Naturschutz
heute Ausgabe 1/01 vom 26. Januar 2001
Antarktis-Reisen
Empfindliche
Eiswüste
von Stefan Bosch
Weiterführende
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Endlose
Eiswüsten, unerträgliche Kälte, riskante Expeditionen
unerschrockener Männer und drollige Pinguine
prägen unser Bild vom unbekanntesten und unberührtesten Kontinent
der Erde. Doch kaum ein Jahrhundert nachdem die Antarktis überhaupt
von Menschen betreten wurde, wird sie bereits touristisch erschlossen.
Tausende Touristen besuchen jährlich den weißen Kontinent.
Über ein Dutzend eisgängige Expeditionsschiffe kreuzen in
antarktischen Gewässern, machen Eisberge, Seeelefanten und Pinguine
erreich- und erlebbar. Meistens gehen die Reisen von Feuerland aus auf
die antarktische Halbinsel, die sich wie ein ausgestreckter Finger Südamerika
nähert und so eine kurze Anreise mit wenigen Tagen auf hoher und
mitunter stürmischer See ermöglicht. Weitere Fahrten führen
von Tasmanien und Südafrika in andere Teile der Antarktis.
Besonders
interessant sind die vorgelagerten Inseln und der schmale Randsaum,
an dem Leben überhaupt möglich ist: Dort treiben mächtige
blau-weiße Eisberge im Südpolarmeer, atemberaubende Landschaften
mit schnee- und eisbedeckten Bergen säumen die Passagen ebenso
wie kilometerlange Gletscherfronten, die ins Meer kalben. Albatrosse
und Kormorane gleiten über die Wellen, Wale umschwimmen das Schiff
und mit Landungsbooten erreicht man am Festland die Ruheplätze
tonnenschwerer Seeelefanten und Kolonien hunderttausender Pinguine.
Das kalte, aber an Krill reiche Meerwasser ist die Nahrungsbasis für
diese Lebensfülle. Besuche auf Forschungs- und ehemaligen Walfangstationen,
die Führungen und sogar Souvenirs anbieten, runden den Eindruck
ab.
Sommerliche "Hitze"
Antarktisfahrten finden in den Wintermonaten statt. Dann ist am Südpol
Sommer, die Pinguine brüten und das Thermometer klettert bei Sonne
schon über den Gefrierpunkt. Im Inland bleibt es mit minus 20 bis
40 Grad Celsius kälter. Neben Landschaft gibt es dort allenfalls
Kaiserpinguine, zu denen sogenannte "fly-in-Fotosafaris" angeboten
werden. Antarktis-Überfliegungen mit Passagierflugzeugen werden
nach einem Absturz nicht mehr durchgeführt. Russische Eisbrecher
umrunden mit Touristen in mehrmonatiger Fahrt die Antarktis. Sie führen
Hubschrauber für Landgänge auf das Inlandeis mit. Und mit
kleinen eistauglichen Booten sind Abenteuer-Segeltörns möglich.
Antarktisreisen werden von erfahrenen Veranstaltern durchgeführt.
Für die Touristen gibt es Reisebegleiter, die Landschaft, Flora
und Fauna erläutern und auf die Einhaltung einiger Regeln achten.
Für Besucher gelten internationale Bestimmungen, die das Verhalten
an Land, Mindestdistanzen zu Wildtieren und Umgang mit Abfällen
regeln. So dürfen Schiffe südlich des 60. Breitengrades keinen
Abfall ins Meer entsorgen. Obwohl die meisten Wildtiere keine Scheu
zeigen und von Menschen kaum Notiz nehmen, bringt Tourismus zumindest
lokale Probleme: Störungen an Kolonien, Trittschäden an der
empfindlichen Vegetation oder für Pinguine ungewohnte Krankheitserreger.
Lokale Probleme
Obwohl die meisten Wildtiere keine Scheu zeigen und von Menschen kaum
Notiz nehmen, bringt Tourismus zumindest lokale Probleme: Störungen
an Kolonien, Trittschäden an der empfindlichen Vegetation oder
für Pinguine ungewohnte Krankheitserreger. Gravierender dürfte
jedoch die großen Probleme wie Ozonloch, Fischerei und Ölförderung
sein.
Müssen Reisen in die entlegensten Winkel der Welt überhaupt
sein? Mitunter raten selbst Reiseführer, sich nur in Gedanken auf
die Reise zu machen. Fuhren anfänglich meistens Forscher mit speziellem
Interesse auf den Expeditionsschiffen, suchen heute mehr Touristen das
Besondere: Kälte, Meer und Eis mit dem Komfort einer Kreuzfahrt.
Vielleicht liegt die Chance des Antarktis-Tourismus im Erfahren der
Extremformen von Leben und der Schärfung des Bewusstseins für
die Einmaligkeit von Ökosystemen. Wenn begeisterte Antarktis-Besucher
zu Botschaftern für die Ideen des "Weltpark Antarktis"
sowie des Natur- und Artenschutzes werden, mögen die Reisen gerechtfertigt
sein.
Allein die Reisekosten in mindestens fünfstelliger D-Mark-Summe
begrenzen den Tourismus. Als Trost für alle, die die Antarktis
nicht bereisen, bleiben tolle Bildbände, unzählige Internet-Seiten
und die Möglichkeit, per Web-Kamera life im ewigen Eis dabei zu
sein.
Reiseveranstalter:
Society Expeditions, Marcusallee 9, 28359 Bremen, Tel. 04 21-2 38 03
60
Literatur: Jeff Rubin: Antarctica. - Lonely Planet Publications.
Pinguin-Artikel:
"Lieblinge im Frack", Naturschutz heute 4/97.
Kurzfassung
des Antarktis-Beitrages * Journal
Öko-Reisen
Naturschutz heute,
Ausgabe 1/01 vom 26. Januar 2001
Naturschutz
heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes
Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten
unter www.NABU.de.
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