NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2007 Heft 3 Natur & Umwelt
Natur & Umwelt
Greifvogelcamp Malta | Windkraft contra Rotmilane | Hungernde Gänsegeier | Kleiber-Zuwachs | Bilanz der Artenschutz-Konferenz | Imagepflege für die Saiga
Camp gegen Greifvogel-Jagd
Überwachung des Zuggeschehens auf Malta
Wachtel
Als einziges Land in der EU erlaubt Malta noch die Frühjahrsjagd auf Zugvögel wie Turteltaube und Wachtel, die sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Rückflug in ihre Brutgebiete befinden. Den rund 13.000 maltesischen Jägern fallen besonders viele Vögel aus Deutschland zum Opfer, wie jetzt eine Auswertung beringter Funde deutlich macht. Brutvögel aus Deutschland stehen an fünfter Stelle unter 38 Herkunftsländern, aus denen die im Frühjahr und Herbst geschossenen Vögel stammen. Die aktuelle Statistik verzeichnet insgesamt 18 Arten aus Deutschland, darunter seltene Greife wie Wespenbussarde und Fischadler, aber auch Pirole und andere Singvögel.
Auch während des Herbstzuges ist die illegale Jagd auf Greifvögel ein Riesenproblem. Der maltesische BirdLife-Partner des NABU veranstaltet deshalb Greifvogel-Camps zur Überwachung des Zuggeschehens und zur Verfolgung der Jäger. Die diesjährigen Camps finden vom 8. bis 23. September statt. Wer teilnehmen möchte - auch für einen Teil der zwei Wochen - findet weitere Infos unter www.birdlifemalta.org. (nip)
Harzvorland: Windkraft kontra Rotmilane
Dramatischer Rückgang der Brutpaare im Hakel
Rotmilan
Da die Zahl der genehmigten Windkraftanlagen im Harzvorland als weltweit bedeutendstem Dichtezentrum des Rotmilans immer weiter steigt, hat der NABU Sachsen-Anhalt nun formell Beschwerde bei der EU-Kommission wegen Verstoßes gegen europäisches Naturschutzrecht eingereicht.
Im Zentrum des Interesses steht das Vogelschutzgebiet Hakel. Die auffällige Dichte an seltenen Greifvogelarten wie Schreiadler, Schwarzmilan, Wespenbussard und der Aufsehen erregende Nachweis des Zwergadlers Mitte der 90er Jahre machten das Gebiet weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Allein in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hakel drehen sich bereits zwölf Windkraftanlagen, das zehnfache ist derzeit im nördlichen Harzvorland an Neuanlagen geplant. Der NABU ist sich bewusst, dass die Windräder nur eine von vielen Gefahrenquellen für die Greifvögel in dieser Region darstellen. Doch es kann nicht sein, dass man einerseits die Brutvorkommen in den Vogelschutzgebieten sichern und Nahrungsgebiete attraktiv gestalten will und andererseits vermeidbare Gefahrenquellen in den Nahrungs- und Überwinterungsgebieten des unmittelbaren Umlands zulässt.
1984 brüteten im 1300 Hektar großen Hakelwald noch 120 Paare des Rotmilans. Die fruchtbaren Bördeböden in der Umgebung beherbergten damals viele Beutetiere, vor allem Feldhamster, und boten somit den Greifen einen reich gedeckten Tisch. Dies hat sich gravierend geändert - im letzten Jahr lebten hier nur noch eine Dutzend Rotmilanpaare.
Brüssel lässt Gänsegeier hungern
EU-Hygieneverordnung flexibilisieren und geierfreundliche Gebiete schaffen
Wie schon 2006 tauchen auch dieses Jahr wieder vermehrt Geier im Himmel über Deutschland auf. Naturfreunde und Vogelbeobachter freuen sich über die Rückkehr der bei uns seit 150 Jahren ausgestorbenen Vögel, doch eigentlich ist es kein gutes Zeichen. Den großen Aasfressern geht in ihren südeuropäischen Brutgebieten nämlich immer mehr die Nahrung aus, der Hunger führt sie dann über mehr als tausend Kilometer nach Norden. Schuld daran ist eine Hygieneverordnung der EU zur Vorsorge gegen BSE. Damit sind Tausende der traditionellen "Muladares" in Spanien geschlossen worden. Dies sind dezentrale Sammelstellen, an denen bislang die Geier für eine hygienische Beseitigung der Tierkadaver gesorgt hatten. Studien zeigen, dass spanische Geier in den letzten Jahren immer weniger Jungvögel großziehen. Gleichzeitig hat sich die Anzahl geschwächt eingelieferter Tiere in Vogelpflegestationen dramatisch erhöht. Der NABU setzt sich für eine Flexibilisierung der Vorschriften ein, die auch den Geiern eine Überlebenschance lässt.
Im oberen Donautal bei Sigmaringen haben Gänsegeier bis ins 19. Jahrhundert gebrütet. Das erneute Auftreten der Geier in Mitteleuropa könnte auch eine Chance eröffnen, die Vögel wieder bei uns heimisch zu machen. Der NABU schlägt vor, an geeigneten Orten großflächige Weidegebiete einzurichten und geierfreundlich zu entwickeln. Ein Strategiepapier hierzu gibt es im Internet (nip)
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Steter Zuwachs beim Kleiber
Ergebnisse der Jahresvogel-Kartierung
Im zurückliegenden Jahr des Kleibers hatte der NABU gemeinsam mit dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) zu einer Bestandserfassung des kleinen Kletterkünstlers aufgerufen. An den Untersuchungen haben sich zahlreiche Vogelfreunde beteiligt. Besonders die ehrenamtlichen Mitarbeiter an den bundesweiten DDA-Programmen haben viele Beobachtungen beigesteuert, mit denen die Bestandsentwicklung des Kleibers fortgeschrieben werden konnte.
Seit Anfang der 90er Jahre hat der Kleiber bundesweit um etwa 12 Prozent zugenommen. Der positive Trend ist vermutlich auf eine naturnähere Bewirtschaftung von Laubwäldern zurückzuführen. Ob sich der neuerdings deutlich verstärkte Holzeinschlag negativ auf die Bestandsentwicklung dieser Indikatorart auswirken wird, werden Kartierungen in den kommenden Jahren zeigen.
Die Bestandsentwicklung von Waldvögeln, die im Winter hauptsächlich Samen fressen, schwankt allerdings auch in Abhängigkeit vom Samenansatz der Waldbäume, weshalb langfristige Trends von kurzfristig gegenläufigen verdeckt werden können. So ergaben Kartierungen auf 276 jeweils 100 Hektar großen Probeflächen, dass 2006 mit insgesamt 465 Kleiberrevieren ein Jahr mit eher geringeren Beständen im Vergleich zum Vorjahr mit 509 Revieren war. (nip)
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Aale im Glück, Pech für die Haie
Eine Bilanz der Artenschutz-Konferenz in Den Haag
NABU-Expertin Heike Finke ist enttäuscht: "Dass weder Dorn- noch Heringshai den Sprung in den Schutzstatus geschafft haben, ist für diese hochbedrohten Arten eine Katastrophe." Die beiden Nordsee-Haie gehören zu den eindeutigen Verlierern der großen Welt-Artenschutzkonferenz in Den Haag. Mitte Juni entschieden die Delegierten in tagelangen Diskussion darüber, welche Arten neu zu ihrem Schutz mit Handelsbeschränkungen belegt werden sollen. Leoparden zum Beispiel stehen zwar generell unter Schutz, die Konferenz billigte aber Uganda eine jährliche Leoparden-Abschussquote von 50 Tieren zu, die Quote von Mozambique sogar auf 120 pro Jahr erhöht.
Aber es gab auch ein Gewinner in Den Haag, unter ihnen Vertreter der heimischen Fauna wie der Europäische Aal oder der Luchs. Auch in der Elefantenfrage wurde auf der Konferenz nach zähem Ringen ein Kompromiss gefunden. Demzufolge dürfen Botswana, Namibia, Südafrika und Simbabwe einmalig Elfenbein aus staatlichen Lagerbeständen verkaufen. Danach darf es für neun Jahre keine weiteren Verkäufe geben. Tiger-Freunde dürfen ebenfalls aufatmen: Die Delegierten haben China untersagt, Tiger ausschließlich mit dem Zweck zu züchten, ihre Knochen und andere Körperteile an Produzenten von Traditioneller Chinesischer Medizin zu verkaufen.
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Kreativ gegen die Wilderer von morgen
Mit Trickfilmen und einem Schulbuch die Saiga-Antilope schützen
Wilderei, Wilderei und wieder Wilderei. Wie ein blutroter Faden zieht sich dieses Thema leider durch viele NABU-Projekte. So auch in Kasachstan, wo die vormals riesigen Herden der urtümlichen Saiga-Antilopen seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion von 1,2 Millionen auf 30.000 bis 40.000 Tiere zusammengeschossen wurden. Das sind nur noch drei Prozent des einstigen Bestands.
Auf schnellen Motorrädern wird den Saiga-Männchen nachgejagt, bis sie am Ende erschöpft aufgeben. Für die meist jugendlichen Wilderer bedeutet die Jagd Ablenkung vom tristen Alltag, "sportliche" Selbstbestätigung und die Möglichkeit auf ein geringes Einkommen. Auslöser für die Jagd ist allerdings nicht nur die Fleischversorgung, sondern auch die Nachfrage der Traditionellen Chinesischen Medizin, die für die angeblich heilsamen Hörner der männlichen Tiere hohe Preise zahlt.
Um die Bevölkerung auf die Lage der einzigartigen Tierart aufmerksam zu machen und um besonders Kinder und Jugendliche, die potentiellen Wilderer von morgen, für den Erhalt dieser seltenen Art zu gewinnen, hat der NABU in Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern ein Schulbuch entwickelt. Angesprochen werden sollen Kinder, die in Gemeinden nahe des Saiga-Gebiets leben.
Mit einer landesweiten Ausschreibung wurden kasachische Jungfilmer und Zeichner dazu aufgefordert, die Bedrohung der Saiga-Antilope medial umzusetzen. Trickfilme sind in Kasachstan enorm populär und gut geeignet, das Image der Saiga vor allem in der jungen Generation zu verbessern. Der Gewinner-Beitrag wurde schließlich verfilmt und wird sowohl im Fernsehen als auch zu Umweltbildungszwecken gezeigt.
Weitere Infos zum Projekt
Trickfilm anschauen (russisch mit deutschen Untertiteln)
zum Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 3/07...

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