NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2003 Heft 4 Weltumsegelung für Albatrosse
Eine Weltumseglung für die Albatrosse
Protest gegen hunderttausendfachen Seevogeltod
von Gareth Gardiner-Jones
Schwarzbrauenalbatros
Ende Juli fiel im schottischen Ardmore der Startschuss für eine Weltumsegelung der besonderen Art: Der 65-jährige Skipper John Ridgway und seine Mannschaft wollen mit ihrer Fahrt auf die Gefährdung der Albatrosse aufmerksam machen, von denen immer mehr der so genannten Langleinenfischerei zum Opfer fallen. Rund 300.000 Seevögel, darunter etwa 100.00 Albatrosse, gehen jedes Jahr an den köderbespickten Langeleinenhaken zugrunde.
Ein Jahr unterwegs
Die English Rose VI beim Start in Ardmore.
Etwa ein Jahr werden die Segler mit ihrer Yacht "English Rose VI" unterwegs sein. Unterteilt ist die Weltumseglung in sieben Etappen, jede Etappe wird eine andere Albatrosart im Mittelpunkt haben. Über die Kanarischen Inseln ging zunächst südwärts bis Kapstadt. Inzwischen ist Ridgway auf dem Weg in den Indischen Ozean und weiter auf der Route des Wanderalbatros nach Melbourne sowie in die neuseeländische Hauptstadt Wellington. Nächste Stationen sind im Südpolarmeer Port Stanley auf den Falklands, South Georgia und Gough Island, bevor dann via Kapstadt schließlich London erreicht wird. An den Etappenorten werden die nationalen BirdLife-Partner die "English Rose VI" mit Aktionen gegen die unkontrollierte Langleinenfischerei unterstützen.
17 der weltweit 21 Albatrosarten sind dadurch bereits an den Rand der Ausrottung gebracht worden. Unterstützt wird die Expedition von BirdLife International, das bereits vor einigen Jahren eine Kampagne "Rettet die Albatrosse" gestartet hat. Seltenste Albatrosart ist der Amsterdam-Albatros mit nur noch 90 Tieren. Neben den Albatrossen bedroht die Langleinenfischerei unter anderem auch den Brillen-Sturmvogel, von dem jährlich bis zu 1.000 Tiere an den Langleinenhaken ertrinken - bei einem Gesamtbestand von weniger als 10.000 Tieren.
Hauptproblem Piratenfischerei
John Ridgway will erreichen, dass die Piratenfischerei gebannt und der Fisch-Schwarzmarkt ausgetrocknet wird: "Ich kann einfach nicht tatenlos zusehen, wie diese Katastrophe für die Meeresbewohner weitergeht. Unser Team von Freiwilligen macht sich für ein ganzes Jahr von allen anderen Verpflichtungen los, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf dieses unnötige Schlachten zu lenken."
Tristan-Albatros mit Fischereihaken.
In den letzten zehn Jahren hat sich die Piratenfischerei nahezu verdoppelt. Von den rund 38.000 Hochseefischereibooten über 100 Tonnen werden etwa 1.300 den Piratenfischern zugerechnet. Auf die Piratenfischerei entfällt aber rund ein Viertel der weltweiten Fangmengen, vor allem Blauflossen-Thunfische und der Schwarze Seehecht werden mit den bis zu 130 Kilometern langen Leinen gefangen. Da sich die Piratenfischer nicht an die allgemeinen Regeln halten, geht von ihnen die größte Gefahr für seltene Fischbestände und auch für die Seevögel aus.
Schwarzmarkt bekämpfen
Ertränkter Wanderalbatros
"Um die Albatrosse zu schützen, bräuchte es eigentlich nur eines verständnisvollen Kapitäns auf jedem Schiff", meint John Ridgway. Euan Dunn, Leiter der Meeresabteilung beim britischen Birdlife-Partner RSPB, stimmt ihm zu: "Wir haben längst einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, der von den legalen Fischern bereits erfolgreich umgesetzt wird. Für eine Lizenz der Internationalen Kommission zum Schutz der antarktischen Meeresressourcen" müssen heute unter anderem Vergrämungsflaggen an den Leinen angebracht werden, die Leinen müssen nach dem Ausbringen schneller sinken und während der Brutzeit der Seevögel ist die Fischerei eingeschränkt. Die Opferzahlen in den südlichen Weltmeeren sind seitdem stark zurückgegangen - wenn da nicht die Piratenfischer wären."
BirdLife fordert deshalb, dass diese Schutzregeln weltweit in die Fischereibestimmungen aufgenommen werden. Dazu gehört auch die Bekämpfung des Schwarzmarktes. Einer der größter Abnehmer der Piratenfischer ist Japan, wo vor allem Seehecht zu Sushi verarbeitet wird.

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