NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2003 Heft 4 NABU-KORKampagne
Ein starker Stoff
Korknutzung hilt, wertvolle Lebensräume zu erhalten
von Guido Teenck
Mitmachen bei der NABU-KORKampagne...
Was haben römische Sandalen und das Space Shuttle gemeinsam? In beiden findet sich Kork, einmal als Trittdämmung, im anderen Fall als Hitzeschutz. Die außergewöhnlichen Eigenschaften des Naturstoffes Kork werden schon seit der Antike genutzt.
Die "KORKampagne" des NABU Hamburg hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele der 1,2 Milliarden Flaschenkorken, die jährlich in Deutschland anfallen, zu sammeln und zu recyceln. Daraus könnten 32.000 Kubikmeter ökologisch wertvolles Dämmgranulat für den Hausbau werden. Bisher wird nur ein Zehntel des Flaschenkorks dem Stoffkreislauf zugeführt.
Erlös für den Kranichschutz
Aus dem Erlös des Dämmgranulatverkaufs unterstützt der NABU Kranichschutzprojekte in Spanien - der Heimat der Korkeichen - und Deutschland. Ziel der Naturschutzarbeit in Spanien ist die Erhaltung der traditionellen Korkwirtschaft und damit der einmaligen Landschaft der "Dehesas".
Diese lichten Kork- und Steineichenwälder im Südwesten der iberischen Halbinsel sind das Überwinterungsgebiet von über 50.000 Kranichen aus ganz Europa. Vom Aussterben bedrohte Tierarten wie der Pardelluchs, der Spanische Kaiseradler und die Großtrappe haben hier ihre letzten Rückzugsräume. Gegen die weitere Zerstörung der Extremadura kämpft die spanische BirdLife-Partnerorganisation SEO. Jeder für die KORKampagne gesammelte Korken hilft dem Kranichschutz.
Kork ist nichts anders die Rinde der Korkeiche. Der besondere Aufbau und die Dicke der Korkrinde schützen den Baum vor Hitze, Austrocknung, Infektionen, Schädlingen und Waldbränden. Kork ist deshalb ein ideales Isolier- und Dichtungsmaterial. Kork ist wärme-, kälte- und schallisolierend, leicht, schwimmfähig und fast unverrottbar.
Drei Viertel Restkork
Der Großteil des Korks geht in die Flaschenstopfenproduktion. Dabei bleiben fast drei Viertel des Korks sozusagen als Verschnitt übrig. Von diesen Resten lebt ein anderer Teil der Korkindustrie. Sie werden zu Granulat vermahlen und mit Bindemitteln verklebt. So entstehen Verbundkorken, Dämmkork, Presskorkplatten, Fußböden, Schuhsohlen, Kunstobjekte, Pinnwände und vieles mehr.
Die Nutzung für die Flaschenkorkproduktion ist ein Garant für den Erhalt der Korkeichenwälder. Die mit Qualitätskorken erzielten Preise von bis zu einem Euro pro Korken bieten die höchste Wertschöpfung für den Produzenten. Somit steigt das Interesse, die Korkeichen nachhaltig und schonend zu bewirtschaften. Jedoch finden sich heute immer häufiger billige Presskorkstopfen, Kunststoffkorken oder Schraubverschlüsse auf den Weinflaschen.
Eine Million Hektar Korkwälder
Als 1760 die erste Korkschneiderei im spanischen Gerona ihr Handwerk aufnahm, begannen die Produktion und der Handel mit Kork im großen Stil. Dämmkork wird seit 1895 hergestellt. Um die Jahrhundertwende gab es einen Aufschwung in der Dämmkorkindustrie, vor allem durch die Ausstattung von Kühlschiffen. Heute werden in Portugal und Spanien auf einer Million Hektar Korkeichen abgerindet. Sie liefern 300.000 Tonnen Kork pro Jahr, was etwa 75 Prozent der Weltproduktion ausmacht.
In den 1960er Jahren kam es zur Krise in der Korkwirtschaft. Gründe für die Misere waren das begrenzte Rohstoffangebot und besonders die zurückgehende Nachfrage. Hauptursache war das Aufkommen vermeintlich billiger Kunststoffe, die Kork vom Markt verdrängten. Um dem Preisverfall entgegen zu wirken, versuchte man die Korkernte zu erhöhen, was eine Übernutzung der Korkeichen und somit eine Schädigung der Bäume zur Folge hatte. Auch verschwanden viele Korkeichenbestände durch Bauprojekte und Abholzung für Eukalyptusforste und Agrarflächen.
Flaschenkork als nachhaltigste Nutzung
In den letzten 20 Jahren gibt es aber wieder positive Entwicklungen. Durch die Entwicklung eines Marktes für Granulatprodukte können heute auch die Reste der Flaschenkorkenherstellung verkauft werden. Auch das gestiegene Gesundheits- und Umweltbewusstsein hat zusammen mit Fortschritten bei der Entwicklung unbedenklicher Bindemittel und Alternativen zur Chlorbleiche zu einer Nachfragesteigerung geführt.
Um die Korkeichen wirtschaftlich und nachhaltig zu nutzen, muss vor allem die Nachfrage nach Korkprodukten steigen. Besonders der Kauf von hochwertigen Massivflaschenkorken trägt zum Erhalt der Korkeichen bei. So wird die höchste Wertschöpfung erreicht und die Gefahr der Übernutzung gebannt. Korkrecycling trägt zur nachhaltigen Nutzung der Korkeichen bei, indem ein Teil des Bedarfs an Korkgranulat aus Altkork gedeckt wird.
Mitmachen bei der KORKampagne
Sammelstellen bundesweit
Korken sammeln macht Spaß. Wer Korken für die bundesweite KORKampagne des NABU sammelt, tut Gutes für
- den Umweltschutz, denn der Wertstoff Kork wird vor der Vernichtung als Müll bewahrt und als Dämmgranulat für den ökologischen Hausbau genutzt,
- den Naturschutz, durch finanzielle Unterstützung und Aufklärungsarbeit - vor allem an Schulen - und
- für Behinderte und Langzeitarbeitslose, indem Arbeitsplätze in der Korkenverarbeitung geschaffen werden.
Heute beteiligen sich bereits rund 1.100 Sammelstellen in fast allen Bundesländern an der KORKampagne. Hinzu kommen gut hundert firmeninterne Sammelstellen. Insgesamt wurden seit dem Kampagnenstart 1994 weit über 200 Tonnen Korken - das entspricht über 2.000 Kubikmetern oder rund 50 Millionen Stück - eingesammelt. Die Korken werden in den "Winterhuder Werkstätten für behinderte Menschen" (WWB) zum Dämmgranulat "ÖKork" verarbeitet. Die Verbindung von Umwelt- und Naturschutz, Ökonomie und sozialen Aspekten macht die KORKampagne zu einem beispielgebenden Projekt.
So können Sie die KORKampagne unterstützen: Sammeln Sie Korken, bringen Sie Ihre Korken zu einer Sammelstelle der KORKampagne oder werden Sie sogar selbst Sammelstelle, sprechen Sie mit Freunden, Bekannten und Kollegen über das Korkensammeln und die KORKampagne - jeder kann mitmachen.
Wo die nächstgelegene Sammelstelle ist, erfahren Sie beim NABU Hamburg unter Tel. 040-6 97 08 90. Mehr Infos zur KORKampagne gibt es gegen Einsendung von 2,50 Euro beim NABU Hamburg, Stichwort KORKampagne, Osterstraße 58, 20259 Hamburg.

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