Naturschutz
heute Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002
Bestandssicherung
aus eigener Kraft
Das NABU-Schutzprogramm
Storch 2000.
von Helge May
Die
Gefahren auf dem Zug und im Winterquartier sind vielfältig. Doch
verantwortlich für den Rückgang unserer Weißstörche
von 9000 Brutpaaren in den 30er Jahren auf heute 4300 ist vor allem
die Situation in Deutschland selbst. Der NABU unternimmt deshalb seit
vielen Jahren große Anstrengungen zum Schutz des Storchs im Brutgebiet.
Mit dem Institut für Vogelschutz im schleswig-holsteinischen Bergenhusen
verfügt der NABU dank der Förderung durch das Land und durch
die Michael-Otto-Stiftung für Umweltschutz sogar über eine
Forschungseinrichtung, die sich kontinuierlich wissenschaftlich mit
dem Weißstorch beschäftigt. So wird in Bergenhusen zum Beispiel
die weltweite Weißstorch-Bestandserfassung koordiniert und ausgewertet.
Nationaler Aktionsplan
für den Weißstorch
Das jüngste erfolgreiche Projekt konzentriert sich jedoch
ganz auf die nationale Ebene. Unter dem Arbeitstitel "Storch 2000"
haben die Spezialisten des Institutes für Vogelschutz einen umfangreichen
Aktionsplan zum Schutz des Weißstorchs in Deutschland erstellt.
Erstmals gelang es, für eine Vogelart in Deutschland ein detailliertes
Maßnahmenpaket mit Aussagen bis auf die Kreisebene zu schnüren.
Möglich war das vor allem dank des feinmaschigen Netzes ehrenamtlicher
Weißstorchschützer. "Das ist im Prinzip ein einmaliger
Glücksfall", stellt Projektbetreuer Kai-Michael Thomsen fest.
"Ohne die zahlreichen Mitarbeiter der NABU-Bundesarbeitsgruppe
Weißstorch wäre 'Storch 2000' undurchführbar gewesen."
Über
viele Jahre hinweg haben die Weißstorchbetreuer vor Ort Gelegegrößen
und Bruterfolg Horst für Horst genau festgehalten. Die Rohdaten
flossen in eine Datenbank ein und wurden dann in ein geografisches Informationssystem
(GIS) eingespeist, aus dem sich Karten und zeitliche Verläufe für
ganz Deutschland anfertigen ließen. Aussagen zur Lebensraumqualität
in den Storchengebieten und zum Entwicklungspotenzial ereichten die
Bergenhusener Forscher durch Überlagerung mit den Bodennutzungsdaten
des Statistischen Bundesamtes und gesonderten Erhebungen zu den norddeutschen
Feuchtgrünländern.
Zuwanderung aus
Osteuropa
Der bisherige Weißstorchaufschwung in Deutschland vom Tiefpunkt
1988 aus mit 2950 Brutpaaren ist nahezu ausschließlich Zuwanderungsgewinnen
aus den osteuropäischen Storchengebieten zuzuschreiben. Diese Zuwanderung
kann leicht wieder abreißen. Für einen dauerhaften Aufschwung
aus eigener Kraft müssen deshalb noch erhebliche Naturschutzanstrengungen
unternommen werden. Die Analyse in "Storch 2000" zeigt deutlich,
dass die Lebensraumqualität der bestimmende Faktor für den
unterschiedlichen Bruterfolg ein den einzelnen Regionen ist. Dabei ist
nicht der Grünlandanteil an sich für den Storch wichtig, sondern
die Nutzungsintensität der Wiesen und Weiden. Und je stickstoffüberfrachteter
die Flächen sind, desto geringer ist die Fortpflanzungsrate der
Störche.
Fast
60 Prozent der deutschen Störche brüten in Mecklenburg-Vorpommern
und Brandenburg. Um die Anstrengungen auf die lohnendsten Regionen zu
konzentrieren, werden im Aktionsplan in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden
und den örtlichen Weißstorchschützern 60 Schwerpunktgebiete
mit insgesamt drei Millionen Hektar Fläche abgegrenzt. Dabei liegen
die Kerngebiete vorwiegend in Ostdeutschland, entlang der Elbe, im Spreewald
und an der Oder. Eine Stufe darunter folgen die so genannten Entwicklungsgebiete
- auch diese vor allem im Osten, aber auch an der Unterelbe und in Schleswig-Holstein.
Daneben wurden Gebiete regionaler Bedeutung benannt, die in fast allen
Bundesländern vorkommen und dort vor allem in größeren
Flussniederungen.
Lebensräume
zurückgewinnen
Entscheidend für den Fortbestand des Weißstorchs wird
die Zurückgewinnung und Verbesserung von Wiesen und Weiden an unseren
Flüssen sein. Der Elbtalaue als Rückgrat der deutschen Storchenvorkommen
gilt dabei besondere Aufmerksamkeit. Jede Beeinträchtigung muss
hier verhindert werden. Daneben müssen die bereits stärker
geschädigten Auensysteme an Oberrhein, Weser und Donau sowie an
einigen kleineren Flüssen regeneriert werden. Nötig sind Überschwemmungsflächen
mit schonend bewirtschaftetem Grünland. Gegebenenfalls müssen
Bewirtschaftungsverträge geschlossen und schutzwürdige Flächen
aufgekauft werden.
Der Aktionsplan
"Storch 2000" hat Vorbildcharakter für viele andere bedrohte
Arten. Gelegenheit, die Umsetzung zu überprüfen, gibt es bereits
in zwei Jahren. Dann nämlich steht der Welt-Weißstorchzensus
2004 an, der wieder vom NABU-Institut in Bergenhusen geleitet werden
wird.
Das
mit Unterstützung der Michael-Otto-Stiftung für Umweltschutz
erstellte "Zukunftsprogramm Weißstorch" kann als 322
Seiten umfassendes Buch für 21 Euro plus Porto bezogen werden beim
NABU-Institut für Vogelschutz, Goosstroot 1, 24861 Bergenhusen,
Fax 0 48 85-583, NABU-Inst.Thomsen@t-online.de.
Naturschutz
heute,
Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002
Naturschutz
heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes
Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten
unter www.NABU.de.
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