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Naturschutz
in NRW Ausgabe 3/00 vom 28. Juli 2000
Qualitätshonig
von Bio-Bienen
Zu Besuch bei Bioland-Imker Achim Zorn
von tk-script
Einen gut geschützten
Platz hat Bioland-Imker Achim Zorn für seine Bienenvölker gefunden.
Holunderbüsche schirmen die großen Holzkästen gegen Regen
und Wind ab, spenden bei sonnigem Wetter kühlen Schatten. Blühende
Kirsch- und Birnbäume auf der angrenzenden Streuobstwiese liefern
Nektar und Pollen für die drei Bienenvölker, die hier zuhause
sind.
Vor den Flugöffnungen der Bienenstöcke herrscht ein reges Kommen
und Gehen, schwirren die Arbeiterinnen. Die Bienen bleiben völlig
unbeeindruckt, als sich der Imker nähert. Behutsam öffnet er
den Deckel des Bienenstocks, zieht einen Holzrahmen heraus. In dem Rahmen
hängt eine Wabe - über und über mit Bienen bedeckt. Die
lassen sich bei ihrer Arbeit nicht stören. Der Imker wirft einen
prüfenden Blick auf die Wabe, sie scheint etwa zur Hälfte mit
Honig gefüllt zu sein.
"Die Bienen sind heute - durch gezielte Zucht - so friedlich, dass
man normalerweise auf Rauch oder eine spezielle Schutzkleidung verzichten
kann", erklärt Achim Zorn. Der 35-Jährige nennt mittlerweile
50 Völker sein eigen. Sein Ziel ist es, langfristig von der Imkerei
zu leben, dazu braucht man - so schätzt er - mindestens 200 Völker.
Seine Imkerei wächst langsam, aber sicher. Schließlich kann
er sich nicht ausschließlich um die Pflege seiner Bienenvölker
kümmern, er muss auch Vermarktungswege für Honig und Wachs aufbauen.
Bislang verkauft er seinen Honig vor allem über Naturkostgeschäfte
und Hofläden in der Nachbarschaft.
Problem Varoa-Milbe
Honig gilt ohnehin schon als ein besonders gesundes, hochwertiges und
natürliches Nahrungsmittel. Welche Qualitäten zeichnen dann
noch einen Bio-Honig aus? Seit 1994 gibt es Richtlinien für die Bioland-Bienenhaltung,
ab August 2000 europaweite Richtlinien für die Bio-Imker. "Diese
Vorschriften betreffen vor allem die Bekämpfung von Parasiten und
die Herkunft und Qualität des in den Bienenstöcken verwendeten
Wachses," sagt Achim Zorn. Größter Feind der Bienen ist
die Varoa-Milbe. Diese verbreitete sich von Südostasien aus bis nach
Europa. Wird ein Bienenvolk von der Milbe befallen, endet dies für
das Volk tödlich. Deshalb müssen Imker ihre Völker jährlich
einmal gegen die Parasiten behandeln. Reste der Medikamente können
sich aber im Bienenwachs anreichern und gelangen von dort aus in den Honig.
Bei verschiedenen Untersuchungen waren zwischen 40 und 75 Prozent der
geprüften Honige medikamentenbelastet.
Auch Bioland-Imker müssen ihre Bienen gegen die Parasiten schützen.
Dazu verwenden sie aber nur einfache organische Säuren wie Ameisensäure
oder Milchsäure, die sich nicht im Bienenwachs ablagern können.
Außerdem schreiben die Bioland-Richtlinien vor, dass das Wachs der
Waben regelmäßig aus den Stöcken entfernt wird, so können
sich dort keine Stoffe anreichern. Die Bienen müssen dann neues,
unbelastetes Wachs herstellen. In der Zeit produzieren sie allerdings
weniger Honig, der Ertrag sinkt. Ein Grund dafür, weshalb Bio-Honig
etwas teurer sein muss als konventionelle Ware.
Wenn Bienen Pflanzen
plündern
Bienen spielen im Gefüge der Natur eine wichtige Rolle. Bei der Suche
nach Nektar und Pollen bestäuben sie ganz nebenbei die Blüten
vieler heimischer Pflanzen. Deshalb sind die Imker mit ihren Völkern
gern gesehene Gäste auf Streuobstwiesen, in Obstplantagen oder Gärtnereien.
Honigbienen sind besonders fleißige und effektive Bestäuber.
Anders als Schmetterlinge oder Hummeln stillen sie nicht bloß ihren
Hunger, sie legen auch einen Wintervorrat an. Außerdem sind sie
blütenstet, das heißt: Auf ihrem Sammelflug besucht jede Biene
zuverlässig immer nur eine bestimmte Blütenart, bis diese Quelle
erschöpft ist. Auch wenn der Löwenzahn auf der Wiese noch so
verlockend erscheint, wenn die Arbeiterin gerade auf einem Birnbaum sammelt,
lässt sie sich nicht beirren. Dies ist natürlich besonders für
Kulturpflanzen von wirtschaftlichem Interesse, denn eine effektive Befruchtung
ist die Grundvoraussetzung einer reichen Ernte. Untersuchungen an Erdbeeren
haben gezeigt, dass Größe und Gewicht der Frucht zunehmen,
je häufiger sie von bestäubenden Insekten besucht werden.
Der Honig schmeckt
wie die Landschaft
Mit kaum einem Lebensmittel lässt sich das NABU-Kampagnenmotto "Landschaft
schmeckt!" besser verbinden als mit Honig. Denn mit Raps-, Tannen-,
Heide- oder Lindenhonig kommt auch immer ein Hauch blühender Landschaften
auf den Frühstückstisch. Und das wissen gerade die Deutschen
zu schätzen. Sie verzehren etwa ein Drittel des weltweit gehandelten
Honigs und sind damit Weltmeister im Honigschlecken. Mit dem Slogan "Naturschutz
mit dem Einkaufskorb" ruft der NABU die Verbraucher zum Einkauf von
Lebensmitteln aus ökologischer Erzeugung und regionaler Herkunft
auf. Im Falle des Honigs geht es dabei nicht nur um die Vermeidung unnötiger
Transporte. Nur wer Honig aus der Region kauft, unterstützt die hiesigen
Imker, deren Bienenvölker durch die Bestäubung der Blüten
einen unverzichtbaren Beitrag zum Naturschutz und zur Land- und Forstwirtschaft
leisten.
Naturschutz in
NRW, Ausgabe
3/00 vom 28. Juli 2000 * Inhaltsverzeichnis
Naturschutz
in NRW ist ein Regionalteil von Naturschutz
heute, dem Mitgliedermagazin des Naturschutzbundes Deutschland
(NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de,
zum Landesverband Nordrhein-Westfalen unter www.NABU-NRW.de.
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