NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2010 Heft 3 Stunde der Gartenvögel

Kräftiges Auf und Ab

Kräftiges Auf und Ab

Rückblick auf die sechste Stunde der Gartenvögel

von Markus Nipkow

Feldsperling

Der Feldsperling gehörte 2010 zu den großen Gewinnern.


Das Wetter hätte wirklich besser sein können. Bedeckter Himmel fast überall, vielerorts wenig frühlingshafte Temperaturen und in manchen Regionen sogar Dauerregen. Das von NABU und LBV für die „Stunde der Gartenvögel“ ausgewählte lange Wochenende vom 7. bis 9. Mai war alles andere als ideal zur Vogelbeobachtung.

Erstmals konnte man den Eingang der Ergebnisse und das Anwachsen der Vogelzahlen im Internet live verfolgen. Freitag früh um Viertel vor sechs ging die erste Meldung ein. Sie kam aus dem hessischen Bad Wildungen, wo Blaumeise, Haussperling, Rotkehlchen und Amsel gesichtet wurden. Am frühen Nachmittag waren bereits 10.000 Vögel gemeldet und der Haussperling – Seriensieger der Vorjahre – hatte sich an die Spitze gesetzt. Am Sonntag aber sah es plötzlich so aus, als könnte die Amsel den Spatz übertrumpfen. Zu groß schien der sich abzeichnende Spatzenrückgang pro Garten zu sein. Erst drei Tage später, inzwischen lagen Ergebnisse aus fast 15.000 Gärten vor, hatte sich der Spatz an die Spitze zurückgekämpft und diese Position gab er auch nicht mehr her. Die Ränge zwei und drei sicherten sich wie im Vorjahr Amsel und Kohlmeise, gefolgt von Blaumeise, Star, Elster, Grünfink, Buchfink, Mauersegler und Mehlschwalbe.

24.664 Gärten untersucht
Alles also wie immer? Durchaus nicht. Im Vergleich zu den Vorjahren kam es bei einigen Arten zu ungewöhnlich starken Ausschlägen in beide Richtungen. Den Vogelfreunden hat das mittelmäßige Wetter offensichtlich nichts ausgemacht, denn die Zahl der bundesweit durchforschten Gärten stieg im Vorjahresvergleich um 14 Prozent auf nun 24.664 an. Insektenfresser wie Schwalben und Segler trauten sich aber nicht so recht hinaus und so wurden für die Mehlschwalbe mit minus 34 Prozent und für den Mauersegler mit minus 27 Prozent starke Einbrüche registriert.

Nicht alle Rückgänge lassen sich aufs Wetter schieben. So blieb der Haussperling zwar Spitze, musste aber im dritten Jahr in Folge Verluste hinnehmen. Unter den Großstädten meldeten Düsseldorf und Hamburg die niedrigsten Werte und Rückgänge von mehr als 40 Prozent seit 2006. Erstmals gingen die Spatzen auch im Nordosten der Republik zurück, wo sie aber noch immer am häufigsten anzutreffen sind. In Berlin wurden 12 Prozent weniger Haussperlinge gezählt als 2009, in Mecklenburg-Vorpommern waren es sogar minus 25 Prozent. Die Ursache wird weniger im zurückliegenden harten Winter vermutet als darin, dass sich die Lebensbedingungen zunehmend verschlechtern. Denn in Städten und Dörfern fehlt es nach Gebäudesanierungen immer öfter an Nistmöglichkeiten.

Grünfinkenbestand stabil
Entwarnung gibt es hingegen bei den Grünfinken, die im vergangenen Jahr in einigen Regionen mit einem Massensterben für Schlagzeilen gesorgt hatten. Infektionen mit Trichomonaden waren die Ursache, an denen Grünfinken offenbar besonders leicht erkranken. Doch trotz der Seuche ist die Zahl der gemeldeten Grünfinken bundesweit stabil geblieben.

Die „Stunde der Gartenvögel“ zeigt auch, dass winterempfindliche Arten wie der Zaunkönig die strengen Wintermonate insgesamt gut überstanden haben. Zaunkönige müssen im letzten Jahr sehr erfolgreich gebrütet haben, nachdem der vorvorige Winter mit einem Minus von 23 Prozent zu einer stärkeren Auslese geführt hatte.

Zu den klaren Gewinnern zählen 2010 Ringeltaube und Rabenkrähe sowie ganz besonders der Feldsperling. Auffallend sind die Zahlen auch beim Gartenrotschwanz. Der südlich der Sahara überwinternde Zugvogel wurde deutschlandweit etwa doppelt so häufig gemeldet wie im Vorjahr. Anscheinend waren die Bedingungen im Winterquartier sehr gut. Den stärksten Zuwachs stellten die Vogelfreunde in Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen fest, wo der Gartenrotschwanz teilweise auf der Roten Liste gefährdeter Vogelarten steht. Das überraschende Ergebnis sollte Anlass sein, den Gartenrotschwanz und sein Brutvorkommen jetzt genauer zu untersuchen.

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