NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2004 Heft 3 Fledermausschutz am Haus

Unter einem Dach

Hilfe für Fledermäuse auf Wohnungssuche

von Ingo Ludwichowski & Uli Thüre

Fledermausnacht am 28./29. August...


Großes Mausohr

Großes Mausohr

Fledermäuse leben mitten unter uns, oft sogar unter unserem Dach. In den so genannten Wochenstuben werden die kleinen Fledermäuse geboren und von den Fledermausweibchen aufgezogen, in anderen Quartieren halten die Fledermäuse ihren Winterschlaf und auch die Paarung findet in den Verstecken statt. Rund die Hälfte der 24 heimischen Arten nutzt regelmäßig Hausfassaden, Verkleidungen und Dachböden.

Doch immer häufiger werden bei Sanierungsarbeiten Einflugritzen verschlossen und damit die Unterschlüpfe zerstört oder die lautlosen Insektenfresser sterben nach dem Einsatz von giftigen Holzschutzmitteln. In Schleswig-Holstein und in Niedersachsen will der NABU nun mit landesweiten Aufklärungsaktionen und Tipps Hausbesitzer und angehende Bauherren motivieren, Fledermäusen gezielt Wohnraum zu schaffen. Sowohl bei der Aktion "Fledermausfreundliches Haus" in Schleswig-Holstein wie auch bei "Unter einem Dach - Fledermäuse und Menschen" winkt als sichtbarer Dank jeweils eine Plakette, die an Haustür oder -wand angebracht auf das Fledermaus-Engagement des Hausbesitzers verweist.

Fledermausverstecke können an jeder Hausfassade angebracht werden - natürlich auch ohne dass eine Plakette winkt. Bereits in der Bauplanung berücksichtigt, lassen sich die Verstecke praktisch unsichtbar in Fassaden oder Dächer einfügen. Auch alte Keller, Bunker und andere unterirdische Bauwerke kann man fledermausfreundlich gestalten. Tipps hierzu gibt es bei den am Ende des Beitrages genannten Adressen. Um einen Eindruck von der Vielfalt der Hausfledermäuse zu geben, stellen wir hier die heimischen Arten kurz vor:

Zwergfledermaus

Zwergfledermaus

Zwergfledermaus und Mückenfledermaus tragen ihre Namen zurecht. Mit vier bis acht Gramm wiegen sie gerade mal so viel wie ein Stückchen Schokolade. Die Zwillingsarten sind nur anhand der Lautfrequenz zu unterscheiden. Sie nutzen ganzjährig Fassadenverkleidungen aus Holz oder Schiefer, kleine Hohlräume an der Dachtraufe und in Außenwänden als Verstecke.

Nur wenig größer ist die Rauhautfledermaus. Neben Baumhöhlen und Nistkästen verkriecht sich diese Art in engste Spalten hinter Fassadenverkleidungen oder im Dach. Wochenstuben können aus weit über 100 Weibchen und ihrem Nachwuchs bestehen. Rauhautfledermäuse sind Fernwanderer und legen zwischen Sommerlebensraum und Winterschlafplatz manchmal mehr als 1500 Kilometer zurück.

Mausohrkolonie

Mausohrkolonie

Die Kleine Bartfledermaus gehört ebenfalls zu den Winzlingen und ist noch etwas kleiner als ihre Schwesterart, die Große Bartfledermaus. Meist verstecken sich die Tiere zwischen Verschalungen, zwischen Holz und Mauerwerk oder hinter eng anliegenden und wenig benutzten Fensterläden. Die Große Bartfledermaus jagt bevorzugt in Wäldern. Wochenstuben befinden sich oft in engen Spalten von Dachräumen, in Balkenkehlen und anderen Nischen. Gelegentlich findet man sie auch in sehr schmalen Fledermauskästen. Besonders Häuser im Wald oder am Waldrand werden besiedelt.

Die Haare der Zweifarbfledermaus sind an der Basis schwarz, die Spitzen des Rückenfells dagegen schimmern auffallend silbrig. Über ihre Lebensweise weiß man noch recht wenig. Quartiere können sich im Zwischendach von Ein- und Mehrfamilienhäusern befinden. Als Ein- und Ausschlupföffnung dienen offene oder überstehende Firstziegel sowie schmale Spalten zwischen Ortbrettern beziehungsweise Ziegelleisten und der Ziegelwand.

Die Teichfledermaus ist mit 20 Zentimetern Spannweite mittelgroß und in Deutschland recht selten. Sommerquartiere sind lediglich aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Niedersachsen und seit dem Sommer 2003 auch aus Schleswig-Holstein bekannt. Für die Jungenaufzucht suchen die Teichfledermausweibchen bevorzugt Dächer, Verschalungen oder Hohlwände von Einfamilienhäusern auf.

Die Fransenfledermaus ist sowohl Haus- wie auch Waldbewohner. Wochenstuben befinden sich in Hohlräumen von Außenwandverkleidungen oder in Zwischenwänden. In den vergangenen Jahren finden sich im Süden der Republik auch Quartiere in hohlen Decken oder Wänden von Kuhställen. Dort verlassen die Fledermäuse den Kuhstall zum Teil nicht einmal um auf Beutesuche zu gehen. Anstatt in die Umgebung ihres Quartiers auszufliegen, sammeln sie die vielen Fliegen von den Decken und Wänden in den Stallungen ab.

Braunes Langohr Jungtier

Braunes Langohr

Das Braune Langohr sieht mit seinen Riesenohren und den großen Knopfaugen besonders sympathisch aus. Bei der Jagd erbeuten die wendigen Flugakrobaten Tag- und Nachtfalter, Raupen und Spinnen, die sie direkt von Baumstämmen oder der Oberfläche von Blättern absammeln. Naturnah gestaltete Gärten und Parks mit heimischen Laubgehölzen, Obstbäumen und einer Vielzahl blühender Stauden sorgen für ein vielfältiges Insektenleben, von dem auch die Langohren profitieren.

Breitflügelfledermaus im Spaltenquartier

Breitflügelfledermaus

Die Breitflügelfledermaus ist mit bis 38 Zentimeter Spannweite eine der größten heimischen Arten, sie ist im Norden häufiger als im Süden. Sie nutzen über viele Generationen das gleiche Sommerquartier, so dass Häuser bekannt sind, in denen Fledermäuse und Menschen seit vielen Jahrzehnten gemeinsam unter einem Dach leben.

Noch größer ist mit 40 Zentimetern Spannweite lediglich das Mausohr. Mausohren leben bevorzugt in wärmeren Klimazonen und sind deshalb in Süddeutschland häufiger als im Norden. Sie gehören zu den wenigen Arten, die meistens frei sichtbar auf ungestörten Dachböden von Häusern oder Kirchen hängen. Diese Dachböden sind im Sommer sehr warm, zugluftfrei und häufig auch am Tage abgedunkelt.

Kontakt: "Unter einem Dach - Fledermäuse und Menschen", Melanie Beinhorn, c/o NABU Niedersachsen, Calenberger Straße 24, 30169 Hannover, Tel. 05 11-9 11 05 22, melanie.beinhorn@nabu-niedersachsen.de, Faltblatt und weitere Infos gegen 2 x 55 Cent in Briefmarken; Projekt "Fledermausfreundliches Haus", Michael Göttsche, Oberbergstraße 29, 23795 Bad Segeberg, Tel. 04 31-2 10 90 80, www.fledermausfreundliches-haus.de.

Fledermausnacht am 28./29. August

Bereits zum 8. Mal findet in diesem Jahr die Europäische Fledermausnacht statt, in Deutschland wie immer organisiert vom Fledermaussekretariat Eurobats und vom NABU. Ort der größten Veranstaltung wird das Gelände Karl-May-Festspielgelände am Bad Segeberger Kalkberg sein.

Infos zu allen weiteren lokalen Fledermausveranstaltungen finden sich im Internet auf www.batnight.de. Dort und in der Fledermausrubrik der www.NABU.de gibt es auch bundesweite Kontaktadressen von Fledermausexperten, ausführliche Porträts sämtlicher heimischer Arten und Tipps zum Fledermausschutz.

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