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Naturschutz
heute Ausgabe 2/99 vom 7. Mai 1999
Auslandsmeldungen
Cornwall:
Land der Hecken und Steilküsten * Zugvogelschutz: Unterschriften
gegen Jagdgesetz * Kasachstan: Schutz für Tengis
und Kaspisches Meer * Storchentragödie: Bruchlandung
der Ausgehungerten * Öko-Reisen
Regionalpartnerschaft:
Land der Hecken und Steilküsten
Bereist
seit 1995 arbeitet der NABU Niedersachsen eng mit den Naturschützern des
südwest-englischen Cornwall Wildlife Trust (CWT) zusammen. Im März dieses
Jahres wurde daraus eine offiziell besiegelte Regionalpartnerschaft.
Ursprünglich
durch persönliche Kontakte entstanden, nahm die Partnerschaft einen schnellen
Aufschwung. So lernten Mitarbeiter des NABU-Zentrums Dammer Berge in Cornwall
den dortigen Weg der Schutzgebietsbetreuung kennen und lieferte der CWT
gute Verkaufsideen für Naturschutzläden, die sich der NABU zu eigen machte.
Regelmäßig tauschen beide Partner sich in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
aus und künftig sollen auch Kinder- und Jugendgruppen eingebunden werden.
In der Politik wollen NABU und CWT einen gemeinsamen Vorstoß zur Verbesserung
der Schiffssicherheit auf EU-Ebene unternehmen. Die cornischen Naturschützer
kennen das Problem nur zu genau, wurden ihre Felsküsten doch bereits mehrfach
Opfer folgenschwerer Tankerunfälle.
Seinen besonderen
Reiz bezieht Cornwall neben den wilden Küsten vor allem aus den unzähligen
kilometerlangen Feldhecken, die in ihrer Vielfalt und ihrem Artenreichtum
einmalig sind. Dementsprechend groß ist die Nachfrage für Naturreisen:
Die Fahrten von NABU-Reisegruppen in den äußersten Westzipfel Großbritanniens
sind bereist auf Monate hinaus ausgebucht. Der NABU Niedersachsen wird
seine Angebote in diesem Bereich deshalb stark ausbauen.
Wer Lust verspürt,
durch Heckenlandschaften und über Steilküsten zu wandern und die Arbeit
des Cornwall Wildlife Trust kennen zu lernen, erhält gegen Einsendung
von fünf Mark in Briefmarken ausführliche Informationen beim NABU Oldenburger
Land, Stichwort Cornwall, Schloßwall 15, 26122 Oldenburg. (wo)
Zugvogelschutz:
Unterschriften gegen Jagdgesetz
Die
während des „European BirdWatch“ im Oktober 1998 gestartete Unterschriften-Aktion
gegen das neue vogelschutzfeindliche französische Jagdgesetz ist bisher
ein großer Erfolg. Der französische BirdLife-Partner LPO schätzt, dass
in den ersten Wochen europaweit schon mehr als 320.000 Unterschriften
gesammelt wurden. Alleine in Frankreich haben sich über 600 Organisationen
an der Aktion beteiligt. Am 31. Januar 1999 fand eine große Protestkundgebung
in der Nähe von Verdun statt. Beim NABU sind bislang etwa 10.000 Unterschriften
eingetroffen, darunter mehrere tausend vom NABU Hunsrück.
Um das gesetzte
Ziel von zwei Millionen Unterschriften zu erreichen, wurde die Aktion
nun bis zum Herbst 1999 verlängert. Unterschriftenlisten können bestellt
werden beim NABU-Infoservice, Tel. 02 28-9 75 61-38, E-Mail nabu@nabu.de.
(cm)
Kasachstan:
Schutz für Tengis und Kaspisches Meer
Der
NABU und die Regierung der Republik Kasachstan haben ein Abkommen zur
Zusammenarbeit bei der Einrichtung von Biosphärenreservaten und Weltnaturerbegebieten
geschlossen. Das zentralasiatische Kasachstan ist der siebtgrößte Flächenstaat
der Erde. In den nächsten fünf Jahren wird der NABU die kasachische Regierung
bei der Auswahl und Begründung von UN-Weltnaturerbegebieten und Biosphärenreservaten
beraten sowie organisatorische und technische Unterstützung leisten.
Eine Zusammenarbeit
mit Kasachstan besteht bereits seit 1993. So werden derzeit in Kooperation
mit der Universität Greifswald zahlreiche naturschutzfachliche Fragen
bearbeitet. Unter anderem beschäftigen sich mehrere Diplomarbeiten Greifswalder
Studenten mit der Entwicklung der unwirtschaftlichen Ackerbrachen in der
kasachischen Steppenzone und den Folgen der durch sowjetische Atombombenversuche
verursachten radioaktiven Belastung im Westen Kasachstans.
Die neue Vereinbarung
bildet auch den Rahmen für die Einrichtung eines Biosphärenreservates
oder Nationalparkes im Gebiet des Tengis- und des Kurgaldschino-Sees in
den Steppen unweit der neuen Hauptstadt Astana. Dieses mit 260.000 Hektar
in der Größe mit unserem Wattenmeer-Nationalpark vergleichbare Feuchtgebiet
beherbergt unter anderem 14.000 Paare des Rosaflamingos und mindestens
300 Brutpaare des weltweit gefährdeten Krauskopfpelikans. Bereits jetzt
zeigen sich erste Erfolge des NABU- Engagements: Das bestehende Schutzgebiet
wird um eine acht Kilometer breite Pufferzone erweitert, um den Jagddruck
zu vermindern und die umliegenden Steppen einzubeziehen.
Schließlich
konnte der kasachische Umweltminister auch dafür gewonnen werden, sich
für eine Konvention zum Schutz der Umwelt des Kaspischen Meeres einzusetzen.
Durch den Zerfall der Sowjetunion wetteifern dort jetzt fünf eigenständige
Anrainerstaaten um die Vergabe von Fischfanglizenzen oder bei der Aufteilung
der Ölvorräte. Erst kürzlich wurde mit dem Bau von Förderplattformen begonnen.
Gerade für den flachen nördlichen Teil des Kaspischen Meeres, einschließlich
des mit Unterstützung des NABU vorbereiteten russischen Weltnaturerbegebietes
Wolgadelta, wäre dies verheerend. Doch alleine hier werden 15 Milliarden
Tonnen Öl vermutet, das entspricht ungefähr dem bekannten Vorkommen Kuwaits.
(tt)
Storchentragödie:
Bruchlandung der Ausgehungerten
So etwas
hat es im israelischen Eilat noch nicht gegeben: Im August 1998 regnete
es dort Störche. Sonst überflogen höchstens einige das Gebiet auf dem
Weg zu ihren Winterquartieren in Afrika. Mehr als 65.000 Tiere kamen herunter.
Viele schwankten auf den langen Beinen und kippten entkräftet um. Mitarbeiter
des Internationalen Vogelbeobachtungszentrums vor Ort fanden in den Bergen
Dutzende toter Störche. Sie beobachteten Jungtiere, die auf einer Müllkippe
nach Futter suchten – auf 1200 Gramm abgemagert, ein Drittel ihres Normalgewichts.
Zuvor war es
sehr heiß gewesen. Tagelanger starker Westwind hatte die Störche von ihrer
Route abgebracht und völlig geschwächt. Tausende waren so zusammengetrieben
worden. In Eilat fanden sie nichts zu essen. Wo ehedem Salzsümpfe und
nahrungsreiche Steppen waren, stehen nun Hotels. Seit Jahren schon führt
das Internationale Vogelberingungszentrum einen vergeblichen Kampf um
den Erhalt der dortigen Restnatur.
In einer sechswöchigen
Großaktion des Internationalen Vogelbeobachtungszentrums wurde auf einem
Fußballplatz mit Rasenbewässerung eine Futterstation eingerichtet. Auch
der NABU half spontan mit 2000 Mark. Am Ende konnten die meisten Störche
gerettet werden und ihren Weg nach Afrika fortsetzen. (zis)
Öko-Reisen
Der
bulgarische BirdLife-Partner BSPB hat zwei Besucherzentren „Östliche Rhodopen“
und „Poda“ eröffnet. Damit ergeben sich für Naturfreunde ausgezeichnete
und sehr günstige Möglichkeiten für Reisen in die wilde Bergwelt der
Rhodopen und an die Schwarzmeerküste. Neben der Naturbeobachtung
ist auch die Beteiligung an praktischen Naturschutzarbeiten möglich. Info:
Neophron, Dimiter Georgiev, Postfach 492, 9000 Varna, E-Mail bspbvnbr@mbox.digsys.bg,
Tel. und Fax 00359-52-302536.
Einen
ungewöhnlichen Tourismus-Ansatz bieten die Reisen der Münchner Schuhmacher-Gesellschaft.
Diese bieten zunächst eine Kombination aus Naturerkundung und Kennen lernen
der menschlichen Lebensbedingungen. Wichtig ist aber auch die Verbindung
mit reisebegleitenden Seminaren, die von der Ökologie über die Geschichte
bis hin zur Sozialwissenschaft und Ökonomie versuchen, Einsichten in unterschiedlichste
Wechselwirkungen zu vermitteln. Im Angebot sind Reiseziele, die sicher
auch für NH-Leser reizvoll sind: die grüne Lunge Polens, die Waldkarpaten,
südtschechische Urwaldreservate und der Nordosten Griechenlands. Info:
E.-F.-Schuhmacher-Gesellschaft e.V., Görrestraße 33, 80798 München, Tel.
089-529770.
Naturschutz
heute, Ausgabe
2/99 vom 7. Mai 1999
Inhaltsverzeichnis Ausgabe
2/99
Naturschutz
heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes
Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten
unter www.NABU.de.
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