NABU.de NABU Magazin „Naturschutz heute“ Jahrgang 2011 Heft 3 Mähen mit der Sense

Locker und mit Schwung

Locker und mit Schwung

Mähen mit der Sense ist kein Hexenwerk

von Bianka Brobeil


Swusch, swusch…. Ein gleichmäßiges leises Rauschen ertönt früh morgens auf dem Gartengrundstück von Volker Weiß im schwäbischen Murrhardt. Das NABU-Mitglied hält eine Sense in der Hand, die er mit gleichmäßigen Bewegungen von rechts nach links durch die margeriten- und pippaureiche Wiese gleiten lässt. „Das Gras lässt sich am besten schneiden, wenn es noch etwas nass ist“, erklärt Weiß. Deswegen macht er sich in der Regel schon vor 7 Uhr auf den Weg zum Mähen.

Erst dengeln, dann mähen
Bevor der 43-Jährige jedoch mit dem Schnitt beginnen kann, muss er das Sensenblatt dengeln, damit dieses geschärft wird und das Gras gut schneidet. „Die Sense ist ein sehr altes Mähwerkzeug, das erst den großflächigen Getreideanbau möglich machte“, berichtet Weiß. Früher klopften die Landwirte beim Dengeln mit einem speziellen Hammer die Schneidekante platt, damit diese scharf wurde. Dieses Vorgehen setzte ausreichende Erfahrung und gute Treffsicherheit voraus. Doch über diese verfügen heutzutage nur noch wenige. Deswegen gibt es inzwischen moderne Hilfsmittel wie den sogenannten Schlagdengler. „Damit ist das Dengeln kein Hexenwerk und auch für Anfänger kein Problem“, betont Volker Weiß, während er sich in seinem Garten auf eine Bank setzt.

Sensenmahd: Volker Weiß putzt Sense

Zwischen seine Füße stellt Weiß einen Holzblock, auf dem der Führungsstift befestigt ist. Dann legt er das Sensenblatt auf den Schlagdengler, eine Schlaghülse über den Führungsstift und schlägt anschließend mit dem Hammer gleichmäßig auf die Hülse. „Der Schlagdengler sorgt dafür, dass ich das Sensenblatt auch an der richtigen Stelle treffe“, erklärt er sein Vorgehen. Nachdem er mit dem Dengeln fertig ist, schaut er sich das Sensenblatt genau an und schärft mit einem Wetzstein nach.

Die Größe muss passen
Um möglichst unangestrengt zu mähen, kommt es nicht nur auf das richtige Dengeln an. Bereits beim Kauf einer Sense muss darauf geachtet werden, dass die Sense zur Größe des Benutzers passt. Weiß holt für die Drehbewegungen mit seinen Armen weit nach hinten aus, sein Mähradius beträgt etwa 180 Grad. „Das Mähen sollte in leicht gebückter Haltung möglich sein. Ansonsten kann man nicht locker mähen und ermüdet schnell“, erläutert der 43-Jährige, als er das Blatt mit schwingenden Bewegungen bogenförmig dicht über der Erde durch das Schnittgut führt

Sensenmahd, Volker Weiß

„Wer auf seinem Grundstück eine artenreiche Blumenwiese mit Glockenblumen, Kuckuckslichtnelken oder wildem Thymian möchte, sollte diese nicht mehr als zwei Mal im Jahr mähen“, empfiehlt Volker Weiß. Nach einigen Schnitten macht Weiß eine Pause, dreht die Sense herum, nimmt ein Büschel Gras in die Hand und säubert das Blatt. Anschließend holt er aus dem Wetzsteinhalter, den er an seiner Hose befestigt hat, den Wetzstein und fährt damit erneut über das Sensenblatt, um die Schneide wieder zu schärfen.

Ungestörter Naturgenuss
Dann hält er inne und schaut einem Schachbrettfalter zu, der auf einer Witwenblume Nektar tankt. „Wer mit der Sense mäht, kann die Natur mit allen Sinnen erleben“, schwärmt Weiß. Kein Motorgeräusch übertönt das Vogelgezwitscher von Meisen, Amseln und Co. Man hat Bewegung an der frischen Luft und kann gleichzeitig alles wahrnehmen, was um sich herum geschieht. Und das ist eine ganze Menge: Eine Kohlmeise fliegt mit einem Insekt in den Nistkasten, der an einem Apfelbaum hängt. Aus seinem Innern ist ein lautes Fiepen zu vernehmen. Der Geruch von frisch gemähtem Gras steigt in die Nase, eine Hummel summt um eine Glockenblume herum und eine Zauneidechse flüchtet sich ins hohe Gras. „Das Schöne beim Mähen mit der Sense ist, dass man mit dem Werkzeug arbeitet und nicht wie bei einem Balkenmäher, das Werkzeug mit einem selbst“, sagt Weiß. Er bestimme selbst, wann der nächste Schwung erfolge.

Die Sense hat gegenüber den motorisierten Geräten weitere Vorteile: Sie kostet viel weniger als ein Balkenmäher, bläst keine Abgase in die Luft, das Mähen am Hang geht mit der Sense einfacher und für Frauen ist der Umgang mit dem Gerät aufgrund des geringeren Gewichts wesentlich leichter. Wer das Mähen mit der Sense lernen möchte, kann sich in Büchern näher darüber informieren oder findet in der Termindatenbank der NABU-Homepage von den Gruppen angebotene Sensenkurse. Denn: Nur Übung macht den Meister.

Sensenkurs in Gerstetten

Sensenkurs in Gerstetten.


Das gehört zur Sensenmahd:

  • Sensenblatt: Eine 60 bis 80 Zentimeter lange, am Stiel breite und nach vorne zu einer Spitze werdende, gebogene Klinge aus geschmiedetem Stahl. Der etwa fünf Millimeter breite Teil des Schneideblatts mit der Schnittkante ist der sogenannte Dangel. Das Dengeln dient zur Verdünnung der Schnittkante und zur Schärfung des Blatts.
  • Baum: Der Baum, bestehend aus Stiel und Griffen, dient zum Führen der Sense.
  • Wetzstein: Dient zum Nachschärfen des Sensenblatts.
  • Wetzsteinhalter: In ihm wird der Wetzstein zum Mähen mitgenommen und feucht gehalten.


Buchtipps

  • „Einfach mähen mit der Sense“ von Bernhard Lehnert. 77 Seiten, 10,95 Euro. Ökobuch 2008. ISBN 978-3936896343.
  • Nur noch antiquarisch zu erwerben: „Das Sensenbuch. Neue Wege zu einem alten Werkzeug“ von David Tresemer, Wendell Berry und Erich Degreif. 176 Seiten. 24 Euro. Degreif-Verlag 1999. ISBN 3-930317-07-9.

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