NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2006 Heft 4 Schutzgebiete im Westen

Der Westen

Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen

Leyhörn | Loyermoor | Theikenmeer | Meißendorfer Teiche | Großes Moor | Emsaue Münster | Heerter See | Dingdener Heide | Uelzener Heide | Trollblumenwiesen Glimmerode | Fledermausstollen Morsbach | Kalksteinbruch Constanze | Ohmbecken | Vogelsbergteiche | Grünaue und Rheinhänge

Lebensraum für die Ringelnatter

Das Loyermoor

Loyermoor

Loyermoor

Das Loyermoor ist das Modellprojekt des NABU Oldenburger Land für Reptilienschutz. Um Ringelnattern Lebensraum zu sichern, hat der NABU 2004 das Gebiet gekauft. Das Loyermoor hat nun alles, was die ungiftigen Schlangen brauchen: Feuchte Wiesen zum Verstecken. Tümpel und feuchte Senken, in denen kleine Fische oder Frösche leben. Und Totholzhaufen, in die sie sich im Herbst verkriechen und in Winterstarre verfallen. Im Frühjahr legen sie dort auch ihre Eier ab.

Ringelnatter

Ringelnatter

Teilweise werden die Flächen extensiv beweidet. Andere Teilflächen sollen weiter ausgemagert werden, indem das Mahdgut nicht auf den Flächen liegen bleibt, sondern abtransportiert wird.

Reptilien, Amphibien und Insekten fühlen sich in den feuchten Wiesen des Loyermoors rundum wohl - das wirkt für Vögel wie ein reich gedeckter Tisch. So gibt es denn auch zahlreiche Wiesenbrüter und Durchzügler im Gebiet. Besucher können sich mit Info-Tafel über das Reptilienschutzprojekt kundig machen, außerdem bietet der NABU regelmäßig Exkursionen ins Gebiet an.

Kontakt: NABU Oldenburg, Birgit Röttering, Tel. 0 4 41-2 56 00, roettering@nabu-oldenburg.de.

Neues Leben im Moor

Das Theikenmeer

Heidschnucken Theikenmeer

Heidschnucken am Theikenmeer

Das Theikenmeer und das angrenzende Hochmoor Wehmer Dose gehören zu den herausragenden Naturschätzen Niedersachsens. Das Hochmoor liegt auf dem Hümmling, einem eiszeitlichen Höhenrücken am östlichen Rand des Emstales. Das Kerngebiet steht seit 1936 unter Naturschutz, trotzdem war es bis 1980 quasi tot. Ausgelaugt durch Entwässerung und Torfabbau, überdüngt durch die Gülle auf angrenzendem Ackerland.

Heute ist das 240 Hektar große Theikenmeer wieder ein artenreicher Lebensraum. Die bisherige Renaturierung lief gut, dass das Theikenmeer international als Modellprojekt gilt. Eine große Kreuzotterpopulation hat hier ebenso eine Heimat gefunden wie Rohrweihe, Sumpfohreule, Schwarzkehlchen und Ziegenmelker.

1980 kauften die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und die Gemeinde Werlte die ersten Flächen. Heute besitzt der NABU dank ZGF-Unterstützung 45 Hektar Moor. Wenige Flächen müssen nun noch hinzukommen, um mit der Schließung von Entwässerungsgräben einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Hochmoor-Renaturierung zu gehen. Ziegen und Moorschnucken beweiden das Gebiet naturschutzgerecht.

Besucher können das Theikenmeer auf Wanderwegen und von einem Aussichtsturm aus erleben.

Kontakt: NABU Werlte/Sögel, Manfred Neubert, Tel. 0 59 51-17 79, Neubert.Manfred@t-online.de.

mehr Reportage "Karge Schönheit Theikenmeer" von 2003

Vogelparadies statt Freizeitpark

Die Meißendorfer Teiche

Herrenhaus Gut Sunder

Das ehemalige Herrenhaus von Gut Sunder behrbergt heute ein Naturhotel.

Am Anfang stand ein Abwehrkampf: Als der NABU - damals noch DBV - 1977 für 600.000 Mark das Kernstück der Meißendorfer Teiche am Südrand der Lüneburger Heide kaufte, wurde damit die Errichtung eines großen Freizeitparks verhindert. Nach der Unterschutzstellung des Gebietes gab der NABU die Eigentumsrechte an die öffentliche Hand weiter und erwarb im Gegenzug Gut Sunder, das zur zentralen Fortbildungseinrichtung des Verbandes wurde.

Sunder-Teiche

Die Meißendorfer Teiche wurden vom Bund gefördertes "Naturschutzprojekt gesamtstaatlicher Bedeutung" und heute hat das NSG samt dem Bannetzer Moor eine Größe von rund 900 Hektar, 350 Hektar davon belegen die 80 ehemaligen Fischteiche. Das kleinräumige Mosaik der verschiedensten Feuchtlebensräume innerhalb des Naturschutzgebiets sowie die Einbindung der Teichlandschaft in einen weitgehend naturnahen Landschaftsraum bietet einer ganzen Reihe von seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Die Teiche lassen sich entlang eines sechs Kilometer langen Rundweges mit mehreren Aussichtstürmen erleben. Neben Brutvögeln wie Schwarzstorch, Rohrdommel und Braunkehlchen kann man mit Glück während der Zugzeit Seltenheiten wie den Schreiadler beobachten.

Kontakt: NABU Gut Sunder, Tel. 0 50 56-97 01 11, info@nabu-gut-sunder.de.

Moorfrösche und Lachmöwen

Das Große Torfmoor

Moorschnucke mit Lamm

Moorschnucke mit Lamm

Wie so viele Moore ist auch das 500 Hektar große Große Torfmoor nördlich des Wiehengebirges massiv entwässert worden, um den als Brennstoff begehrten Torf stechen zu können. Heute laufen umfangreiche Maßnahmen zur Renaturierung. Zum Beispiel werden seit über 20 Jahren die alten Entwässerungsgräben aufgestaut. Wo die Vernässung nicht ausreicht, um Birken und Kiefern zu verdrängen, muss per Hand entkusselt werden. Außerdem weiden Moorschnucken auf den Flächen.

Großes Torfmoor, Minden-Lübbecke

Blick über das Große Torfmoor

Langsam aber sicher erobert sich die typische Moorvegetation ihr Areal zurück. An einer großen Wasserfläche hat sich zudem eine Lachmöwenkolonie etabliert. Neben dem Zwergtaucher hat dort auch der seltene Schwarzhalstaucher eine Nische gefunden. Brachvogel, Bekassine und Krickente sind weitere Bewohner. Teichrohrsänger schnarren in den umfangreichen Schilfbeständen und sind vom Wanderweg aus gut zu beobachten. Besonders erwähnenswert ist das vermutlich größte westfälische Moorfrosch-Vorkommen.

In den nächsten Jahren soll hier ein Informations- und Besucherzentrum mit einem "Moormuseum" eingerichtet werden.

Kontakt: NABU Minden-Lübbecke, info@nabu-minden-luebbecke.de.

Spaziergang am Salzsee

Der Heerter See

Krickenten-Erpel

Krickenten-Erpel

Der Heerter See bei Salzgitter wurde in den 1950er Jahren künstlich geschaffen, damit sich in ihm der Schlamm absetzen konnte, der beim Auswaschen von Eisenerz entstand. Bis 1976 bildete sich so eine bis zu 13 Meter dicke Schlammschicht.

Zeitweilig war der See durch die Erzauswaschung fast so salzig wie die Ostsee. Dadurch konnten sich salztolerante Pflanzen ansiedeln, die im Binnenland sonst sehr selten sind. Auch die flache Uferzone mit Nahrung suchenden Watvögeln und ausgedehnte Schlammflächen tragen dazu bei, dass sich Spaziergänger bei einer Wanderung um den See fast an die Wattenmeerküste versetzt fühlen.

Der Heerter See ist für Arten wie Krickente, Kormoran und Kiebitz von nationaler und für den Kranich von internationaler Bedeutung. Etwa 90 Vogelarten brüten im Gebiet, unter anderem Rohrdommel, Drosselrohrsänger, Wasserralle, Bartmeise und Teichrohrsänger. Es gibt geschützte Beobachtungsstände für Besucher.

Kontakt: NABU Salzgitter, Walter Wimmer, walter.wimmer@nabu-niedersachsen.de.

Wo die Trollblume blüht

Die Feuchtwiesen von Glimmerode

Feuchtwiesen von Glimmerode

Die Feuchtwiesen von Glimmerode.

Im Nordosten Hessens liegen im Essebachtal 30 Hektar Wiese, Seggenried, Pfeifengraswiesen und Gehölze, die der NABU bereits seit 1993 betreut. Trockene Haldenstandorte wechseln sich mit feuchten Senken und Kleingewässern ab. Im feuchten Klima und in den tonreichen Böden konnten sich zahlreiche Bachläufe und Wiesen mit Riesel- und Sickerquellen bilden. Im Zentrum liegt ein ausgedehnter Verlandungsbereich in der Mulde des ehemaligen Bergbaugebietes.

Trollblurmen

Trollblumen

Auf den Pfeifengraswiesen kommt die Sibirische Schwertlilie vor. Der Mädesüß-Perlmuttfalter gaukelt zusammen mit dem Rotklee-Bläuling über die blütenreichen Wiesen. Große Teile des NABU-Gebietes sind extensives Grünland, auf dem auch die empfindliche Trollblume blüht. Vorrangiges Ziel ist es nun, die Düngung auf den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen zu beschränken und damit den Artenreichtum zu erhalten und die Wasserqualität in den Teichen zu verbessern.

Kontakt: NABU Hessen, Tel. 0 64 41-67 90 40, info@nabu-hessen.de.

Hohe Wände, tiefe Stollen

Der Kalksteinbruch Constanze

Uhu

Uhu

Bei Haiger am Ostrand des Westerwaldes liegt der ehemalige Kalksteinbruch Constanze. Das Herzstück ist ein großer Steinbruch mit bis zu 50 Metern hohen Wänden und Zugängen zu den ehemaligen Bergwerksstollen. 1987 hat der NABU die zehn Hektar große Fläche von den Rheinischen Kalksteinwerken Wülfrath für einen symbolischen Kaufpreis erworben. Zu diesem Zeitpunkt lag die Grube schon zwei Jahrzehnte Jahre still.

Die Stollen werden regelmäßig von der Großen und Kleinen Bartfledermaus, dem Großen Mausohr, der Wasserfledermaus, der Fransenfledermaus und der Bechsteinfledermaus zum Überwintern genutzt. An den Felswänden des Kraters siedeln Wald- und Zauneidechse sowie Ringelnatter. Feuersalamander und Erdkröte. Nördlich des Steinbruchs wächst ein Orchideen-Buchenwald mit dem Weißen Waldvögelein, dem Breitblättrigen Stendelwurz und Seidelbast.

Aktive des NABU Donsbach haben die Steilwände des Steinbruchs freigeschnitten, um Wanderfalken und Uhus die Brutmöglichkeiten zu geben. Außerdem wurde ein verschütteter Stolleneingang für Fledermäuse freigeräumt.

Kontakt: NABU Donsbach, Kurt Dietermann, Tel. 0 27 11-3 58 06, kurt.dietermann@nabu-donsbach.de.

Verbund von Wiesen und Bächen

Das Ohmbecken

Renaturierungsarbeiten im Ohmbecken

Im mittelhessischen Ohmbecken hat der NABU begonnen, mehrere bisher intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen aufzuwerten und miteinander zu verbinden. Eines der Gebiete ist die "Radenhäuser Lache", ein Vogel-Eldorado mit 22 Hektar Wiesen und acht Hektar Wasserfläche. Zur Zugzeit trifft man hier auf ein gutes Dutzend Watvogelarten. Unter anderem sind Bruchwasserläufer, Flussuferläufer, Brachvogel, Grünschenkel, Kampfläufer, Sandregenpfeifer, Waldwasserläufer und Zwergstrandläufer zu sehen. Von einem Hochstand aus lässt sich das gesamte Gebiet gut überblicken.

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