NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2005 Heft 4 Spender und Paten
Ein Wald für die Rotbauchunke
Wie Spender und Paten dem NABU helfen
von Kathrin Klinkusch
Arnulf Weingardt am Rotbauchunken-Biotop.
Das Wasser des Godnasees bei Alt Schadow im brandenburgischen Spreewald glitzert in der Sonne, die Kiefern in dem Waldstück am Ufer stehen dicht beieinander und ab und zu ruft ein Kuckuck. Die perfekte Idylle, die an diesem Tag nur durch zwei parkende Autos am Ufer gestört wird. "Es ist verboten, im Wald zu parken". Da versteht Arnulf Weingardt, Schatzmeister beim NABU Lübben, keinen Spaß. Weingardt zückt sofort seine Digitalkamera und macht ein Foto der Nummernschilder - falls die Wagen der Umweltsünder nicht bald die Stelle verlassen, gibt es Ärger mit dem Ordnungsamt.
Rufe aus dem Torfstich
Auf das Stück Land am Ufer des Godnasees ist Naturschützer Weingardt ganz besonders stolz. "Diese zwei Hektar gehören dem NABU Lübben". Das großzügige Geschenk verdankt der Regionalverband allein der Rotbauchunke. Zum Schutz der Unke mit dem klangvollen Namen Bombina bombina - die heute zu den gefährdetsten Amphibienarten Mitteleuropas gehört - hat der frühere Besitzer Hans George Will dem NABU das Waldstück geschenkt.
Zusammen mit seiner Schwester hat Hans George Will dem NABU zwei Hektar Land geschenkt.
"Leider habe ich selbst noch nie eine Rotbauchunke gesehen", erzählt der Berliner Will, der das Stück Land von seinem Vater geerbt hat. Vor drei Jahren, während eines gemeinsamen Spazierganges durch das Wäldchen, habe er von Weingardt überhaupt erst erfahren, dass das wegen ihrer auffälligen orangeroten Flecken am Unterbauch auch Feuerkröte genannte Tier überhaupt in seinem Wald lebt. "Als wir an dem ehemaligen Torfstich vorbeikamen, hörte ich ein komisches Rufen, ähnlich wie ein Kuckuck, jedoch nur mit einem Kuck", erinnert sich Will.
Daraufhin habe ihm Weingardt erklärt, dass es sich um Laute der Rotbauchunke handelt. Da hat er sich kurzfristig entschlossen, das Waldstück, das ihm gemeinsam mit seiner Schwester gehörte, dem NABU zu schenken. "Wir wollten diese Idylle und den Lebensraum der Unke bewahren helfen", so Will.
Der Vogelpfarrer von Rötenbach
Ob Schenkung, Spende, Erbschaft oder Patenschaft: Neben den fast 400.000 Mitgliedern helfen zahlreiche engagierte Bürger dem NABU auf ihre Weise beim Erhalt wertvoller Lebensräume. Bundesweit gibt es derzeit mehr als 33.000 Menschen, die den Verband zum Teil schon seit Jahrzehnten mit Spenden unterstützen.
Josef Kary ist schon seit 1929 NABU-Mitglied.
Einer davon ist Josef Kary. Der 92-Jährige aus Rötenbach-Friedenweiler im Hochschwarzwald ist nicht nur Mitglied seit 1929 - als der NABU noch "Bund für Vogelschutz" hieß -, sondern hat bereits mehrfach für den NABU gespendet. "Ohne eine intakte Umwelt können auch wir Menschen auf Dauer nicht menschenwürdig leben", betont er. Darum freue er sich, dass der NABU sich als "starker Verband" für diese Themen engagiert. Bereits seit seiner Jugend hat Kary sich "am liebsten in der Natur aufgehalten". Die Liebe zur Schöpfung und das Verhältnis zu Mensch und Umwelt bestimmten auch die Berufswahl des Pfarrers. Neben seinem Job hat er sich stets aktiv für den Vogelschutz vor Ort eingesetzt. Wegen seines Engagements ist er in seiner Heimat auch als "Vogelpfarrer von Rötenbach" bekannt.
"Die Leute aus der Umgebung haben mir kranke oder verletzte Vögel zur Pflege gebracht, zum Beispiel wenn sich die Tiere an Windschutzscheiben verletzt haben", erzählt Josef Kary. Doch nicht nur hilfsbedürftige Vögel fanden bei ihm Unterkunft. Ein extra angelegter Teich mit Nasswiese hinter dem Pfarrhaus ist noch heute beliebter Rastplatz für viele Arten. "Hunderte Graugänse, Reiher und Kraniche zählten und zählen zu meinen Gästen", freut sich der Vogelfan. Ein Leben ohne das Engagement für die Umwelt kann er sich persönlich nicht vorstellen: "Natur ist mein Lebenselement".
33.000 Spender und 4000 Paten
Neben den zahlreichen Spendern unterstützen fast 4000 Paten NABU-Projekte vom Schutz des Lebensraumes für Eisvogel und Schreiadler bis hin zur Afrika-Patenschaft. "Es fällt auf, dass immer mehr Menschen über Ländergrenzen hinaus wichtige Anliegen des Natur- und Umweltschutzes unterstützen", sagt Ute Delle, beim NABU verantwortlich für Patenschaften. Die Afrika-Paten hätten beispielsweise mit der Einstellung eines Projektleiters vor Ort die Koordination der Wasserversorgung in den umliegenden Gemeinden des Arabuko-Sokoke-Waldes in Kenia erheblich verbessert. Auch die Schneeleoparden-Paten konnten laut Delle 2004 "viel erreichen", darunter den Bau eines artgerechten Großgeheges für die drei Schneeleoparden Alcu, Bagira und Kunak in den Bergen von Kirgisistan.
Für die Rückkehr des Wolfs
"Natur- und Tierschutz sind wichtige Anliegen, die leider viel zu oft untergehen", sagt Judith Metz. Seit 2000 fördert die inzwischen vierfache Patin NABU-Projekte. "Ich finde es gut, dass ich als Pate die Möglichkeit habe, gezielt Vorhaben zu unterstützen und die Ergebnisse sehen kann", so Metz. Sie finde es richtig, dass der NABU immer die Bevölkerung vor Ort einbezieht. Seit kurzem ist Judith Metz auch Wolf-Patin. "Das Vorhaben, den Wolf wieder heimisch werden zu lassen und für mehr Akzeptanz zu werben finde ich klasse; und es passt zum NABU."
Am Godnasee ist derweil die Idylle wieder hergestellt. Arnulf Weingardt packt seine Kamera ein. Die Falschparker sind weg. "Die Unke hat sich damals genau im richtigen Moment bemerkbar gemacht", freut er sich. Und Hans George Will bleibt im seinem früheren Wald präsent, dafür sorgt ein etwa ein Meter großer Findling am Waldrand. "Zwei Hektar an den NABU gespendet - Geschwister Will" steht dort unübersehbar.
Neben den erwähnten Wolfs- und Schneeleopardenpatenschaften bietet der NABU auch Zugvogelpatenschaften, Eisvogelpatenschaften zum Schutz der Fließgewässer sowie Afrika- und Europapatenschaften an. Bei Interesse und für Fragen wenden Sie sich bitte in der NABU-Bundesgeschäftsstelle an Ute Delle unter Tel. 02 28-40 36-174 oder ute.delle@nabu.de.

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