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Naturschutz heute Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002 Millionen für die Uferschnepfe Agrarumweltprogramme auf dem Prüfstand. von Peter Hergersberg Austernfischer und Uferschnepfe mögen es nicht, wenn über ihr Gelege eine Mähmaschine rollt - dachten Agrar- und Umweltexperten von der Europäischen Union, als sie Regeln zu ihrem Schutz aufstellten. Doch in den Niederlanden, wo ein Drittel der europäischen Uferschnepfen und die Hälfte der Austerfischer brütet, scheinen sie damit falsch zu liegen. Das jedenfalls verkünden Ökologen von der Universität Wageningen als Fazit einer Studie, die sie im Oktober im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichten. Demnach können die EU-Fachleute und ihre niederländischen Kollegen die Wiesenbrüter bei der Brut nicht schützen, indem sie die Landwirte für eine aufgeschobene Mahd belohnen. Ebenso könne ein Bauer die Vielfalt von Pflanzen und Insekten nicht fördern, wenn er sich beim Düngen zurückhält und später mäht als üblich. Austernfischer
im dichten Gras Allerdings, so räumt Kleijn ein, brächten die Vögel mehr Nachwuchs durch, wenn ihnen keine Mähmaschine in die Brutzeit fährt. "Doch das hilft den Vögeln kaum, weil sie konventionell bewirtschaftete Wiesen als Nistplatz vorziehen", sagt Kleijn. Denn dort könne der Landwirt fast dreimal mehr düngen - 277 Kilogramm Stickstoff verteilen sie pro Jahr und Hektar, um das Gras schon früher zur Erntehöhe zu päppeln. In dem dichteren Gras krabbelten aber auch mehr Insekten, von denen sich die Vögel ernähren. Manche Insekten profitieren aber auch vom sparsamen Düngen - Bienen, Hummeln und Schwebfliegen etwa. Drosseln Bauern die Stickstoffausfuhr und mähen später, nimmt auch die Zahl der Insekten zu - vor allem wenn über die konventionell bewirtschafteten Parzellen schon die Sense hinweggegangen ist. Artenvielfalt, bis der Landwirt zur Heuernte kommt. Flächen
sind zu klein Mittlerweile gibt es die Prämien für die Maßnahmen, die die Wissenschaftler aus Wageningen untersucht haben, aber nur noch, wenn die Landwirte den Nutzen für den Natur- und Artenschutz nachweisen. Außerdem müssen die Landwirte nun manchmal ganz auf Dünger verzichten. Damit hat das niederländische Landwirtschaftsministerium den Forderungen der Wissenschaftler schon vorweggegriffen: strengere Regeln und mehr Kontrolle. Gute Erfahrungen
am Niederrhein Doch trotz der Schutzmaßnahmen finden sich in den Wiesen jetzt immer weniger Brutpaare der Bekassine. Für sie müssten die Wiesen wohl noch nässer sein. Und auch Brachvogel und Uferschnepfe tauchen seit 1996 wieder seltener auf. In den vier Jahren davor war ihre Zahl gestiegen - ein Effekt der EU-Programme, die Landwirten seit 1992 Geld für Naturschutz bringen. "Warum die Zahl seit einigen Jahren wieder leicht abnimmt, weiß keiner genau", sagt Martin Woike von der LÖBF. "Dabei unterstützen wir sogar den Schutz der Uferschnepfen-Winterquartiere im senegalesischen Nationalpark Djoudj." Einkommenssicherung
im Vordergrund Ein weiteres Problem: Eigentlich sollen die Prämien dem Bauern seinen Verdienstausfall erstatten, wenn er etwa weniger düngt und dann auch weniger erntet. Doch die Landwirte gerade in fruchtbaren Regionen können mit viel Dünger und Pestiziden mehr Gewinn aus dem Boden holen als bei maßvollem Chemieeinsatz plus EU-Zuschlag. "In den Niederlanden reicht die Prämie nicht, um zu einer extensiven Wirtschaftsweise zu motivieren", so Rainer Plankl. Und im benachbarten Niedersachsen reizt die Prämie auch kaum jemanden. Daher beanspruchen niedersächsische Landwirte jährlich nur gut 20 Millionen Euro Förderung - ein Zehntel dessen, was ihre bayerischen Kollegen einheimsen. Umweltnutzen
nachweisen Erfreulich, aber nicht nötig, wenn es nach den Vorgaben der EU geht. Als die Brüsseler Experten die Agrarumweltmaßnahmen vor beinahe zehn Jahren entwarfen, sollten sie unter dem schönen Kürzel "Meka" für Marktentlastung und Kulturausgleich vor allem Überproduktion eindämmen - mit ökologischem Zusatznutzen. Naturschutz heute, Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002 Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de. Inhaltsverzeichnis Ausgabe 1/02 * Themenübersicht Archiv Naturschutz heute * Home |
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