NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2006 Heft 1 NABU-Welt

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Alleenschwund Brandenburg | Krötenwanderung im Internet | Stunde der Gartenvögel 2006 | NABU-Baupreisgewinner | NABU-Bundesvertreterversammlung | Nutzholz aus Obstbäumen | Dinosaurier des Jahres 2005 | Projektbüro Untere Havel | Kurzmeldungen | Hanse-Umweltpreis

Online-Extras: Steinkäuze unter Strom | Vergleich ums Klosterholz | Luchs-Prämien | Nationalpark-Kommunalisierung

6231 Alleebäume verschwunden

NABU-Proteste in Brandenburg

Der brandenburgische Alleen-Erlass verpflichtet die Straßenbaubehörden, jeden gefällten Alleebaum durch einen neuen zu ersetzen. Tatsächlich aber sind zwischen in nur drei Jahren 6231 Alleebäume zu wenig nachgepflanzt worden. Die Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen unter Beteiligung des NABU hat Anfang Dezember gegen diesen Missstand protestiert. Ein Dutzend Alleenschützer verkleideten sich dabei als Bäume und füllten symbolisch die Alleen-Lücken an der B273 am Kleinen Heineberg in Potsdam. Außerdem spannten sie zur Information der Autofahrer ein Transparent mit der Aufschrift "6231 Alleebäume verschwunden" auf.

Alleenaktion Brandenburg

Von 2001 bis 2004 wurden an Landes- und Bundesstraßen 18.964 Alleebäume gefällt und nur 12.733 neu gepflanzt. Noch schlimmer ist die Situation der Straßenbäume, also von Bäumen, die einzeln oder in bereits sehr lückigen Alleen stehen. Von ihnen wurden allein im Jahr 2004 in Brandenburg 11.235 gefällt und lediglich 4.644 neu gepflanzt.

Landesverkehrsminister Szymanski rechtfertigt die unterlassenen Nachpflanzungen damit, es fehle das Geld dafür. Ein Blick nach Mecklenburg-Vorpommern aber zeigt, dass Alleenschutz auch in Zeiten knapper Kassen möglich ist. Dort wird für jeden gefällten Baum eine Ausgleichszahlung in einen Alleen-Fonds geleistet. Aus diesem Topf werden Nachpflanzungen und Pflege bezahlt.

Brandenburgs Alleen haben großteils bereits ein hohes Alter erreicht und sind durch Tausalz, unnötige Schnittmaßnahmen, Mahd- und Anfahrschäden schwer geschädigt. Daher fordert die Schutzgemeinschaft auch eine sachgerechtere Pflege der Alleen, den Schutz der Bäume bei Straßenbauarbeiten sowie den konsequenten Tausalzverzicht an Alleen. (elg)

Krötenwanderung im Internet verfolgen

NABU-Aktion geht ins fünfte Jahr

Erdkröten

Noch herrscht Ruhe an den Krötenzäunen, höchstens einzelne vorwitzige Grasfrösche sind schon unterwegs. Doch spätestens im März gehen wieder Millionen Lurche auf Wanderschaft zu ihren Laichgewässern. In der ganzen Republik sind dann Naturschutzgruppen aktiv, stellen Fangzäune auf, tragen Kröten über die Straße und legen Ersatzlaichgewässer an.

Bereits im fünften Jahr dokumentiert der NABU das bundesweite Wandergeschehen tagesaktuell im Internet unter www.nabu.de/kroetenwanderung. Mit rund 200 teilnehmenden Gruppen ist diese Aktion enorm erfolgreich. Beteiligen können sich Gruppen und Aktive unabhängig von ihrer Verbandszugehörigkeit. (elg)

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Stunde der Gartenvögel

Bundesweite NABU-Aktion vom 5 bis 7. Mai

Blaumeise

Der NABU rief und 100.000 Naturfreunde machten mit. Die "Stunde der Gartenvögel" im vergangenen Jahr brachte nicht nur interessante Erkenntnisse über die Bestände der heimischen Gartenvögel sowie über regionale Besonderheiten, sie war darüber hinaus ein großer Spaß nicht nur für Vogelkundler.

Auch in diesem Jahr möchte der NABU wieder möglichst viele Menschen dafür begeistern, eine Stunde lang die Vögel im eigenen Garten zu zählen und ihre Beobachtungen an den NABU zu melden. Als Termin wurde der Zeitraum vom 5. bis 7. Mai festgelegt. Wer also mit eigenen Augen erleben möchte, ob der Spatz auch in seinem Garten der häufigste Vogel ist oder ob ornithologische Raritäten im eigenen Kirschbaum sitzen, sollte sich diesen Termin vormerken. In der nächsten Ausgabe von Naturschutz heute werden wir Ablauf und Teilnahmemöglichkeiten ausführlich vorstellen sowie den Meldebogen abdrucken. Aktuelle Informationen finden sich auch unter www.stunde-der-gartenvoegel.de.

Auch in diesem Jahr winken den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wieder attraktive Preise. Als Partner konnte der NABU das Skandinavische Reisebüro, JAKO-O, Leica, den Aula-Verlag mit dem Buch zur Stunde der Gartenvögel sowie www.tierstimmen.de gewinnen. Dass die Teilnahme an der "Stunde der Gartenvögel" unbedingt lohnt, belegen nicht zuletzt die Reiseberichte der letztjährigen Gewinnerinnen, die mit dem Skandinavischen Reisebüro auf große Fahrt gingen:

Gewinnerin 2005 Petra Veit

Die Gewinner der Stunde der Gartenvögel 2005

"Die Reise war wunderschön. Die Natur- und Landschaftsbeobachtung stand im Vordergrund, es gab ja auch die ganze Zeit wunderbare Küstenlandschaften und Fjorde zu sehen. Alles in allem war es eine unvergessliche Reise." - Petra Veit, Hauptgewinnerin 2005, Neun Tage für zwei Personen auf der Hurtigruten-Passage von Kirkenes nach Bergen.

Gewinnerin 2005, Ursula Rothe


"Es war eine Reise voll beglückender Erfahrungen. Wir konnten Seeadler beobachten - am Tollsten war jedoch das Zusammentreffen mit zwei Pottwalen morgens um fünf Uhr westlich der Lofoten auf offener See." - Ursula Rothe, 2. Preis, Sieben-Tage-Seereise für zwei Personen zu den Lofoten/Trollfjord.

Gewinnerin 2005, Ursula Schlieben

"Die Fahrt über den Göta-Kanal mit dem weltweit ältesten, noch einsatzbereitem Fahrgastschiff MS Juno war ein einmaliges Erlebnis. Sonne, Wind und Wolken ergaben im September einen interessanten Wetter-Mix, der keinen der Gäste daran hindern konnte, die wunderschöne Naturlandschaft vom Deck aus zu genießen. Die freundliche Besatzung des Schiffes, ein hervorragender Koch und nette Mitreisende aus verschiedenen Ländern rundeten das positive Bild ab." - Ursula Schlieben, 3. Preis, Vier-Tage-Seereise für zwei Personen auf dem Göta-Kanal zwischen Göteborg und Stockholm. (bep)

Dresdner Niedrigenergiehaus ausgezeichnet

NABU-Baupreis 2005

NABU-Baupreis-Sieger 2005

Das Dresdener Planungsbüro Bielenberg hat den mit 4000 Euro dotierten NABU-Baupreis 2005 gewonnen. "Eine zukunftsweisende Sanierung im Niedrigenergiehaus-Standard einschließlich Ressourcenschonung und naturnaher Gartengestaltung, einfach ein nachahmenswert gutes Beispiel!", fasste NABU-Präsident Olaf Tschimpke das Urteil der Jury anlässlich der Preisverleihung in Dresden- Neustadt zusammen. Auch Klaus Dosch von der Aachener Stiftung Kathy Beys - Mitinitiatorin des Baupreises und Stifterin des Preisgeldes - begrüßte das Engagement der Gewinner: "Das Planungsbüro hat bewiesen, dass flächensparendes und umweltschonendes Bauen mit hoher Wohnqualität im Innenbereich unserer Städte und Gemeinden zu realisieren ist."

In einem fast vollständig erhaltenen Gründerzeitgebiet erwarb das Planungsbüro Bielenberg ein ungenutztes, zum Teil asbestbelastetes Mehrfamilienhaus. Aus mehreren kleinen entstanden drei Wohnungen und eine Büroeinheit. Bei der Sanierung mit ausschließlich ökologischen Materialien wurde das historische Erscheinungsbild wiederhergestellt, alte Bausubstanz instandgesetzt und erhalten. Durch optimale Wärmedämmung, hoch wärmegedämmte Installationsleitungen und große Fensteröffnungen nach Süden wurde ein Niedrigenergiehaus-Standard erreicht. Sämtliches Oberflächenwasser wird einer Regenwasserzisterne zugeführt, aus der Waschmaschine, Toilettenspülung und Gartenbewässerung der Mieter gespeist werden. In dem mit gründerzeittypischen Mauern umgebenen Garten wurde unter Wiederverwendung alter Sandsteinwände ein Naturraum mit Grünflächen und Blumenwiesen geschaffen. (kk) mehr Mehr

BVV 2005

BVV Mainz: Am 5. und 6. November trafen sich in Mainz rund 190 NABU-Delegierte zum jährlichen Verbandsparlament, der Bundesvertreterversammlung. Als Gast sprach der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck und stellte sich anschließend den Fragen der NABU-Aktiven. In Mainz wurden auch zwei zwischenzeitlich vakant gewordene Präsidiumspositionen neu besetzt: Zum Schatzmeister in der Nachfolge von Oliver Drifthaus wurde der 47-jährige Andreas Fußer gewählt, neuer Beisitzer anstelle von Hartmut Kretschmer ist Dr. Hans-Joachim Mader (62). mehr Mehr

Nutzholz aus Obstbäumen

Modellprojekt im saarländischen Bliesgau

Über 50 Helfer kamen im Dezember im saarländischen Kleinblittersdorf im geplanten Biosphärenreservat Bliesgau zusammen. Sie pflanzten dort 500 Hochstamm-Obstbäume und verwirklichten damit eine der größten Streuobstpflanzungen in Südwestdeutschland.

Bundesweit einmalig: Erstmals steht die Neuanlage einer großflächigen Streuobstwiese auch unter den Vorzeichen künftiger Holznutzung. In 60 bis 120 Jahren sollen die Bäume nämlich der einzelbaumweisen Holznutzung zugeführt werden. So sieht es ein vom NABU erarbeitetes Nutzungskonzept vor. Daher wurden die Bäume - zum Großteil Birnen, Kirschen, Walnüsse, Speierlinge und Elsbeeren - mit mindestens 2,5 Metern Stammhöhe gepflanzt. Schreiner können so später große Möbelstücke aus diesen Edelhölzern anfertigen. Alle 500 Bäume dienen zudem der Erweiterung und Verjüngung bestehender Streuobstbestände.

Durchgeführt wurde die Aktion gemeinsam von der Gemeinde, dem NABU - der auch die Idee dazu hatte -, dem Förderverein Biosphäre Bliesgau sowie vier Bio-Betrieben. Das Saarland ist eine von 18 Modellregionen, die das Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt, um naturverträgliche Landnutzungsformen und eine nachhaltige ländliche Entwicklung zu befördern. Alle Beteiligten wollen sich künftig in enger Abstimmung mit dem Betreuer des bestehenden Streuobst-Lehrpfades, Hermann Bubel, um die Pflege und Betreuung der Bäume kümmern. (mrö) mehr Mehr

Negativpreis für Ludwig Georg Braun

Dinosaurier des Jahres 2005

Dino1

Der NABU hat Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), mit dem "Dinosaurier des Jahres 2005" ausgezeichnet. NABU-Präsident Olaf Tschimpke begründete die Wahl, Braun habe sich in seiner Funktion als oberster Repräsentant des Spitzenverbandes der deutschen Industrie- und Handelskammern im Wahlkampfjahr beharrlich mit einer anti-ökologischen Haltung in der Öffentlichkeit hervorgetan.

So forderte der DIHK im Positionspapier "Für einen Strategiewechsel in der Umweltpolitik", dass die "Fortsetzung einer Vorreiterrolle in der internationalen Umweltpolitik" nicht mehr Priorität haben solle und diese angesichts einer "tief greifenden Wachstums- und Innovationskrise" neu bewertet werden müsse. Polemik gegen Naturschützer oder Forderungen zur Einschränkungen des Klagerechts für Umweltverbände - der DIHK ließ nichts aus. Dabei stellt sich die Frage, wen der DIHK überhaupt noch vertritt. Gewiss nicht die Firmen, die mit innovativen Technologien und Dienstleistungen im Umweltbereich national und auf dem Weltmarkt erfolgreich sind und die gesetzlich zur Mitgliedschaft verpflichtet sind. (kk) mehr Mehr

NABU-Büro nimmt Arbeit auf

Großprojekt zur Renaturierung der Unteren Havel

Projektbüro-Team

Das Projektteam: Katja Alsleben, Susanne Geitz und Andreas Löbe (von links nach rechts)

Die Räumlichkeiten sind noch etwas behelfsmäßig, aber dennoch summen ein paar eilig geliehene Rechner und Drucker. Am 1. November startete das Projektbüro Untere Havel in Parey. Fleißig wird an der Umsetzung der ersten Phase der Renaturierung der Unteren Havelniederung zwischen Pritzerbe und Gnevsdorf gearbeitet und ganz nebenbei eine komplette Konferenz zum Auftakt des auf 13 Jahre angelegte Projektes durchgeführt.

Zu den Mitarbeitern des Büros gehören Projektbüroleiter Andreas Löbe - verantwortlich für die Arbeitsorganisation und die Wasserwirtschaft - Katja Alsleben, verantwortlich für Biologie und Naturschutz und auch die Öffentlichkeitsarbeit, sowie Susanne Geitz, die sich mit Landschaftsplanung, Grunderwerb und Finanzen befasst. Projektvater Rocco Buchta steht dem Team beratend zur Seite und leitet es ehrenamtlich. Außerdem kümmert sich in der NABU-Bundesgeschäftsstelle Karin Flohr um Marketing und Mittelbeschaffung.

Die nächsten Aufgaben des Projektbüros werden bei der Ausarbeitung des Pflege- und Entwicklungsplanes liegen. Dabei werden alle Einzelmaßnahmen der Renaturierung durchgegangen und überprüft - also eine geänderte Unterhaltung, der Anschluss von Altarmen, der Rückbau von Uferdeckwerk und der Bau von Fischaufstiegshilfen. Gleichzeitig soll die Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt verstärkt werden. Gesprächsabende und eine jährliche Konferenz sind geplant. (kaf)

Kontakt: NABU-Projektbüro Untere Havel, Dorfstraße 5, 14715 Havelaue, OT Parey. mehr Mehr

Kurz gemeldet

  • Die Tötung von 12.000 Rabenvögeln im Landkreis Leer für "wissenschaftliche Zwecke" (siehe Ausgabe 4/05) bleibt ohne gerichtliches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Aurich hat sämtliche Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingestellt. Der NABU und andere hatten gegen die Behörden sowie gegen Jäger und weitere Beteiligte Strafanzeige gestellt. Deren Verhalten sei jedoch "strafrechtlich nicht zu beanstanden" gewesen, begründete die Staatsanwaltschaft die Verfahrenseinstellung. Mehr

  • Die NABU-Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) hat aus Anlass ihres 40-jährigen Bestehens eine 150-seitige Bilanz ihrer Tätigkeit veröffentlicht. Das reich bebilderte Heft schildert auch die Bemühungen der AGW für Uhu und Kolkrabe. Bezug gegen 17 Euro einschließlich Porto und Verpackung bei der AGW, Klopstockweg 2, 77654 Offenburg. Über die einmalige Erfolgsgeschichte des Wanderfalkenschutzes werden wir in einer der nächsten Ausgaben berichten.

  • Nach nur wenigen Monaten ist der schleswig-holsteinische Landesnaturschutzbeauftragte Roger Asmussen von seinem Amt zurückgetreten. Seinen Rücktritt begründete Asmussen vor allem mit der geplanten Übernahme von Aaskrähe und Elstern ins Jagdrecht sowie der nicht naturschutzgemäßen Landes-Kormoranverordnung In beiden Fällen habe die Landesregierung jede Beratung ignoriert. Der frühere CDU-Wirtschaftsminister hat sich im Naturschutz einen Namen als Vorsitzender des Landesverbandes Eulenschutz gemacht. Mehr

  • In Baden-Württemberg soll, wie vom NABU vorgeschlagen, auf dem Gelände eines Ende 2006 außer Betrieb gehenden Truppenübungsplatzes ein mehr als 40.000 Hektar großes Biosphärenreservat "Albtrauf und Münsinger Kuppenalb" entstehen. Entscheidend wird die Finanzierung des Großprojektes sein. Nur wenn das Gebiet ausreichend von Fachleuten und Rangern betreut wird, wird aus einer guten Idee auch ein realer Erfolg. Der NABU geht von jährlichen Kosten von rund 1,3 Millionen Euro aus. Mehr

  • Ganz im Zeichen des Mausohrs steht die jüngste Ausgabe der NABU-Fledermauszeitschrift Nyctalus (Band 10, Heft 2). Das 120-seitige Themenheft berichtet unter anderem über Erfolge mit Nistkästen, über die Störungsanfälligkeit des Mausohrs sowie Vorkommen in verschiedenen Bundesländern und in Polen. Bezug zum Preis von 11 Euro bei Renate Haensel, Brascheweg 7, 10318 Berlin, www.nyctalus.com.

10 Jahre Hanse-Umweltpreis

Hamburgs Natur gewinnt

Hanse-Umweltpreis

"Eines steht jetzt schon fest. Bei diesem Wettbewerb gibt es nur Gewinner, denn von den Ergebnissen profitieren wir alle", erklärte 1995 der Hamburger NABU-Vorsitzende Rolf Bonkwald anlässlich des Auftaktes zum Hanse-Umweltpreis. Damit schrieb der NABU das erste Mal in seiner Verbandsgeschichte einen Umweltpreis aus. Der Preis sollte gleichermaßen Anreiz und Belohnung für das Umweltengagement der Bürger sein.

Von der Idee des Hanse-Umweltpreises waren die ehemalige Tagesschau-Chefsprecherin Dagmar Berghoff und die Firma Globetrotter Ausrüstung sofort begeistert. Dagmar Berghoff übernahm spontan die Schirmherrschaft und unterstützt seitdem den Preis. Globetrotter stiftet das jährliche Preisgeld von insgesamt 4.000 Euro. Insgesamt hat die Jury bis heute 239 Bewerbungen gesichtet und bewertet. Elf Preisträger sowie die zweiten und dritten Plätze haben zusammen über 37.000 Euro Preisgeld erhalten und damit ihre Umweltprojekte fortführen können.

Dagmar Berghoff

Beim NABU Hamburg gehen viele Bewerbungen von Schulen und Kindertagesstätten ein. Beeindruckend sind immer wieder die große Kreativität der Kinder, der Lehrer und Erzieher, die sich gemeinsam in ihrer täglichen Umgebung für den Umweltschutz einsetzen: Sie schaffen aus steinernen Schulhöfen blühende Wiesen, legen Biotope, Beete und Weidentunnel an, gewinnen Solarenergie, sparen Wasser, sammeln und entsorgen Batterien und gestalten viele andere phantasievolle Aktionen mehr. Berghoff: "Die Kinder lernen früh und dabei spielerisch, auf die Natur zu achten. Das werden sie als Erwachsene fortsetzen."

Aber auch Initiativen, Verbände, Einzelpersonen und sogar Unternehmen wie die Axel Springer AG nehmen an dem Wettbewerb teil. Das Verlagshaus gewann den Preis 2004 für sein Engagement im Umwelt- und Naturschutz, das beispielhaft für ein Großunternehmen ist.

Einmal im Jahr besucht Dagmar Berghoff die Preisträger und überzeugt sich vor Ort von deren Engagement, meist begleitet von Fotografen, Kameraleuten und Journalisten. So gelangt manches Umweltprojekt das erste Mal ins Licht der Öffentlichkeit. (bq)

Die Teilnahme ist nur in Hamburg möglich. Infos unter www.nabu-hamburg.de oder Tel. 040-69 70 89 12. Einsendeschluss ist am 30. September.

Steinkauz unter Starkstrom

Ungewöhnliche Brut an rheinhessischem Strommast

2003 hat der NABU Worms versuchsweise Steinkauz-Brutröhren an Strommasten von Überlandleitungen gebracht. Der starke Schwund alter Nussbäume in der rheinhessischen Landschaft bewog die Steinkauzschützer, dieses außergewöhnliche Projekt mit Unterstützung des Energieversorgers RWE zu starten. Steinkauz-Spezialist Werner Kutz tüftelte eine steinkauzfreundliche Behausung aus, die mit Sonnendach für die jungen Käuze ausgestattet war. Galt es doch, den Vögeln in den unbeschatteten Höhlen überlebensfähige Temperaturen zu ermöglichen. Des Weiteren sollten Auslaufstangen den Ästlingen die ersten Schritte aus der Brutröhre ermöglichen, damit sie einen sichereren Stand auf Holz statt auf Metall haben.

Nach zwei erfolglosen Jahren zog 2005 erstmals ein Steinkauz mindestens zwei Jungvögel an den Strommasten groß. Bei einer Kontrolle im September saßen beide Altvögel in der gleichen Brutröhre und schienen diese dauerhaft nutzen zu wollen. mehr Mehr

Vergleich zugunsten des Schwarzstorchs

NABU-Sachsen vor dem Bundesverwaltungsgericht erfolgreich

In einer Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss zur Ortsumgehung Grimma hat der NABU Sachsen vor dem Bundesverwaltungsgericht einen Vergleich erreicht. "Für uns und für die Natur ist das wie ein Sieg", freut sich NABU-Landesgeschäftsführer Bernd Heinitz. "Das Regierungspräsidium Leipzig wird nun ein Ergänzungsverfahren durchführen, das die erneute Diskussion der Trassenvarianten einschließt. Die Chance ist groß, dass dann auf die das Klosterholz zerschneidende Teilstrecke verzichtet werden und eine aus Naturschutzsicht akzeptablere Trasse gewählt werden muss." Im Klosterholz brütet unter anderem der Schwarzstorch und es kommen elf Fledermausarten vor, darunter Wasserfledermaus und Großes Mausohr.

Die Notwendigkeit einer Ortsumgehung für Grimma hat der NABU nie in Zweifel gezogen. Die Trasse durch das Klosterholz aber hätte den Lebensraum einer Vielzahl zum Teil streng geschützter Arten unwiederbringlich beseitigt und ein Erholungsgebiet für die Menschen praktisch wertlos gemacht. Eine weit umweltschonendere Alternative steht zu Verfügung.

In der Verhandlung war klar geworden klar, dass die hervorragende Artenausstattung des Waldgebietes eine Zerschneidung auf 1,3 Kilometer Länge ausschließt. "Wir verstehen den erreichten Vergleich als ein Zeichen der Behörden, bei künftigen Entscheidungen sensibler vorzugehen und die Rechte der Natur und der Grimmaer Bürger angemessen zu gewichten. Diese Haltung würde in Zukunft allen Beteiligten unnötige Kosten sparen, denn eine effektiv arbeitende Behörde entlastet schließlich auch den Steuerzahler." mehr Mehr

100 Euro für jeden Luchs

Vermehrt Sichtungen in Baden-Württemberg

Luchs

Nachdem Ende September in Sigmaringen an einem gerissenen Reh per Video ein Luchs nachgewiesen worden war, haben der NABU und die Luchs-Initiative Baden-Württemberg eine Meldeprämie von 100 Euro für jede weitere gesicherte Luchsbeobachtungen ausgesetzt.

Tatsächlich ist inzwischen im Donautal ein weiterer Nachweis gelungen. "Das zeigt uns, dass wir mit unserer Meldeprämie die Menschen erreicht haben. Die Botschaft ist angekommen", freut sich Uwe Prietzel vom NABU. Ein pensionierter Förster hat das Tier beobachtet und sofort an die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) gemeldet. Anhand von Spuren im Schnee konnte ein Luchs-Experte die Meldung bestätigen. Ende Dezember wurde dem Förster die Sichtungsprämie ausgezahlt. Unter 07 61-4 01 82 74 nimmt die FVA weitere Luchshinweise entgegen. Der Aufruf richtet sich an alle Menschen, die viel im Wald unterwegs sind, an Erholungssuchende ebenso wie an Förster und Jäger, insbesondere im Schwarzwald und den angrenzenden Gebieten zur Schwäbischen Alb. mehr Mehr

Kommunalisierung des Naturerbes?

Umstrittene Pläne für den schleswig-holsteinischen Nationalpark Wattenmeer

Watt

Die schleswig-holsteinische Landesregierung will den Nationalpark Wattenmeer kommunalisieren. Die Verwaltung soll vollständig in die Hand der Kreise Dithmarschen und Nordfriesland gegeben werden. Vorangebracht wird das Vorhaben maßgeblich vom Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen, selbst aus der Region stammend, und dem nordfriesischen Landrat Gert Bastian.

Was zunächst wie ein belangloses Gerangel um Zuständigkeiten aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine der größten Gefahren für den bestehenden Nationalpark seit dessen Gründung vor 25 Jahren. Der NABU blickt mit großer Sorge das Vorhaben. "Sollen die Kreise, die schon jetzt die Belange der eigenen Naturparke ignorieren, zukünftig allein für das nationale Naturerbe Verantwortung tragen?" fragt sich NABU-Landesvorsitzender Hermann Schultz angesichts der Tatsache, dass in Schleswig-Holstein mit den kommunal verwalteten Naturparken bereits jetzt reiner Etikettenschwindel betrieben wird.

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