NABU.de NABU Magazin „Naturschutz heute“ Jahrgang 2007 Heft 1 Hilfe für die Haselmaus

Kuscheln im Kasten

Kuscheln im Kasten

Erfolgreiche Nisthilfen für die Haselmaus

von Wilhelm Diestel

Haselmaus

Bei einer Nistkastenkontrolle kletterte diese Haselmaus vorwitzig auf Armen und Schultern des Autors herum.


Sechs bis sieben Zentimeter klein und flink, braunes Fell, Knopfaugen und ein weitere sieben Zentimeter langer buschiger Schwanz - fertig ist die Haselmaus. Trotz des Namens ist das nachtaktive Tierchen keine "echte" Maus, sondern wie Siebenschläfer, Gartenschläfer und Baumschläfer ein so genannter Bilch, eine Schlafmaus.

Tagsüber schläft die Haselmaus in ihren kleinen, nur faustgroßen Kugelnestern, die sie kunstvoll aus Gras, Blättern und Moos baut. Etwas größer sind die Wurfnester, in dem die Haselmaus ihre Jungen zur Welt bringt. Sie sind zudem mit fein zernagtem Material ausgekleidet, weshalb sie auch Schichtnester genannt werden. Haselmäuse bekommen zweimal im Jahr Nachwuchs, der bereits nach sechs Wochen selbständig ist.

Meisennester als Matratze

Aufhängung Haselmaus-Nistkasten

Der Haselmaus-Nistkasten wird frei an einem Ast aufgehängt.

Wer Nistkästen betreut, kann bei der Kontrolle mit etwas Glück der leider recht seltenen und deshalb gesetzlich streng geschützten Haselmaus begegnen. So fand auch ich in meinem „Kastenrevier“ in Schleswig-Holstein mit umfangreichen Hilfen für Kleinvögel, Fledermäuse und Hornissen gelegentlich ein Schlaf- oder Wurfnest. Gern wurden dabei alte Meisennester quasi als Matratzen-Unterlage benutzt.

Dabei ist festzustellen, dass zwar verschiedenen Kastentypen belegt wurden, bei den am Baumstamm anliegenden Kästen jedoch auch Gelbhalsmäuse und Waldmäuse als Nachmieter-Konkurrenz auftraten. Nur ein Typ, der 2M von Schwegler, blieb ausschließlich den Haselmäusen vorbehalten. Diese mardersichere Höhle mit Spitzdach hat nämlich eine Mittelaufhängung an einem langen Draht, so dass sie frei am Ast hängend schwebt. „Als echte Baumtiere klettern diese kleinen Mäuse selbst auf den dünnsten Zweigen herum, nicht nur nach Art der Eichhörnchen und anderer Schläfer, sondern auch nach Art der Affen“, wusste schon Tiervater Brehm zu berichten. Wer also gezielt Haselmäuse fördern möchte, sollte möglichst eine solche frei schwebende Höhle benutzen.

Um zu prüfen, ob Haselmäuse auch neue Kästen ohne „Matratze“ annehmen, hängte ich im letzten Frühjahr zusätzliche 2M-Höhlen auf. Am Familienerlebnis-Wandertag des NABU Eutin zu Himmelfahrt wurden diese erstmals kontrolliert. Aus einer der Höhlen stieg tatsächlich eine Haselmaus aus, kletterte über meinen Arm bis auf den Kopf und drehte dort zur Freude der Kinder Pirouetten. Im fabrikneuen Kasten hatte der Bilch auf dem Boden ein Schlafnest eingerichtet.

Junge Haselmaus im Nest

Junge Haselmäuse im Nistkasten-Nest.


Eine zweite Kontrolle erfolgte dann Ende September. In den neuen 2M-Kästen fand ich zwei Schlafnester aus Buchenblättern und in einem der älteren eine Wochenstube mit vier halbwüchsigen Jungen – wiederum auf einem alten Meisennest. Eine echte Babywiege, frei pendelnd unter einem Ast, kein Anspringen von einem Seitenast möglich.

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