Naturschutz heute – Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002


Einmal Afrika und zurück

Das Projekt Storchenzug.

von Markus Nipkow

Während die Beringung von Zugvögeln bereits seit Jahrzehnten dazu beiträgt, das Wunder des Vogelzugs zu enträtseln, eröffnet die moderne Satellitentelemetrie besenderter Vögel eine neue Dimension für Forschung, Artenschutz und Umweltdidaktik. Die Vorzüge dieser Technologie macht sich der NABU jetzt mit einem neuen Projekt zunutze: Valinka, Sophia, Annamarie, Felix, Jonas und Prinzesschen, sechs auserwählte Weißstörche aus der Elbtalaue, tragen seit August 2001 ultraleichte Minisender auf dem Rücken. Es handelt sich um zugerfahrene Altstörche, so genannte Ostzieher, die ihren Weg über den Bosporus und Nahen Osten in ostafrikanische Überwinterungsgebiete wählen. Rund um die Uhr liefern die sechs Störche seither die Koordinaten ihrer Aufenthaltsorte.

Die Beobachtung ihrer Zugroute und Wanderbewegungen dokumentiert das genaue Zugverhalten der Vögel. Das wiederum ermöglicht es, Gefahrenquellen entlang der Zugwege ausfindig zu machen und länderübergreifend konkrete Schutzmaßnahmen zu fördern und zu fordern, denn: Als Langstreckenzieher sind Störche einer Fülle zivilisationsbedingter Gefahren ausgesetzt wie elektrischen Freileitungen und "Killermasten", intensiver Bejagung, Vergiftungen, und dem zunehmenden Verlust an geeigneten Rastgebieten. Zu den vorrangigen Zielen der Aktion zählen daher die Entschärfung des Gefahrenpotentials in den Rast- und Überwinterungsgebieten. Werden Gefährdungsursachen unmittelbar sichtbar, lässt sich vor Ort manchmal schon mit geringen Mitteln viel Positives bewirken - nicht allein für den Storch, auch für viele andere wandernde Arten.

Partner des Kooperationsprojektes von NABU und NAJU sind das Bundesamt für Naturschutz und die Meteomedia AG Jörg Kachelmanns. Unter der Adresse www.storchenzug.de ist eine gemeinsame Webseite entstanden, auf der die Zugroute der besenderten Störche kontinuierlich mitverfolgt werden kann. Neben umfangreichen Informationen rund um den Storch wird dort ab März ein spannendes Storchen-Quiz mit attraktiven Preisen locken. Ein weiterer Höhepunkt ist in der Zeit des Rückfluges aus den Winterquartieren geplant: Über einen Zeitraum von mehreren Wochen wird der Zug der Störche durch Live-Schaltungen in der ARD-Sendung "Wetter im Ersten" mitzuerleben sein - für den NABU eine ideale Möglichkeit, um auf die globale Verantwortung für den Schutz wandernder Tierarten hinzuweisen.

Mit dem Projekt Storchenzug wird der Wappenvogel des NABU in diesem Jahr wieder stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. Es ergänzt nicht zuletzt die Beiträge des NABU zur Vertragstaatenkonferenz der "Konvention zum Schutz wandernder Tierarten", die im September in Bonn stattfindet.


Naturschutz heute, Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002


Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de.

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