NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2003 Heft 2 Lieberose

Naturparadies Lieberose

Kaufvertrag für 1.051 Hektar Naturschutzflächen unterzeichnet

von Helge May


Wolf

Auch der Wolf könnte auf Lieberose wieder ein Zuhause finden.

Gut drei Jahre ist es nun her, dass zahlreiche NABU-Mitglieder und -Gruppen dem Aufruf nach Unterstützung für die dauerhafte Sicherung wertvoller Lebensräume auf dem ehemaligen brandenburgischen Truppenübungsplatz Lieberose gefolgt sind. Ende Dezember 2002 hat der NABU nun endlich einen Kaufvertrag für 1.051 Hektar unterzeichnen können.

Lange hat es gedauert, bis dieser wichtige Erfolg gemeldet werden konnte. Der Weg zum Naturparadies Lieberose war beschwerlich und leider sind noch nicht alle Hindernisse aus dem Weg geräumt. Unter anderem muss der Haushaltsausschuss des Landes Brandenburg noch zustimmen.

"Obwohl das Vorhaben von Vertretern des Landes selbst angeregt wurde und es sogar eine schriftliche Vereinbarung gab, warf die Bürokratie des Landes Brandenburg dem NABU drei Jahre lang Knüppel zwischen die Beine", bedauert der amtierende NABU-Präsident Christian Unselt, der für den NABU die Verhandlungen geführt hat.

See und Wald

Kleine Seen prägen das Landschaftsbild von Lieberose

Vor allem die dem Innenministerium zugeordnete Stiftungsaufsicht blockierte die in Deutschland einzigartige Kooperation, in der der NABU Eigentümer der Flächen werden und die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg über ein umfassendes Nießbrauchrecht die Betreuung und Entwicklung der Flächen übernehmen sollte. Diese Stiftung wurde unter anderem vom Land Brandenburg, der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), dem WWF und dem NABU eigens für die Bewahrung von Naturschutzflächen auf ehemaligen Militärflächen gegründet.

Um die Blockade der Bürokraten endlich zu durchschlagen, hat der NABU beschlossen, seine Lieberose-Spendengelder für den Erwerb von rund 1.051 Hektar einsetzen und mit den verbleibenden Mitteln dauerhaft zum Unterhalt der Flächen beitragen. Für diese Lösung spricht auch der Umstand, dass wegen neu aufgetretener Alteigentümeransprüche eine Reihe weitere Teilflächen zur Zeit nicht erworben werden können. Die gerichtliche Klärung dieser Ansprüche wird voraussichtlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg wird später die verbliebenen 2.000 Hektar selbst erwerben.

Wald mit Sumpfporst

Wald mit blühendem Sumpfporst

"Nach diesem nervenzehrenden Kampf möchte ich allen Spendern und Unterstützern nochmals für Ihre damalige Spende danken, ohne die wir dieses Vorhaben nie hätten realisieren können", betont Christian Unselt. "Dank gebührt den Spendern auch für Ihre Geduld, mit der Sie uns ihre Spende bis zur jetzigen Vertragsunterzeichnung anvertraut haben."

Der ehemalige Truppenübungsplatz der Roten Armee nördlich von Cottbus ist reich an Wäldern aller Stadien und ausgedehnten Sandheiden. In über hundert Toteis-Senken konnten sich außerdem nahezu alle Varianten der mitteleuropäischen Tieflandmoore und Kleinseen ausbilden. Die Brutvogelwelt ist atemberaubend: Fisch- und Seeadler kommen ebenso vor wie der Wiedehopf, ein Dutzend Kranichpaare, Waldwasserläufer, Bekassine und Eisvogel, Raubwürger, Brachpieper und Ziegenmelker. Aber auch als Zentrum für die Zuwanderung von Tierarten kann das Gebiet von Bedeutung sein - etwa für Wölfe, die gelegentlich aus Westpolen einwandern. Zur Säugetierwelt gehören Rothirsche, Fischotter und mehrere baumhöhlenbewohnende Fledermausarten.

Jetzt, ohne den Einfluss des Militärs, werden sich über lange Zeiträume hinweg wieder lichte Wälder aus Birken, Kiefern und Eichen aufbauen. Naturbelassene Waldökosysteme mit ungestörten Alterungs- und Auflichtungsprozessen gehören zu den seltensten Lebensräumen Deutschlands. Eingriffe in die natürliche Entwicklung sollen nicht erfolgen.

Kontakt: Christian Unselt, Tel. 030-28 49 84-60, Fax -85, Christian.Unselt@NABU.de.

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