NABU.de NABU Naturschutz heute Jahrgang 2009 Heft 1 Natur & Umwelt
Natur & Umwelt
Natur & Umwelt
Gänsewacht in Ostfriesland | Gen-Pollen im Honig | Feldvogel-Rückgang | Munitionsversenkung | Urteil wegen Greifvogelverfolgung | Kurzmeldungen | Klage gegen Muschelzucht
Gänsewacht gegen Fehlschüsse
Ehrenamtliche Gänseschützer wollen rastende Vögel schützen
Blessgänse
Zum Schutz rastender und überwinternder Wildgänse schauen in Ostfriesland Aktive aus verschiedenen Verbänden und Gruppen jetzt als „Gänsewacht“ den Jägern genau auf die Flinte. Das Landesrecht erlaubt den Abschuss bestimmter häufiger Arten, diese bilden aber meist gemischte Trupps mit zahlreichen streng geschützten Arten.
„Die Jagdzeiten auf arktische Gänse sind in der Praxis nicht einmal mit dem geltenden Jagdrecht vereinbar“, meint Rüdiger Herrmann vom NABU Ostfriesland. „So sind die meisten Jäger nicht in der Lage, die einzelnen Gänsearten sicher zu unterscheiden.“ Dies gilt insbesonders während der Dämmerung und wenn es heißt, die Vögel im rasanten Flug schnell zu erkennen. „Arten wie Zwerggans oder Rothalsgans kennen die meisten Jäger ohnehin höchstens aus dem Vogelbuch“, so Herrmann. Doch diese Arten sind nach deutschem und europäischem Recht strengstens geschützt. Auch der Abschuss von Nonnen- oder Kurzschnabelgänsen stellt eine Straftat dar.
Der NABU hält die erweiterten Jagdzeiten generell für einen Fehler. Durch die Jagd wird die Fluchtdistanz mehr als vervierfacht, daher werden sich die Gänse in abgelegenen Bereichen konzentrieren. Weideschäden sind damit vorprogrammiert.
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Gen-Pollen im Honig
Alarmierende Untersuchungen von „Öko-Test“
Honig
Honig ist nicht immer ein reines Naturprodukt. Vor allem Ware aus Südamerika enthält nach Untersuchungen der Zeitschrift „Öko-Test“ oft Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen. Untersucht wurden insgesamt 24 im Einzelhandel gekaufte Honig. Nur drei Produkte erhielten die Note „sehr gut“. Fast die Hälfte der getesteten Honige enthielten Rückstände von gentechnisch verändertem Soja oder Raps. „Problematisch ist insbesondere Honig aus Mittel- und Südamerika, da dort jede Menge Gen-Soja wächst“, so Test-Autorin Birgit Hinsch. „Gleichzeitig wird in diesen Ländern ein Großteil der Welthonigernte produziert, auch für den deutschen Markt.“ Honig von deutschen Imkern war dagegen gentechnisch unbelastet, genauso wie Produkte aus Südosteuropa und dem fairen Handel.
Andererseits tauchten Pestizide „fast ausschließlich in deutschen Produkten auf. Dabei handelt es sich meist um das Insektizid Thiacloprid – gefunden wurde es in Rapshonigen oder Blütenhonigen mit hohem Rapsanteil.“
Feldlerche und Rebhuhn in Not
Feldvögel europaweit immer seltener
Rebhuhn
Ehemals häufige Vogelarten der Felder und Wiesen verschwinden mehr und mehr aus unserer Kulturlandschaft. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern für nahezu alle Staaten der Europäischen Gemeinschaft, wie aus einem vom NABU-Dachverband BirdLife International vorgestellten Bericht zur Bestandsentwicklung weit verbreiteter Vogelarten in 20 EU-Staaten und der Schweiz hervorgeht.
Seit 1980 haben Feldvögel wie Feldlerche, Grauammer und Rebhuhn um durchschnittlich 50 Prozent abgenommen. So schlecht wie auf Feldern und Wiesen haben sich die Vogelbestände nirgendwo entwickelt. In den westlichen EU-Staaten sind die Einbußen stärker als in östlichen Ländern, die der EU erst 2004 und 2007 beigetreten sind. Experten führen diesen Unterschied auf die schon seit längerem viel höhere Intensität der Landbewirtschaftung im Westen zurück.
Die Ergebnisse fußen auf der jährlichen Auswertung europäischer Vogeldaten durch das Pan-European Common Bird Monitoring Scheme (PECBMS). Die Studie fasst Millionen von Beobachtungsdaten zusammen, die Ornithologen im Rahmen von Bestandserfassungen erhoben haben.
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Deutsches Giftgas vor Grönland
Giftgas- und Munitionsversenkung durch die Bundesrepublik
Quelle: Dr. Stefan Nehring
Immer waren es nur die anderen. Doch die „Legende, dass die Bundesrepublik Deutschland keine Munitionsversenkungen im Meer eigenverantwortlich durchgeführt hat, ist nun widerlegt“, so der Koblenzer Wissenschaftler Dr. Stefan Nehring. Neben den Alliierten und der DDR haben „auch die Bundesregierung in Bonn sowie einzelne Landesregierungen wiederholte Male derartige Aktionen angeordnet und abgewickelt“.
Vergleiche man die Giftgasversenkungen beider deutscher Staaten, so hätten die westdeutschen Behörden mehr als die fünffache Menge im Meer entsorgt. Manche dieser Verklappungsfahrten reichten demnach bis in die Biskaya und vor die grönländische Küste. Neben 1477 Tonnen Giftgas-Munition seien bis Mitte der 1960er Jahre durch die Bundesrepublik auch mehrere zehntausend Tonnen konventionelle Munition in den Meeren entsorgt worden, weist Nehring in einer umfangreichen Studie nach, deren Ergebnisse nun in der Zeitschrift „Waterkant“ veröffentlicht wurden.
Der NABU fordert, endlich umfassend aufzuarbeiten, wo in deutschen Gewässern Munition verklappt wurde und diese wo möglich umweltfreundlich und sicher zu bergen. Die Sprengung von Munition im Meer darf dabei wegen der Gefahren für die Meeresumwelt und der Freisetzung von Sprengstoffresten nur die Ausnahme sein.
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4000 Euro Geldstrafe
Urteil wegen Greifvogelverfolgung
Rotmilan
Das Amtsgericht Aachen hat einen Jäger wegen Tierquälerei und Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 4.000 Euro verurteilt. Der Mann war zuvor von Mitarbeitern des „Komitees gegen den Vogelmord“ im Kreis Düren mit einem Greifvogel-Fangkorb und einem vergifteten Bussard gefilmt worden. In seiner Urteilsbegründung betonte der Richter, dass es sich bei der Greifvogelverfolgung um ein „Massendelikt“ und ein „bundesweites Problem“ handele.
In dem Revier des Verurteilten sind bis Mitte 2008 mehr als 80 streng geschützte Greifvögel tot gefunden wurden, darunter seltene Rotmilane und Wiesenweihen. In vielen der Tiere wurde das in Deutschland verbotene Insektizid Carbofuran nachgewiesen. Das Urteil des Amtsgerichtes bezieht sich jedoch nur auf zwei zweifelsfrei nachweisbare Fälle aus dem Januar 2007. Bei einer ornithologischen Exkursion stießen zwei Ornithologen auf eine mit einer lebenden Taube beköderten Fanganlage für Greifvögel und legten sich daraufhin in einem nahen Feldgehölz auf die Lauer.
Kurz gemeldet
Ameisen-Invasionen waren bisher fast ausschließlich auf tropische und subtropische Länder beschränkt. Mit der frostunempfindlichen Gartenameise Lasius neglectus könnte sich das nun ändern. Ursprünglich in der türkischen Schwarzmeerregion zuhause, gibt es von der 1990 erstmals wissenschaftlich beschriebenen, vermehrungsfreudigen Art inzwischen 100 Nachweise aus weiten Teilen Europas. Die „Übersehene Ameise“ gehört zu den Blattlauszüchtern, lebt also von deren Honigtau. Das System ihrer Superkolonien mit zahlreichen Königinnen kann sich über hunderte Kilometer erstrecken.
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An den Peitzer Teichen bei Cottbus ist eine Zwergscharbe geschossen worden. Es handelt sich dabei um den ersten Nachweis dieser Art überhaupt in Brandenburg. Zwergscharben, die mit den Kormoranen verwandt sind, kommen regulär in Südeuropa vor und gelten als gefährdet. Sie sind streng geschützt und dürfen keinesfalls geschossen werden. Der Fall zeigt, wie dringlich ein Verbot der Vogeljagd an den Peitzer Teichen ist. Die Teiche sind eines der wichtigsten Vogelbrut- und Rastgebiete in Brandenburg und stehen als Europäisches Vogelschutzgebiet unter dem Schutz der EU.
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Klage gegen Muschelzucht
Der NABU und weitere Umweltverbände haben beim Verwaltungsgericht Schleswig Klage gegen die geplante Aufzucht von Miesmuschelsaat im Beltringharder Koog eingereicht. Der Kreis Nordfriesland hatte der Erzeugergemeinschaft der Muschelzüchter erlaubt, auf drei Hektar im Einstrombereich des Wattenmeers Muschelzuchtanlagen zu errichten. Die Fläche liegt mitten in einem hochwertigen Naturschutzgebiet, das zugleich seit 1987 als Ausgleichsfläche für die Eingriffe bei der Eindeichung der Nordstrander Bucht dient. „Nutzungsfreie Zonen sind heute selbst im Wattenmeer-Nationalpark kaum vorhanden und stellen einen ‚Wert an sich’ dar“, betont der schleswig-holsteinische NABU-Landesvorsitzende Hermann Schultz. Zu befürchten ist, dass bedrohte Arten wie Zwergseeschwalbe, Seeregenpfeifer sowie auch Seehunde deutlich beeinträchtigt werden.
Hintergrund der Begehrlichkeiten der Muschelfischer ist das mangelnde Saatmuschelaufkommen. Seit acht Jahren hat es im schleswig-holsteinischen Wattenmeer – bedingt auch durch den Klimawandel – keinen größeren „Brutfall“ bei Miesmuscheln mehr gegeben: Junge Muscheln sind damit Mangelware. Nun suchen die Muschelfischer nach Wegen, Jungmuscheln selbst zu produzieren.

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