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Naturschutz heute Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002 Magazin NABU-Preis: Dino 2001 an Sonnleitner * Bundesvertreterversammlung: Heimspiel für Renate Künast * NABU-Naturstrom: Energiewende leicht gemacht * Fluss-Ausbau: Denkpause für die Elbe * Kurz gemeldet: Ehrenamtliche Arbeit stärken, Lobbyverflechtungen in der Landwirtschaft, neues Bundesnaturschutzgesetz NABU-Preis: Dino 2001 an Sonnleitner Der NABU hat Gerhard Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), mit dem "Dinosaurier des Jahres 2001" ausgezeichnet. Sonnleitner erhält den Dino für seine anhaltende Bremsleistung bei der Agrarwende. "Der oberste deutsche Bauernfunktionär repräsentiert einen Filz, der die eigene Mitverantwortung für Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft schlichtweg leugnet und gegen jede noch so überfällige Reform lautstark ins Feld zieht", begründete NABU-Geschäftsführer Gerd Billen die Wahl. Mit dem aus Zinn gegossenen und 2,6 Kilogramm schweren "Dinosaurier des Jahres" bedenkt der NABU seit 1993 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich sowohl durch herausragende Einzelleistungen als auch durch die Summe ihres Gesamtwerkes in Sachen Umweltschutz als besonders antiquiert erwiesen haben. Vorgänger Sonnleitners waren unter anderem Ex-BDI-Chef Henkel, Bayernwerkchef Majewski und der baden-württembergische Ministerpräsident Teufel. Sonnleitner und der Bauernverband haben nach einer durch den BSE-Skandal ausgelösten Schrecksekunde schon früh im Jahr wieder munter die Politik des "Weiter so" propagiert. "Die Bauern als Opfer, schuld an der Misere sind Politiker, Handel und Verbraucher - Gerhard Sonnleitner betreibt Lobbyarbeit auf eine bemerkenswert schlichte Art", so Gerd Billen. Zwar seien gerade viele Kleinbauern durchaus Opfer, aber vor allem Opfer ihrer eigenen Standesvertretung. Der Bauernverband hat in den letzten Jahren eine Agrarpolitik unterstützt, die der bäuerlichen Landwirtschaft zunehmend das Wasser abgräbt. Sonnleitners ständige Litanei gegen jeglichen Reformschritt - vom Bundesnaturschutzgesetz bis zur Ökosteuer - hat über das Jahr schon beinahe groteske Züge angenommen. Finanzielle Umschichtungen zugunsten des ökologischen Landbaus, dringend erforderliche Verbesserungen bei der Tierhaltung, Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutz- und Düngemitteln - dazu fällt dem DBV nichts weiter ein als ein permanentes Nein. (bep) Mehr... Bundesvertreterversammlung: Heimspiel für Renate Künast "Es ist schön in diesen Tagen, mal wieder Freunde zu besuchen": Verbraucherministerin Renate Künast war in Zeiten grüner Identitätsdebatten die Freude über den herzlichen Empfang auf der NABU-Bundesvertreterversammlung (BVV) am 10. und 11. November in Erfurt deutlich anzumerken. In ihrer Rede zeigte sie dann auch sehr zufrieden mit der Unterstützung des NABU auf dem dornigen Weg hin zur Agrarwende. Zuvor hatte NABU-Präsident Jochen Flasbarth den bisherigen Einsatz des BVV-Gastes für eine Ökologisierung der Landwirtschaft ausdrücklich hervorgehoben, darüber hinaus aber weitere Schritte und ein schärferes Tempo angemahnt. Bereits am 8. und 9. November war ebenfalls in Erfurt mit einer Fachtagung "Flächen intelligent nutzen - Strategien für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung" die NABU-Kampagne "Nachbar Natur" offiziell eröffnet worden. Die rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer - unter ihnen auch Professor Wolfgang Troge, Präsident des Umweltbundesamtes - diskutierten engagiert alle Facetten des Themas intelligente Flächennutzung und sparten nicht mit Lob für das Niveau und die gute Organisation der Veranstaltung. Ein Reader zur NABU-Fachtagung erscheint im Februar. Infos unter Tel. 02 28-40 36-174. (bep) NABU-Naturstrom: Energiewende leicht gemacht Die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien ist seit vielen Jahren ein wichtiges Anliegen des NABU. Die Energiewende ist nicht nur notwendig, sondern auch für jeden persönlich praktizierbar. Jeder Verbraucher hat es selbst in der Hand, aus der Verschwendung fossiler Energieträger, der Gefährdung des Klimas und den Risiken der Atomenergie auszusteigen. Seit 2000 bietet der NABU deshalb seinen Mitgliedern über eine Kooperation mit der Düsseldorfer Naturstrom AG "NABU-Naturstrom" an, einen Mix aus Photovoltaik-, Biomasse-, Wasserkraft- und Windstrom. Das besondere daran: Erzeugungsanlagen, gegen die der NABU aus naturschutzfachlichen Gesichtspunkten Bedenken hat, werden von der Naturstrom AG nicht unter Vertrag genommen. NABU-Naturstrom bedeutet, dass NABU-Mitglieder günstigere Vertragskonditionen erhalten, um den Wechsel auf regenerativ erzeugten Strom zu erleichtern. Der NABU freut sich über jeden, der auf "grünen" Strom umsteigt - Auswahl an geeigneten Anbietern gibt es ausreichend. Fluss-Ausbau: Denkpause für die Elbe Der NABU hat die Landesregierung Sachsen-Anhalts aufgefordert, sich gemeinsam für einen sofortigen Ausbaustopp an der Unteren Mittelelbe einzusetzen. Hintergrund sind die laufenden Instandsetzungsarbeiten an Buhnen, Deck- und Leitwerk zwischen Magdeburg und Lauenburg, die den ökologischen Wert der Elbe-Flusslandschaft in höchstem Maße gefährden. "Die Elbtalaue gehört zu den Filetstücken des deutschen Naturerbes. Der natürliche Reichtum des ehemaligen Grenzflusses ist eine ausnahmsweise positive Folge der deutsch-deutschen Teilung, weil ein Ausbau unterblieb und der Fluss eine natürlichere Dynamik entfalten durfte", so NABU-Flussexperte Rocco Buchta. Die kostspieligen Baumaßnahmen machen auch verkehrspolitisch keinen Sinn, da das Schifffahrtsaufkommen auf der Elbe beständig abnimmt und außerdem der in Kürze voll ausgebaute Elbe-Seitenkanal den meisten Verkehr aufnehmen kann. "Leider hat es die rot-grüne Bundesregierung verpasst, die nötigen Schritte für den Erhalt der Elbtalaue zu ergreifen. Das starrsinnige Festhalten an den zehn Jahre alten Ausbauplänen mit überholten Berechnungen zu Kosten und Nutzen ist grob fahrlässig", so Buchta. Der NABU fordert deshalb von Bundesverkehrsminister Bodewig zunächst ein halbjähriges Moratorium, damit geklärt werden kann, ob der Bundesverkehrswegeplan nicht korrigiert werden muss. Mehr... (tw)
Naturschutz heute, Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002 Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de. Inhaltsverzeichnis Ausgabe 1/02 * Themenübersicht Archiv Naturschutz heute * Home |
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