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Naturschutz
heute Ausgabe 2/99 vom 2. Mai 1999
Goldauge
Die nützliche
Florfliege ist "Insekt des Jahres 1999".
von Ulrike Ziskoven
Insektenkundler
im NABU
Den "Vogel des
Jahres" wählt der NABU bereits seit fast dreißig Jahren.
Nun ist unter NABU-Beteiligung mit der Grünen Florfliege erstmals
auch ein "Insekt des Jahres" gekürt worden. Das auch "Goldauge"
oder - wegen der enormen Gefräßigkeit ihrer Larven - "Blattlauslöwe"
genannte zierliche Insekt ist eine von weltweit 1200 Florfliegenarten.
Als nützliches
Insekt ist die Grüne Florfliege sicher weniger bekannt als Honigbiene
oder Hummel. Dabei spielt sie als Blattlaus- und Milbenvertilgerin eine
große Rolle. Vor allem Gärtner und Obstbauern setzen sie in
Gewächshäusern, im Garten oder an Zimmerpflanzen gezielt ein.
So dient die Florfliege besonders dem Umweltschutz. Man kann sie auch
in Nützlingszuchtbetrieben kaufen.
Florfliegen
jagen in der Dämmerung. Dabei helfen ihnen aber nicht die schönen,
goldschimmernden Komplexaugen, denen sie ihren Beinamen verdanken, sondern
ihre langen, feinen Fühler. Das ertastete Opfer wird zerkaut und
dann verschlungen. Dabei sieht sie man der Florfliege ihren großen
Appetit nicht an. Im Gegenteil, sie ist die Elfe unter den Insekten: Die
filigranen, durchsichtigen Flügel, dachförmig über dem
grünen Hinterleib zusammenlegt, wirken mit der feinen Äderung
wie hauchzartes Flor. Sie gehört zu den Netzflüglern, ist ein
bis zwei Zentimeter groß, mit ebenso langen Fühlern. An Sommerabenden
gelangt die Florfliege oft versehentlich in Wohnungen, durch Licht magisch
angezogen. Da sie Kühle liebt, sollte man das Insekt vorsichtig wieder
ins Freie leiten. Im Winter sucht die Florfliege Ruheplätze auf Dachböden,
in Garagen oder hinter Gardinen. Draußen bevorzugt sie dann Laubhaufen,
Wälder oder Baumrinden. Zuviel Kälte verträgt sie allerdings
nicht und so liegt ihre Überlebenschancen im Winter bestenfalls bei
50 Prozent.
Die Florfliege
legt zweimal im Jahr Eier, einmal von Mai bis Juli, dann noch einmal im
August. Dabei produziert das Weibchen eine Art Ei am Stiel. Dazu tippt
es mit der Hinterleibsspitze auf dünne Pflanzenstiele oder Blätter
und gibt einen Tropfen schnelltrocknenden Sekrets ab. Diesen "Sekundenkleber"
zieht die Florfliege durch Aufwärtskrümmen des Hinterleibs zu
einem fünf bis sechs Millimeter langen Stil hoch, auf den das ovale
Ei aufgesetzt wird. Bis zu 700 Eier kann ein Weibchen im Laufe seines
Lebens legen.
Je nach Temperatur
und Luftfeuchtigkeit sprengen die Larven die Eihülle nach vier bis
zwanzig Tagen. Sie sehen mit ihren flügellosen, borstigen Körpern
wie Miniraupen aus. Mit langen Saugzangen saugen sie ihre Beute aus. Die
gefräßigen Larven verspeisen in ihrer bis zu dreiwöchigen
Entwicklung um die 500 Blattläuse und über 12.000 Milbeneier.
Dann spinnt die Larve einen erbsengroßen Seidenkokon zur Verpuppung.
Nach drei Wochen schlüpft die fertige Florfliege.
Von den zwei
Generationen, die eine Florfliege jedes Jahr hervorbringt, überwintert
nur die spätgeborene, die erste stirbt im Juli. Überlebt die
Florfliege den Winter, kann sie acht Monate alt werden. Wer die empfindlichen
Tierchen unterstützen möchte, sollte im Nutzgarten einen angemessen
Anteil von Laubgehölzen und Blütenpflanzen belassen und auf
chemischen Pflanzenschutzmittel möglichst verzichten. Schweizer Wissenschaftler
fanden übrigens heraus, dass genmanipulierte Pflanzen mit "eingebautem"
Insektizid über die Nahrungskette Florfliegen zu 75 Prozent töten,
bei Gabe von reinem Gift im Laborversuch nur zu 30 Prozent. Das Massensterben
hat jedenfalls spürbare Nachteile für den Menschen, da ja dann
entsprechend weniger Nachkommen als Blattlausvertilger ausschwirren können.
Insektenkundler
im NABU
Die Insektenkundler
(Entomologen) des NABU beschäftigen sich mit der artenreichsten Organismengruppe
der Erde. Dabei versteht sich der Bundesfachausschuss Entomologie als
Bindeglied zwischen Fachwissenschaftlern und dem praktischen Naturschutz.
In Veröffentlichungen und auf Fachtagungen wird über aktuelle
Probleme informiert. Neben politischer Arbeit - etwa der Zuarbeit zum
Bundesnaturschutzgesetz - sind die NABU-Entomologen auch an der Aufstellung
regionaler und bundesweiter Check- und Roter Listen beteiligt. So kann
politischer Einfluss auf geplante Eingriffe in die Natur genommen werden.
Insektenfreunde, die sich für eine Mitarbeit in diesem NABU-Fachausschuss
interessieren, können jederzeit einsteigen.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Gerd Müller-Motzfeld, Ernst-Moritz-Arndt-Universität,
Johann-Sebastian-Bach-Straße 11/12, 17489 Greifswald, Tel. 03834-864272.
Naturschutz heute,
Ausgabe 2/99 vom 7. Mai 1999
Inhaltsverzeichnis Ausgabe
2/99
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heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes
Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten
unter www.NABU.de.
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