Naturschutz heute – Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002


Unsere eine Welt braucht mehr Unterstützer

Editorial von NABU-Präsident Jochen Flasbarth

Es ist wieder so weit: Die Staatengemeinschaft bereitet sich auf eine neue Mammutkonferenz zum Schutz unserer einen Erde vor, die im September im südafrikanischen Johannesburg stattfinden wird. Stärker noch als vor zehn Jahren beim großen Erdgipfel in Rio steht dabei die "nachhaltige Entwicklung" in allen Teilen der Welt im Vordergrund. Hinter dem immer noch sperrigen Begriff der Nachhaltigkeit steckt nicht mehr und nicht weniger als die schlichte Forderung, unseren Kindern und Enkeln nicht das gute Leben auf der Erde zu nehmen und zugleich schon heute allen Menschen dieser Welt ein menschenwürdiges Dasein zu erlauben.

Die Wirklichkeit sieht trotz vieler kleiner Etappenerfolge seit Rio immer noch anders aus: Die Reichtümer dieser Erde werden von wenigen Menschen in einer atemberaubenden Geschwindigkeit geplündert. Die Tropenwälder gehen jährlich um über 12 Millionen Hektar zurück, pro Tag sterben 130 Arten weltweit aus, die Wüstenbildung schreitet voran - und fast eine Milliarde Menschen leben in bitterster Armut.

Viele Länder haben erkannt, dass die Zeit immer knapper wird und in Johannesburg ein großer Wurf gelingen muss. Das Tempo zum Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen muss drastisch gesteigert werden. Aber es gibt überall auch Bremser: Vor allem die mächtigen USA, aber auch die Ölförderstaaten der OPEC sperren sich gegen wirksame und verbindliche internationale Vereinbarungen. Dabei entfällt beispielsweise auf einen US-Amerikaner die zwanzigfache Menge des Klimagiftes Kohlendioxid im Vergleich etwa zu einem Inder.

Die Stimme derer, die diese Erde für alle Menschen in einem lebenswerten Zustand bewahren wollen, denen die Zerstörung der Natur nicht gleichgültig ist und die sich für eine wirklich moderne Zukunft einsetzen - für ein gutes Leben in den Grenzen, die diese eine Welt setzt, diese Stimme muss in den nächsten Monaten und Jahren lauter werden. Schon heute kann der NABU gemeinsam mit befreundeten Umweltverbänden aus allen Teilen der Welt die Geschicke ein wenig mitgestalten. Unser Rat ist gefragt und gelegentlich sind unsere öffentlichen Mahnungen und Vorwürfe gefürchtet - aber wir brauchen dringend mehr Kraft, mehr Gewicht und letztlich auch mehr Kapazitäten.

Deshalb geht heute erneut meine Bitte an alle unsere Unterstützer: Helfen Sie, dass der NABU größer wird und mehr Einfluss geltend machen kann. Überzeugen Sie Freunde, dass eine Mitgliedschaft im NABU ein Stück Zukunftssicherung ist. Dies wäre ein kleiner Beitrag, den eigentlich jeder leisten könnte.


Naturschutz heute, Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002


Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de.

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