Naturschutz heute – Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001


Editorial
Eine einmalige Chance

Als der Bundestag im letzten Jahr das so genannte Vermögensrechts-Ergänzungsgesetz verabschiedete, fanden das die meisten Zeitungen kaum eine Meldung wert. Doch für den NABU ist es der größte Erfolg der letzten zehn Jahre, vielleicht sogar der ganzen Verbandsgeschichte: Hinter dem bürokratischen Namen verbirgt sich nicht weniger als die Rettung großer Teile des ostdeutschen Naturerbes. Auch dank beharrlicher Intervention des NABU wurden 100.000 Hektar Schutzgebietsflächen vor dem Verkauf an private Interessenten bewahrt.

Das ist wichtig, weil Naturschutzgebieten und Nationalparkflächen in privater Hand trotz Schutzstatus erhebliche Gefahren drohen. So wurden zum Beispiel in der Region des Müritz-Nationalparks nach der Privatisierung einer Waldfläche vom neuen Eigentümer zahlreiche Jagdkanzeln errichtet und dabei die Schutzzone um den Seeadlerhorst missachtet. In einem brandenburgischen Naturschutzgebiet schlug man kurz nach der Privatisierung Buchen mit schweren Rücke-Maschinen ein - mit massiven Schäden für die Bodenvegetation. Und erst vor kurzem hat ein anderer frischgebackener Waldbesitzer Klage gegen eine Schutzgebietsverordnung eingereicht, die ihm das Anpflanzen nichtheimischer Baumarten untersagt. Die Aufzählung ließe sich beliebig weiterführen.

Leider wird die öffentliche Hand die 100.000 Hektar nicht komplett übernehmen, denn die für den Naturschutz zuständigen Bundesländer scheuen die Kosten. Der NABU hat sich bereit erklärt, mit seiner NABU-Stiftung Nationales Naturerbe rund 5000 Hektar zu erwerben. Diese Flächen verschenkt Vater Staat zwar, aber alleine die Grundbuch- und andere Erwerbsnebenkosten summieren sich auf stolze 300.000 Mark. Keine kleine Aufgabe also. Wenn ich aber sehe, dass wir hier mit etwa einem halben Pfennig pro Quadratmeter wertvolle Naturparadiese am Stechlinsee, in der Havelniederung oder am Nationalpark Unteres Odertal sichern können, dann müssen wir uns jetzt unserer Verantwortung stellen.

Dass dies schon lange gute und erfolgreiche NABU-Tradition ist, zeigen die Ergebnisse der ersten bundesweiten NABU-Schutzgebietsinventur: Rund 5000 Gebiete mit einer Gesamtfläche von über 200.000 Hektar betreuen die NABU-Gruppen vor Ort. Kompetente Naturschutzarbeit ist Grundstein aller anderen NABU-Aktivitäten. Umweltpolitische Lobbyarbeit ist vor diesem Hintergrund viel glaubwürdiger als aus einer bloßen Spendensammelzentrale heraus. Diese Stärke unseres Verbandes gilt es weiter auszubauen. Halten wir dem Staat den Spiegel vor und geben wir ihm ein Beispiel für den konsequenten Schutz von Natur in unserer Hand.


Christian Unselt, Vizepräsident des NABU


Naturschutz heute, Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001


Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de.

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