NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2008 Heft 2 Naturschutzprojekte Zoo Köln
Vom Gehege in die freie Wildbahn
Die Rolle der Zoos beim Schutz der Artenvielfalt
von Britta Hennigs
Langfassung dieses Artikels | Extra: Antilopen für Nordafrika
Auch viele Zoologischen Gärten haben sich mittlerweile dem Artenschutz verschrieben. Sie können dies auf vielerlei Weise angehen. So bieten Zoos zunächst einmal den Besuchern einen Zugang zu der Tierwelt fremder Kontinente und Meere. Die ausgestellten Tiere stehen als "Vertreter ihrer Art in freier Wildbahn", so Theo Pagel, Direktor des Kölner Zoos. Er bezeichnet die Tiere sogar als "Mitarbeiter des Zoos, deren Aufgabe darin besteht, das Bewusstsein der nicht selten von der Natur entfremdeten Stadtbevölkerung für den Artenschutz zu stärken".
Seitdem es nur noch sehr beschränkt erlaubt ist, Tiere aus der freien Wildbahn zu entnehmen, zeigen die Zoos meist Tiere, die im Zoo selbst gezüchtet wurden. Und da sich Tiere am erfolgreichsten fortpflanzen, wenn sie in einer artgerechten Umgebung leben, sind die meisten Zoos bemüht, die Gehege als möglichst naturgetreues Abbild des natürlichen Lebensraumes darzustellen. "Dazu hat ebenfalls die neue Zoo-Richtlinie der EU beigetragen, die eine artgerechte Lebensraumgestaltung fordert", erklärt NABU-Artenschutzexpertin Heike Finke. "Im Vordergrund steht hierbei besonders der Schutz wildlebender Tiere und der Erhalt der biologischen Vielfalt."
Forschung in Vietnams Bergwäldern
Außer dem Arterhalt ex-situ, das heißt außerhalb der natürlichen Lebensräume der Tiere, engagieren sich viele Zoos mittlerweile auch in-situ. Sie agieren also direkt vor Ort und unterstützen somit auch das vorrangige Ziel des Artenschutzes, nämlich die Tier- und Pflanzenarten in ihren eigentlichen Lebensräumen zu bewahren. Beispielhaft für ein umfassendes Artenschutzprogramm steht der Kölner Zoo, der sich an zahlreichen Natur- und Artenschutzprojekten beteiligt.
Demnächst sollen auch Rotschenkel-Kleideraffen im Nationalpark Phong Nha-Ke Bang ausgewildert werden.
Ein ureigenes Kölner Projekt ist die Erforschung und Erhaltung der außergewöhnlichen Artenvielfalt im vietnamesischen Nationalpark Phong Nha-Ke Bang. Nicht zuletzt durch spektakuläre Neuentdeckungen von Tierarten durch Mitarbeiter des Kölner Zoos wurde das Gebiet 2003 zum Weltkulturerbe erklärt. Die Arbeit in Vietnam reicht von der Eindämmung der Wilderei und des Holzeinschlags über die Gründung von Rangerstationen bis zum Bau einer Auffangstation für beschlagnahmte Wildtiere.
Die Beteiligung an der Wiederansiedlung der Przewalskipferde in der Mongolei und in China ist ein weiteres großes Projekt des Kölner Zoos. Durch Wilderei und durch die Konkurrenz mit den Haustierherden war das Przewalskipferd in freier Wildbahn vollständig ausgerottet. Mittlerweile gibt es dank Zuchtprogrammen in zoologischen Gärten wieder 1.800 Przewalskipferde. Ein Teil von ihnen kehrt seit einigen Jahren in mongolische und chinesische Naturreservate zurück.
Wiederansiedlung der Przewalskipferde
Die Auswilderung eines Tieres oder einer Tiergruppe ist stets eine aufwändige Angelegenheit. Zunächst gilt es, ein geeignetes Gelände zu finden, in der das Tier leben kann. "Sind die Ursachen für die Ausrottung der Art immer noch vorhanden, ist das Projekt von vornherein zum Scheitern verurteilt", erklärt Dr. Waltraut Zimmermann, Kuratorin im Kölner Zoo.
Ausgewilderte Przewalskipferde in der Dsungarischen Gobi.
Ist ein geeignetes Gebiet gefunden, so steht die Auswahl der Tiere an. Hierbei spielen zunächst genetische Kriterien eine Rolle. Die Tiere dürfen nicht nahe verwandt sein, denn meist stellt die erste ausgewilderte Gruppe den Genpool für alle nachfolgenden Generationen dar. Ebenfalls wichtig ist der Gesundheitszustand der Tiere. "Die Nahrungskonkurrenz mit Haustierherden sowie die ungewohnten Temperaturschwankungen erfordern von den Przewalskipferden eine große Anpassungsfähigkeit. Daher kommen nur völlig gesunde Tiere für eine Auswilderung infrage", so Zimmermann. Dennoch gewöhnen sich die Pferde nur langsam an ihre neue Heimat. Nach einem Jahr in einem Eingewöhnungsgehege erkunden die Tiere nach und nach die Umgebung. Anfangs kehren die Haremsgruppen immer wieder in die geöffneten Gehege zurück, bis sie ihre Streifgebiete so weit ausgedehnt haben, dass sie ohne die Sicherheit des Geheges auskommen.
Schwerpunkt Umweltbildung
Der Kölner Zoo bemüht sich auch um heimische Arten. So hat man mit dem örtlichen NABU ein Projekt im Nüssenberger Busch in Angriff genommen, um Amphibien neunen Lebensraum zu schaffen.
Durch das Engagement von Zoos besteht somit die Möglichkeit, dass in einigen Jahrzehnten wieder stabile Populationen des einst beinahe ausgerotteten Przewalskipferdes über zentralasiatische Hochebenen ziehen. Durch ihr umfangreiches Wissen und ihren Einfluss aufgrund der hohen Besucherzahlen - bundesweit jährlich rund 40 Millionen - haben Zoos eine wichtige Stellung im Artenschutz inne und können vor allem in der Umweltbildung viel bewirken, was der NABU mit einer gemeinsamen Erklärung mit dem Verband Deutscher Zoodirektoren unterstrichen hat. "Es ist wichtig, vor allem die nachwachsenden Generationen über die Ursachen des Artensterbens aufzuklären", so Finke. "Die Hauptrolle der Zoos sollte die Bildung sein, nicht das bloße Zeigen der Tiere. Denn der Arterhalt in Gefangenschaft lebender Tiere kann nur eine Übergangslösung darstellen."
Homepage Kölner Zoo
Gemeinsame Erklärung NABU und Zoodirektoren
Antilopen für Nordafrika
Auch der Zoo Hannover setzt sich mit Erhaltungszuchtprogrammen und Auswilderungsprojekten für die Rettung bedrohter Tierarten ein. Zum Beispiel engagiert man sich gemeinsam mit dem NABU und dem Sahara Conservation Fund (SCF) in Projekten zur Wiedereinführung und zum Schutz bedrohter Arten wie der Addax-Antilope. Bereits 85 Antilopen konnten in Nordafrika wieder ausgewildert werden.
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