NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2004 Heft 4 NABU-Baupreisgewinner 2004
Schöner wohnen in der Stadt
Rege Beteiligung beim NABU-Baupreis 2004
von Anette Wolff
Baupreis-Anerkennungen: Neun mal besonders vorbildlich...
Monika und Franz-Otto Brauner samt zwei- und vierbeinigem Anhang.
Der NABU-Baupreis 2004 für nachhaltiges Bauen und Renovieren geht in die Nibelungenstadt Worms. Ausgezeichnet unter bundesweit 120 Bewerbern wurden Monika und Franz-Otto Brauner für die umweltgerechte Sanierung und den Ausbau ihres im Stadtteil Herrnsheim gelegenen Einfamilien-Wohnhauses.
"Ökologische Haustechnik, regionale Hölzer beim Innenausbau, naturnahe Gartengestaltung - eine beispielhafte Aufstockung, die durch die Vollständigkeit der Maßnahmen beeindruckt", fasste NABU-Präsident Olaf Tschimpke bei der Preisverleihung das Urteil der Jury zusammen. "Es stimmt einfach alles." So sah das auch Matthias Bösl von der Wormser NABU-Ortsgruppe: "Ihr seid vielleicht überrascht, dass Ihr gewonnen habt, wir waren es nicht."
Hintergrund für den vom Umweltbundesamt unterstützten Baupreis ist der hohe Flächenverbrauch in Deutschland, eine der Hauptursachen für den anhaltenden Artenschwund. In jeder Sekunde werden bundesweit rund zwölf Quadratmeter Boden zu neuen Siedlungs- und Verkehrsflächen verbaut. Daher prämiert der NABU gezielt solche Bauobjekte, die als nachahmenswerte und praktikable Beispiele für flächensparendes Bauen und Renovieren stehen.
"Familie Brauner hat bewiesen, dass attraktives Wohnen auch ohne Neubau auf der grünen Wiese möglich ist", betont Klaus Dosch von der Aachener Stiftung Kathy Beys, Mitinitiatorin des Baupreises und Stifterin des Preisgeldes von 4000 Euro. Ursprünglich bestand das in den sechziger Jahren erbaute Haus aus zwei kleinen Wohnungen. Grau verputzt, mit uralter Haustechnik, teilweise noch mit Einfachverglasung und etwas heruntergekommen. Doch Familie Brauner verwandelte es in ein Paradies: Der alte Dachstuhl wurde abgerissen, die Wand im ersten Obergeschoss aufgestockt. Der neue, isolierte Dachstuhl bietet nun 25 Quadratmeter zusätzlichen Wohnraum. Die Fassade wurde sorgfältig gedämmt und mit Holz verkleidet.
Die neue Haustechnik ist konsequent ökologisch: Warmwasserversorgung durch Solarthermie, Fotovoltaik, die mehr Strom ins Netz speist, als die Familie benötigt und eine Regenwassernutzung für den Garten und die Toiletten. Trotz Wohnraumvergrößerung ist der Energieverbrauch von jährlich 4000 Litern Öl auf 400 Kubikmeter Gas und zwei Festmeter Holz gesunken. Es wird wohl 30 Jahre dauern, bis die Sanierungskosten durch die eingesparte Energie wieder hereinkommen. "Doch den Wohlfühleffekt, den hat man sofort", freut sich Franz-Otto Brauner.
Auch im Garten hielten ökologische Werte Einzug: Eintönige Koniferen sind einem blumenreichen Bauerngarten und vielen Nistquartieren gewichen, die den Garten nun mit einer reichen Tierwelt beleben. Ganz fertig ist die Außenanlage aber noch nicht. Als nächstes wollen die Brauners noch versiegelte Wege öffnen und einen schönen Teich anlegen - dort, wo bisher nur eine alte Badewanne steht.
Neun mal besonders vorbildlich
Ausführliche Vorstellung incl. Bildern...
Rund 120 Bauherren, Architekten und Planer haben sich um den NABU-Baupreis 2004 beworben. Neben den Hauptgewinnern erhielten neun weitere Bauobjekte eine Anerkennung:
MiKa-Genossenschaftswohnanlage (Karlsruhe, Baden-Württemberg)
Der MiKa Wohnungsgenossenschaft ist ein besonders schönes Beispiel für eine gelungene Umnutzung von ehemals militärisch genutzten Bauten gelungen. In vier ehemaligen Wehrmachts-Mannschaftsgebäuden wurden 86 sozial gebundene Wohnungen geschaffen. Die Genossenschaft betreibt eine eigene Telefonanlage, die kostenloses internes Telefonieren ermöglicht. Es gibt einen Werkzeugpool, der individuelle Anschaffungen vermeiden hilft. Zum Projekt gehören auch Autoteil-Gruppen, Fernwärmenutzung und eine Regenwasserzisterne.
Bauernhaus-Umbau (Unbesandten, Brandenburg)
Mit einer Kombination aus traditioneller Bauweise mit Lehm und Stroh und ökologischer Haustechnik machten Margot und Wolfgang Pauli aus einem völlig heruntergekommenen niederdeutschen Zweiständer-Hallenhaus ein einmaliges Schmuckstück. Ein gelungenes Beispiel für die Wiedergewinnung von Wohnraum in einem mittlerweile seltenen Zeugnis regionaler Baukultur.
Gewerbehofsanierung WeiberWirtschaft eG (Berlin)
Die WeiberWirtschaft eG betreibt in Berlin-Mitte ein Gründerinnenzentrum mit mehr als 1500 Mitgliedern. Hier wurde ein altes Fabrikgelände saniert und so eine überzeugende Alternative zur Gewerbeansiedlung und zum Arbeiten auf der so genannten grünen Wiese aufgebaut. Die Energieversorgung erfolgt über Kraft-Wärme-Kopplung sowie die Ausnutzung von Kondensationswärme, Solarzellen, Fotovoltaik und Wärmerückgewinnung. Toiletten und Garten werden mit Regenwasser versorgt.
Stadthaus-Renovierung (Naumburg/Saale, Sachsen-Anhalt)
Hier wurde ein über 200 Jahre altes Altstadt-Reihenwohnhaus wurde unter Einsatz der traditionellen, natürlichen Baustoffe, alter handwerklicher Verfahren und der Beachtung baubiologischer Gesichtspunkte umfassend saniert. Die Sanierung durch Familie Lorber belegt eindrücklich und nachahmenswert, dass der Verfall ostdeutscher Innenstädte kein Naturgesetz ist.
Lebendiges Bienenmuseum (Knüllwald, Hessen)
Die Sanierung, Erweiterung und Wiederbelebung des in Teilen bis zu 400 Jahre alten, vom Verfall bedrohten Fachwerkhofes zeigt beispielhaft, wie Naturschutz und naturgerechtes Wirtschaften unmittelbar zum Erhalt alter Bausubstanz und dörflichen Lebens und Arbeitens beitragen kann. Mit dem hier inzwischen eingerichteten Museum für Imkerei und Blütenbiologie wurden zum ländlichen Raum passende Arbeitsplätze und Wohnstätten geschaffen.
Aufstockung eines Flachdach-Bungalows (Varel, Niedersachsen)
Wohnraum zu schaffen und das schadensträchtigen Flachdach dauerhaft zu sanieren, war Oliver Marxens Ziel bei der Aufstockung des Bungalows. Dabei wurde keine zusätzliche Bodenfläche versiegelt. Zum Einsatz kamen konsequent ökologische Baustoffe wie Lehm, Strohbauplatten, Zellulose und heimische Hölzer. Der Energieverbrauch wurde trotz Vergrößerung der Wohnfläche um ein Drittel verringert.
Schaffen eines Mehrgenerationenhauses (Münster, Nordrhein-Westfalen)
Architektin Petra Müller hat das zu kleine Wohnhaus Peter Schroiffs und seiner großen Familie in ein Mehrgenerationenhaus mit Niedrigenergiehaus-Standard erweitert. Das Haus ist aufgeteilt in flexibel nutzbare, sich der ändernden Familiengröße anpassbare Wohneinheiten. Der Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung schafft eine wohngesundes Raumklima.
Industrieflächenumnutzung für eine Bildungsstätte (Wennigsen, Niedersachsen)
Die Gesellschaft für Kunst und Heilen musicon e.V. hat alte Industriehallen zu einer generationenübergreifenden sozial-künstlerischen Bildungsstätte umgebaut. Im Rahmen eines Selbsthilfe-Projekts wurden stückweise alte Hallenabschnitte zurückgebaut, Stahlbetonflächen recycelt, Asbestdächer durch Gründächer ersetzt. Unter Berücksichtigung baubiologischer Anforderungen erfolgte der Innenausbau mit Lehm und Holz.
Umbau eines alten Bauernhauses (Wallerfangen, Saarland)
Von Anbeginn haben Architekt Bost und Familie Dietrich darauf geachtet, das historische Erscheinungsbild des Bauernhauses nicht zu verändern und zusätzliche Bodenversiegelung zu vermeiden. Nach dem Prinzip des "wachsenden Hauses" wurde attraktiver Wohnraum nahezu zusammenhängend nutzbar gemacht. Die Auswahl der verwendeten Materialen erfolgte strikt nach baubiologischen Gesichtspunkten.

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