Naturschutz heute – Ausgabe 2/02 vom 26. April 2002


Bücher

Nomaden der Lüfte * Unsere Gene * Zauberpflanzen - Hexenkräuter * Aus dem Leben der Vögel * Wildlife * Pflanzen und Tiere, die man kennen sollte


Auf Flughöhe

Nomaden der Lüfte, das sind Schneegänse, Pelikane, Weißstörche, Albatrosse, Schwäne und viele mehr. Jahr für Jahr fliegen sie vom hohen Norden bis über den Äquator und im Frühjahr wieder zurück. Wohl jeder, der Jacques Perrins Anfang April in die Kinos gekommenen Zugvogelfilm Nomaden der Lüfte gesehen hat, war begeistert von der Fülle brillanter und so meist nie zuvor gesehener Bilder. Das gilt natürlich vor allem für die mit viel Aufwand entstandenen Flugaufnahmen der Vögel. Perrin wollte beeindrucken und damit für die Belange der Tiere einnehmen, das ist zweifellos gelungen. Allerdings war die Bilderflut im Film so spärlich erläutert, dass die 90 Minuten mehr Faszination als Erkenntnis hinterließen.

Um dem abzuhelfen - und sicher auch, um die Filmproduktionskosten von 20 Millionen Euro wieder reinzuholen - gibt es ein umfangreiches Buch zum Film. Kompetente und zugleich unterhaltsame Texte bieten Fakten und Geschichten über Zugvögel rund um den Globus. Und natürlich enthält der großformatige Band auch die spektakulärsten und besten Bilder aus dem Film, die man nun in Ruhe und immer wieder betrachten kann.

Jacques Perrin & Jean-Francois Mongibeaux: Nomaden der Lüfte. - 272 Seiten. 54 Euro. Gerstenberg 2002. ISBN 3-8067-2903-4.


Genetisches Erbe

Selbst wenn wir unser ganzes Leben in der Großstadt verbracht haben, haben wir mehr Angst vor Schlangen als vor Gewehren. Schuld daran sind unsere Gene. Auch im 21. Jahrhundert zwingen sie uns immer wieder zu Verhaltensweisen, die mehr auf die Verhältnisse in der Steinzeit ausgerichtet sind, als uns im modernen Leben zu helfen. In Unsere Gene stellen Terry Burnham & Jay Phelan diese genetisch gesteuerten Mechanismen vor und geben Tipps, wie man diese ab und zu austricksen kann. Das ist kenntnisreich geschrieben und stets amüsant zu lesen - und so ist denn auch das Versprechen im Untertitel, eine Gebrauchsanleitung für ein besseres Leben zu bieten, mit einem Augenzwinkern gegeben.

Terry Burnham & Jay Phelan: Unsere Gene. Eine Gebrauchsanleitung für ein besseres Leben. - 317 Seiten. 19,90 Euro. Argon 2002. ISBN 3-87024-527-1.


Zauberpflanzen

Wer seinen Geliebten in spe mit einem Liebeszauber für sich einnehmen will, kann dies mit einer Mixtur aus Liebstöckel, Eisenkraut oder Ringelblume. Mistel, Bärlauch und Kümmel halten als echte Schutzkräuter Unglücke fern - vorausgesetzt, man stimmt den Pflanzengeist günstig. Vielen Pflanzen werden seit Urzeiten magische Kräfte zugeschrieben, und genau darum geht es in Zauberpflanzen - Hexenkräuter. Anhand von 60 Porträts Gertrud Scherf erläutert ausführlich die Kulturgeschichte der Pflanzen von der Antike bis zur Gegenwart, berichtet über Mythos, Magie und Brauchtum. Neben einem botanischen Steckbrief informiert die Autorin in dem liebevoll gestalteten Buch auch über die Verwendung der Heilpflanzen in der Volksmedizin früherer Zeiten und in der modernen Homöoptahie.

Gertrud Scherf: Zauberpflanzen - Hexenkräuter. Mythos und Magie heimischer Wild- und Kulturpflanzen. - 223 Seiten. 19,95 Euro. BLV 2002. ISBN 3-405-16219-X.


Brehms Stunde

"Wer hat wohl jemals die Verdienste des Sperlings anerkannt?" fragt Tiervater Alfred Brehm in seinem Werk Aus dem Leben der Vögel. Der NABU natürlich, kann man da als Heutiger entspannt antworten, schließlich ist der Spatz Vogel des Jahres. Doch als Brehm diese Frage vor mehr als hundert Jahren niederschrieb, hatte sie ihre Berechtigung, denn die Spatzen waren nicht wohl gelitten. Nicht in allen Beurteilungen war Brehm so positiv wie beim Spatzen, den er auch eine "ungemein hohe geistige Bildung" zuschreibt. Den Uhu zum Bespiel nennt er einen "widerwärtigen Vogel". Es menschelt also arg bei Brehm. Exakte Ornithologie darf man nicht erwarten, dafür um so mehr Zeitkolorit. Aus dem Leben der Vögel ist jetzt als vergnügliches Hörbuch auf CD erschienen.

Alfred Brehm: Aus dem Leben der Vögel. Gelesen von Hanns Zischler. - Hör-CD. 97 Minuten. 16,90 Euro. Antje Kunstmann 2002.


Kenias Elefantenmann

Naturschützer, Politiker, Bestsellerautor: Richard Leakey gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten Ostafrikas. Nachdem er bereits durch seine paläontologischen Funde weltbekannt geworden war, begann er 1989 eine zweite Karriere als Chef der Wildtierschutzbehörde Kenya Widlife Service und schaffte es dabei unter anderem, die Elefantenbestände wieder aufzubauen. Später wurde er für kurze Zeit sogar Chef des gesamten öffentlichen Dienstes und machte sich dabei mit konsequenter Korruptionsbekämpfung nicht nur Freunde. In seiner Teilautobiografie Wildlife - Ein Leben für die Elefanten erzählt Leakey zusammen mit Virginia Morell über sein Engagement für die Naturschätze Afrikas. Eine spannende Lektüre, genau richtig für verregnete Urlaubstage.

Richard Leakey & Virginia Morell: Wildlife. Ein Leben für die Elefanten. - 415 Seiten. 22,90 Euro. S. Fischer 2002. ISBN 3-10-043208-8.


Basiswissen Natur

Wenn es stimmt, dass die meisten Kinder und Jugendliche mehr Automarken kennen als Vogelarten, kann man kaum verlangen, dass diese sich auch noch für den Schutz der unbekannten Wesen einsetzen. Für viele Erwachsenen gilt Ähnliches. Bei Kosmos sind nun zwei kleine Bücher erscheinen, die Appetit auf Natur machen, die mit 100 Tieren und 100 Pflanzen vertraut machen, "die man kennen sollte". Die Texte sind flott geschrieben und kurz, bieten interessante Einzelheiten amüsant verpackt und gut gewürzt mit attraktiven Bildern. Vielleicht lässt sich damit so mancher Naturmuffel doch nach draußen locken.

Ulrich Schmid: 100 Tiere. Heimische Arten, die man kennen sollte. - 122 Seiten. Kosmos 2001. ISBN 3-440-08846-4. Eva & Wolfgang Dreyer: 100 Pflanzen. Heimische Arten, die man kennen sollte. - 122 Seiten. Kosmos 2001. ISBN 3-440-08589-9.


Naturschutz heute, Ausgabe 2/02 vom 26. April 2002


Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de.

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