen. Wohnphysiologie, Baustoffe,
Baukonstruktionen, Normen und Preise. - 261 Seiten. 49,80 Mark. ISBN:
3-922964-16-8. Praktische Tipps mit Schwerpunkt Baustoffe.
- Landesinstitut für Bauwesen des Landes NRW: Neue Holzbauweisen.
- Ratgeber 10. Aachen 1997. 43 Seiten. Tel. 02 41-4 55 01, Fax 02 41-45
52 21.
- Öko-Test: Lebensräume.
Der große Ratgeber für ökologisches Bauen und Wohnen.-
479 Seiten. 39,90 Mark. ISBN 3-89508-042-X.
- Öko Test: Häuser. 100
Niedrig-Energie-Häuser im Vergleich. - Sonderheft. Nr. 31. 12,80
Mark. Zeitschrift zu bestellen beim Öko-Test-Leserservice, Tel.
0 18 05-39 39 33, Fax 0 18 05-39 39 34, oekotest@interabo.de.
Adressen
- Interessengemeinschaft
der Holzschutzmittelgeschädigten, Unterstaat 14, 51766 Engelskirchen,
Tel. 0 22 63-90 14 22.
- Ökologische Bau- und Wohnberatung, Bundesverband
Gesundes Bauen und Wohnen. Postfach 15 43, 38005 Braunschweig. Tel.
05 31-35 28 51.
- Ökologische Verbraucherberatung des Öko-Test-Verlags,
Tel. 069-9 77 77-119, verbraucherberatung@oekotest.de.
- Bundesverband Deutscher Fertigbau,
Flutgraben 2, 53604 Bad Honnef. Tel. 0 22 24-93 77 77.
- ÖkoPlus, Fachhandelsverband
für Ökologie und Bautechnik, Dessauer Straße 1a, 76139
Karlsruhe, Tel. 07 21-9 68 32 02.
- Hersteller und Anbieter von Holzhäusern siehe unter Links.
Naturschutz
heute,
Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001
Naturschutz
heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes
Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten
unter www.NABU.de.
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