Naturschutz heute – Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002


Naturschutz international

Schneeleopard: Dshamilja auf Partnersuche * Fernglas-Aktion: Hilfe für Kinder in Zimbabwe * NABU-Feldforschung: Vogelfang in den Pripjatsümpfen * Natur-Urlaub: Wandern im Kaukasus


Schneeleopard: Dshamilja auf Partnersuche

Die vor gut einem Jahr vom NABU in Kirgisistan aus Wildererhand gerettete Schneeleopardin Dshamilja hat nach der Zwischenstation im Wildpark Lüneburger Heide eine neue Heimat im Zoo Zürich gefunden. Seit 1976 kamen in Zürich 51 Schneeleoparden zur Welt. Dshamilja soll nun in einer neu gebauten, modernen Schneeleoparden-Anlage die erfolgreiche Züricher Erhaltungszucht fortführen. Außerdem wird der Zoo Zürich dem NABU die Kosten für die Anstellung eines Wildhüters im kirgisischen Schneeleopardenprojekt für zwei Jahre übernehmen.

Im Rahmen des Europäischen Erhaltungsprogramms wurde Dshamilja aus dem schwedischen Wildpark Nordens Ark der Kater Thimphu zugeordnet. Beide Tiere absolvierten im Zoo Zürich eine Quarantäne, waren zusammengewöhnt und hatten sich bereits bestens verstanden. Da kam es Mitte Dezember zu einem schweren Rückschlag. Der Tierpfleger stellte fest, dass Thimphu sehr ruhig war und sein Bauch sich aufblähte. Obwohl der Tierarzt 15 Minuten später vor Ort war, kam jede Hilfe zu spät: Thimphu starb an einem Kreislaufkollaps infolge einer Magendrehung. Magendrehungen kennt man bei verschiedenen Hunderassen, waren bei Großkatzen aber bisher unbekannt.

Nun muss Dshamilja auf einen neuen Partner warten. Wenn alles gut geht, könnte es schon im Herbst Nachwuchs geben, hofft NABU-Projektleiterin Birga Dexel: "Das wäre ein besonderer Erfolg, denn seit mehr als 20 Jahren hat es keinen Nachwuchs von Schneeleoparden aus freier Wildbahn gegeben." (tw) Mehr...


Fernglas-Aktion: Hilfe für Kinder in Zimbabwe

Von Mitgliedern gespendet, von der Bundesarbeitsgruppe Afrika koordiniert, konnte der NABU vor einigen Monaten zehn gebrauchte, aber gut erhaltene Ferngläser über die deutsche Botschaft in Harare an BirdLife Zimbabwe übergeben. Unter dem Titel "Children, Birds and Biodiversity" führt der BirdLife-Partner in Zimbabwe seit zwei Jahren ein umfangreiches Umweltbildungsprojekt an landesweit 15 Schulen durch.

Nach Lehrer-Fortbildungsveranstaltungen und der Erstellung von Unterrichtsmaterialien soll den Kindern jetzt anhand der artenreichen Vogelwelt Zimbabwes der Zusammenhang zwischen Lebensraumqualität und biologischer Vielfalt verdeutlichen. "Mit oft verblüffend einfachen Begrünungsmaßnahmen, der Schaffung einer kleinen Wasserstelle oder zusätzlichen Nistplatzangeboten nimmt die Artenzahl im Schulumfeld spürbar zu", freut sich Leslee Maasdrop, die Leiterin des Umweltbildungsprogramms.

Da Ferngläser in Zimbabwe absolute Mangelware sind, müssen sich derzeit in der Regel zwei Schulen den Gebrauch eines einzigen Fernglases teilen. Bei Klassen von oft mehr als 40 Schülern ergibt das ein Fernglas auf 800 Kinder - ein Umstand, der die Beschäftigung mit der Vogelwelt nicht einfach macht. Gerne will der NABU deshalb der Bitte der Kinder um weitere Ferngläser nachkommen. Schließlich trägt die Bereitstellung dieses "Handwerkszeugs" für künftige Ornithologen und Naturschützer dazu bei, den Naturschutz im südlichen Afrika zu stärken. Auch der Transport der Gläser ist dank der deutschen Botschaft bereits gesichert.
Wer die Aktion unterstützen möchte, kann gut erhaltene, gebrauchte Ferngläser schicken an die NABU-Bundesarbeitsgruppe Afrika, c/o Werner Schröder, Flachskamp 47, 33824 Werther. (ws)


NABU-Feldforschung: Vogelfang in den Pripjatsümpfen

Die Europäische Union hat besorgniserregende Pläne zum Ausbau einer Großwasserstraße von der Oder bis zum Schwarzen Meer als "Schiffsautobahn" vorgelegt. Die Folge wäre eine Absenkung des Grundwasserspiegels und damit der Verlust bedeutender Auen- und Feuchtgebiete. Der Schutz solch wichtiger Ökosysteme im europäischen Binnenland ist Ziel des internationalen Forschungsprojektes Wader Wetlands Inlands (WWI), das der NABU unter Federführung seines Regionalverbandes Westhavelland seit fünf Jahren durchführt.

Zusammen mit den Vogelwarten wurden in Europa zehn Fangplätze eingerichtet. Der südlichste Fangplatz im Flugkorridor der Zugvögel, die im Herbst von ihren Brutplätzen in Weißrussland und der Ukraine nach Westen bis zur Atlantikküste ziehen, liegt im thüringischen Teichgebiet Dreba-Plothen. Hier wurden inzwischen 688 Wasservögel in 27 Arten registriert.

In der Brutzeit 2001 haben nun deutsche Ornithologen, darunter auch Mitglieder des NABU-Arbeitskreises Dreba-Plothen, in den Sümpfen des ukrainischen Pripjatflusses das Projekt fortgesetzt. Außergewöhnlich war dabei der Wiederfang eines Sandregenpfeifers mit Ring der deutschen Vogelwarte Hiddensee. Außerdem gelang den Thüringer Ornithologen der erste Brutnachweis der Lasurmeise für die Ukraine.

In einem der größten ökologisch noch intakten Feuchtgebiete Europas wurden Vogelbestände erfasst sowie Watvögel gefangen und gekennzeichnet, vor allem Rotschenkel, Uferschnepfen, Kiebitze, Regenpfeifer und Seeschwalben. Nester wurden markiert, deren Eizahlen registriert und auf Bruterfolge untersucht. Die Beringung von nestjungen Schnepfenvögeln war dort deshalb wichtig, weil die Brutbestände in Deutschland so selten geworden sind, dass ein aussagekräftiges Ergebnis nicht mehr möglich ist. Das WWI-Projekt soll noch weitere fünf Jahre fortgeführt werden. (nas/jau)


Natur-Urlaub: Wandern im Kaukasus

Hunderte Kilometer abseits von den bekannten Krisenregionen des Kaukasus befindet sich in seinem westlichen Teil ein Naturparadies, das in den letzten Jahren seine Pforten öffnet, wenn auch nur für kleine Touristengruppen. Im 3000 Quadratkilometer großen Weltnaturerbegebiet Westkaukasus blieb die einzigartige Artenvielfalt des Kaukasus bis heute erhalten. Der NABU setzt sich seit 1995 für den Schutz des Gebietes ein. Derzeit wird ein Umweltbildungszentrum für das Welterbegebiet aufgebaut. Auch umweltverträgliche Reisen sind in das Konzept für die langfristige Sicherung der einzigartigen Naturlandschaften durch ein schonendes Management mit strengen Auflagen und finanzielle Beiträge eingebunden.

Die 2002er Reisen des NABU führen ins Hochgebirge und an die Meeresküste, zu vogelreichen Brackwasserseen und Dünenlandschaften mit Schlammvulkanen. Im Angebot sind zwei elftägige Wanderungen mit jeweils einwöchigen Verlängerungsmöglichkeiten sowie individuelle Tierbeobachtungstouren. Besondere Erlebnisse sind die Brunft der Kaukasischen Edelhirsche im Oktober oder im August die Paarungskämpfe der Bergwisente. Steinböcke und Braunbären sind im Juni besonders leicht zu beobachten. Zu den zoologischen Besonderheiten gehören außerdem Kaukasisches Birkhuhn, Kaukasisches Königshuhn und vier Geierarten. In Frühling und Sommer begeistern insbesondere die blumenreichen Hochstaudenfluren, klaren Bergseen und alpinen Matten jeden Besucher.

Für die Wanderungen sind durchschnittliche Kondition und sicherer Tritt erforderlich. Die Reisen sind sowohl für Wander- und Treckingfreunde wie auch für Naturliebhaber, Tierbeobachter und Botaniker geeignet. Während der Wanderungen tragen Pferden Gepäck und Verpflegung, so dass die Urlauber sich voll auf die Schönheiten der Natur konzentrieren können. Info: Vitalij Kovalev, Straße der Pariser Kommune 11/Whg. 1603, 10243 Berlin, Tel. & Fax 030-4 28 69 25, kovalev@transmedia.de. (vk) Mehr zum Kaukasus-Projekt...


Naturschutz heute, Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002


Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de.

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