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Naturschutz heute Ausgabe 1/00 vom 4. Februar 2000 Die Gartenmelde -
Nutzpflanze des Jahres 2000 von Ulla Grall
Vater Volz war die Gartenmelde Atriplex hortensis L. nicht vertraut und er kannte nur noch das lästige Unkraut aus der gleichen Sippe. Es ist den Bauern und Gärtnern recht verhasst. "Schissmelle" schimpft man die Ackermelde in unserer Gegend, das zeigt ganz deutlich die Geringschätzung für dieses Kraut. Ihre Anspruchslosigkeit lässt sie fast überall prächtig gedeihen. An Ackerrändern und Feldrainen, auf unbebauten Grundstücken und als Pionierpflanze auf Schuttflächen wächst sie rasch und verträgt sogar salzhaltige Böden, zeitweilige Trockenheit macht ihr nichts aus. Auf Volz'schem Grund und Boden wurde dann trotzdem Melde angebaut, und ich glaube es ist uns gelungen, nicht nur den skeptischen Vater Volz, sondern auch zahlreiche Besucher des Zweiten Tags der Kulturpflanze von der Qualität der Melde zu überzeugen. Es gibt mehr als hundert Melde-Arten. Die Größen variieren, von zehn Zentimeter kleinen Winzlingen bis weit über anderthalb Meter hohen, stämmigen Pflanzen ist alles vertreten. Am häufigsten finden wir in unseren Breiten als "Unkraut" die Weiße Melde, auch einfach Gänsefuß genannt. Die typische Blattform ist dreieckig bis rautenförmig, viele tragen vor allem an der Unterseite einen weißlich-mehligen Überzug, der das Blatt wie bereift oder mit Mehl bestäubt erscheinen lässt. Die meisten der wilden Melden sind essbar, einige wenige sind jedoch, wegen des hohen Gehalts an Saponinen, in großen Mengen sogar giftig. Man kann die essbaren von den nicht genießbaren Melden aber gut unterscheiden: Die ungenießbaren verströmen beim Zerreiben einen unangenehmen Geruch. Unsere harmlose Ackermelde, die sich als unerwünschtes Beikraut auf dem Feld oder im Garten breit macht, ist aber auf jeden Fall den essbaren Wildkräutern zuzurechnen. Die Blätter sind mild-fade bis leicht bitter. Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Manche Pflanze, die man im Felde entdeckt, ist gar nicht die ursprüngliche wilde Melde, sondern eine aus den Gärten entsprungene Kulturform. Unsere Großeltern haben sie gerne angebaut und die älteren Gartenfreunde kennen sie noch: Gartenmelde Atriplex hortensis oder Spanischer Spinat, ein bedürfnisloses, ertragreiches Blattgemüse. Durch die enge Verwandtschaft mit der wildwachsenden Rutenmelde Atriplex patulum ist es sicher auch immer wieder zu Kreuzungen gekommen, so dass in alten Kulturlandschaften die wilde Melde sicher häufig mit der Gartenmelde durchkreuzt ist. Wie Mangold und Rote Bete, stammt auch die Melde aus dem Mittelmeerraum und kam mit den Römern über die Alpen, doch war sie nie so beliebt wie Spinat, für den sie meist nur als Ersatz angesehen wurde. Kinder, denen Spinat ja oft recht unangenehm schmeckt, scheinen jedoch an Melde weniger auszusetzen zu haben: Der geringere Gehalt an Oxalsäure lässt sie milder schmecken. Mancher mag sie sogar als zu fade empfinden. Als Mischgemüse mit Sauerampfer gewinnt sie etwas mehr Charakter.
Erste Aussaat erfolgt bereits im März, in sehr milden Regionen auch schon Ende Februar, sobald der Boden offen ist. Schneidet man die Pflanze dann im Juni, bevor sie Samenstände anzusetzen beginnt, oberhalb der untersten Blattachsel ab, so treibt sie aus diesen Blattachseln ein weiteres Mal aus und vier Wochen später kann eine zweite Ernte eingebracht werden. Ein Guss Brennessel-Brühe gibt der Pflanze die Kraft für diese erneute Anstrengung. Günstig ist auch eine Aussaat in Folgen bis Ende Juni, damit immer frische, zarte Blätter zur Verfügung stehen. Die Melde bevorzugt zwar einen sonnigen Standort, verträgt aber auch Halbschatten. Ausgesät wird dünn in Reihen, Abstand 40 bis 60 Zentimeter. Bis zur Keimung sollte das Beet gleichmäßig feucht gehalten werden, damit die Saat gleichmäßig aufläuft. Danach können Gärtnerin und Gärtner die Melde-Kultur weitgehend sich selbst überlassen. Ganz austrocknen darf das Beet natürlich nicht. Ein guter Gartenboden erhöht freilich den Ertrag, aber sie ist nicht anspruchsvoll und starke Stickstoffdüngung nimmt sie sogar eher übel. Krankheiten oder Schädlinge treten so gut wie nie auf, einen gelegentlichen Blattlaus-Befall an den Triebspitzen bekämpft man der Einfachheit halber durch das Ausknipsen der befallenen Triebe. Unverträglich ist die Melde nur mit anderen Chenopodium-Arten (siehe Abschnitt "Verwandtschaft"). Bei allen Nicht-Gänsefüßlern kann Melde gut als Zwischenkultur an den Rand oder in die Reihen gesät werden. Durch ihr schnelles Wachstum eignet sie sich besonders als Einfassung für Gartenteile, die man in der heißen Jahreszeit etwas beschatten möchte. Auch die Gewinnung von eigenem Saatgut ist einfach: Einige der Pflanzen lässt man schießen und in Blüte gehen, Ende Juli reifen die flachen Samen. Sie werden abgestreift und etwas nachgetrocknet. Aber Vorsicht: Kreuzung verschiedener Melden untereinander und auch mit wilder Melde ist nicht auszuschließen. Sollen die Melden sortenrein erhalten werden, ist darum Isolierung nötig. Die Blätter der in Samen gegangenen Pflanzen sind für den Verzehr nicht mehr geeignet: sie werden zu bitter. Das Saatgut sollte nicht zu lange aufbewahrt werden, denn schon im zweiten Jahr nach der Ernte lässt die Keimkraft stark nach. Melde sät sich auch sehr rasch selbst aus und kann so fast schon lästig werden. Auch Topfkultur ist möglich - die roten Melde-Sorten sind auf dem Balkon mindestens so attraktiv wie die beliebten Geranien -, doch einen allzu großen Ertrag sollte man sich da nicht erwarten. Die Gartenmelde bildet an einer Pflanze Samen verschiedener Größe aus (Heterokarpie), die auch verschieden keimen. Die großen, gelblichen Samen, Durchmesser 3,5-4,2 mm) sind besser als die kleinen, schwarzen Samen (Durchmesser 2-2,5 mm).
Im Salat können diese Sorten als junge Blättchen reizvolle Farbtupfer sein. Beim Kochen gleicht sich hingegen die Farbe mehr oder weniger aneinander an. Das Kochwasser der roten Sorten bleibt aber immer rot, so dass man helle Saucen rosig einfärben kann.
Während in Deutschland die Melde aus Küche und Garten weitgehend verschwunden war, sind französische Gärtnerinnen und Gärtner wieder dabei ihren Wert zu erkennen und sie verstärkt anzubauen. Auf dem Markt ist sie aber auch dort so gut wie nie zu haben: Die Blätter welken recht rasch und werden dann unansehnlich, so dass der Erwerbsgärtner doch auf den bewährten Spinat oder Mangold setzt. So bleibt die Melde ein Blattgemüse, das dem Hobbygärtner und -Koch vorbehalten ist. Rezept
für Melde-Tarte Quark und Butter vermengen, das Vollkornmehl mit dem Backpulver zufügen und mit den übrigen Zutaten rasch verkneten. Etwa 1/2 Stunde in den Kühlschrank stellen, danach auf dem gefetteten Blech ausrollen. Für den Belag: etwa 800 g Melde (Blätter und junge Triebe) waschen, große Blätter grob geschnitten oder gezupft, 1 Essl. Butterschmalz, 1 Zwiebel, fein gehackt, Salz, Pfeffer, 2 gequirlte Eier, 1/8 l süße Sahne. Die Zwiebel im Butterschmalz glasig dünsten, die abgetropfte Melde hinzugeben und unter Rühren zusammenfallen lassen (die Garzeit ist etwas länger als bei Spinat). Abkühlen lassen. Wenn sich viel Flüssigkeit bildet, abtropfen, nach Bedarf etwas ausdrücken. Würzen, die Eimasse mit der Sahne verrühren und unter die Melde heben. Den Teig damit gleichmäßig bedecken; backen bei 225 Grad 20 bis 25 Minuten. Hintergrundinfo zu Naturschutz heute, Ausgabe 1/00 vom 4. Februar 2000 Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de. |
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