NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2008 Heft 4 Rudi Rotbein
Herbstboten mit Hut

Auf den Sporen der Pilze | Trüffel-Interview | Basteltipp | Preisrätsel
Herbstboten mit Hut
Weißt Du, was ein Kuhmaul, ein Stacheliges Strubbelköpfchen oder eine Stinkmorchel ist? Das sind alles Pilze! So vielfältig wie ihre Namen sind auch ihre Eigenschaften. Pilze sind weder Tiere noch Pflanzen. Sie bilden ein eigenes Reich. Zu diesem Reich gehören unter anderem die Backhefe, die Schimmelpilze, die Speise- und Giftpilze.
Pilze an Totholz
Wissenschaftler vermuten, dass es weltweit etwa anderthalb Millionen verschiedene Pilzarten gibt. Es ist schwierig, diese Vermutung zu beweisen. Viele Pilze sind mit bloßem Auge nicht erkennbar oder sie verbergen sich im Boden. Sichtbar ist oft nur der Fruchtkörper, der Hut genannte wird. Das Fadengeflecht bleibt in der Erde. Es ist durch dünne Fäden weit verzweigt und dient der „Müllverwertung“. Das bedeutet, dass Pilze die Funktion haben, tote Tiere und Pflanzen zu zersetzen. Somit schaffen sie optimale Voraussetzungen für neues Leben.
Der Pilz selbst pflanzt sich mit Hilfe des Windes fort. Der Wind verbreitet die Sporen, aus denen neue Pilze wachsen. Manche Pilzarten vermehren sich aber auch mit Hilfe ihrer feinen Fäden.
Specht-Tintling
Im Spätsommer und im Herbst kannst du Pilze im Wald, auf Wiesen und an Wegrändern finden. Bekannte Waldpilze sind Maronen, Pfifferlinge und Steinpilze. Maronen wachsen im Kiefern- und Fichtenwald, Pfifferlinge und Steinpilze kommen in Laub- und Nadelwäldern vor. Auf Wiesen, Weiden und an Wegrändern gedeihen zum Beispiel Parasolpilze.
Aber Achtung: Nicht jeder Pilz ist essbar. Viele sind ungenießbar oder sogar giftig. Deshalb nimm an Pilzexkursionen teil! Hier lernst Du Pilze bestimmen. Ernte nur gemeinsam mit Deinen Eltern oder Großeltern Pilze und nimm nur die Pilze mit, die Ihr hundertprozentig kennt.
Auf den Sporen der Pilze
Bronze-Röhrling
Es ist Glückssache, den Bronze-Röhrling zu finden. Er ist sehr selten und sogar unter Schutz gestellt. Deswegen solltest Du ihn nicht sammeln, auch wenn er ein Speisepilz ist. In diesem Jahr wurde er zum „Pilz des Jahres“ gekürt.
Der Wetterstern
Der Wetterstern sieht richtig exotisch aus. Zunächst wächst er als Kugel unter der Erde heran. An der Erdoberfläche angekommen, löst sich die äußere Schicht sternförmig von der Kugel ab. Allerdings nur, wenn es feucht genug ist. Die Kugel ist der Sporenbehälter. Trifft ein Regentropfen auf die Kugel, pustet sie die Sporen heraus. Dort, wo die Sporen landen, wächst ein neuer Wetterstern. Bei trockener Luft heben sich die Sternenzacken und umschließen wieder die Kugel. Jahrhunderte lang wurde der Wetterstern von Menschen genutzt, um das Wetter vorherzusagen.
Violetter Rötelritterling
Der Violette Rötelritterling ist einer unserer schönsten Pilze. Er ist ein guter Speisepilz und wächst im Laub- und Nadelwald. Wenn Du Glück hast, findest Du ihn in großen Ringen. Ein Ring aus Pilzen wird Hexenring genannt.
Der Fliegenpilz
Der Fliegenpilz gilt als Glückssymbol, ist aber auch der allgemein bekannteste Giftpilz. Der giftige Stoff findet sich unter der Haut des Pilzhutes. In gesüßte Milch eingelegte Pilze wurden früher als Fliegengift verwendet. Später fanden Wissenschaftler heraus, dass das Gift die Fliegen lediglich betäubt, nicht aber tötet. Es wird vermutet, dass sein Name aus der Zeit stammt, als er als Fliegenfalle genutzt wurde.
Ein Experte an der Strippe
Interview mit Trüffelliebhaber Jean Marie Dumaine
Sie haben vor ein paar Jahren einen sensationellen Fund gemacht. Was haben Sie gefunden?
Ich habe innerhalb von vier Stunden 45 Trüffel gefunden. Das war bisher der größte Trüffelfund in Deutschland.
Auf Trüffelsuche
Wie haben Sie die Trüffel aufgespürt?
Ein Trüffelexperte aus Frankreich, eine Geologin und mein Hund Max haben mir geholfen, die Trüffel zu finden. Trüffel wachsen gerne auf kalkhaltigen Böden in der Nähe von Bäumen. Die Geologin hat mir geholfen solche Böden zu finden. Und Max, mein Hund, hat mit seiner guten Nase die Trüffel erschnuppert.
Warum ist es in Deutschland verboten, Trüffel zu suchen und zu pflücken?
Trüffel sind sehr selten. Sie stehen deswegen unter Naturschutz und dürfen nicht gesammelt werden. Ich habe jedoch eine Ausnahmegenehmigung und darf Trüffel zu Lehr- und Forschungszwecken sowie für den eigenen Bedarf sammeln. Ich darf sie aber nicht verkaufen.
Haben Sie deswegen eine Trüffelplantage angelegt?
Ja, genau. Auf einem ehemaligen Weinberg habe ich eine Trüffelplantage angelegt. Allerdings kann ich erst in fünf bis sieben Jahren die ersten Trüffel ernten, denn so lange dauert es, bis sich das Myzel, also das Wurzelgeflecht, entfaltet hat und die Fruchtkörper gebildet werden.
Burgunder-Trüffel
Wie schmecken Trüffel?
Ein frischer Trüffel schmeckt erdig und nussig, auch ein bisschen nach Karamell.
Wie schmecken Ihnen Trüffel am besten?
Beim Kochen verlieren Trüffel ihren Geschmack. Deswegen esse ich Trüffel am liebsten roh. Am liebsten dünn gehobelt auf einem Baguette mit Butter und Meersalz.
Warum heißt der Pilz genauso wie die Praline?
Die Schokoladenpraline hat genau die gleiche Form wie der Trüffel, sie ist dem Trüffel nachempfunden. Deswegen tragen sie den gleichen Namen.
Was kosten Trüffel?
Der Preis für Trüffel hängt von der Jahreszeit und der Art des Trüffels ab. Ein Kilo vom sogenannten Albatrüffel kostet zum Beispiel 4000 Euro pro Kilo. Letztes Jahr hat sich ein reicher Chinese drei Pfund Trüffel sogar 120.000 Euro kosten lassen.
Und warum sind Trüffel so teuer?
Weil sie so selten und gleichzeitig so lecker sind.
Warum suchen? Selber machen!
Rudis Pilz-Basteltipp
Du brauchst: Toilettenpapierrollen, Pappe für den Schirm, Farbe, Kleber und Schere. Und so wird’s gemacht:
Die Toilettenrolle ist der Stil von Deinem Pilz. Male für den Hut einen Kreis mit einem Durchmesser von 10 bis 15 Zentimetern auf die Pappe und schneide ihn aus. Den Hut und den Stil kannst Du bemalen.
Schneide nun an einer Seite der Toilettenpapierrolle an verschiedenen Stellen ungefähr einen Zentimeter tief ein. Klappe die Flächen nach außen und bestreiche sie mit Klebstoff. Presse Deinen Hut auf die beklebte Fläche. Fertig ist dein Pilz.
Spieltipp: Bastle mit Deinen Freunden viele verschiedene Pilze. Jeder versteckt seine Pilze im Haus oder Garten. Schnappt euch einen Korb oder eine Tüte und los geht's. Wer am meisten Pilze findet, wird Pilzkönig. Natürlich dürfen nicht die eigenen Pilze gesammelt werden.
Pilzbücher gewinnen beim Herbsträtsel
Ü = UE, Ö = OE
1: Dieser Pilz kann das Wetter vorhersagen.
2; Sie ist süß und hat die gleiche Form wie der Trüffel.
3: So nennt man den Hut vom Pilz.
4: Die beste Jahreszeit zum Pilze sammeln.
5: Er trägt einen roten Hut mit weißen Punkten, kann aber nicht fliegen.
6: Sie lässt den Teig aufgehen.
7: Damit vermehrt sich der Pilz.
8: Er heißt wie der Mund von einem Bauernhoftier.
Du hast das Lösungswort herausgefunden?! Dann sende es bis zum 1. Dezember an die Naturschutzjugend im NABU, Rudi Rotbein, Charitéstraße 3, 10117 Berlin. Wir verlosen aus allen Einsendungen fünf Pilzführer für Kinder von Alain Champagne.

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