Naturschutz heute – Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002


NABU vor Ort

NABU-Aktion: Krötenwanderung im Internet * Airbus-Streit: Gericht stoppt Ausgleichsmaßnahme * Kurz gemeldet: Stiftung für Umwelt und Entwicklung, Biosphärenreservat Elbetal * Spendenprojekte: Fledermäuse und Vogelsbergteiche * Neues Infomaterial * Termine

Online exklusiv: Rheinland-Pfalz: Rückkehr des Kolkraben * Ziegenmelker: Geeicht auf den Sonnenuntergang * Radio, TV, Internet: Südwest-Spechte live * NABU Bremen: Öko-Zuckerwatte selbstgemacht


http://www.nabu.de/kroetenwanderung2002/index.htmNABU-Aktion: Krötenwanderung im Internet

Sobald das Thermometer nachts wieder deutliche Plusgrade zeigt, beginnen die Laichwanderungen von Kröten, Fröschen, Unken und Molchen. Der NABU möchte das bundesweite Wandergeschehen 2002 möglichst tagesaktuell im Internet dokumentieren - auch um die Vielfalt der lokalen NABU-Aktionen zu zeigen. Beteiligen können sich alle Gruppen und Aktiven. Wo also werden für die Amphibien Straßen gesperrt, wo stehen Amphibienschutzzäune, wo fangen welche Arten zuerst an zu wandern, wo und wann gibt es Schübe mit hunderten oder sogar tausenden Tieren? Infos über regionale Wanderbeginne oder besondere Vorkommnisse sollten den NABU möglichst innerhalb 24 Stunden erreichen. Kontakt: Tel. 02 28-40 36-141, Fax -206 oder naturschutz.heute@NABU.de. Über die interessantesten Ergebnisse wird im nächsten Heft berichtet. Mehr zur Aktion unter www.NABU.de/kroetenwanderung2002. (elg)


Airbus-Streit: Gericht stoppt Ausgleichsmaßnahme

Eine empfindliche Schlappe hat der Hamburger Senat mit seinen Ausbauplänen für die Endfertigung des Airbus A380 in Finkenwerder erlitten. Als naturschutzrechtlichen vorgeschriebenen Ausgleich für die teilweise Zuschüttung des Mühlenberger Lochs hatte der Senat weit entfernt vom Ort des Eingriffs ein Sielbauwerk im gezeitenbeeinflussten Bereich des NSG Haseldorfer Binnenelbe vorgesehen. Mit dieser Maßnahme sollte der Verlust von 160 Hektar Süßwasserwatt im Mühlenberger Loch theoretisch wiedergutgemacht werden. Der NABU und andere Verbände haben gegen dieses Vorhaben vor dem Verwaltungsgericht geklagt und jetzt Recht bekommen.

Das Gericht bestätigte die Auffassung der Naturschutzverbände vollständig und bezeichnete den Planfeststellungsbeschluss als mangelhaft und rechtswidrig. Wesentlicher Punkt war, dass die Haseldorfer Marsch als hochwertiges Schutzgebiet als Ausgleichsfläche von vornherein ausscheidet - weil nämlich ein solch hervorragendes Gebiet gar nicht mehr weiter aufzuwerten ist. Das Gericht bezeichnete im Gegenteil die geplante Umgestaltung selbst als Eingriff in die Natur. Dieser sei unzulässig. Der verhängte Baustopp an der Haseldorfer Marsch hat wegen der rechtlichen Verflechtungen weitreichende Folgen - auch für die Airbuserweiterung Mühlenberger Loch. (ew) Websites zum Mühlenberger Loch...


Kurz gemeldet

  • Die seit Ende September geschäftsfähige Nordrhein-Westfälische Stiftung für Umwelt und Entwicklung mit Sitz in Bonn hat bereits über erste Projektanträge entschieden. Die Stiftung unterstützt Projekte aus dem Bereich der Umweltbildung, des Umweltschutzes und der Ressourcenschonung, der entwicklungspolitischen Bildung und Information sowie des interkulturellen Lernens und des Fairen Handels. 2002 stehen dazu 4,4 Millionen Euro zur Verfügung. Genehmigt wurde unter anderem ein Projekt der NAJU NRW, die mit einem Umweltmobil jungen Menschen der Rhein-Ruhr-Region die Möglichkeiten bieten will, Natur unmittelbar vor Ort zu erleben. Geschäftsordnung und Förderrichtlinien der Stiftung stehen als Word-Dateien zum Download bereit. Mehr...
  • Nach dem rechtlichen Scheitern des niedersächsischen Nationalparks Elbtalaue 1999 hat die Landesregierung jetzt den Entwurf für ein Biosphärenreservat Niedersächsisches Elbetal vorgelegt. "Für die Region ist das eine zweite Chance, die genutzt werden muss, denn eine dritte wird es nicht geben. Das Elbetal wird in der Regionalentwicklung von einem Biosphärenreservat aber nur dann profitieren, wenn Ökologie und Ökonomie ausgewogen berücksichtigt werden," so NABU-Experte Andreas Lindemann. Neben der Einrichtung einer hautamtlichen Naturwacht fordert der NABU auch Verbesserungen bei der Jagd auf Gänse und Enten. Da das Elbetal ein Gebiet von internationaler Bedeutung für den Vogelzug ist, soll nach NABU-Auffassung am Stromband zwischen den Deichen und an den wichtigsten Nebengewässern die Jagd künftig ruhen.

Spendenprojekte: Fledermäuse und Vogelsbergteiche

Ein Spendenaufruf in Heft 1/00 und Mittel der Denkmalschutz- und Naturschutzbehörden machen es möglich, nun endlich Thüringens größtes Wochenstubenquartier der Kleinen Hufeisennase in der Kirche von Altenberga zu sanieren. Das Dach des Gotteshauses ist undicht und muss neu gedeckt werden. Insbesondere der Nachlass der Familie Schrader (Bad Pyrmont) sowie großzügige Spenden von Manfred Beresheim (Neu Anspach), Wolfgang Kleuren (Mühlheim), Hans König (Kirchheimbolanden), Roland Paul (Bad Kreuznach) und W. R. (Rottenburg) haben dies ermöglicht. Die Bauarbeiten begannen im November bei Abwesenheit der Fledermäuse. Dabei wird unbehandeltes Holz eingebaut, die Art der Ziegel berücksichtigt die Hangplatz- und Temperaturbedürfnisse der Fledermäuse, ein Teil des Daches im Bereich eines Haupthangplatzes bleibt vorerst unverändert. Im diesem Jahr soll die Überwachung der Wochenstube mit Infrarot-Kameras fortgesetzt werden, um die Annahme des renovierten Quartiers zu dokumentieren.

Große Resonanz hat auch der Spendenaufruf des NABU Hessen vor einem Jahr für den Kauf der Vogelsbergteiche gefunden. Für das größte private hessische Naturschutzprojekt sind mittlerweile über 410.000 Euro zusammengekommen. Damit fehlen aber noch mehr als 100.000 Euro, um die letzten fälligen Raten bezahlen zu können. Nachdem im letzten Jahr die Kaufverträge für die 50 Hektar des NABU-Projektes unterzeichnet wurden, ist vieles um die Teiche herum passiert. Es waren schon weit über 50 Gruppen mit 1250 Besucher vor Ort, um sich "ihre" NABU-Teiche anzuschauen. Fernsehbeiträge wurden produziert, ein umfassendes Bildungskonzept liegt vor und im historischen Teichhaus fanden erste Tagungen statt. Hier geht also das Spendensammeln weiter: Konto Nr. 020 020 030, Sparkasse Waldeck-Frankenberg, BLZ 523 500 05, Stichwort Vogelsbergteiche. (mbi/kes)


Infomaterial

  • Angler und Berufsfischer setzen Fische aus in dem Glauben, den Fischbestand damit zu erhalten und den Ertrag zu steigern. Doch der größere Ertrag bleibt aus und das Gewässerökosystem wird gestört. Auf acht Seiten fasst das neue Faltblatt Fischbesatz - sinnvoll oder schädlich? die Ergebnisse einer Studie des NABU-Instituts für Landwirtschaft und Naturschutz in Bühl zusammen. Einfach und anschaulich werden die Folgen des Fischbesatzes erklärt und Handlungstipps gegeben. Das A4-Faltblatt kann zum Stückpreis von einem Euro bestellt werden beim NABU Baden-Württemberg, Tübinger Straße 15, 70178 Stuttgart, Tel. 07 11-9 66 72 12, service@NABU-BW.de.
  • Gemischte Gefühle hatte der NABU Neckarsteinach beim Verfassen des aktuellen Steinach-Reports. Einerseits kann man mit Band Nr. 11 auf erfolgreiche Jahre der Gewässeruntersuchung zurück blicken, andererseits hat sich der Gewässerzustand gerade im letzten Jahr in einigen Bereichen verschlechtert. Der Steinach-Report ist wie immer vorbildlich geeignet für Gruppen, die im Fließgewässerschutz tätig werden wollen. Bezug zum Preis von 12,50 Euro beim NABU Neckar- und Steinachtal, Am Leerberg 39, 69239 Neckarsteinach.
  • Das Öko-Institut und der NABU Nordrhein-Westfalen haben eine gemeinsame Studie zum Einsatz von Recyclingpapier im Büro herausgegeben. Wer darüber nachdenkt, im eigenen Betrieb Recyclingpapier einzuführen oder die Chefetage gerne dafür gewinnen möchte, findet in diesem Heft eine Fülle von Argumenten und positiven Berichte aus der Praxis, die jedes Gegenargument effektvoll entkräften. Bezug für 13,30 Euro plus Porto beim NABU NRW, Merowingerstraße 88, 40225 Düsseldorf, info@NABU-NRW.de.
  • Einen am Fenster anzubringenden Futterautomaten hat der NABU Bremen konstruiert. Der Meisenmagnet ist aus Holzscheiben und Drahtgeflecht einfach herzustellen und wird mit Saugnäpfen an der Fensterscheibe befestigt. Bezug der bebilderten Bauanleitung gegen Einsendung eines adressierten und mit 56 Cent frankierten Rückumschlags beim NABU Bremen, Contrescarpe 8, 28203 Bremen.

Termine

23. Februar: Dritter Berliner Naturschutztag unter dem Motto "Nachbar Natur" über Natur- und Artenschutz in der Großstadt. Info: NABU Berlin, Tel. 030-9 86 41 07, Fax -9 86 70 51, lvberlin@NABU-Berlin.de. Programm...

27. Februar: NABU-Tagung "Die Ems - ein Modell für die Zusammenarbeit im europäischen Naturschutz" im Kolpinghaus Münster. Info: Natur- und Umweltschutzakademie NRW, Tel. 0 23 61-30 50, Fax -30 53 40, nua-z@nua.nrw.de. Mehr: Organisatorisches..., Programm...


Rheinland-Pfalz: Rückkehr des Kolkraben

Der Kolkrabe kehrt langsam in den Südwesten zurück. Nach Saarland und Hessen vermeldet jetzt auch Rheinland-Pfalz erste Brutnachweise. Um die Rückkehr zu unterstützen, hat der NABU zusammen mit der Landesforstverwaltung eine Werbeaktion für ein besseres Image des "schwarzen Gesellen" gestartet. Ein Infofaltblatt ist kostenlos beim NABU Rheinland-Pfalz erhältlich.

Kolkraben vereinigen in sich hervorragende körperliche Fähigkeiten (Fliegen, Laufen, Wehrhaftigkeit, kräftiger Schnabel) mit einer hohen Intelligenz. Sie können sich exzellent an geänderte Umweltbedingungen anpassen. Dennoch war der einst recht häufige Kolkrabe in Rheinland-Pfalz seit 1952 ausgestorben. Letztendlich hatten ihn Konkurrenzneid, Vorurteile und Aberglaube ausgerottet. Als vermeintlicher Jagd- und Landwirtschaftsschädling wurde der Kolkrabe intensiv verfolgt.

Bisher gibt es drei gesicherte Rückkehrer. Um den Kenntnisstand zu verbessern, erbittet der NABU Bebachtungsmeldungen an die Landesgeschäftsstelle Rheinland-Pfalz, Postfach 16 47, 55006 Mainz, Telefon 0 61 31-1 40 39-21. (elg) Mehr...


Ziegenmelker: Geeicht auf den Sonnenuntergang

Als dämmerungsaktiver Vogel gehört der auch Nachtschwalbe genannte Ziegenmelker zu den nur lückenhaft ökologisch untersuchten heimischen Arten. Dass den Geheimnissen des Ziegenmelkers auch als Freizeit-Forscher beizukommen ist, zeigt die Arbeit von Armin Hönig im südhessischen Rodgau-Dudenhofen. Abend für Abend hat Hönig seit 1998 in den Sommermonaten Mai bis August die dortigen Ziegenmelker beobachtet und dabei unter anderem festgestellt, dass sich die Vögel bei ihrem abendlichen Aktivitätsbeginn präzise am Zeitpunkt des Sonnenuntergangs orientieren. Armin Hönig wies auch nach, dass die vorjährigen Kälteeinbrüche fast zu einer Halbierung der lokale Bestände geführt hat.

Um den Menschen die seltene Vogelart näher zu bringen, wurden inzwischen zusammen mit dem NABU Dudenhofen nahe den Ziegenmelkerbiotopen vom ortsansässigen Designer Dietmar Keitzl gestaltete Infotafeln aufgestellt. Kontakt: Armin Hönig, Niederröder Straße 28, 63110 Rodgau 2. (elg) Komplette Untersuchungsergebnisse...


Radio, TV, Internet: Südwest-Spechte live

Die Welt der Spechte ist ab Ende April Thema von Sendungen im Südwest-Hörfunk und im SWR-Fernsehen. In Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Museum Rosenstein und dem NABU gibt es parallel dazu eine interaktive Präsentation im Internet. Kameras belauschen das Familienleben eines Spechtpaares, schauen in eine Bruthöhle. Minisender geben Auskunft, wie groß ein Specht-Wohngebiet ist. Die Internet-User können zuschauen, wie ein Telemetrie-Sender an einem Specht befestigt wird. Mikrofone übertragen Laute von der Spechthöhle.

Führungen in Spechtlebensräume mit dem NABU und Naturschutzzentren werden ebenfalls live ins Internet übertragen. Spechte sind online zu sehen und hören von Ende April bis Anfang Juni unter www.swr2.de/spechte. Für den Spechte-Veranstaltungskalender können NABU-Gruppen Führungen an spechte@swr.de melden. (rg)


NABU Bremen: Öko-Zuckerwatte selbstgemacht

Eine bundesweite Neuheit zur Werbung für Bioprodukte hat sich der NABU Bremen einfallen lassen: Bio-Zuckerwatte. Für die vielen Hof-, Schul- und Milchfeste legten die Hanseaten sich mit Unterstützung von Bingo-Lotto eine Zuckerwatte-Maschine zu. Darin dreht der NABU Bremen Zuckerwatte aus biologischem Roh-Rohrzucker. Lange Schlangen sind auf jedem Fest die Regel, denn die Nachfrage bei Groß und Klein ist riesig, so landen 500 Mark und mehr pro Tag an Spenden beim NABU.

Die Idee lebt von ihrer Widersprüchlichkeit, sie konterkariert den erhobenen Zeigefinger", schmunzelt Sönke Hofmann, "Erfinder" der Bio-Zuckerwatte. In den Verkaufsgesprächen stellen die Aktiven immer wieder fest, dass viele Menschen nur wenig über die Anforderungen oder Herstellung von Bio-Produkten wissen. "Darüber können wir dann aufklären und ganz nebenbei schmeckt die unraffinierte Zuckerwatte auch deutlich besser."

Informationen über Maschinen und Herstelleradressen gibt es unter Tel. 04 21-3 39 84 28 oder info@NABU-Bremen.de.


Naturschutz heute, Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002


Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de.

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