NABU.de NABU Naturschutz heute Archiv Ausgabe 3/02: Bücher
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Buchbesprechungen
Kosmos-Strandführer | Vogelwelt Hamburgs | Äskulapnatter | Eigenwert der Natur
Muscheln und Algen
Koeie & Kristiansen: Der große Kosmos Strandführer
Ob Spaziergang am Strand oder beim Schnorcheln und Tauchen: Ein Ausflug an die Küste macht nicht nur Spaß, sondern birgt auch viele Überraschungen. Der große Kosmos Strandführer sorgt dafür, dass auch der Binnenländer eine Vorstellung davon bekommt, was da an Muscheln, Schnecken, Algen und Fischen zu entdecken ist. 800 naturgetreue Farbillustrationen stellen mehr als 700 Tier- und Pflanzenarten vor, wobei die Vogelwelt der Küste zurecht ausgespart wurde, denn die ist ja bereits mit jedem üblichem Vogelführer gut abgedeckt.
Marianne Koeie & Aase Kristiansen: Der große Kosmos Strandführer. - 350 Seiten. 24,90 Euro. Kosmos. ISBN 3-440-08576-7.
Vogel-Spaziergänge
Schmidt: Hamburgs Vogelwelt entdecken
Zehn unterhaltsame Spaziergänge zu den Lebensräumen der Hamburger Vogelwelt hat NABU-Aktivist Thomas Schmidt in seinem jüngsten Buch zusammengestellt. Er führt dabei ebenso in die naturnäheren Bereiche am Stadtrand wie in die städtischen Parkanlagen und die Wallanlagen in der Stadtmitte. Die jeweils typischen Arten werden vorgestellt, dazu kommen Beobachtungstipps und Hinweise zur Entstehungsgeschichte der besuchten Gebiete. Insgesamt ein Buch, wie man es sich auch für andere Städte wünschen würde.
Thomas Schmidt: Hamburgs Vogelwelt entdecken. - 96 Seiten. 9,90 Euro. Convent Verlag. ISBN 3-934613433-0.
Schlangen-Geheimnisse
Gomille: Die Äskulapnatter. Verbreitung und Lebensweise in Mitteleuropa
Diplomarbeiten sind in der Regel nur etwas für hartgesottene Fans des jeweiligen Themas. Dass es auch spannend, gut illustriert und mit allgemeinem Erkenntnisgewinn geht, zeigt Axel Gomilles Arbeit über die Äskulapnatter. Das daraus entstandene Buch liefert viele neue Erkenntnisse zur Ökologie, Verbreitung und Geschichte unserer größten und unbekanntesten heimischen Schlange. So wurde beispielsweise die zentrale Rolle des Waldes als Lebensraum herausgearbeitet, und zahlreiche neue Fossilfunde konnten die noch immer häufig geäußerte Theorie widerlegen, das Reptil sei von den Römern als Symbol der Heilkunst nach Mitteleuropa verschleppt worden. Am Beispiel der Äskulapnatter wird gezeigt, wie Besiedlungs- und Aussterbeprozesse bei Tieren ablaufen können. Da viele der gezeigten Mechanismen allgemeine Gültigkeit besitzen, dürfte dieses Fallbeispiel nicht nur für Schlangenfreunde interessant sein.
Axel Gomille: Die Äskulapnatter. Verbreitung und Lebensweise in Mitteleuropa. - 158 Seiten. 27,80 Euro. Edition Chimaira. ISBN 3-930612-29-1.
Eigenwert der Natur
Gorke: Artensterben. Von der ökologischen Theorie zum Eigenwert der Natur
Ein ungewöhnlicher Autor und ein ungewöhnliches Buch: Für viele, wohl die meisten Naturschützer wird nach Lesen von Martins Gorkes Artensterben die eigene Position eine andere sein. Und wenn nur klar wurde, was man als Naturschützer oder Naturschützerin wirklich will. Denn vor die Begründung einer umfassenden Umweltethik setzt der Autor grundsätzliche Aussagen zur Ökologie. Die beliebte Erklärung der Stabilität durch Vielfalt - widerlegt. Ökologisches Gleichgewicht - gab es nie. Begründungen für Aktivitäten des Naturschutz aus der Wissenschaft, aus der Ökologie ableiten - ein glatter Fehlschluss. Allein der erste Teil verdient es, als Pflicht-Lektüre für jeden Biologie-Grund- und Leistungskurs empfohlen zu werden. Aber Achtung: Es ist trotz aller Anschaulichkeit mit praktischen Beispielen teilweise schwerverdauliche Kost.
Im zweiten Teil begründet eine umfassende Ethik, die auch Unbelebtes wie Steine oder Landschaften einschließt. Auch hier gibt es reichen Erkenntnisgewinn: Wie argumentierte man bisher selbst? Warum sind nur auf den Menschen bezogene Begründungen für den Artenschutz fragwürdig? Wieso sollte man wirbellose Tiere genauso wie alles Seiende auf der Erde in moralische Überlegungen mit einbeziehen? Grundsätzliche Fragen, die irgendwann überall diskutiert werden - aber wer hat schon einen soliden Hintergrund und argumentiert nicht überwiegend aus dem Bauch heraus? Jeder, der sich die Mühe gemacht hat, dieses anspruchsvolle Werk zu lesen, wird diesen Hintergrund haben. Fazit: Für jedes NABU-Mitglied ein Gewinn. (mrö)
Gorke, Martin: Artensterben. Von der ökologischen Theorie zum Eigenwert der Natur. - 376 Seiten. 35 Euro. Klett-Cotta. ISBN 3-608-91985-6.

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