NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2007 Heft 2 Natur & Umwelt

Natur & Umwelt


Wildvogel-Importverbot | Was fressen Waschbären? | NABU-Aktionsplan Luchs | Seggenrohrsänger-Quartiere entdeckt | Kleiber im Aufwind | Wolfsmanager Lausitz

Wildvogelimporte endlich dauerhaft verboten

EU-Einfuhrstopp wird Millionen Vögeln das Leben retten

Graupapagei

Graupapagei

Der NABU und mit ihm zahlreiche Natur- und Tierschutzverbände setzten sich seit Jahren für eine Beendigung von Wildvogelimporten ein. Nach Ausbruch der Vogelgrippe bei einem britischen Vogelhändler hatte die Europäische Union im Oktober 2005 ein befristetes Einfuhrverbot erlassen. Zuvor importierten die EU-Staaten jährlich rund 1,8 Millionen Wildvögel. Nachdem die USA Wildvogelimporten bereits 1992 einen Riegel vorschoben, entwickelte sich die EU mit 87 Prozent der erfassten Vogelimporte zum weltweit größten Absatzmarkt.

Zur Lobbyarbeit der Verbände zählte auch eine Anfang November 2006 vom NABU verabschiedete Resolution für ein dauerhaftes Importverbot von Wildvögeln, Gespräche mit den beteiligten Bundesministerien, sowie ein Appell an die EU-Chefveterinäre in Brüssel. Die machten daraufhin Anfang Januar 2007 den Weg frei und verhängten erstmals ein dauerhaftes Einfuhrverbot für Wildvögel in die EU. Lediglich für Zoos und wissenschaftliche Einrichtungen sollen Ausnahmeregelungen gelten. (nip) mehr Mehr

Was fressen Waschbären?


Waschbär

Waschbär

Einst ausgesetzt und ausgebüchst, sind die aus Amerika stammenden Waschbären in vielen Regionen Deutschlands heute fest etablierter Teil der heimischen Tierwelt. Als Allesfresser stehen Waschbären unter dem Verdacht, in der neuen Heimat unter anderem der Vogelwelt schwer zuzusetzen. Im Müritz-Nationalpark versucht die Gesellschaft für Wildökologie und Naturschutz nun mittels besenderter Tiere und durch Kotanalysen, mehr über die Lebensgewohnheiten der Waschbären herauszufinden.

Erstes Zwischenergebnis: Im Frühjahr enthalten die Waschbär-Hinterlassenschaften vor allem Überreste von Amphibien, im Sommer stehen mehrheitlich Früchte auf dem Speiseplan und im Herbst sind es Eicheln. Nur selten dagegen finden sich Vogel- oder Eierreste. Das Bild vom "schwarz maskierten Eierräuber" trifft also zumindest an der mecklenburgischen Seenplatte nicht zu. (elg)

Weg frei für den Luchs

NABU legt bundesweiten Aktionsplan vor

Luchs

Luchs

Der Luchs ist zurück in Deutschland. Zwar sind die Vorkommen noch sehr klein und räumlich voneinander getrennt, aber seit einigen Jahren gibt es gesicherte Nachweise, dass Luchse im Harz, im Bayerischen Wald, in der Eifel sowie im Pfälzerwald regelmäßig für Nachwuchs sorgen. Damit diese Nachweise künftig häufiger werden, möchte der NABU dem Luchs den Weg bereiten. Diese Hilfestellung wird zwei Schwerpunkte haben: Akzeptanz schaffen und Lebensräume sichern.

Die öffentliche Resonanz auf die Luchsnachweise ist zwar weitgehend positiv, aber bestimmte Vorurteile - insbesondere über den Luchs als "Jagdkonkurrent" - sind immer noch vorhanden. Gleichzeitig wissen wir immer noch sehr wenig über die vorwiegend nachtaktiven Tiere. Der NABU hat deshalb nicht nur in verschiedenen Bundesländern Meldeprämien ausgelobt, er wird darüber hinaus ein Netz von Luchsbetreuern aufbauen. Diese Fachleute sollen mit Infrarotkameras und Richtmikrofonen Luchshinweisen nachgehen, gleichzeitig werden sie vor Ort als Ansprechpartner fungieren.

Luchse brauchen große, naturnahe und weitgehend unzerschnittene Landschaften, die sie sicher durchstreifen und wo sie in Ruhe ihren Nachwuchs aufziehen können. Derzeit stirbt etwa jeder zweite Luchs im Straßenverkehr. Der NABU setzt sich unter anderem mit seinem aktuellen Bundeswildwegeplan dafür ein, dass geeignete Lebensräume für Luchse und andere Großtiere erhalten bleiben und die Durchgängigkeit unserer Landschaft verbessert wird. Nur so kann der Luchs wandern, neue Lebensräume erobern - und langfristig bei uns überleben. (bep)

Mit Ihrer Spende helfen Sie, den Lebensraum des Luchses zu schützen und damit sein Überleben in Deutschland zu sichern. NABU-Spendenkonto: 100 100, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Stichwort: Luchs.

mehr Weitere Infos und kompletter Luchs-Aktionsplan

Afrikanische Winterquartiere entdeckt

Expedition löst Seggenrohrsänger-Rätsel

Einer internationalen Expedition ins nördliche Senegal unter der Leitung von Martin Flade vom Landesumweltamt Brandenburg ist es gelungen, in Westafrika das Überwinterungsgebiet des weltweit bedrohten Seggenrohrsängers zu entdecken. Der Seggenrohrsänger ist der gefährdetste Singvogel des kontinentalen Europa. Im Nationalpark Unteres Odertal als letztem deutschen Brutgebiet brüten kaum mehr als ein Dutzend Vögel. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Seggenrohrsänger eine häufige Brutvogelart norddeutscher Niedermoore - allein im Havelländischen Luch und Rhinluch waren es mehr als 10.000 Paare, die sämtlich der Trockenlegung der Luchgebiete zum Opfer fielen.

Seggenrohrsänger

Seggenrohrsänger am Nest

Das Auffinden der bisher unbekannten Winterquartiere ist von größter Bedeutung, da man nicht weiß, ob und welche Gefahren für die Art in den afrikanischen Winterquartieren bestehen. Auf die Spur der Seggenrohrsänger kamen die Wissenschaftler mit modernsten Methoden. Aus der Konzentration und Zusammensetzung sogenannter stabiler Isotope bestimmter Elemente, die während des Wachstums in die Vogelfedern eingelagert werden, wurde zunächst das Areal eingegrenzt. Weitere Hinweise lieferte ein Computermodell auf der Grundlage von Vegetations- und Klimadaten sowie Funde durchziehender Seggenrohrsänger in Afrika aus den letzten 150 Jahren. Der "Rest" war dann wochenlange aufwändige Feldarbeit der Expedition vor Ort.

Die bis jetzt bekannte Gesamtfläche der von Seggenrohrsängern bewohnten Grassümpfe in Senegal und Mauretanien wird auf 23.000 Hektar geschätzt. Man geht davon aus, dass wenigstens ein Drittel, eventuell sogar fast der gesamte Weltbestand des Seggenrohrsängers hier anzutreffen ist. Außerdem überwintern hier auch andere europäische Zugvögel in sehr großer Zahl. So wurden Uferschwalben, Schafstelzen, Schilfrohrsänger, Feldschwirle, Bekassinen und die sehr seltene Zwergralle angetroffen.

Steter Zuwachs beim Kleiber

Ergebnisse der Jahresvogel-Kartierung

Kleiber

Kleiber

Im zurückliegenden Jahr des Kleibers hatte der NABU gemeinsam mit dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) zu einer Bestandserfassung des kleinen Kletterkünstlers aufgerufen. An den Untersuchungen haben sich zahlreiche Vogelfreunde beteiligt. Besonders die ehrenamtlichen Mitarbeiter an den bundesweiten DDA-Programmen haben viele Beobachtungen beigesteuert, mit denen die Bestandsentwicklung des Kleibers fortgeschrieben werden konnte.

Seit Anfang der 90er Jahre hat der Kleiber bundesweit um etwa zwölf Prozent zugenommen. Der positive Trend ist vermutlich auf eine naturnähere Bewirtschaftung von Laubwäldern zurückzuführen. Ob sich der neuerdings deutlich verstärkte Holzeinschlag negativ auf die Bestandsentwicklung dieser Indikatorart auswirken wird, werden Kartierungen in den kommenden Jahren zeigen.
Die Bestandsentwicklung von Waldvögeln, die im Winter hauptsächlich Samen fressen, schwankt allerdings auch in Abhängigkeit vom Samenansatz der Waldbäume, weshalb langfristige Trends von kurzfristig gegenläufigen verdeckt werden können. So ergaben Kartierungen auf 276 jeweils 100 Hektar großen Probeflächen, dass 2006 mit insgesamt 465 Kleiberrevieren ein Jahr mit eher geringeren Beständen im Vergleich zum Vorjahr mit 509 Revieren war. (nip)
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Jäger machen Stimmung gegen Lausitzwölfe

Staatlicher Wolfsmanager nimmt Arbeit auf

Neben dem von Jana Schellenberg betriebenen "Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz" hat der Freistaat Sachsen nun als zusätzlichen Ansprechpartner für Konfliktfälle einen so genannten Wolfsmanager eingestellt. Der 28 Jahre alte Forstwirt Andre Klingenberger ist dem Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft zugeordnet. Zur Zeit ist die Situation in der Lausitz angespannt, weil eine Minderheit der örtlichen Jäger jede Zusammenarbeit verweigert und mit Horrorszenarien kräftig Stimmung gegen die Wölfe macht. Der NABU Sachsen hat bereits zwei Mal den Landesjagdverbandsvorsitzenden in offenen Briefen aufgefordert, Stellung zu nehmen - bisher ohne Reaktion. (elg)

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