NABU.de NABU Magazin „Naturschutz heute“ Jahrgang 2008 Heft 4 Wildtier-Management

Eingriff mit der Flinte

Eingriff mit der Flinte

Wildtier-Management in NABU-Schutzgebieten


von Gregor Beyer

Rothirsch

Rothirsch


Manche Jäger halten den NABU für jagdfeindlich. Richtig ist, dass aus Sicht des Naturschutzes die derzeitige Jagdausübung und die Jagdgesetzgebung in Deutschland erheblich zu kritisieren sind. Die Kritik des NABU ist jedoch weder grundsätzlich jagdfeindlich – was Jagdgegner bedauern –, noch praxisfern. Der NABU ist durch umfangreichen Flächenbesitz selbst Jagdrechtsinhaber und dokumentiert in seinem eigenen jagdlichen Management, wie es besser gemacht werden kann.

Vor allem die inzwischen rund 6.100 Hektar im Besitz der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe haben zum Entstehen mehrerer Eigenjagdbezirke geführt. Anders als bei Kleinflächen ist die NABU-Stiftung hier nicht zwangsweise Mitglied einer Jagdgenossenschaft, die für die Jagdorganisation und Verpachtung verantwortlich ist. In ihren Eigenjagden kann die NABU-Stiftung vielmehr die Ausübung der Jagd selbst organisieren. Sie richtet sich dabei streng nach den im Grundsatzpapier des NABU niedergelegten Vorgaben.

Schutzziele haben Vorrang
Die meisten Flächen der NABU-Stiftung liegen in Schutzgebieten. Daher steht nicht vorrangig eine nachhaltige Ressourcennutzung, also die des Wildbrets, im Vordergrund. Vielmehr ordnet sich die Jagd den Naturschutzzielen des jeweiligen Gebietes unter.

Grünhaus Kostebrauer Heide und Mainzer Land

Das Naturparadies Grünhaus wird sich auch ohne Bejagung entwickeln.

So soll die Jagd in den monotonen Kiefernforsten am brandenburgischen Stechlinsee zu einer Verringerung der stark künstlich überhöhten Schalenwildbestände – also der Rehe und Hirsche – beitragen. Erst dadurch wird Naturverjüngung und damit die Entwicklung artenreicher Laubmischwälder möglich.

Umgekehrt ist das Ziel im fast 2.000 Hektar großen Naturparadies Grünhaus, die Wiederbelebung des vom Braunkohletagebau hinterlassenen Gebietes in der Niederlausitz nach Abschluss der Sanierungsarbeiten allein dem Kräftespiel der Natur zu überlassen. Hier ist die Ausübung der Jagd bereits auf weiten Flächen ganz eingestellt, denn sie würde nichts zum Erreichen des Schutzzieles beitragen.

Waldverjüngung ermöglichen
Der Einfluss des Wildes auf die Entwicklung der Gebiete wird dabei durch sogenannte Weisergatter dokumentiert. Das sind kleine eingezäunte Flächen, in denen Bäume und andere Pflanzen ganz ohne Verbiss durch das Wild wachsen können. Der Vergleich der Situation innerhalb und außerhalb des Gatters zeigt, wie stark der Wildbestand die Waldverjüngung beeinflusst. Bejagt wird nur, wenn die Entwicklungsziele des jeweiligen Gebietes durch das Wild beeinträchtigt werden.

Stockenten

Die Bejagung von Wasservögeln, Elstern oder Rabenkrähen ist in den NABU-Eigenjagdbezirken tabu.

Selbstverständlich dabei ist, dass in keinem der NABU-Gebiete Tierarten bejagt werden, für die es nicht eine zweifelsfrei nachgewiesene Notwendigkeit gibt. So werden generell keine Wasservögel, Elstern oder Krähen gejagt, denn deren Bejagung ist weder notwendig noch sinnvoll.

Für die Durchsetzung der jagdpolitischen Ziele auf den Flächen der NABU-Stiftung muss die Jagd in der eigenen Hand behalten werden. Deshalb wird diese in der Regel nicht verpachtet, sondern in Eigenregie ausgeübt. Eigenregie bedeutet, dass Steuerung und Überwachung durch die NABU-Stiftung selbst erfolgt. Die Flächen werden dabei in verschiedene Pirschbezirke aufgeteilt, für die jeweils ein Einjahresvertrag mit einem vorzugsweise regionalen Jäger abgeschlossen wird. In diesen Pirschbezirken können die Jäger nach detaillierten Vorgaben und den dafür zulässigen Zeiten insbesondere Schalenwild erlegen.

Nur wenige Jagdtage
Die für die Reduktion dieser Tierarten wichtigen Intervall- und Drückjagden werden zentral gesteuert und organisiert. Die sogenannten Intervalle finden im September statt, wenn das Erlegen aller Schalenwildarten möglich ist. Die Intervalle dauern in der Regel drei bis vier Tage und werden in Morgen- und Abendansitzen mit einer großen Anzahl von Jägern durchgeführt.

Damhirsch

Damhirsch

Bei den Drückjagden wird eine Zusammenarbeit mit umliegenden Jagdbezirken angestrebt, da so eine großflächige und effiziente Bejagung möglich ist. Im Eigenjagdgebiet am Stechlinsee hat sich schon seit vielen Jahren eine intensive Zusammenarbeit mit dem Staatsforst bewährt, bei der auf großer Fläche zweimal im Jahr Drückjagden stattfinden, die zu einer sehr effizienten Reduzierung des Schalenwilds beitragen.

Das Ziel ist, die Störung der Natur durch die Jagd auf wenige Tage im Jahr zu reduzieren, die außerhalb der Brutsaison, also in der Zeit von September bis Dezember, liegen. Bei diesen Jagden soll durch den Einsatz vieler Jäger dann aber ein maximaler Erfolg bei der Reduzierung des Schalenwilds erreicht werden. So verwundert es nicht, dass in den Eigenjagden der NABU-Stiftung in der Regel rund 90 Prozent des jährlichen Abschusses an lediglich zehn Tagen im Jahr erfolgt.

Konsequent bleifrei
Darüber hinaus speist der Verband mit seinem Wildmanagement wichtige Impulse in die jagdpolitischen Debatten ein. Ein aktuelles Beispiel hierfür sind die Diskussionen der vergangenen Jahre um die sogenannte bleifreie Jagdmunition. Für den NABU ist es selbstverständlich, dass er als eine der ersten Organisationen überhaupt die gesamte Bejagung konsequent auf bleifreie Jagdmunition umgestellt hat.

Flankiert wurden diese Bemühungen mit dem Zurverfügungstellen der NABU-Flächen für wissenschaftliche Untersuchungen, so beispielsweise die röntgentechnische Auswertung der erlegten Tiere durch das Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. Ohne diese Dokumentation wäre die intensive Diskussion um die Problematik bleihaltiger Munition wohl nicht zustande gekommen.

Der NABU mit seiner NABU-Stiftung ist daher weiterhin daran interessiert, für den wachsenden Flächenbesitz hochmotivierte und den NABU-Grundsätzen nahe stehende Jagdscheininhaber zu finden, die bereit sind, im Rahmen von Drückjagden und Begehungsscheinen den naturschutzpolitischen Anspruch auch in der praktischen Tätigkeit vorzuleben.

Mitglied werden

 

NABU Regional

NABU Regional Schleswig-Holstein Hamburg Mecklenburg-Vorpommern Berlin Brandenburg Sachsen Sachsen-Anhalt Thüringen Bremen Nordrhein-Westfalen Hessen Saarland Baden-Württemberg Bayern Rheinland-Pfalz Niedersachsen
Niedersachsen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Baden-Württemberg
Bayern
Schleswig-Holstein
Hamburg
Berlin
Mecklenburg-Vorpommern
Brandenburg
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
Bremen
Nordrhein-Westfalen
Hessen

Zentren
Schutzgebiete
Gruppen

 

Service

E-Cards

Versenden Sie ganz persönliche Naturgrüße an Freunde und Bekannte

NABU E-Cards

Podcasts

Ab sofort gibt es den NABU zum Hören. Vogelstimmen, Musik und Interviews machen den Podcast zu einem wahren Vergnügen fürs Ohr.

NABU Podcast zum Hören

NABU-Newsletter

Jeden Freitag neu - mit Terminen und Nachrichten aus Ihrer Region.

NABU-Desktopvorlagen

Verbandsnetz

Das gemeinsame Netzwerk für alle Aktiven in NABU, NAJU und LBV

NABU-Verbandsnetz

 

Vogel des Jahres

Bekassine

Die Bekassine ist Botschafterin für Moore und Feuchtwiesen. Mehr

 

Vogelfreund werden

Vogelfreunde

„Vogelfreunde“ bei Facebook: Für alles, was Federn hat Mehr

 

Von Aal bis Zilpzalp

Federlibelle

Über 300 Pflanzen- und Tierporträts im NABU-Artenlexikon Mehr

 

Kurznachrichten

Twitter

Was zwitschert der NABU? Mehr