Naturschutz heute – Ausgabe 2/00 vom 28. April 2000


Outdoor-Bekleidung: Es gibt kein schlechtes Wetter...

Vogelbeobachter, Wanderer und Naturfotografen wissen: Die schönsten Beobachtungen, die aufregendsten Erlebnisse gibt es oft dann, wenn sich das Wetter von seiner unangenehmen Seite zeigt. Holger Schulz gibt deshalb Tipps für die zweckmäßige Outdoor-Bekleidung.

Tipps für Tierbeobachter: Farblich dezent und raschelfrei * Textil-Materialien: Natur- oder Kunstfaser? * Kunstfasern: Grundlagen Polyester und Nylon * Jacken: Zwiebelprinzip gegen Regen und Kälte * Wärmespeicher Fleece * Unterwäsche: Praktisches für drunter * Hemden und Hosen: Im Zweifel die lange Variante * Schuhe: Allzeit trockene Füße * Gute Socken gegen Blasen

 

Herbst an der Nordseeküste: Windstärke 9, waagrecht peitscht der Sturm den Regen gegen den Deich – High noon in der marokkanischen Wüste: 40 Grad im Schatten, kein Windhauch bringt Abkühlung, die Luft flirrt in der Hitze – Winter in den Rocky Mountains: Schnee, Eis, arktische Kälte. Seit Tagen bewegt sich das Quecksilber keinen Millimeter nach oben.

Dreimal Wetter. Dreimal Natur. Drei Situationen, denen, auf die eine oder andere Art, jeder Naturfreund schon begegnet ist. Trotzdem: Natur zu erleben, auch unter extremen klimatischen Bedingungen, bedeutet nicht zwangsläufig, sich zu kasteien oder gar, wie mancher Bergwanderer erkennen musste, sein Leben aufs Spiel zu setzen. „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur ungeeignete Bekleidung" – diese alte Weisheit hat gerade in Zeiten moderner Textilmaterialien ungebrochene Gültigkeit.

Ob Kälte, Hitze oder Nässe, gegen alles gibt es heute Bekleidung, von der die Abenteurer früherer Zeiten nur träumen konnten.

 

Tipps für Tierbeobachter: Farblich dezent und raschelfrei
Vogelbeobachter oder Tierfotografen, die sich draußen möglichst unauffällig bewegen wollen, oder Wanderer, die tage- und wochenlang in der Natur unterwegs sind, sollten bei der Wahl der Bekleidung auf mehr als nur den bestmöglichen Wetterschutz achten. Ein paar einfache Grundsätze machen die Entscheidung für das geeignete Outfit leichter:

Wer glaubt, dass er sich als richtiger Naturbursche im Armee-Tarnlook durch Wald und Feld bewegen muss, der irrt. Viele Tiere differenzieren Farben bei weitem nicht so gut wie wir Menschen. Trotzdem ist es sinnvoll, bei der Tierbeobachtung Kleidung zu tragen, die farblich nicht allzu stark von der Umgebung abweicht. In der Praxis bedeutet dies, dass im sommerlichen Wald eine Jacke in Grün-, Braun- oder Beigetönen am geeignetsten ist, im Winter dagegen weiße oder möglichst unauffällig helle Bekleidung.

Ebenso wichtig wie die optische Unauffälligkeit ist es, bei der Pirsch Geräusche zu vermeiden. Alle Vorsicht beim Aufsetzen der Füße und auch konsequentes Schweigen nutzen aber nichts, wenn die Bekleidung bei jedem Schritt raschelt und scharrt, und wenn das Fernglas bei der kleinsten Bewegung klirrend gegen blanke Metallknöpfe schlägt. Hier hilft ein einfacher Test: Schütteln Sie im Laden das ins Auge gefasste Kleidungsstück ein wenig und reiben Sie das Gewebe leicht aneinander. Denken Sie dabei daran, dass fast jedes Tier besser hört als Sie selbst.

Outdoorbekleidung kann schick sein. Wer aber Hemden, Jacken und Hosen für lange Wanderungen und kerniges Leben in der Wildnis eng geschnitten und körperbetont kauft, der wird seine Eitelkeit bald bereuen. Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit, zusätzliche Kleidungsstücke „drunter" anzuziehen, machen das Leben im Freien angenehmer. Also: kaufen Sie lieber eine Nummer größer als eine halbe zu klein.

Taschenmesser, Landkarte, Kompass und Vogelbestimmungsbuch sind nur ein paar der „überlebenswichtigen" Dinge, die der Naturbeobachter und Wanderer bei sich trägt. Hemden und Jacken sollten deshalb mit mindestens zwei Brusttaschen ausgestattet sein. Achten Sie darauf, dass diese groß genug sind und sich zuverlässig verschließen lassen. Auch die Hosentaschen müssen tief genug sein, damit sich nicht jedes Mal beim Sitzen der Inhalt selbständig macht. Und das Notizbuch muss locker in die Balgtasche an den Hosenbeinen passen.

Last but not least muss die Bekleidung für Outdooraktivitäten robust sein. Dornen, Äste und steiniger Boden haben sonst leichtes Spiel und zerstören in kürzester Zeit das Gewebe. Achten Sie auch auf scheinbar unwichtige Details: Knöpfe und Knopflöcher müssen gut verarbeitet sein. Und selbst bei den Reißverschlüssen sollten Sie genauer hinschauen. Die schmalen, zierlichen Plastikdinger, die man nicht selten auch an den Produkten renommierter Hersteller vorfindet, funktionieren nur am Anfang. Der Ärger ist groß, wenn dann die 200 Mark teure Trekkinghose unbrauchbar wird, nur weil der Hosenschlitz sich nicht mehr schließen lässt.

 

Textil-Materialien: Natur- oder Kunstfaser?
Vor noch gar nicht allzu langer Zeit waren Wolle und Baumwolle die gebräuchlichsten Materialien für Outdoorbekleidung. Solche Naturmaterialien haben ihre Vorteile. Sie sind atmungsaktiv, angenehm zu tragen und robust. Für viele Situationen sind sie auch heute noch hervorragend geeignet. Ein luftiges Baumwollhemd ist im Sommer sicher noch immer das angenehmste Stück Oberbekleidung, und direkt auf der Haut trägt sich nichts besser als reine Seide.

Naturmaterialien haben aber auch ihre Nachteile. Wollpullover, Bundeswehrparka und Co. sind schwer und voluminös – unpraktisch für alle diejenigen, die mit dem Rucksack unterwegs sind. Wolle und Baumwolle sind sehr saugfähig, und auch Seide zieht Feuchtigkeit an. Baumwolle kann 80 Prozent, Wolle 40 Prozent ihres Gewichts an Wasser aufnehmen. Einmal nass geworden, brauchen sie lange, um wieder zu trocknen. Gerade bei längeren Outdooraktivitäten kann das zum Problem werden. In nassen Klamotten kühlt der Körper schnell aus und mit dem Spaß am Leben in der Natur ist es dann erst mal vorbei.

HighTech hat auch in der Textilindustrie Eingang gefunden. Die Rede soll hier nicht sein von den Perlonhemden der 50er Jahre, die meistens an den großen Schweißflecken unter den Achseln zu erkennen waren. Moderne Kunstfasermaterialien oder entsprechende Mischgewebe haben heute häufig die positiven Eigenschaften der Naturtextilien und bieten außerdem Vorteile, die gerade für das Leben und Arbeiten im Freien von unschätzbarem Wert sind. Sie sind leicht, lassen sich klein verpacken, viele sind wasserdicht und trotzdem atmungsaktiv, und von luftig kühl bis extrem warm ist heute alles zu haben.

Außerdem trocknen solche Gewebe schnell. Während der Jeansträger noch zwei Stunden nach dem Durchwaten eines Baches nasse Beine hat, merkt sein Kollege, der eine Mischgewebehose trägt, schon nach 20 Minuten nichts mehr von dem nassen Abenteuer.
Wie alles in der Welt, so hat auch die moderne HighTech-Bekleidung ihre Schattenseiten. Gerade der Naturfreund macht sich zu Recht seine Gedanken über die Umweltbelastung, die bei der Herstellung und späteren Entsorgung der Kunstfasern entsteht. Andererseits ist auch die Produktion von konventioneller Baumwolle nicht gerade ein Gewinn für die Natur – es gibt nur wenige Zweige der Landwirtschaft, in denen mehr Pestizide und andere giftige Agrarchemikalien eingesetzt werden als im Baumwollanbau.

 

Kunstfasern: Grundlagen Polyester und Nylon
Es gibt zu viele unterschiedliche Kunstfasern und -gewebe, als dass alle hier beschrieben werden könnten. Aufgebaut sind die meisten auf den synthetischen Grundstoffen Polyester, Polyamid (Nylon) und Polyurethan. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Fabrikaten sind in der Art der Herstellung und Verarbeitung der Fasern sowie in den unterschiedlichen Beschichtungen der Gewebe begründet.

Mikrofasern beispielsweise, die sich für leichte Oberbekleidung eignen, sind extrem feine und engmaschig verwebte Fasern aus Polyester oder Polyamid. Sie sind weich wie Seide, winddicht und wasserabstoßend. Hohlfasern leiten Feuchtigkeit durch ihren Faserkanal nach außen. Hydrophobe (wasserabstoßende) Fasern bleiben auch in feuchtem Milieu trocken, hydrophile (wasseranziehende) Fasern dagegen nehmen Feuchtigkeit auf, zum Beispiel Schweiß, und führen sie zu Stellen, an denen sie verdunsten kann. Fleece ist der moderne Kälteschutz par excellence. Er besteht aus flauschig verarbeiteten Polyesterfasern und ist in unterschiedlichen Materialstärken für den Einsatz unter verschiedenen Kältebedingungen verfügbar.

Auch durch Beschichtungen der einzelnen Fasern oder ganzer Gewebeflächen werden die Eigenschaften von Kunstfaser-Geweben beeinflusst. Der gute alte Friesennerz, absolut wasser- und winddicht, ist das Paradebeispiel für eine flächige Beschichtung (mit PVC oder Polyurethan). Leider wird er dadurch auch luftdicht und „atmet" nicht, was zur Folge hat, dass sein Träger von innen nass wird. Anders verhält es sich mit der mikroporösen Beschichtung. Hierbei werden nicht die fertigen Gewebe, sondern die einzelnen Fasern beschichtet, beispielsweise mit dem stark wasserabweisenden Teflon (Polytetrafluorethylen). Das Gewebe bleibt dabei atmungsaktiv, ist aber trotzdem wasser- und schmutzabweisend.

Mischgewebe verbinden die positiven Eigenschaften von Natur- und Kunstgeweben. Sie bestehen, je nach Hersteller und Verarbeitungsverfahren, zu unterschiedlichen Anteilen aus Baumwolle und Polyester. Häufig werden die Fasern zusätzlich mit Silikon oder anderen Kunststoffen beschichtet und das gesamte Gewebe abschließend gewachst. Es wird dadurch stark wasserabweisend. Durch die eingearbeiteten Kunstfasern wird das Gewebe robuster und pflegeleichter, und es trocknet wesentlich schneller als reine Baumwolle. Der Baumwollanteil sorgt für den hohen Tragekomfort solcher Textilien. Imprägnierte oder gewachste Mischgewebe-Textilien wurden ursprünglich für den Gebrauch in feuchten und kühlen Klimaten konzipiert. Vor dem Tragen unter tropischen Bedingungen empfiehlt es sich, die Wachsschicht herauszuwaschen. Das Gewebe wird dadurch luftiger und kühler.

Oilskin oder Waxcotton ist ein beschichtetes Naturmaterial. Es besteht aus robustem Baumwollgewebe, das mit einem Wachs-Öl-Gemisch imprägniert beziehungswseise beschichtet wurde. Bei guter Verarbeitung sind Textilien aus solchen Materialien sehr widerstandsfähig gegen mechanische Beanspruchungen und hundertprozentig wasserdicht. Sie sind jedoch relativ schwer und steif, und um die Wasserdichtigkeit zu erhalten, muss das Gewebe von Zeit zu Zeit nachgewachst werden.

– In der Regenschutzkleidung spielen heute mikroporöse Membranen eine wichtige Rolle. Es sind keine Gewebe, sondern folienartige Wände, die aus einem Material bestehen, dessen Poren zwar für Wassertropfen undurchlässig sind, die Wasserdampf aber passieren lassen. Mikroporöse Membranen sind somit wasserdicht, aber trotzdem atmungsaktiv. Bekannt sind sie hauptsächlich unter den Namen GoreTex und Sympatex, es gibt jedoch eine Reihe von Herstellern, die ähnliche Produkte unter anderen Markennamen vertreiben.

Mikroporöse Membranen sind empfindlich gegen mechanische und chemische Einflüsse und müssen deshalb in Gewebe eingebettet oder mit ihnen verbunden sein. Als Z-Liner verarbeitet liegt die Membran lose zwischen Oberstoff und Futter. Textilien in dieser Verarbeitung sind weich und sehr angenehm zu tragen, sie vertragen jedoch keine allzu starke Beanspruchung.
Stabiler sind die Laminate. Beim zweilagigen Laminat sind Oberstoff und Membran fest miteinander verbunden. Ein eingenähtes leichtes Futter schützt die Membran von innen. Beim dreilagigen Laminat ist auch das Futter auf die Membran laminiert, alle drei Schichten bilden also eine Einheit. Dreilagige Laminate sind am strapazierfähigsten, sie sind im Vergleich zu den beiden anderen Varianten aber auch relativ steif. Allen mit mikroporösen Membranen versehenen Kleidungsstücken ist gemein, dass die Nähte sorgfältig versiegelt sein müssen. Ist dies nicht der Fall, dann dringt Wasser entlang der Nähte ein, und die teuer erkaufte Wasserdichtigkeit ist dahin.

 

Jacken: Zwiebelprinzip gegen Regen und Kälte
Eine Zwiebel besteht aus vielen Lagen. Schicht für Schicht lässt sie sich entblättern. Genau so ist auch eine sinnvolle Outdoorbekleidung zusammengestellt. Aus vielen dünnen Schichten entsteht ein Schutz, der sich leicht den unterschiedlichsten Wettersituationen und Temperaturverhältnissen anpassen lässt. Jedes Kleidungsstück lässt sich auch separat tragen. Das Zwiebelprinzip hilft außerdem, mit geringstmöglichem Reisegepäck auszukommen und trotzdem für alle klimatischen Situationen gerüstet zu sein – wichtig vor allem für Rucksackreisende auf großer Tour.

Erst durch die oberste Schicht, den Schutz gegen Wind und Regen, wird die Bekleidung nach dem Prinzip Zwiebel komplett. Die Auswahl an Material und Schnitten ist gerade hier enorm groß, sie reicht vom einfachen Regenponcho aus PVC bis hin zur aufwendig verarbeiteten HighTech-Jacke. Die Entscheidung wird diktiert vom jeweiligen Einsatzzweck. Winddicht sollte eine Jacke jedoch auf jeden Fall sein, und auch ein kurzer Regenschauer darf nicht nach innen durchdringen. Viele der einfach beschichteten Gewebe erfüllen diese Forderungen. Besser jedoch sind mikroporös beschichtete Textilien, da sie verdunstende Körperfeuchtigkeit nach außen ableiten.

Wer anspruchsvolle Outdooraktivitäten plant oder aber häufig draußen unterwegs ist, für den lohnt sich die Anschaffung einer Jacke, die mit einer atmungsaktiven Membran wie GoreTex oder Texapore ausgestattet ist. Anfangs hatten solche Materialien den Ruf, ihre Wasserdichtigkeit nach einiger Zeit zu verlieren. Die Textilindustrie hat hier jedoch offensichtlich erhebliche Fortschritte gemacht. Zum einen wurde die Qualität der Membranen selbst verbessert, zum anderen haben neue Verarbeitungstechniken wie die Laminierung dazu geführt, dass solche Jacken heute sehr robust sind und ihre Funktion über lange Zeit erhalten.

Wunder können jedoch auch die Jacken mit atmungsaktiven Membranen nicht vollbringen. Damit die Feuchtigkeit durch die Membran nach außen abgeleitet werden kann, müssen der „Dampfdruck" und die Temperatur innen höher sein als außen. In kühleren Klimazonen ist das meistens der Fall. In den Tropen jedoch, wo es sehr warm und feucht ist, sind diese Voraussetzungen nicht immer gegeben. Dort kann es dann trotz HighTech-Jacke zur Kondensation von Körperfeuchtigkeit in den inneren Schichten der Bekleidung kommen. Auch ist die Fähigkeit der Membranen, Körperfeuchtigkeit nach außen abzugeben, begrenzt. Bei starker körperlicher Anstrengung produziert der Körper bis zu zwei Liter Schweiß pro Stunde, und auch die beste Membran ist mit dieser Flüssigkeitsmenge überfordert.

Wer sich statt auf HighTech-Materialien lieber auf Naturmaterialien verlässt, der wird sich für gewachste Baumwolle entscheiden. Gut behandelt hält auch eine solche Jacke stundenlang den Regen ab. Oilskin- oder Waxcotton-Jacken sind jedoch schwer und steif, und im Rucksack nehmen sie wesentlich mehr Platz weg als die modernen Kunstfaser-Textilien.
In winterlicher Kälte muss auch die oberste Bekleidungsschicht als Wärmeschutz für den Körper fungieren. In Kombination mit einem Faserpelz-Pullover erfüllen die oben beschriebenen Jacken diese Funktion. Praktisch sind dabei vor allem Mehrzweckjacken, die mit einer einzippbaren Fleecejacke versehen werden können. Sie können sowohl im Sommer als auch im Winter getragen werden.

Für Outdooraktivitäten in extrem niedrigen Temperaturen dagegen ist noch immer die Daune der optimale Kälteschutz. Daunen isolieren besser als irgendeines der anderen derzeitig verfügbaren Materialien. Sie haben jedoch den Nachteil, dass sie, wenn sie erst einmal feucht sind, ihre Isolierwirkung verlieren. Daunenjacken sind deshalb nur in wirklich starker Kälte zu empfehlen. Heute gibt es allerdings auch Daunenjacken, bei denen die empfindlichen Federn durch wasserdichte und atmungsaktive Gewebe vor Feuchtigkeit geschützt sind.

 

Wärmespeicher Fleece
Je nach Jahreszeit gehört eine dünnere oder dickere Jacke, ein Sweatshirt oder ein Pullover zum Reisegepäck. Besonders bewährt hat sich dafür Fleece (Faserpelz), ein flauschiges Kunstfaser-Material. Für Outdooraktivitäten und Reisen nimmt es heute den Rang ein, den noch vor wenigen Jahren die Wolle innehatte. Zwar isoliert auch Wolle sehr gut und schützt gegen Kälte. Sie ist jedoch wesentlich schwerer als Fleece, und in Kombination mit atmungsaktiver Regenbekleidung verhindert sie die Abgabe der Körperfeuchtigkeit.
Fleecepullover sind feuchtigkeitsabweisend, leicht bei gleichzeitig exzellenter Isolierwirkung, und sie lassen sich klein verpacken.

Je nach zu erwartender Temperatur wählt man unterschiedliche Stärken des Fleece-Materials (zum Beispiel Polartec 100, 200 oder 300, die Klassifizierung bezieht sich auf das Gewicht pro Quadratmeter). Die stärksten Fleece-Gewebe halten den Körper auch bei extremer Kälte warm. Viele Sweatshirts, Pullover und Jacken aus Fleece sind zusätzlich mit einem winddichten Futter oder spezieller wasserabweisender Ausstattung erhältlich.

 

Unterwäsche: Praktisches für drunter
Jawohl, auch für drunter gibt es spezielle Outdoorwäsche. Manch einer mag das für übertrieben halten, aber bei starker Kälte und gleichzeitiger körperlicher Aktivität ist gerade die Wahl der richtigen Unterwäsche entscheidend für ein angenehmes „Körperklima". Unterwäsche befindet sich im direkten Kontakt mit dem Körper und ist somit der abgegebenen Körperfeuchtigkeit stärker ausgesetzt als alle anderen Kleidungsstücke. Gute „Funktions"unterwäsche hält den Körper auch dann trocken und warm, wenn er schwitzt. Sie besteht meistens komplett aus Kunstfasern, die die Feuchtigkeit schnell nach außen ableiten. Verdunstungskälte kann so gar nicht erst entstehen.

 

Hemden und Hosen: Im Zweifel die lange Variante
Die mittlere Bekleidungsschicht aus Hemden und Hosen kann je nach Jahreszeit und Klima erheblich variieren. Im Sommer in den gemäßigten Zonen sind Baumwolltextilien sicher eine gute Wahl. Sie sind angenehm zu tragen, und es gibt sie in vielerlei Ausführungen, von sehr luftig bis kräftig-robust.

Ein Kurzarmhemd unter wolkenlosem Sommerhimmel kann dem Wanderer einen heftigen Sonnenbrand bescheren und ihm das Leben zur Hölle machen. Beim Aufenthalt in Gebieten mit starker Sonneneinstrahlung oder mit vielen Stechmücken empfiehlt es sich deshalb, Langarmhemden und lange Hosen zu tragen. Die Ärmel lassen sich dann bei Bedarf hochkrempeln. Kurze Hosen sind Geschmackssache. Manch einer kann sich einen Sommertag ohne kurze Hose kaum vorstellen.

Wer aber Wanderungen im unwegsamen Gelände macht, der wird, schon zum Schutz gegen lästige Insekten und spitze Dornen, einer langen Hose den Vorzug geben. Manche Hersteller bieten Kombihosen an, deren Beine mit Reißverschlüssen befestigt sind und sich entfernen lassen. Das „Umbauen" ist jedoch jedes Mal mit einiger Tüftelei verbunden, so dass die Vielseitigkeit eines solchen Kleidungsstücks tatsächlich wohl nur selten genutzt wird.

Für längere Wanderungen empfehlen sich Hosen aus imprägniertem Mischgewebe. Sie sind sehr strapazierfähig, trocknen schnell, und manche Hersteller versichern, dass ihre Produkte absolut „mückenfest" sind. Wer jemals auf den skandinavischen Fjälls unterwegs war, wird das zu schätzen wissen. Auch Oberhemden gibt es aus Misch- oder reinem Kunstgewebe. Beim ersten Tragen mag das „feeling" eines solchen Hemdes etwas ungewohnt sein, aber seine Eigenschaften (schnelltrocknend, geringes Gewicht, winddicht, aber trotzdem leicht und luftig) macht es schnell zu einem Lieblings-Kleidungsstück.

Sollen Hemden unter atmungsaktiver Oberbekleidung getragen werden, dann empfiehlt es sich, Kunstfasermaterial zu wählen. Feuchtigkeitsspeichernde Textilien (Baumwolle, Wolle) würden Körperfeuchtigkeit aufnehmen und somit den Effekt der atmungsaktiven äußeren Schicht zunichte machen.

 

Schuhe: Allzeit trockene Füße
Schuhe sind der Bestandteil der Bekleidung, der am stärksten strapaziert wird. Auf die Auswahl geeigneten Schuhwerks sollte deshalb besonderer Wert gelegt werden. Welches Schuhwerk wird benötigt? Bergstiefel oder Trekkingsandalen, Leichtes Leinenschuhwerk oder wasserdichte Stiefel? Es gibt fast unendlich viele Variationsmöglichkeiten. Deshalb hier ein paar grundsätzliche Hinweise:

– Schuhe müssen eingelaufen werden! Kaufen Sie sie rechtzeitig, nicht erst einen Tag vor Beginn einer mehrwöchigen Tundrawanderung.

– Füße schwellen beim Laufen etwas an. Machen Sie deshalb einen ausgedehnten Spaziergang, bevor Sie sich ins Schuhgeschäft begeben.

– Sitzt die Ferse fest im Schuh? Stoßen die Zehen auch dann nicht vorne an, wenn es steil bergab geht?

– Testen Sie die Schuhe mit ähnlich dicken Socken, wie Sie sie auch bei Ihren Wanderungen tragen werden.

– Schuhe sollten möglichst wenige Nähte haben. Das erhöht die Wasserdichtigkeit.

– Die Zunge sollte nicht nur unten, sondern auch seitlich im Schuh befestigt sein. Sie darf keine reibenden Falten aufwerfen.

– Haken und Ösen müssen rostfrei sein.

Trekkingsandalen aus Kunststoff sind für Aktivitäten am und im Wasser geeignet. Bei stabiler Verarbeitung und gutem Sohlenprofil können sie sogar für Wanderungen in leichtem Gelände getragen werden. Leichte, knöchelhohe Wanderstiefel (Trekkingschuhe) aus Cordura-Nylon oder Leder empfehlen sich für kürzere Wanderungen oder für den Alltagsgebrauch abseits der Asphaltstraßen. Knöchelhohe Leinenstiefel sind überall dort fehl am Platz, wo es kühl ist und häufiger regnet. Sie sind jedoch erste Wahl in trockenen Landschaften, zum Beispiel in der Wüste. Feste Wanderstiefel sind aus sehr robustem Leder gefertigt. Sie haben einen stabilen Schaft, der dem Knöchel Halt gibt, und abriebfeste und griffige Laufsohlen mit ausgeprägtem Profil. Sie eignen sich insbesondere für längere Wanderungen, auch in schwierigerem Gelände, werden aber auch gerne für weniger extreme Outdooraktivitäten getragen. Steigeisenfeste Bergstiefel aus extrastarkem Leder oder Kunststoff sind Spezialschuhe, die praktisch nur bei extremen Hochgebirgstouren zum Einsatz kommen. Für den Winter in nördlichen Ländern empfehlen sich die dick gefütterten kombinierten Gummi-Lederstiefel. Der Fußteil besteht aus Kautschuk oder Gummi, der hochgezogene Schaft aus imprägniertem Leder. Sie sind mit Kunstfaserfilz oder Kunstfell dick gefüttert und wärmen den Fuß auch bei extremen Minustemperaturen.

Wer früher auch bei nassem Terrain trockene Füße behalten wollte, der musste Gummistiefel oder gründlich eingefettete Wanderstiefel aus schwerem Leder tragen. Die neuen HighTech-Materialien haben aber auch vor dem Schuhwerk nicht halt gemacht. Dank atmungsaktiver Membranen wie GoreTex sind heute selbst leichte Wanderstiefel oftmals wasserdicht. Aber auch hier gilt: Auch die beste Membran hat ihre Grenzen. Füße schwitzen immer, vor allem bei langen Fußmärschen, und nicht alle Feuchtigkeit wird schnell genug nach außen geführt. Gerade deshalb sind gute Trekkingsocken so wichtig: sie halten den Fuß relativ trocken, auch wenn der Innenschuh bereits Feuchtigkeit aufgenommen hat.

 

Gute Socken gegen Blasen
Nasse Füße, sei es von außen oder von innen, können eine Wanderung zur Qual machen. Feuchte Socken in nassen Schuhen reiben am Fuß, und es dauert nicht lange, bis sich die ersten Blasen einstellen. Auch bei der „Fußbekleidung" hat sich viel getan in den letzten Jahren. Gute Outdoorsocken bestehen heute meist aus einem Gemisch aus Natur- und Kunstfasern. Die Kunstfaseranteile transportieren die Feuchtigkeit vom Fuß weg, und sie machen die Socken widerstandsfähiger gegen Abrieb. Wichtig ist, gerade auch für größere Wanderungen, eine saubere Verarbeitung der Strümpfe. Nähte dürfen nicht auftragen und müssen exakt platziert sein. Spezielle Trekkingsocken sind deshalb, wie die Schuhe, jeweils für einen rechten und einen linken Fuß geschnitten. Ferse, Hacken und Zehen, die Bereiche, die am stärksten beansprucht werden, sind außerdem bei solchen Strümpfen durch Polster besonders geschützt.

 

Naturschutz heute, Ausgabe 2/00 vom 28. April 2000

Inhaltsverzeichnis Ausgabe 2/00


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