NABU.de NABU Magazin „Naturschutz heute“ Jahrgang 2007 Heft 3 Bienenfresser Sachsen-Anhalt

Drang nach Norden

Drang nach Norden

Ein NABU-Projekt zum Schutz des Bienenfressers

von Werner Girgert

Bienenfresser

Lange Zeit galt er in Deutschland als ausgestorben oder wurde nur hin und wieder als seltener Brutgast beobachtet. Seit Anfang der 1990er Jahre jedoch ist der Bienenfresser in heimischen Gefilden wieder ansässig. Der ursprünglich in Süd- und Südosteuropa beheimatete Vogel gilt als Bote des Klimawandels. Inzwischen brütet er nicht nur am klimatisch begünstigten Kaiserstuhl und im Saaletal, sondern sogar noch weiter im Norden bis in die Niederlande und in Dänemark.

In Sachsen-Anhalt erfährt der Bienenfresser derzeit besondere Aufmerksamkeit. Im August vergangenen Jahres hob der NABU-Landesverband mit Bewilligung des Landesverwaltungsamtes und gefördert mit EU-Mitteln ein auf zwei Jahre angelegtes Bienenfresser-Projekt aus der Taufe. Ziel des ambitionierten Vorhabens ist es, eine exakte Bestandsübersicht für die einzelnen Landkreise zu erstellen und die Gefährdungsfaktoren an den jeweiligen Brutplätzen zu dokumentieren. Dabei arbeitet der NABU Sachsen-Anhalt eng mit den Beringern der Vogelwarte Hiddensee zusammen, um Daten zu Herkunft und Zugwegen der Tiere, Populationsaufbau und Bruterfolg zu gewinnen.

Steilwände bevorzugt
Mit der Rückkehr der Bienenfresser aus ihren südlichen Winterquartieren Mitte Mai setzten die Vogelexperten um Projektleiter Martin Schulze vom beauftragten Planungsbüro Rana in Halle ihre im vergangenen Jahr begonnene flächendeckende Erfassung der Vögel fort. Das gestaltet sich allerdings nicht immer einfach, da der Bienenfresser sich für seine Brutplätze bevorzugt abgelegene Regionen sucht. Ihre bis zu zwei Meter langen Brutröhren graben die Vogelpaare am liebsten in steile Erdhänge und Uferbänke oder in die Steilwände von Sand-, Kies- und Braunkohlegruben.

Bienenfresser

Dennoch zählten Martin Schulze und seine Mitarbeiter während der ersten Projektphase im vergangenen Jahr landesweit 50 besetzte Brutplätze, davon wurden elf neu entdeckt. Insgesamt registrierten die Projektmitarbeiter 229 Bienenfresserpaare. Das waren 18 Paare weniger als 2005, dem Jahr mit dem höchsten bislang beobachteten Vorkommen in Sachsen-Anhalt. In sieben der insgesamt 21 Landkreise Sachsen-Anhalts siedelte der Bienenfresser im Jahr 2006. In sechs anderen Landkreisen, in denen der Wärme liebende Vogel in den vergangenen Jahren nachgewiesen wurde, brütete er nicht mehr. Dafür aber siedelte er 2006 erstmals im Landkreis Weißenfels. "Nach wie vor konzentriert sich das Auftreten auf die im Regenschatten des Harzes gelegenen Landkreise Bernburg, Mansfelder Land und Merseburg-Querfurt, die durch geringe Niederschläge und hohe Juli-Temperaturen in der Brut- und Aufzuchtphase gekennzeichnet sind", erläutert Martin Schulze. Im Norden bildet die Colbitz-Letzlinger Heide die derzeitige Grenze des geschlossenen Verbreitungsgebietes.

Brutplätze werden knapp
Mehr als 80 Prozent der Brutplätze befinden sich in derzeit noch betriebenen oder aufgegebenen Sand-, Kies-, Ton- und Braunkohlegruben. Das macht den Naturschützern besonders zu schaffen. Denn sowohl durch die fortschreitenden Abbauarbeiten als auch durch Sanierung und Freizeitnutzung stillgelegter Gruben besteht die Gefahr, dass die Bienenfresser nicht mehr genügend Brutplätze finden, erläutert Annette Leipelt, Geschäftsführerin des NABU Sachsen-Anhalt.

Dem wollen die Initiatoren des Projekts mit entsprechenden Schutzkonzepten begegnen. Bei Vorschlägen für die Pflege und Unterschutzstellung der Brutplätze soll es jedoch nicht bleiben. Vorgesehen ist darüber hinaus die Sicherung einer Kiesgrube bei Wallendorf im Landkreis Merseburg-Querfurt durch die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe für ein künftiges Artenschutz-Modellprojekt. Auf bis zu 30 Meter Länge sollen hier geschützte Brutplätze für die bunten Vögel entstehen. Für die Flächensicherung und den Bau der Brutwände sind Spenden hochwillkommen.

Spenden für den Bienenfresser: NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, Bank für Sozialwirtschaft Köln, Konto-Nr. 81 57 800, BLZ 370 205 00, Stichwort "Bienenfresser".

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