NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2006 Heft 4 Schutzgebiets-Kategorien

Im Schilderwald

Im Schilderwald

Ein Blick auf die Vielfalt der Schutzgebiets-Kategorien

von Helge May

NSG-Schild Eule


Wie viel wohl ließe sich bei Günther Jauch gewinnen, wenn man weiß, was ein Ramsar-Gebiet ist? Schließlich hat unlängst ein Kandidat auf dem erfolgreichen Weg zur Million 125.000 Euro alleine dafür abgeräumt, dass er mit Hilfe des Publikums-Jokers einen "kolibri-ähnlichen Schmetterling" als Taubenschwänzchen identifizieren konnte. Falls die Frage also einmal drankommt: Ramsar-Gebiete sind international bedeutsame Feuchtgebiete, benannt nach einem völkerrechtlichen Vertrag, der 1971 in der iranischen Stadt Ramsar geschlossen wurde.

Bei uns gibt es gut 30 Ramsar-Gebiete, darunter die Wattenmeere, die Müritz, Havelniederung und Gülper See, Ammersee und Chiemsee. Allzu häufig werden Naturfreunde über diese Bezeichnung also nicht stolpern. Anders sieht es aus mit den Naturschutzgebieten (NSG), von denen inzwischen tausende existieren. Zwar sind viele NSG arg klein geraten und obendrein schlecht untereinander vernetzt. Doch zusammengerechnet nehmen sie immerhin eine Million Hektar ein, knapp drei Prozent der Bundesfläche. Sie bilden damit das Rückgrat des Flächen-Naturschutzes in Deutschland.

Zielvorgabe Wildnis
In der Fläche oft kaum messbar sind die Naturdenkmale (ND). Alte Bäume können Naturdenkmale sein, Hohlwege, Quellen oder Felsformationen, ausnahmsweise auch Gebiete bis zu einer Obergrenze von fünf Hektar. Bei diesem statischen Objektschutz handelt es sich weitgehend um ein Auslaufmodell aus den Anfängen des Naturschutzes.

Nationalpark-Eule

Am anderen Ende der Größenskala, dafür aber von Rügen bis zum Königsee bisher nur 15 mal vorhanden, liegen die Nationalparke. Aus den weltweit geltenden Regeln abgeleitet, sollen Nationalparke in einem vom Menschen möglichst unberührten Zustand sein - nicht einfach in einem dicht besiedelten Land. Ziel wird es daher fast immer sein, nach der Unterschutzstellung diesen naturnahen Zustand erst wieder herzustellen. Nicht immer haben es die damit betrauten Behörden besonders eilig. Im Nationalpark Eifel etwa hat sich seit der Ausweisung Anfang 2004 nur wenig bewegt, stattdessen werden Wanderwege in die sensibelsten Bereiche hinein geplant und Rothirsche selbst in der Kernzone weiter bejagt.

Fokus Kulturlandschaft
Weniger der Wildnis als dem Erhalt einer artenreichen Kulturlandschaft sehen sich die so genannten Biosphärenreservate verpflichtet. Biosphärenreservate sind bei uns erst seit wenigen Jahren gesetzlich verankert. Den Anstoß gab das von der DDR-Übergangsregierung 1990 beschlossene Nationalparkprogramm - entscheidend geprägt vom langjährigen NABU-Vizepräsident Michael Succow -, das erstmals auch solche Reservate enthielt, darunter Schorfheide-Chorin, Vessertal, Mittlere Elbe und Spreewald.

Naturdenkmal

Immer wenn Politiker verkünden, dass mehr als die Hälfte der Bundesrepublik unter Naturschutz stünden, dann zählen sie dabei die Landschaftsschutzgebiete und die Naturparke mit. Tatsächlich glänzen die heute mehr als 90 Naturparke mit riesigen Flächen, doch der Naturschutz spielt dort eine untergeordnete Rolle. Wenn, dann am ehesten noch in den neuen Bundesländern, wo man sich eher einem modernen Naturpark-Konzept verpflichtet sieht, wie es auch der NABU fordert.

Vorrang für den Tourismus
Die meisten Naturparke aber sind vor allem Tourismus- und Naherholungs-Fördergebiete. Immerhin werben sie neuerdings zusammen mit den Biosphärenreservaten und den Nationalparke unter der Dachmarke "Nationale Naturlandschaften". Noch ist dies nicht viel mehr als ein Marketing-Gag.

Die bereits erwähnten Landschaftsschutzgebiete (LSG) dienen vor allem dem Schutz vor Zersiedlung. Auch hier variieren die Schutzinhalte von Bundesland zu Bundesland. Hessen etwa will seine insgesamt 600.000 Hektar großen LSG nun sogar aufheben und auf diesem Weg die Naturparke gleich mit aushöhlen. Die gerade im Bundesgesetz erweiterte Aufgabe der Naturparke, "Vorbildlandschaften für die Entwicklung ländlicher Regionen" zu sein, wird von der Koch-Regierung torpediert.

Vieles in einem
Was die Vielfalt der Schutzgebiete im Einzelfall schwer durchschaubar macht: Ein Reservat, das auf sich hält, gibt sich mit einem einzigen Titel nicht zufrieden. Viele Nationalparke sind gleichzeitig auch Biosphärenreservat, Teile davon wiederum zusätzlich als NSG ausgewiesen, Landschaftsschutzgebiet sowieso und gerne noch von einem ähnlich lautenden Naturpark umgeben.

Und schließlich - sehr erfreulich, aber doch verwirrend - ist da noch Brüssel. Die Naturschutz-Gesetzgebung der EU beschert uns weitere Schutzgebiete, zunächst für den Vogelschutz und nun auch für weitere Arten und Lebensräume. "Natura 2000" heißt das so entstehende europaweite Schutzgebietssystem, die Reservate folglich Natura-2000-Gebiete oder auch FFH-Gebiete, benannt nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, kurz FFH.

Mehr zum Thema

Die neue Schutzkategorie NaturmonumentNett, aber zahnlos

Nach den Kriterien der Weltnaturschutzunion IUCN sind Naturmonumente Schutzgebiete, die dem Schutz herausragender kleinerer Naturareale dienen sollen. Diese seien wegen ihrer Seltenheit, Beispielhaftigkeit, ästhetischen Qualität oder kulturellen Bedeutung schützenswert. mehr Mehr

Online spenden

 

NABU Regional

NABU Regional Schleswig-Holstein Hamburg Mecklenburg-Vorpommern Berlin Brandenburg Sachsen Sachsen-Anhalt Thüringen Bremen Nordrhein-Westfalen Hessen Saarland Baden-Württemberg Bayern Rheinland-Pfalz Niedersachsen
Niedersachsen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Baden-Württemberg
Bayern
Schleswig-Holstein
Hamburg
Berlin
Mecklenburg-Vorpommern
Brandenburg
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
Bremen
Nordrhein-Westfalen
Hessen

Zentren
Schutzgebiete
Gruppen

 

Service

E-Cards

Versenden Sie ganz persönliche Naturgrüße an Freunde und Bekannte

NABU E-Cards

Podcasts

Ab sofort gibt es den NABU zum Hören. Vogelstimmen, Musik und Interviews machen den Podcast zu einem wahren Vergnügen fürs Ohr.

NABU Podcast zum Hören

NABU-Newsletter

Jeden Freitag neu - mit Terminen und Nachrichten aus Ihrer Region.

NABU-Desktopvorlagen

Verbandsnetz

Das gemeinsame Netzwerk für alle Aktiven in NABU, NAJU und LBV

NABU-Verbandsnetz

 

Vogel des Jahres

Bekassine

Die Bekassine ist Botschafterin für Moore und Feuchtwiesen. Mehr

 

Vogelfreund werden

Vogelfreunde

„Vogelfreunde“ bei Facebook: Für alles, was Federn hat Mehr

 

Von Aal bis Zilpzalp

Federlibelle

Über 300 Pflanzen- und Tierporträts im NABU-Artenlexikon Mehr

 

Kurznachrichten

Twitter

Was zwitschert der NABU? Mehr