Naturschutz heute – Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001


Auslandsmeldungen

Agrar-Subventionen: Umweltfolgen des Ölivenanbaus * Schneeleopard: Happy End im Wildpark Lüneburger Heide * Ungarn: Naturschutzprojekt mit Unterstützung des NABU * Tour nach Cornwall: 1000 Meilen auf dem Rad * Links


Alter Olivenbaum auf der griechischen Insel Samos.Agrar-Subventionen: Umweltfolgen des Olivenanbaus

Das bekömmliche Olivenöl wird auch in den nördlichen Ländern immer beliebter. Doch in den Anbaugebieten rund um das Mittelmeer führt der Boom zur großflächigen Naturzerstörung, zu Bodenerosion und Wüstenbildung. Statt romantischer Olivenhaine prägen zunehmend gigantische Monokulturen die Landschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie des WWF und des NABU-Dachverbandes BirdLife International. "Extensiv genutzte Olivenhaine sind unter anderem unersetzliche Winterlebensräume zahlreicher mittel- und nordeuropäischer Zugvögel", betonte Miguel Navesco, Leiter des BirdLife-Europabüros, bei der Vorstellung der Studie.

Schuld an der Misere ist die einseitige Förderpolitik der Europäischen Union. Vier Fünftel des weltweit erzeugten Olivenöls stammen aus Italien, Spanien, Portugal und Griechenland. Brüssel subventioniert den Olivenanbau mit jährlich fünf Milliarden Mark - und zwar so, dass der Bauer, der viel erzeugt, auch viel Subventionen erhält. Daher setzen die Landwirte auf intensive Massenproduktion von Oliven, die zu Umweltproblemen und einer ständigen Vergrößerung der Anbaugebiete führt.

Alleine in den Olivenplantagen im spanischen Andalusien gehen jährlich bis zu 80 Millionen Tonnen Mutterboden verloren. Mehr und mehr natürliche Lebensräume und alte Haine werden zugunsten der Monokulturen gerodet. BirdLife International und der WWF haben deshalb die EU-Agrarminister aufgerufen, endlich die verheerende Subventionspolitik zu ändern und statt dessen rein flächengebunden zu fördern. Olivenbauern, die umweltfreundlich wirtschaften, müssten belohnt werden. Doch die Politiker folgten nicht. Nur einen Tag nach Vorlage der Studie beschlossen sie, die bisherige Subventionspraxis um weitere drei Jahre zu verlängern. Die Zerstörung geht weiter. (elg)

PDF-Download der Studie (550 KB)...


Happy End im Wildpark Lüneburger Heide: Die Ende letzten Jahres von der NABU-Wildhütergruppe in Kirgisistan gerettete junge Schneeleopardin wurde von dem im Wildpark lebenden erwachsenen Leopardenpaar vollständig als Familienmitglied angenommen. Der kirgisische Botschafter Apas Dschumagulov hat die Kleine nun auf den Namen "Dshamilja" getauft. Die NABU-Jury entschied sich aus über 2500 Einsendungen für den Namen der Titelheldin des berühmten Buches des kirgisischen Schriftstellers Tschingis Aitmatov. "Louis Aragon nannte ‚Dshamilja' die schönste Liebesgeschichte der Welt - wir konnten keinen besseren Namen für unsere Schneeleopardin finden", findet NABU-Projektleiterin Birga Dexel. Mehr zum Schneeleoparden-Projekt... (Foto: Dirk Heckmann)


Ungarn: Naturschutzprojekt mit Unterstützung des NABU

Die Verhandlungen der Europäischen Union zur Osterweiterung laufen auf Hochtouren und es ist nur eine Frage der Zeit, dass neben anderen mittel- und osteuropäischen Ländern auch Ungarn Mitglied der EU wird. Um den Erweiterungsprozess im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes zu begleiten, hat BirdLife International mit der landesweit aktiven Naturschutzorganisation MME ein Projekt zur nachhaltigen Entwicklung der Region Tápió- vidék südöstlich Budapest gestartet. In einem Umkreis von nur 30 bis 40 Kilometern finden sich dort hohe Sanddünen, ausgedehnte Niedermoore, mächtige Lössrücken von bis zu 70 Metern Höhe und Salzböden mit jeweils typischen Pflanzen- und Tierarten.

Der NABU unterstützt das Projekt mit seinen Erfahrungen in Sachen EU-Agrarpolitik und im Rahmen einer bereits seit 1992 bestehenden Partnerschaft zwischen dem Landkreis Ludwigsburg und der Region Pest. Bei den Bemühungen um ein für Ungarn vorbildliches Naturschutzvorhaben geht es vor allem um die Erarbeitung einer neuen wirtschaftlichen Perspektive für die Region und ihre Bevölkerung. So ist an die Errichtung eines Naturschutzzentrums gedacht, das als Anlaufstelle für Naturliebhaber und Wissenschaftler dienen könnte. Zu den Standortvorteilen gehört neben der Schönheit und Einzigartigkeit der Landschaft eine gute Eisenbahnanbindung von Nagykata, der größten Stadt der Region, an den Ballungsraum Budapest. (wei)


Tour nach Cornwall: 1000 Meilen auf dem Rad

Am 7. Juni ging es in Oldenburg los, am 1. Juli war das große Ziel Land's End an der Westspitze Cornwalls erreicht. Rund 1600 Kilometer haben 14 Radlerinnen und Radler in 100 und einer halben Stunde reiner Fahrtzeit zurückgelegt, um unter dem Motto "Wir hecken was aus - die Tour für Hecken" für die blühenden Lebensadern unserer Landschaften zu werben. Die 20 Etappen wurden bei meist gutem Wetter absolviert, selbst der britische Linksverkehr sorgte für keine größeren Probleme. So gab es die erste Panne erst nach 971 Kilometern und der Tourjüngste Henrik, süße sechs Monate alt, bekam auf einer der letzten Etappen seinen zweiten Zahn und wuchs aus einem Teil der mitgenommenen Wäsche hinaus.

Ziel des Gemeinschaftsunternehmens von NABU Niedersachsen und dem britischen Cornwall Wildlife Trust war es, auf die immense ökologische Bedeutung von Wildsträucherhecken aufmerksam zu machen sowie Spenden für die Pflege und Anlage neuer Hecken in Niedersachsen und Cornwall einzusammeln. Mit Erfolg: Bis Ende Juni waren beinahe 30.000 Mark zusammen. "Wir freuen uns jetzt schon darauf, im Herbst neue Hecken pflanzen zu können und bestehende zu pflegen", sagte Tour-Initiator Rüdiger Wohlers, Bezirksgeschäftsführer des NABU Oldenburg. Nähere Informationen zur NABU-Heckentour oder auch darüber, wie man die Initiative zum Beispiel durch den Kauf einer "Heckenaktie" unterstützen kann, gibt es beim NABU Oldenburg, Tel. 0441-25600, mail@NABU-oldenburg.de. (bep)


Naturschutz heute, Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001


Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de.

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