NABU.de NABU Naturschutz heute Archiv Ausgabe 4/02: Havel-Renaturierung

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Wiederanschluss der Altarme

Das Gewässerrandstreifenprojekt Untere Havel

von Frauke Hennek

Havel-Sandufer

Havel mit Sandufer

Mit der Flutung der brandenburgischen Havelniederung zur Verringerung des Elbhochwassers im August wurde deutlich, dass nur eine naturnahe, dynamische Flusslandschaft genügend Wasser aufnehmen kann, um die Auswirkungen von Hochwassern zu minimieren. Schon seit Jahren arbeitet die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe an einem Konzept zur Entwicklung der auch international geschützten Unteren Havelniederung als ein naturnahes, lebendiges Flusssystem inmitten einer weiten Auenlandschaft. Zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) wird nun das "Gewässerrandstreifenprojekt Untere Havel" zur Renaturierung des Flusslaufs vorbereitet, das auf 130 Quadratkilometern neue Maßstäbe für die Flussrenaturierung setzt.

Havel

Mit diesem Projekt sollen die abgeschnittenen Altarme der Havel wieder an das strömende Wasser angeschlossen werden, so dass sich die Länge des Flusslaufes um mindestens 15 Prozent erhöht. Aus der Nutzung entlassene Inseln werden aufgekauft und zu Auwäldern entwickelt. Auf 160 Kilometern Uferlänge sollen zudem die Steinschüttungen entfernt werden, so dass sich die Havel wieder in ihrem Sandbett bewegen und ein natürliches Gleichgewicht von Materialan- und -ablagerung finden kann. Auch störende Staubauwerke, die bisher die Wanderungen der Wasserlebewesen behinderten, sollen umgebaut werden. Mit der Renaturierung wird die heute staugeregelte und im Sommer manchmal stehende Havel wieder ein Fluss im Sinne des Wortes.

Havel-Uferwald

Havel-Uferwald

Das alles steigert die Lebensraumqualität der Havel durch ein Mehr an Strukturvielfalt und durch bessere Selbstreinigungskraft des Flusses. Auf den anlandenden Sand- und Kiesbänken finden dann auch spezialisierte Vogelarten wie Flussregenpfeifer, Flussuferläufer und Strandläufer wieder ideale Lebensbedingungen. Die Inseln können sich zu echten Auenwäldern entwickeln, in denen sich Hopfen, Weinrebe und Waldrebe als Lianen um Weiden, Pappeln, Eschen, Ulmen und Eichen schlingen. Und der Fluss selbst wird wieder von Weiden und Schilf gesäumt und durch aus der Elbe aufsteigenden Aal, Nordseeschnäpel, Maifisch und vielleicht auch eines Tages wieder Lachs und Stör besiedeln werden. Die Renaturierung nützt nicht nur den über tausend gefährdeten Arten dieses Naturparadieses, sondern erfreut auch den Naturfreund.

Havel mit Biberburg

Biberburg an der Havel

Mit der Renaturierung wird auch wieder hergestellt, was früher die Gratisleistungen des Flusses zum Hochwasserschutz ermöglichte. Dreitausend Hektar zusätzliche Überflutungsflächen sollen künftig zur Verfügung stehen, wenn die Elbe wie in diesem Sommer geschehenen ihr Hochwasser wieder einmal in die Havelniederung abgeben muss. Das Havel-Renaturierungsprojekt der NABU-Stiftung setzt also nicht nur ein Beispiel für die Entwicklung eines Flusses zu einem naturnahen Fluss-Auensystem des Tieflandes, sondern auch ein Beispiel für einen vorsorgenden und nachhaltigen Hochwasserschutz.

Wer langfristig bei der Bewahrung unseres Nationalen Naturerbes helfen will, kann dies tun durch einen Beitrag zum Stiftungskapital der NABU-Stiftung. Aus dem jährlichen Zinsertrag der Zustiftungen können dann die laufenden Kosten des Flächeneigentums wie etwa der zu erwerbenden Havel-Inseln bestritten werden.

Kontakt: NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, Blumberger Mühle 2, 16278 Angermünde, Tel. 0 33 31-26 04 70.

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