Naturschutz heute – Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001


Dicke Bretter bohren
Ulrike Ziskoven informiert über Holz als Baustoff.

Holz-Häuser: Zeitgemäßer Baustoff * Bausysteme: Fachwerkhaus weiterentwickelt * Bauphysik: Belastbar wie Stahlbeton * Holzschutz: Vorbeugen ist besser als streichen * Fenster, Tür und Decke: Ein bisschen Schwund ist immer * Parkett und Laminat: Heimelige Fußböden * Ökologische Produktion: Kein Brett ohne Siegel

Buchtipps * Adressen * Holzhaus-Hersteller * Links


Das Traumhaus der Deutschen soll umweltfreundlich sein. Das erklärten rund 90 Prozent bei einer Umfrage der Zeitschrift "Stern" und der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Ökologisches Bauen soll dabei gesundes Wohnen mit den Bedürfnissen von Umweltschutz und kommenden Generationen verbinden.

Holz als nachwachsender, sich selbst regenerierender und problemlos recyclebarer Baustoff bietet sich geradezu an. Doch das Image der zugigen Bretterbude hält sich hartnäckig, trotz Jahrhunderten Bautradition. In den letzten 150 Jahren haben Stahl, Glas, Beton, Aluminium und Kunststoffe den Baustoff Holz fast gänzlich verdrängt. Restriktive Vorschriften zum Holz- und Brandschutz - je nach Bundesland - und Holzschutzmittelskandale tragen ebenfalls zum Negativbild bei. Massivbau aus Stein oder Stahlbeton hat sicher Vorteile, was Pflegeaufwand, Haltbarkeit oder Schallschutz betrifft, aber Holz zieht kräftig nach, mit guter Wärmedämmung, kurzen Bauzeiten und vor allem positiver Ökobilanz.

Noch sind nur etwa 15 Prozent aller Häuser in Deutschland aus Holz, Tendenz jedoch steigend. Es gibt viel mehr Holz als verbraucht wird. Die Waldfläche nimmt stetig zu. Anfang der 90er Jahre waren es 10,8 Millionen Hektar. Jährlich kommen - zum Beispiel durch Flächenstilllegungen in der Landwirtschaft - etwa 5400 Hektar hinzu. So ist der Baustoff Holz reichlich vorhanden. Mit dem Holzbau kann die Waldwirtschaft gestärkt werden, die sich um ökologische Verträglichkeit bemüht.

Wer Ressourcen schonen will, wird sich beim Neubau sicher für Passiv- oder Niedrigenergiehäuser interessieren. Holz ist hier wegen seiner ausgezeichneten Dämmeigenschaften ein idealer Bau- und Werkstoff. Doch Niedrigenergiehaus darf sich "nach der Rechtslage jede zugige Bretterbude nennen", moniert die Zeitschrift "Öko-Haus". Man sollte schon genau hinsehen, wie viel Energie ein Haus frisst. Dicke Bretter bohren - beim Holzverbauen ist das vor allem gute Planung und Information. Man darf bei der Wahl des Traumhauses eben kein Brett vor dem Kopf haben.


Holz-Häuser: Zeitgemäßer Baustoff

Häuser sind immer ein Eingriff in den Naturkreislauf. So wird man sich beim Ökobau an Formen halten, die den geringsten Verbrauch an Energie und Naturschätzen haben. Das wirkt vielleicht manchem zu kastig oder zu schlicht. Aber Erker, Giebel, Türmchen, komplizierte Dachlandschaften oder Winkelbauten treiben den Energieverbrauch durch vermehrte Flächen enorm in die Höhe - und den Baupreis natürlich auch. Wer sich für ein Wohnhaus aus Holz interessiert, sollte sich fragen, welches Holzbausystem für seine Bedürfnisse in Frage kommt und mit welchen natürlichen Bau- und Werkstoffen sich der Innenausbau kombinieren lässt. Man kann sich bei der Entscheidung von unabhängigen Institutionen beraten lassen.

Im Holzbau unterscheidet man drei Fertigungsabläufe:

- Erstens Abbund (Aushärten durch Trocknen) der Konstruktionshölzer in der Zimmerei sowie Montage und Beplankung (Bekleidung der Hölzer) auf der Baustelle.

- Zweitens Abbund und Montage der Wandelemente mit Beplankung in der Werkstatt sowie Aufstellen der Wände auf der Baustelle.

- Drittens industrielle Vorfertigung kompletter Bauelemente und Montage auf der Baustelle.

Entsprechend eignen sich die beiden ersten Abläufe zum Mitanpacken. Etwa ein Drittel der Baukosten lassen sich dabei maximal sparen. Man braucht neben dem Know-How viel Zeit und Kondition, sonst entwickelt sich die Einsparmöglichkeit schnell zur Kostenschraube. Es gibt Selbstbausiedlungen, die nach dem Prinzip gegenseitiger Hilfe unter Fachanleitung entstanden, etwa Mitte der 90er Jahre im Rahmen der "IBA Emscherpark" im Ruhrgebiet.


Bausysteme: Fachwerkhaus weiterentwickelt

Für moderne Holzbauten werden vor allem die Rippen- und die Skelettbauweise gewählt. Die Skelettbauweise - auch Ständerbau genannt - entwickelte den Fachwerkbau weiter, mit senkrechten Ständern und waagerechten Trägern. Statisch wird das Haus von diesem Skelett getragen.

Die Zwischenräume (Gefache) sind viel größer als beim traditionellen Fachwerk, so dass sie viel Dämmmaterial aufnehmen können. Der Rippenbau oder Holzrahmenbau wiederum wurde in Nordamerika entwickelt und ist dort weit verbreitet. Hier bestehen ganze Wandscheiben aus senkrechten Rippen (Ständern) und einer aufgenagelten Holzverkleidung, der Beplankung. Eine Unterform des Rippenbaus ist der Holztafelbau. Er hat einen höheren industriellen Vorfertigungsgrad. Ganze Wandflächen und Raumzellen werden fertig auf die Baustelle gebracht und brauchen nur noch montiert zu werden. Er eignet sich vor allem für Mehrgeschossbauten und Fertighäuser in Serie.

Der Skelettbau ist sehr vielseitig, was die Fassadengestaltung und den Innenausbau betrifft. Die nicht tragenden Wände werden unabhängig vom Skelett eingebaut. Sie können jederzeit entfernt oder neu eingezogen werden. Dieser Haustyp ist günstig für spätere Innenausbauten. Der einmal gewählte Grundriss kann aber nicht mehr ohne weiteres verändert werden. Die Verkleidung der Außenwände ist dagegen flexibel. Äußerlich kann man diese Häuser oft gar nicht mehr als Holzbauten erkennen. Sie können mit Holzwerkstoff- oder Gipsbauplatten verkleidet und verputzt oder verklinkert werden. Ausmauerungen der Gefache oder Glasfronten sind ebenfalls möglich. Die Stützen und Träger werden fertig auf der Baustelle montiert. Die Wände sind nur zum Teil vorgefertigt. Bei den nichttragenden Bauteilen können Häuslebauer selbst mit Hand anlegen.

Beim Rippenbau stehen die Ständer auf einem Holzrahmen auf. Die Beplankung wird flächig auf die Rippen gelegt und steift die dadurch entstehende Wand aus. Die Last wird von der kompletten Wand getragen und bildet zusammen mit den Decken die tragende Konstruktion. Für die Beplankung dienen Platten aus Holzwerkstoffen oder Gips, die gleichzeitig dämmen. Durch die Verknüpfung der Funktionen Tragen, Dämmen, Raumabschluss ist der Holzrippenbau sehr flächensparend und wirtschaftlich. Die Deckenbalken werden quer auf die Wände aufgelegt und verschraubt. Darauf werden dann ebenfalls Werkstoffplatten befestigt. Die Decke wirkt statisch wie eine Scheibe, die das Haus stabilisiert. Spätere Erweiterungen sind durch das flexible Planungsraster relativ einfach. Beim Holztafelbau mit seinem hohen Vorfertigungsgrad sind Eigenleistungen kaum möglich. Ein Einfamilienhaus kann in ein- bis drei Tagen montiert werden, was die Baukosten günstig macht.

Blockhäuser erlebten Mitte der 90er Jahre zwar eine Renaissance, insgesamt werden aber jährlich nur rund tausend Stück davon in Deutschland gebaut. Sie sind vergleichsweise teuer, denn es wird massiv gebaut und dabei nur Kernholz verwendet, also das Innere des Baumstamms. Moderne Blockhäuser sehen längst nicht mehr aus wie Trapperhütten und gelten als besonders schalldicht. Das alte Zugluftproblem durch Ritzenbildung zwischen den Balken, wenn das Holz arbeitet, wird heute mit aufwändigen Verbindungstechniken gelöst.


Bauphysik: Belastbar wie Stahlbeton

"Lieber in eigener Holzbaracke als in des Gutsherrn Hofe" wird sich mancher mit knappem Budget sagen. Doch genaueres Wissen über bauphysikalische Eigenschaften ergibt immer mehr Vielfalt und verbesserte Wohnqualität. Selbstbescheidung ist also gar nicht nötig. Geringere Baukosten kommen als "Nebeneffekt" hinzu. Ein ökologisch vertretbares Haus für eine vierköpfige Familie gibt es schon ab 250.000 Mark ab Bodenplatte/Kellerdecke, wobei der Begriff "schlüsselfertig" immer hinterfragt werden sollte, da er nichts über den Grad des Innenausbaus besagt.

Massivholz ist in Faserrichtung so belastbar wie Stahlbeton. Dabei ist es hochelastisch und nimmt auch nach starker Beanspruchung seine ursprüngliche Form wieder an. Beim Brandschutz ist Holz weit besser als sein Ruf. Wenn die oberste Schicht verkohlt, bildet sie eine Art Isolierung für das noch ungeschädigte Holz darunter, die eine viel geringere Wärmeleitfähigkeit hat. Die Wärmeleitfähigkeit von Beton ist etwa 16 mal so hoch wie die von Holz, die von Stahl sogar 460 mal höher. Die Abbrandgeschwindigkeit hängt von der Dicke des Holzes im Querschnitt. ab. Die Bestimmungen zum baulichen Brandschutz sind in den Bundesländern verschieden (Landesbauordnungen) und müssen unbedingt beim Hauskauf eingeplant werden. Sonst steht man nachher ohne Baugenehmigung da.

Holz sorgt für ein angenehmes Raumklima. Es "atmet" und speichert neben Kohlendioxid auch Feuchtigkeit. Die aufgenommene Feuchtigkeit wird bei zu trockener Raumluft wieder abgegeben. Je mehr Holz in einem Haus verwendet wird, desto besser ist die Luft. Auch die Dämmeigenschaften sind aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit sehr gut.

Zur Beurteilung der Dämmungsqualitäten eines Haustyps sollte man in der Beschreibung der Baufirma auf den k-Wert, den Wärmedurchgangskoeffizienten achten. Er gibt Auskunft über den Wärmestrom, der durch das jeweilige Bauteil von der warmen zur kalten Seite fließt. Je kleiner der k-Wert, desto besser ist der Wärmeschutz. Durch gute Dämmung mit schadstofffreien Naturmaterialien können Heizenergieverbrauch und Schadstoffausstoß auf einen Bruchteil der üblichen Werte gesenkt werden. Die Werte der noch geltenden Wärmeschutzverordnung von 1995 werden in der Regel beim Holzbau weit unterschritten, und auch der wesentlich schärferen neuen Energiesparverordnung (ab 1. Januar 2002) kann er getrost entgegen blicken.


Holzschutz: Vorbeugen ist besser als streichen

Durch konstruktiven Holzschutz lässt sich die Lebensdauer eines Gebäudes enorm erhöhen. Dachüberstände müssen die Fassade vor Schlagregen schützen, Unterlüftungen sorgen für schnelle Abtrocknung. Tropfnasen, Abtropfkanten, Sperrschichten oder überdachte Haustüren dienen ebenfalls dem konstruktiven Holzschutz. Horizontale Oberflächen müssen abgeschrägt oder abgedeckt werden.

Voraussetzung für Bauholz ist, dass es gut ausgetrocknet ist, also nicht frisch geschlagen und dadurch feucht und anfällig. Hölzer für das Dach oder die Stützen sollten nicht mehr als 18 Prozent Feuchte haben. Für den Innenausbau sind bei naturbelassenen Hölzern unter 10 Prozent empfehlenswert. Dann haben weder Pilze (benötigen 20 bis 25 Prozent) noch Insekten (brauchen 9 bis 12 Prozent) eine Lebensgrundlage. Wichtig ist, dass Hölzer in der Winterzeit während einer Frostperiode geschlagen wurden. Wenn das Holz dagegen noch im Saft steht, verliert es seine Widerstandsfähigkeit, neigt zu Rissbildungen und Verformungen und ist anfälliger für Schädlinge. Für den Innenausbau kommt nur vollkommen entrindetes Holz in Frage, da die meisten Holzkäfer direkt unter der Rinde sitzen. Dachböden sollte man an sämtlichen Öffnungen mit Fliegengittern schützen und schlecht belüftete, dunkle Ecken regelmäßig kontrollieren.

Unbehandeltes, offenporiges Holz hat keimtötende Eigenschaften. Versuche zeigten, dass Bakterien nach wenigen Minuten vollständig absorbiert werden. Wenn Hölzer mit Chemiefarben oder ungeeigneten Holzschutzmitteln gestrichen werden, verstopfen die Luftporen und die natürliche Aufnahmefähigkeit wird teils oder ganz vernichtet. Giftstoffe werden von der Holzoberfläche langfristig wieder an die Raumluft abgegeben. In einem neuen Haus oder einer frisch renovierten Wohnung kann es bis zu 70.000 chemische Verbindungen geben. Hochgiftige Löse- und Bindemittel entweichen aus Farben, Lacken und Klebern Manche Holzschutzmittel enthalten Schwermetalle wie Cadmium oder Blei. Sie führen zu schwersten Krankheiten; ebenso ausdampfende Zusätze wie Lindan oder Pentachlorphenol (PCP). Die Interessengemeinschaft der Holzschutzmittelgeschädigten hat eine Liste herausgegeben, welche Holzschutzmittel PCP oder Lindan enthalten.

Zum Anstrich im Außenbereich eignen sich relativ unbedenkliche Borsalzimprägnierungen - frei von Schwermetallen und Chlorchemie - mit einer Klarlackschicht auf Naturharzbasis als Schutz vor Auswaschungen. Auch Holzessig oder Holzteer (durch Holzerhitzung erzeugt) sind Naturprodukte. Eine umweltfreundliche Alternative für Großflächen ist eine Heißluftbehandlung, die aber nur ein Fachbetrieb ausführen sollte. Das ist zwar teuer, aber immer noch günstiger als der Abriss eines fauligen Dachstuhls.


Fenster, Tür und Decke: Ein bisschen Schwund ist immer...

"Es ist kein Holz, aus dem sich alles schnitzen lässt". Das gilt für den Hausbau ganz besonders. Beim Konstruktionsholz kommt es vor allem auf die Festigkeit und Tragfähigkeit an. Für Böden sollte man strapazierfähiges Hartholz nehmen, für Deckenverkleidungen besser Weichholz. Einheimische Weichhölzer sind Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche, Weide oder Linde. Harthölzer sind Rotbuche, Ulme, Eiche, Ahorn und Nussbaum. Als Konstruktionshölzer eignen sich Fichte, Tanne, Kiefer und Douglasie. Sie haben wenig Schwund und sind fast witterungsunempfindlich. Die schwere, feuchtigkeitsbeständige Eiche ist ebenfalls gut geeignet, aber für Hausbauzwecke recht teuer. Sie wird vorwiegend im Schiffsbau und für Eisenbahnschwellen verwendet.

Bei Holzverkleidungen in Wohnräumen (Decken, Wände, Dachschrägen) sollte man nur unbehandeltes Massivholz verwenden, keine vorbehandelten Paneelen oder Bretter. Holz trocknet nach dem Einbau immer noch nach. Für Verkleidungen wurden darum Profile entwickelt, bei denen Schattennuten entstehende Ritzen weniger auffallen lassen. Holz im Innenraum braucht grundsätzlich keine Holzschutzmittel.

Für Fensterrahmen ist Holz allen anderen Materialien wärmetechnisch überlegen. Es braucht circa alle fünf Jahre einen neuen Schutzanstrich. Neben der Trockenheit des Holzes ist es wichtig, dass die Eckverbindungen des Flügels dauerhaft sind. Die Fuge zwischen Fensterflügel und Verglasung muss absolut dicht gegen Wasser und Wind sein. Dichtstoffe auf der Basis von Ethylen-Propylen-Polymerkautschuk sind eine umweltfreundliche Alternative zu Silikonen. Vor Durchfeuchtungen sollte das Fenster konstruktiv geschützt werden.

Bei Türen ist massives Holz empfehlenswert. Statt teurem Tropenholz tun es Fichte, Tanne und Eiche ebenso gut. Holzschutz ist überflüssig, wenn die Tür durch ein Vordach vor Witterungseinflüssen geschützt ist. Bei Innentüren kann man teures Massivholz sparen, in dem man für Kassettenfüllungen Holzfaserstoffe einsetzt mit einer Deckschicht aus Linoleum. Es ist ökologisch gut verträglich, da es aus natürlichen Materialien besteht. Glatte Türen mit Weichholzrahmen, Pappmittellagen und dünner Furnierung halten nicht lange.


Parkett und Laminat: Heimelige Fußböden

Holzfußböden sind fußwarm, elastisch, wirken heimelig, fühlen sich gut an und laden sich kaum elektrostatisch auf. Die Auswahl reicht von massiven Dielenbrettern und Edelparkett bis zu mehrschichtigen Fertigparketten, bei denen nur die oberste Schicht massiv ist.

Naturholzböden lassen sich mit natürlichen Ölen und Wachsen leicht pflegen. Wichtig gegen Fugenbildung (das Holz arbeitet ja) bei Dielen ist, dass sie bei der Verlegung nicht mehr als zwölf Prozent Feuchte haben. Sie werden auf eine Unterkonstruktion aus Lagerhölzern genagelt.

Echte Parkette bestehen aus massiven Hartholzstäben, etwa Eiche, Buche, Kirsche oder Ahorn. Sie sind ringsum genutet und mit Federn verbunden zu Fischgrät-, Würfel- oder Schiffsbodenmustern. Parkette werden auf einen hölzernen Unterboden genagelt, plan geschliffen und je nach Holzart mit Öl oder Wachs behandelt. Massives Parkett ist bis zu zehn mal abschleifbar. Sie gelten als haltbarste Holzböden, je nach Dicke weit über 100 Jahre. Fertigparkette müssen an der Oberseite eine mindestens zwei Millimeter dicke Nutzschicht aus Echtholz haben. Darunter findet man kreuzweise verleimtes Holz oder Spanplatten. Bestehen die Schichten aus unterschiedlichen Holzarten oder Materialien, kann der Boden durch unterschiedliches Schwund- und Quellverhalten reißen. Erst ab einer Deckschicht von vier Millimetern ist Fertigparkett ein- bis zweimal abschleifbar.

Laminat als preiswerter Parkettersatz besteht nur im Unterbau aus Holzwerkstoffen, die Oberfläche ist bedrucktes Papier mit Kunststoffversiegelung. Da lässt sich natürlich nichts abschleifen, wenn sich Kratzspuren oder Abdrücke eingezeichnet haben. Wer eine ökologische und preiswerte Alternative zu Holzböden sucht, ist mit unversiegeltem Linoleum besser bedient. Es besteht aus Kork- und Holzmehl, das mit einer Mischung aus Leinöl und Kolophinum (Linoleumzement) auf einem Träger aus Jute gebunden wird. Zur Färbung dienen Kreide und Pigmente.


Ökologische Produktion: Kein Brett ohne Siegel

Holz als Baustoff ist nur dann ökologisch wertvoll, wenn zu seiner Gewinnung die Kriterien nachhaltiger Forstwirtschaft eingehalten werden. Als nachwachsender Rohstoff steht Holz zwar praktisch immer zur Verfügung, aber nur solange nur soviel abgeholzt wie auch wieder angepflanzt wird.

Ökologische Waldwirtschaft sollte sich am Maßnahmenkatalog des auch vom NABU unterstützten Weltforstrats "Forest Stewardship Council" (FSC) orientieren. Raubbau an Tropenwäldern und Kahlschlag in den Wäldern Nord- und Osteuropas führten bei vielen Verbrauchern zum Abnahmeboykott. Das stärkte in den letzten Jahren den Absatz heimischer Hölzer und reduziert den Energieverbrauch für Transporte.

Holz speichert Kohlendioxid und verhält sich bei der Auflösung kohlendioxid-neutral. Bei der Zersetzung oder Verbrennung wird nämlich nur genau soviel Kohlendioxid frei, wie das Holz vorher aufgenommen hatte. Wer ökologisch bauen will, muss auch an die Entsorgung der Baustoffe denken. Jedes Holzprodukt verbessert als Kohlendioxidspeicher die Atmosphäre. In Hauswänden, Dachstühlen, Böden, oder Wandverkleidungen aus Holz setzt sich dieser Speichereffekt fort.

Aber woran erkennt man als Laie, ob Hölzer ökologisch verarbeitet wurden? Die vielen Zertifikate geben kaum Orientierungshilfe, eher sieht man oft vor Bäumen den Wald nicht mehr. Wie eine Untersuchung der Zeitschrift "Öko Haus" ergab, hat der Kunde praktisch keine Chance zu beurteilen, was ein Gütesiegel taugt. Bisher gibt eigentlich nur das Siegel des FSC verlässliche Auskunft. Das "Paneuropäisches Forstzertifikat" (PEFC) - seit kurzem als FSC-Konkurrenzsiegel auf dem Markt - macht darin keine Ausnahme. Es verwässert sich durch zahlreiche Ausnahmeregelungen. So sind Kahlschläge darin zwar prinzipiell verboten, aus Gründen der "wirtschaftlichen Situation" aber wieder erlaubt. Hinter dem Siegel stehen zahlreiche europäischen Waldbesitzerverbände.

Auch was die Verwendung von Ökosiegeln für Holzschutzmittel betrifft, fühlt man sich eher auf dem Holzweg. Zu unterschiedlich sind die Philosophien über erlaubte Schadstoffmengen. Aus den Vergaberichtlinien für den "Blauen Engel" zum Beispiel wird man kaum schlau - eine fachchinesische Ansammlung von Kürzeln und Querverweisen auf EG-Kategorien. Auch bei Holzwerkstoffen wird der Kunde oft geleimt. Wenn zum Beispiel das Siegel "formaldehydfrei" auf einer Spanplatte klebt, aber stattdessen klammheimlich mit dem mindestens ebenso gesundheitsschädlichen Polyurethan gebunden wurde.


Buchtipps

-Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände: Fertighäuser in Holzbauweise. Planung, Bau, Kosten, Vertrag. - 320 Seiten. 25 Mark. ISBN 3-88835-108-1. Tel. 02 28-64 89-0, Fax 02 28-64 42 58.

- Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände: Wärmedämmung. Vom Keller bis zum Dach. - 149 Seiten. 14 Mark. ISBN 3-88835-118-9. Innen- und Außendämmung mit Naturmaterialien.

- Manfred Fritsch: Handbuch gesundes Bauen und Wohnen. Von Asbest bis Zentralheizung. -384 Seiten. 24,90 Mark. ISBN 3-423-36010-0. Über 200 Stichwörter von A-Z zum Thema gesundes Bauen und Wohnen.

- Bernd Grützmacher: Niedrigenergie-Häuser aus Holz. Natürlich bauen - Allergiefrei wohnen - Kosten senken.- 159 Seiten. 89,90 Mark. ISBN 3-7667-1304-3. Montageanleitung für Selberbauer.

Sabine Kampmann: Preiswert bauen mit Holz. 33 kostengünstige moderne Einfamilienhäuser. - 160 Seiten. 89,90 Mark. ISBN 3-7667-1491-0. Erscheint im September 2001 im Callwey-Verlag.

- Holger König: Wege zum gesunden Bauen. Wohnphysiologie, Baustoffe, Baukonstruktionen, Normen und Preise. - 261 Seiten. 49,80 Mark. ISBN: 3-922964-16-8. Praktische Tipps mit Schwerpunkt Baustoffe.

- Landesinstitut für Bauwesen des Landes NRW: Neue Holzbauweisen. - Ratgeber 10. Aachen 1997. 43 Seiten. Tel. 02 41-4 55 01, Fax 02 41-45 52 21.

- Öko-Test: Lebensräume. Der große Ratgeber für ökologisches Bauen und Wohnen.- 479 Seiten. 39,90 Mark. ISBN 3-89508-042-X.

- Öko Test: Häuser. 100 Niedrig-Energie-Häuser im Vergleich. - Sonderheft. Nr. 31. 12,80 Mark. Zeitschrift zu bestellen beim Öko-Test-Leserservice, Tel. 0 18 05-39 39 33, Fax 0 18 05-39 39 34, oekotest@interabo.de.


Adressen

- Interessengemeinschaft der Holzschutzmittelgeschädigten, Unterstaat 14, 51766 Engelskirchen, Tel. 0 22 63-90 14 22.

- Ökologische Bau- und Wohnberatung, Bundesverband Gesundes Bauen und Wohnen. Postfach 15 43, 38005 Braunschweig. Tel. 05 31-35 28 51.

- Ökologische Verbraucherberatung des Öko-Test-Verlags, Tel. 069-9 77 77-119, verbraucherberatung@oekotest.de.

- Bundesverband Deutscher Fertigbau, Flutgraben 2, 53604 Bad Honnef. Tel. 0 22 24-93 77 77.

- ÖkoPlus, Fachhandelsverband für Ökologie und Bautechnik, Dessauer Straße 1a, 76139 Karlsruhe, Tel. 07 21-9 68 32 02.

- Hersteller und Anbieter von Holzhäusern siehe unter Links.


Naturschutz heute, Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001


Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de.

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