|
Naturschutz heute Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002 Markt statt Subventionen Biosphärenreservate schaffen Arbeitsplätze durch Naturschutz. von Markus Rösler
Es lässt sich en detail vorrechnen und nachweisen: Mehr als 60 zusätzliche dauerhafte Arbeitsplätze könnten allein im potentiellen Biosphärenreservat Mittlere Schwäbische Alb entstehen, wenn folgende fünf Projekte verwirklicht würden:
Genauso interessant und mehr am Markt orientiert ist die Frage: Wie viel Euro pro Festmeter zertifiziertes Holz, pro Doppelzentner Streuobst, pro Tonne naturverträglich abgebautem Rohstoff muss der Erzeuger beziehungsweise Unternehmer erhalten, damit seine Arbeit fair entlohnt wird? Erhält er für seine Produkte mehr als für vergleichbar konventionell erzeugte Produkte, spricht man von Aufpreisvermarktung - damit werden in Deutschland bereits jährlich Produkte im Marktwert von mindestens zehn Millionen Euro vertrieben. Faire Preise soll es schließlich nicht nur für Kaffee oder Bananen aus der so genannten Dritten Welt, sondern auch für Land- und Forstwirte sowie Unternehmer in Europa geben. Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Solange keine fairen Preise bezahlt werden, solange die gesetzlichen Rahmen- und Förderbedingungen eher zugunsten der Intensiv-Produktionen beispielsweise mit synthetischen Pestiziden ausfallen, solange ist die "Honorierung ökologischer Leistungen" nicht nur gerechtfertigt, sondern auch dringend erforderlich. Vorreiter Lammfleisch Beim Projekt Juralamm auf der Fränkischen Alb in Bayern wurden bereits im ersten Projektjahr weit über 10.000 Kilo Lammfleisch umgesetzt: Auch das zeigt, dass ein geschicktes Marketing die Nachfrage nach Lammfleisch als "Naturschutz-Koppel-Produkt" um ein Vielfaches steigern kann. Wird das berechnete langfristige Ziel von 25 statt früher 1,2 Prozent Lammfleischverzehr erreicht, dient dies der naturverträglichen Nutzung von zusätzlich mehr als 350 Hektar Wacholderheiden und Magerrasen - und vier bis sechs zusätzlichen Arbeitsplätzen in der Schäferei alleine im Lautertal. Regionalvermarktung
stärken Im Bereich Holz und Schreinerei zeigen neueste Entwicklungen, dass eine Regionalvermarktung zwar schwieriger als bei Lebensmitteln ist, aber durchaus erfolgreich sein kann. Als Beispiel für inzwischen 63 Initiativen im Bundesgebiet sei die Region Lam und Lohberg genannt, die naturverträgliche Forstwirtschaft, regionale Sägewerke und Schreinereibetriebe zusammenführt. Leitbild Biosphäre Für die Mittlere Schwäbischen Alb fordert der NABU seit vielen Jahren die Ausweisung als Biosphärenreservat, um Prozesse wie "Jobmotor Biosphäre" in Gang zu bringen. Die Landesregierung aber, insbesondere Ministerpräsident Erwin Teufel selbst, lehnt dies strikt ab. Im Saarland hingegen hat CDU-Regierungschef Peter Müller dem NABU zugesagt, im Bliesgau ein Biosphärenreservat einzurichten. Dort scheint die Politik neuen Wegen gegenüber aufgeschlossener. Markus Rösler: Arbeitsplätze durch Naturschutz am Beispiel der Biosphärenreservate und der Modellregion Mittlere Schwäbische Alb. - 372 S. 7,70 Euro. Bezug: NABU Baden-Württemberg, Tübinger Straße 15, 70178 Stuttgart, Tel. 07 11-9 66 72-0, Fax -33. Naturschutz heute, Ausgabe 1/02 vom 25. Januar 2002 Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de. Inhaltsverzeichnis Ausgabe 1/02 * Themenübersicht Archiv Naturschutz heute * Home |
|