NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2007 Heft 4 Stadtarten-Porträts
Fuchs und Sommerflieder
Zehn Stadtarten im Kurzporträt
Fuchs | Igel | Kaninchen | Mauersegler | Nebelkrähe | Sperber | Höckerschwan | Gottesanbeterin | Ehrenpreis | Sommerflieder
Fuchs
Die Chancen, einem Fuchs zu begegnen, sind in der Stadt ungleich größer als auf dem Land oder im Wald. Selbst den Garten des Bundeskanzleramtes durchstreifen Füchse regelmäßig. Ihre Siedlungsdichte ist in der Stadt teils zehnmal höher und weil nicht auf sie geschossen wird, trauen sich die Füchse immer öfter auch tagsüber aus ihren Verstecken. Wo das Angebot aus Mäusen, Früchten und menschlichen Abfällen nicht ausreicht, machen Regenwürmer einen wichtigen Teil der Nahrung aus.
Igel
Mit ihrer Vorliebe für Regenwürmer stehen Füchse in direkter Konkurrenz zu den Igeln. Es reicht aber offensichtlich für beide und noch die Amseln dazu, denn auch Igel und Amseln kommen in den städtischen Gärten und Parks wesentlich häufiger vor als in der Agrarlandschaft oder in Wäldern. Und je häufiger der sonst so kritisierte "englische Rasen" gemäht wird, desto mehr eiweißreiches, zartes Schnittgut - die Lieblingsspeise der Regenwürmer - gelangt auf den Boden.
Kaninchen
Anders als der Feldhase hat sich das kleinere Wildkaninchen zu einem echten Kulturfolger entwickelt. Gärten und Grünanlagen aller Art werden ebenso besiedelt wie Schulhöfe oder sogar Verkehrsinseln. Zwischenzeitlich hatten Seuchen wie Myxomatose und RHD ("Rabbit Haemorrhagic Disease") die Bestände stark dezimiert, heute reiht sich in vielen Städten wieder Kaninchenbau an Kaninchenbau.
Mauersegler
Der schnittige Mauersegler gehört zu den Vogelarten, die dank städtischer Strukturen ihren Bestand weit erhöhen konnten. Mauersegler waren ursprünglich Fels- und Baumbrüter. Unter Dächern von Altbauten, aber auch in anderen Gebäudenischen und nicht zuletzt in speziellen Nistkästen finden sie geeignete Quartiere. Gefahren bestehen allerdings durch allzu gründliche Gebäudesanierungen und Insektenarmut wegen Pestizideinsätzen.
Nebelkrähe
Noch stärker als ihre Zwillingsart, die rein schwarze Rabenkrähe, hat sich die hellgrau-schwarz gefleckte Nebelkrähe zur Stadtbewohnerin entwickelt. Die östlich der Elbe vorkommende Art kann recht zutraulich werden, wie alle Rabenvögel ist die Nebelkrähe sehr lernfähig. NABU-Untersuchungen zeigen, dass Nebelkrähen und Elstern unter anderem stark um Nistplätze konkurrieren und dort wo Nebelkrähen zunehmen, gleichzeitig die Elstern weniger werden.
Sperber
Der Sperber ernährt sich vorwiegend von Kleinvögeln bis zur Spechtgröße, vor allem Drosseln, Stare, Sperlinge, Finken und Meisen. In der Stadt ist der Tisch für ihn reich gedeckt und so ist er vielerorts neben dem Turmfalken der häufigste städtische Greifvogel geworden. Seine Jagdstrategien hat der Sperber an den Lebensraum Stadt angepasst. Dazu gehört das Auflauern hinter Gebäudeecken ebenso wie Sturzflugattacken in Innenhöfe.
Höckerschwan
Einst galt die Haltung von Schwänen - und ihr Verzehr - als Privileg der Könige. Heute sind Höckerschwäne neben Stockenten, Bläss- und Teichhühnern typische Bewohner fast eines jeden Parkteiches. Die Parkpopulation dürfte inzwischen zahlreicher sein als die Wildbestände. Zur Nahrungsaufnahme stecken die imposanten Wasservögel ihren langen Hals bis zu einen Meter tief ins Wasser und reißen Wasserpflanzen los oder sie weiden Uferpflanzen und Gras ab. Eine wichtige Nahrungsquelle der Stadtschwäne ist die Fütterung an Parkteichen.
Gottesanbeterin
Ganz ohne fremde Hilfe hat die mediterrane Gottesanbeterin das Berlin-Schöneberger Südgelände wohl nicht besiedelt. Diese wärmeliebende Art zeigt aber eindrucksvoll, welches Potenzial ehemalige Bahnanlagen haben. So wurden auf dem vom NABU betreuten Biesenhorster Sand mitten in Berlin bereits mehr als 1.300 Insekten- und 540 Pflanzenarten nachgewiesen.
Ehrenpreis
Während Klee und Gänseblümchen für die weißen Tupfer in Parkrasen zuständig sind, sorgt der Ehrenpreis für blaue Einsprengsel. Meist sind es Efeu-Ehrenpreis oder Faden-Ehrenpreis, an den Rändern auch der Persische Ehrenpreis. Letzterer büchste schon vor 200 Jahren aus botanischen Gärten aus, heute kommt er fast weltweit vor. Den typischen Parkrasenarten macht selbst häufiges Mähen nichts aus, da sie sich nicht nur mit Samen, sondern auch über Ausläufer ausbreiten.
Sommerflieder
Der Sommerflieder oder
Schmetterlingsstrauch ist neben dem Essigbaum eines der häufigsten Gehölze auf Gleisanlagen und etwas älteren Stadtbrachen. Aus China stammend, wurden verwilderte Exemplare dieser attraktiven Gartenpflanze in Deutschland erstmals 1928 festgestellt. Der Sommerflieder mag es sonnig und möglichst kalkreich. Er verträgt Frost bis minus 20 Grad ebenso wie starken Rückschnitt. Ab Juni lockt das reiche Nektarangebot der 30 Zentimeter langen, violetten oder weißen Blütenrispen vor allem Falter, aber auch Hummeln und Bienen an. (elg)
zum Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 4/07...

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