NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2004 Heft 1 Kräuter-Journal

Im Reich der Kräuter

Im Reich der Kräuter

Tipps zu Sorten, Verwendung und Anbau im eigenen Garten

von Katharina Bodenstein, Redakteurin der Garten-Zeitschrift "kraut&rüben"


Kräutervielfalt | Standortwahl | Hochsitz und Kräuterspirale | Aussaat und Pflege | Polsterpflanzen | Ernte ganzjährig | Überwinterung | Mitmach-Aktion Bohnen | Heilkräuter-Rezepte | Kräutergärten besuchen | Kräuterfeste | Lesetipps | Bezugsadressen für Samen und Pflanzen

Nützliches und Schönes gepaart

Kräuter würzen, halten gesund und bezaubern mit ihrem Duft

Weinraute

Sie sind die Helfer der Menschen: Kräuter würzen Speisen, halten uns gesund, sind unentbehrlich in der Naturkosmetik und verzaubern - auch als Räucherwerk - mit ihren Düften. Seit Jahrtausenden dienen sie Menschen aller Kulturen als Würz-, Küchen-, Duft-, Tee- oder Heilkräuter. Das Wissen unserer Ahnen spiegelt sich in tausendundeins Mythen und die moderne Kräutermedizin wäre ohne den Erfahrungsschatz unserer Vorfahren undenkbar. Diese sammelten Wildkräuter und begannen bald, sie auch in Hausnähe zu kultivieren. Und was später in den alten Kloster- und Bauerngärten wuchs: Wir pflanzen es wieder. Dazu bereichern viele aromatische Gewächse aus aller Welt unsere Beete und verwöhnen unsere Sinne.

Im Garten nehmen Kräuter kaum Platz ein und machen vielerorts eine gute Figur: ob als Ein- oder Mehrjährige im Küchen- und im Gemüsegarten, in bunten Staudenrabatten, als Beetsaum, Kübelpflanze, als Duftteppich, in der Kräuterspirale, im Hochsitz oder gar auf dem Dach - Kräuter laden zum Gestalten ein und verbinden das Schöne mit dem Nützlichen. Im Gemüsegarten bewähren sich die grünen Tausendsassas seit jeher als Mischkulturpartner. Sie wehren nicht nur Schädlinge ab, sondern verbessern oft das Aroma benachbarter Gemüsepflanzen: Bohnenkraut das der Bohnen, Gurkenkraut das der Gurken.

Comfrey

Comfrey

Kräuter tummeln sich seit jeher im Bauerngarten, wo Nützliches und Schönes gemeinsam gedeiht. Einige haben sogar den Sprung ins Prachtstauden-Beet geschafft, der heilkräftige Sonnenhut etwa und die Indianernessel mit ihren roten Blütenköpfen. Auch dank buntgezeichneter Blätter gedeihen viele einst unscheinbare Kräuter im Blumenbeet: der Goldsalbei "Aurea", die gelbbunte Melisse "Variegata" und der weiß- oder gelbbunte Zitronenthymian. Mit ihrem Laub vermitteln die duftenden Blätterkissen zwischen hochstängeligen und großblütigen Pflanzen. Oft sind die Grenzen zwischen Zierpflanzen und Kräutern fließend: die Braunrote Taglilie zum Beispiel feiert gelungene Auftritte in der Staudenrabatte, während Feinschmecker den Geschmack ihrer knolligen Wurzeln schätzen.

Kräuter auf Diät setzen

Ein sonniges Plätzchen und magerer Boden sind optimal

Wilder Majoran

Der Oregano oder Wilde Majoran

Die meisten unserer Garten-Kräuter stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum oder aus anderen warmen Gefilden. Sie sonnen sich daher am liebsten auf windgeschützten Beeten in Süd- oder Westlage. Ihre Wurzeln strecken sie gerne in magere, gut durchlässige Böden. Staunässe vertragen sie nicht - die im Sumpf wachsenden Kräuter wie Brunnenkresse oder Wasserminze ausgenommen.

Sorgen Sie für einen guten Wasserabzug: Bei einem sehr bindigen Boden heben Sie die Erde im Umfang des Beetes aus und füllen Schotter und Kies als Drainageschicht ein. Den Aushub magern Sie mit Sand ab. Ist die Erde dagegen zu "fett", also zu nährstoffreich, schießen die Pflanzen ins Kraut. Sie produzieren viel Blattmasse auf Kosten von Aroma und Geschmack - der Lavendel duftet weniger, der Knoblauch verliert an Schärfe.

Setzen Sie der sandigen Erde reifen Kompost zu. Dieser ist für die zukünftigen Beetbewohner sehr bekömmlich: Zuerst eine dünne Schicht ausbringen, dann oberflächlich einharken. Kräuter, die nach mehr Nährstoffen verlangen, bekommen zusätzlich eine Handvoll Hornspäne untergemischt. Die Nachkommen vieler heimischer Wildkräuter wie Petersilie, Schnittlauch, Minze, Waldmeister oder Engelwurz verlangen nach dieser Extra-Portion Dünger.

Hochsitz und Spirale

Wie man einen Kräutergarten anlegt

Nutzgarten Gut Sunder

Wollen Sie einen Kräutergarten anlegen? Je kleiner der Garten ist, umso klarer sollte das Konzept für die duftende Oase sein. Streng geometrische Formen unterstreichen die üppige Pflanzenpracht, sind pflegeleicht und sind mit mindestens dreißig Zentimeter breiten Wegen gut begehbar.

Der Wegebelag aus Kieselsteinen, Ziegel, aus Pflaster oder Keramikplatten bestimmt maßgeblich das Gesicht des Gärtchens. Die Klostergärtner von einst legten quadratische oder rechteckige Kastenbeete an, die mit einfachen Brettern eingefasst waren. Die empfehlenswerte Größe der einzelnen Beetflächen liegt zwischen 80 und 120 Zentimetern im Quadrat. Später waren es nach klassischem Vorbild Kreise und Kreisbögen und ein Rondell in der Gartenmitte, die sich als typische Merkmale durchsetzten.

Ährenminze

Ährenminze

So geht"s: Jeweils von einer Gartenecke zur schräg gegenüberliegenden eine Schnur spannen. Dort, wo sich die beiden Schnüre kreuzen, liegt der Mittelpunkt des Gärtchens. Markieren sie diesen, indem Sie dort einen Holzpflock einschlagen. An diesem befestigt man eine Schnur mit einer sandgefüllten Flasche am anderen Ende. Mit diesem Zirkel kann man die Beetlinien exakt markieren und mit Sand nachstreuen.

Statt einem Kräutergarten können Sie auch einen Kräuter-Hochsitz anlegen: Er beugt nassem Stand vor, erleichtert die Pflege und beschert gute Ernten. Wer sich das Mini-Gärtlein selber zimmert, wählt nicht imprägnierte Bretter aus und füllt zuunterst eine Drainageschicht aus Kiesel, Zweigen oder Schnittholz ein.

Seit Jahren beliebt sind auch Kräuterspiralen. Hier gedeihen duftende und würzende Schätze gleich auf mehreren Etagen: Zuoberst sitzen Sonnenkinder wie Thymian und Lavendel, gefolgt von den Normalbürgern wie Estragon und Dill bis hin zu den Feuchtzonenbewohnern wie Minzen und Brunnenkresse. Legen Sie zuunterst die Natursteine oder Ziegel beinahe kreisförmig aus und füllen das Spiraleninnere unten mit Schotter, darüber Erde von sandig (oben) bis lehmig-humos (unten). Die Steine leicht schräg, nach innen sich verengend, bis 120 Zentimeter hoch übereinander schichten. Kräuter nicht zu eng pflanzen.

Ausläufer: Achtung Ausbreitungsdrang

Über Anbau, Vermehrung und Schnitt

Manche Kräuter wie Kerbel, Liebstöckel und Johanniskraut säen sich leicht selbst aus. Sie brauchen nur die Sämlinge an den gewünschten Ort pflanzen. Andere Kräuter breiten sich rasend schnell durch Ausläufer aus: Teile von Melisse, Minzen und Estragon stechen Gärtner mit dem Spaten ab und setzen sie an den gewünschten Platz.

Verholzende Kräuter wie Salbei, Ysop, Lavendel und Eberraute lassen sich am besten über Stecklinge vermehren: Diese sollten nicht verholzt, aber auch nicht mehr weich sein, zwei bis drei Blattpaare besitzen und etwa fünf bis sieben Zentimeter lang sein. Schneiden Sie die Triebe an den Stängelknoten (Nodium) der Mutterpflanze mit einem scharfen Messer ab. Danach das Zwischenknotenstück (Internodie) unter dem letzten Stängelknoten des Stecklings einkürzen. Das Schnittgut direkt ins Beet oder in einen Topf mit lockerer, feinkrümeliger Erde setzen: Diese zuvor mit einem Brettchen andrücken, um Halt zu bieten. Die Stecklinge treiben jeweils an den Nodien frische Wurzeln.

Johanniskraut

Johanniskraut

Die meisten Kräuter sind im Handel im Plastiktopf erhältlich. Tauchen Sie den Wurzelballen in Wasser, bis er sich vollsaugt, lassen die Erde abtropfen und topfen dann aus. Legen Sie die Kräuter erst so auf dem Beet aus wie sie nachher gepflanzt werden sollen. Dann die Pflanzen einsetzen und einzeln vorsichtig angießen. Ältere Exemplare wie Lavendel und Eberraute kommen gleich nach dem Ausgraben und Teilen an ihre neuen Plätze. Bedenken Sie beim Pflanzen auch den Ausbreitungsdrang mancher Kräuter: Bei Minzen empfiehlt es sich, sie in Gefäßen in die Erde zu setzen oder ihnen ein eigenes Beet zuzuteilen.

Damit Kräuter ihre buschige, kompakte Form behalten, verlangen sie regelmäßig einen Schnitt: sie brauchen dann weniger Platz, sind schöner anzusehen und treiben buschiger durch. Bei massigen Gewächsen wie Liebstöckel und Beinwell kürzen Sie einige Triebe gleich eine Handbreit über dem Boden ein. Einen leichten Rückschnitt im Frühjahr erhalten niedrig wachsende Kräuter wie Thymian, Gamander, Heiligenkraut und Lavendel. Bei den beiden Letzteren darf man nicht bis ins alte Holz schneiden, da sie sonst nicht mehr austreiben.

Duftende Hecken und Pfade

Mit Kräutern den Garten gestalten

Feld-Thymian

Feld-Thymian

Einige Kräuter rahmen kurzgeschnitten Beete und Wege ein. Warum nicht ein Beet mit Schnittlauch säumen? Auf diese Weise sind die Zwiebelgewächse immer gut greifbar und wenn Sie aufs Ernten verzichten, bringt der Schnittlauch schöne rosa-violette Blüten hervor. Für Kräuterhecken eignen sich auch Ysop, Winterthymian, Salbei, Eberraute, Melisse, Weinraute und Bergbohnenkraut.

Auf duftenden Wegen wandeln - wer träumt nicht davon? Englische Gärtner haben sich diesen Traum schon lange verwirklicht und auch hierzulande genießen immer mehr Hobbygärtner die flüchtigen Aromen von Kräuterkissen. Wer sich die Dufter besorgt, siedelt sie in Pflasterritzen und -fugen an oder ersetzt Rasengräser durch Kräuter:

  • Die schnellsten Erfolge erzielen Duftrasen-Fans mit Römischer Kamille: Sie riecht fruchtig, wächst anspruchslos, schiebt bis zum Herbst weiße Blüten und trägt das ganze Jahr ihren grünen Pelz. Bienen und Schwebfliegen fliegen auf sie, Staunässe kann sie nicht leiden.
  • Kriechender Zitronenthymian ist trittfest, riecht stark aber bleibt nicht immergrün und treibt spät aus.
  • Dichte Teppiche webt die Kriechende Poleiminze an feuchteren Stellen. Im Gegensatz zu ihren Verwandten halten Sie sie leicht im Zaum, da sie nur oberirdische Ausläufer bildet.

So geht"s:

  • Pro Quadratmeter fünf größere oder bis 20 kleinere Pflanzen auswählen und in durchlässige, sandige Lücken etwa zwei Zentimeter tief einsetzen. Große Wurzelballen dabei in mehrere kleine aufteilen. Wer jetzt pflastert, lässt breitere Fugen zu oder nimmt beim fertigen Pflaster einzelne Stein oder ein Band entlang des Wegrandes heraus.
  • Für Duftrasen: Rasensoden ausstechen, den Boden freilegen, abmagern wie beschrieben und andere Wildkräuter zuvor entfernen.

Ganzjährig frische Kräuter

Tipps zur Ernte

Am besten erntet man Blätter, Blüten und Triebe am späten Vormittag eines sonnigen Tages. Der Tau ist dann getrocknet, die Kräuter haben sich leicht erwärmt. Zupfen Sie Blätter und weiche Triebe sorgfältig ab, die Schere kommt nur bei verholzten Trieben zum Einsatz. Das Erntegut schichten Sie locker in einen Korb und breiten zu Hause Blüten und Blätter aus: am besten auf einen Gazerost, das ist ein mit Baumwolltuch bespannter Holzrahmen. Stellen Sie diesen an einen schattigen, luftigen und trockenen Ort wie einen Dachboden oder Keller. Kräutertriebe bündeln Sie zu Büscheln und hängen das Sammelgut kopfüber auf. Auf diese Weise behalten vor allem Lippenblütler wie Rosmarin, Salbei und Lavendel viele Aromastoffe.

Pfefferminze

Pfefferminze

Es gibt aber auch Kräuter, die im Winter frisch geerntet werden können, sie bieten Väterchen Frost mutig Paroli. Wer sie im Spätsommer auf die abgeräumten Beete sät, kann in der kalten Jahreszeit vitaminreiches Grün ernten: Winterkresse, Winterportulak, Rauke, Kerbel, Löffelkraut, Pimpinelle und Petersilie liefern frische Blättchen. Sie gedeihen auf Sonnenplätzen auf lockerer, durchlässiger Erde.

Im Frühling bietet sich ein Blick nach draußen an, denn jetzt kann man gut Wildkräuter sammeln. Sie liefern meist mehr gesundheitsfördernde Stoffe als Kultursorten, schmecken lecker und bereichern jeden Speiseplan. Beizeiten im Frühjahr sprießen Bärlauch, Brennnessel, Brunnenkresse, Sauerampfer, Spitzwegerich und Frauenmantel.

Sammeln Sie nur Kräuter, die Sie kennen: Ein gutes Bestimmungsbuch, die Teilnahme an lokalen Kräuterwanderungen und Expertenrat erweitern die Artenkenntnis. Wildkräuter bereiten Sie am besten frisch zu, damit Aroma und Geschmack erhalten bleiben.

So geht"s: die unzerkleinerten Pflanzenteile waschen und mit Küchenpapier trocken tupfen. Erst kurz vor dem Verzehr hacken, wiegen, schneiden oder zerreiben Sie das Erntegut. Die meisten wilden Kräuter schmecken sowohl roh als auch gegart. Das kräftige Aroma mildern Sie mit gekochten Kartoffeln, gehackten Nüssen sowie klein geschnittenen Äpfeln. Eine Salatsauce mit Joghurt, saurer oder süßer Sahne, mit kaltgepresstem Öl, Zwiebeln und Balsamico-Essig bereichert den Wildsalat.

Buchtipp: Viele leckere Rezepte, dazu Geschichte, Biologie und Brauchtum von Wildkräutern findet sich in Gertrud Scherfs Buch "Wildfrüchte und Wildkräuter" (127 Seiten, BLV 2003, 9,95 Euro, ISBN 3-405-16461-3).

Empfindliche Südländer

Tipps zur sicheren Überwinterung der Kräuter

Kräuter, die Temperaturen von minus 15 Grad überstehen, gelten als winterhart. Für das Überleben im Beet spielen viele Faktoren eine Rolle: Die Pflanzenart und -sorte, der Bodentyp, die Düngung, sowie der Winterschutz und das Kleinklima im Garten. Außerdem entscheidet sich das Überleben oft am Verlauf des Winters: Scheint die Wintersonne und ist der Boden gefroren, sind wintergrüne Kräuter bedroht: da sie kein Wasser aus dem gefrorenem Boden ziehen können, vertrocknen sie leicht. Und wenn es im Winter regnet und der Schnee triefnass ist, beginnen selbst die standhaftesten Kräuter zu faulen. Überlebenstipps für Kräuter:

  • Die Pflanzen sicherheitshalber mit Fichtenreisig abdecken. Mehrjährige Kräuter, die nicht zu den Wintergrünen gehören - wie Minzen, Estragon und Zitronenmelisse - zuvor knapp über dem Boden abschneiden.
  • An frostfreien Tagen mit leicht angewärmten Wasser gießen.
  • Sandige, lockere Gartenböden erhöhen die Überlebenschancen. Schwere Böden jährlich mit Kompost und mit Sand lockern.
  • Winterharte Kräuter aus mediterranen Regionen sind: Andorn, Wolliger Andorn, Bergbohnenkraut, Eberraute, Bergminzen, Weinraute, Ysop, Heiligenkraut.
  • Gartensalbei ist winterhart. Vorsicht aber bei buntblättrigen Sorten wie "Purpurascens" und "Tricolor", denn sie frieren leichter zurück.
  • Wilder Lavendel übersteht Winter meist unbeschadet. Schopf- und Zahnlavendel sind empfindlicher, während Provence-Lavendel und Speicklavendel den Winter meist gut übersteht.
  • Deutscher Estragon ist robuster und wuchsstärker als Französischer (Feiner) Estragon.
  • Deutscher oder Winterthymian ist widerstandsfähiger gegen Frost als Sommer- oder Französischer Thymian.
  • Heimische Kräuter wie Baldrian, Pimpinelle und Spitzwegerich kommen meist unbeschadet durch kalte Tage.
  • Für alle Topfgärtner: Pflanzen Sie winterharte Kräuter ins Beet, dann überstehen sie kalte Tage besser. Die Kälte dringt sonst durchs Gefäß rasch an die Wurzeln. Ansonsten umwickeln Sie die Töpfe mit Stroh oder mit Noppenfolie und stellen diese in einen einige Nummern größeren Übertopf. Bedecken Sie die Gefäße mit Reisig und Flies und stellen sie an eine geschützte Hauswand, nicht aber in die pralle Sonne.
  • Auf der mäßig warmen Fensterbank spenden folgende Kräuter vitaminreiche Blätter: Basilikum, Kerbel, Schnittlauch, Petersilie und Kapuzinerkresse. Letztere säen Sie zur Winterernte im Sommer an, Kresse und Kerbel keimen im Topf auf dem Fensterbrett.

Seltene Bohnensorten retten

Eine Mitmach-Aktion zur ''Nutzpflanze des Jahres 2004''

Blühende Buschbohne

Blühende Buschbohne

Nach der Entdeckung Amerikas kam im 16. Jahrhundert die Gartenbohne zusammen mit einer Vielzahl anderer Gemüse in die Alte Welt. Ihr Anbau, ob als Busch- oder Stangenbohne, verbreitete sich rasch über ganz Europa. Getrocknete grüne Bohnen waren lange Zeit wichtig für die winterliche Versorgung, doch wird dies heute kaum noch praktiziert.

Inzwischen ist die Bohne in ihrer Nutzung als Körnerbohne weitgehend in Vergessenheit geraten. Um das Augenmerk wieder stärker auf dieses nahrhafte und wohlschmeckende Gemüse zu lenken, wählte der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) die Körnerbohne zum Gemüse des Jahres 2004.

Gepflückte Stangenbohnen

NABU-Mitglieder haben nun die Gelegenheit, selbst etwas für den Erhalt alter, seltener Bohnensorten beizutragen. Der VEN sucht Paten für insgesamt rund 100 Sorten. Diese Paten müssen sich in einem Patenvertrag verpflichten, jeweils eine oder mehrere Sorten für mindestens fünf Jahre in ihrem Garten anbauen. Wer Pate werden möchte, schreibt einfach an den VEN samt kurzen Angaben zu eigenen Erfahrungen im Gartenbau - speziell mit der Kultur und Vermehrung von Bohnen Ö sowie dazu, ob eher Busch- oder Stangenbohnen gewünscht sind, und schließlich eine kurze Skizzierung von Klima- und Bodenverhältnissen des Gartens. Adresse: VEN, Uschi Reinhard, Sandbachstraße 5, 38162 Schandelah, Fax 05306-932946, ven.nutz@gmx.de, www.nutzpflanzenvielfalt.de.

mehr Liste der Patensorten (PDF-Download)

mehr Patenvertrag (PDF-Download)

Wunden und die Seele heilen

Kräuter-Rezepte für die Hausapotheke

Ringelblume

Ringelblume

Ringelblumen-Salbe heilt Wunden: Die Salbe heilt kleine Haut-Abschürfungen, wunde Kinder-Popos, Entzündungen und Geschwüre. So geht"s: Frischgepflückte Blüten und Blätter zerdrücken oder klein schneiden. Pro Esslöffel Blüten einen Esslöffel Schmalz oder gute, ungesalzene Butter rechnen. Das Fett in einem Topf vorsichtig erwärmen, die Pflanzenteile hineingeben, und unter ständigem Rühren langsam aufkochen. Vom Herd nehmen, zehn Minuten durchziehen lassen. Ehe das Fett fest wird, über ein Tuch abfiltern und den Rückstand gut auspressen. Die Salbe hält, dunkel gelagert, im Cremedöschen im Kühlschrank etwa ein Jahr.

Johannis-Öl für die Seele: Das Öl aus den Blüten des Echten Johanniskraut hilft innerlich bei Schwermut, leichten Schlafstörungen und bei nervösen Magen-Darm-Beschwerden. Drei mal täglich einen Teelöffel voll vor den Mahlzeiten, mit Wasser nachspülen. Nach einer Kur von fünf bis sechs Wochen sollten Sie zusehends ruhiger und ausgeglichener sein. Äußerlich eignet sich Rotöl zum Einreiben bei leichteren Verbrennungen, Hexenschuss, Bauchschmerzen und bei Rheuma. So geht's: Zwei bis drei Handvoll frische Blüten in ein Schraubglas geben und einen halben Liter kaltgepresstes Olivenöl darüber gießen. Das Glas zuschrauben und an einen sonnigen Platz wie die Fensterbank oder die Terrasse stellen. Ab und zu kräftig schütteln. Nach vier bis sechs Wochen durch ein Leintuch abfiltern und auspressen. Das Rotöl in ein Braunglas füllen. Wenn Sie das Öl alle ein bis zwei Wochen abfiltern und immer wieder frische Blüten zugeben, bis es blutrot ist, erreichen Sie einen höheren Wirkstoffgehalt.

Königskerze

Königskerze

Königskerzen-Öl gegen Nervenschmerzen: Setzen Sie eine Handvoll Blüten der Großblütigen Königskerze in 100 Gramm reinem Olivenöl an. Stellen Sie das Öl in die Sonne und verfahren Sie weiter wie beim Johanniskraut-Öl. Heilkundler schätzen es als Massageöl bei Nervenschmerzen und bei Hämorrhoiden. Königsöl hilft auch bei Ohrenschmerzen, Furunkeln und Ekzemen. Eine Handvoll Blüten im Sitzbad bringt Linderung bei Durchfall und bei Bettnässen.

Beinwell-Umschläge gegen Quetschungen: Umschläge aus den Wurzeln des Beinwells lindern rheumatische Muskelverhärtungen. Außerdem können Sie Quetschungen, Wunden und Geschwüre mit dem Umschlag verbinden. So geht"s: 100 Gramm geschnittene Beinwellwurzeln in einem Liter Wasser zehn Minuten aufkochen, Den Sud abseihen und für feuchte Umschläge verwenden.

Reisetipps: Kräutergärten besuchen


Einsiedlerhof Brandenberg auf rund 1000 Metern Höhe von Gertrude Messner in Tirol: Die Bergbäuerin mixt heilkräftige Kräuteröle und -salben, stellt Teemischungen und Kräutersalz her, die sie vor Ort verkauft. Führungen regelmäßig ab Juni, Donnerstags 10-12 Uhr und nach Absprache sowie Seminare und Vorträge. Kontakt: Gertrude Messner, Neuschwendt 120, A-6234 Brandenberg/Tirol, Tel. 00 43-53 31-53 69, gertrude.messner@gmx.at.

Artemisia-Kräutergarten: Im Kräutergarten Artemisia nahe Stiefenhofen im Allgäu gedeihen 300 verschiedene Heil- und Würzkräuterarten auf 3,5 Hektar. Der Kräutergarten ist jederzeit zugänglich; ab Mai gibt es Führungen. Daneben können Besucher eine Teestube, einen Kräuterladen, eine Bibliothek sowie eine Gärtnerei mit Direktverkauf kennen lernen. Außerdem ist eine Broschüre über alle bei Artemisia kultivierten Kräuter erhältlich. Adresse: Tilmann Schlosser, Hopfen 29, 88167 Stiefenhofen, Tel. 0 83 86-96 05 10, www.artemisia.de.

Urlaub auf dem Kräuter-Hof: Gäste dürfen Kräuter direkt von den hofeigenen Beeten ernten, daneben stehen Wildkräuterwanderungen, Kochkurse und Kräuterbäder auf dem Programm. Prospekte über die Höfe sind erhältlich beim Tourismusverband Allgäu/Bayerisch Schwaben, Tel. 0 82 1-3 33 35, www.allgaeuer-kraeuterland.de.

Kräuter-Wanderweg: Die drei "Kräuterhexen" Christine Werner, Christine Moebus und Karin Mannsdörfer führen Besucher vorbei an unzähligen Heil- und Küchenkräutern zu der 35 Millionen Jahre alten Siefersheimer Brandungsküste. Die drei Frauen haben tausendundeins heilkundige und küchenerprobte Kräuterrezepte auf Lager, die sie gerne verraten. Die Kräuterführungen finden von April bis September jeden ersten Sonntag im Monat statt. Weitere Informationen unter www.kraeuter-hexen.de oder Tel. 06 70 3-6 65.

Kräuter- und Staudenfeste

  • Hohenstoffeln-Kräutertage: Besucher finden unzählige Duft-, Heil- und Würzkräuter, daneben bieten die Veranstalter ein umfangreiches Programm. Termin: 5. Mai 10-18 Uhr, 6. Mai 11-18 Uhr. Info: Syringa Duft- und Würzkräuter, Bachstraße 7, 78247 Hilzingen-Binningen, Tel. 0 77 39-14 52, www.syringa-samen.de.
  • Freisinger Gartentage: Über 90 Aussteller aus dem In- und Ausland präsentieren vom 7. bis 9. Mai Pflanzenraritäten und neue Züchtungen, darunter viele Kräuter. Ausstellungsgelände: Landratsamt Freising, Landshuter Straße 31, 85356 Freising. Info: www.freisingergartentage.de.
  • Illertisser Gartenlust, Markttage für Freunde der Gartenkultur. Termin: 11. September 9 bis 19 Uhr und 12. September 9 bis 17 Uhr. Info: Staudengärtnerei Gaissmayer, Jungviehweide 3, 89257 Illertissen, Tel. 0 73 03-72 58, www.illertisser-gartenlust.de.
  • Sambuca-Kräuterfest: Das Kräuterfest findet dieses Jahr zum vierten Mal in Kenzingen (30 km nördlich von Freiburg) statt. Zwei Tage lang bietet der Verein ein reichhaltiges Angebot an Vorträgen und Workshops sowie einen Kräutermarkt. Termin: 2. und 3. Oktober, Sa von 15 bis 22 Uhr, So 11 bis 18 Uhr. Ort: Üsenberghalle in 79341 Kenzingen. Infos unter www.sambuca-netzwerk.de und per Tel./Fax 0 78 22-76 76 37.

Tipps zum Weiterlesen

  • kraut&rüben ist das Magazin für biologisches Gärtnern und naturgemäßes Leben, das seit fast 20 Jahren monatlich fast 100.000 ökologisch handelnde Garten- und Naturfreunde lesen. Die Zeitschrift gibt praktische Tipps rund ums Thema Biogarten, enthält Reportagen, Pflanzenporträts, Gestaltungstipps und vieles mehr. Kraut&rüben erhalten Sie jeden Monat neu am Kiosk oder als Abonnement direkt beim Verlag. kraut&rüben, Biologisches Gärtnern und naturgemäßes Leben, Jahresabo 47 Euro. Weitere Informationen: Kraut&rüben Leserservice, Postfach 40 05 80, 80705 München, Tel. 0 89-12 70 52 14, www.krautundrueben.de.

  • Marie-Luise Kreuters Buch "Kräuter und Gewürze" ist ein Klassiker, der auf alle gängigen Fragen zum naturgemäßen Anbau, zur Ernte und Verwendung der Kräuter Antwort gibt. Das Herzstück des Buches bildet ein Porträtteil, in dem Kräuter von A bis Z vorgestellt werden. Daneben enthält es Tipps zum Thema biologischer Pflanzenschutz, Gestaltungsideen und viele Rezepte. Marie-Luise Kreuter: Kräuter und Gewürze aus dem eigenen Garten; Naturgemäßer Anbau, Ernte, Verwendung. - BLV. 167 Seiten. 14,95 Euro. ISBN 3-405-16209-2.

  • Weitere Buchtipps: "Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen" von Steffen Guido Fleischhauer. At-Verlag Aarau, 54 Euro, ISBN 3-85502-889-3; "Der Kräutergarten auf Balkon und Terrasse" von Miriam Wiegele. Ulmer. 12,90 Euro. ISBN 3-8001-3135-8; "Großmutters Kräuterapotheke" von Renate Dittus-Bär. Ulmer. 9,90 Euro. ISBN 3-8001-39367.

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