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Herein in die gute Stube!

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In Rheinland-Pfalz gilt immer öfter „Fledermäuse willkommen“

von Helge May

Sind Fledermäuse gefährlich, ist Fledermauskot eigentlich ätzend, machen mir die Tiere im Dachboden vielleicht die Isolierung kaputt? Fragen dieser Art bekommt Cosima Lindemann am Telefon inzwischen täglich zu hören. Seit Dezember 2010 betreut die Biologin beim NABU Rheinland-Pfalz die landesweite Aktion „Fledermäuse willkommen!“. Ehrgeiziges Ziel ist es, innerhalb von drei Jahren 300 Fledermaus-Gastgeber mit Urkunden und Plaketten für ihr Bemühen auszuzeichnen.

Fledermausbotschafter Rheinland-Pfalz 2012

Es ist noch kein (Fledermaus)-Experte vom Himmel gefallen. Um Nachwuchs aus allen Altersgruppen heranzuziehen, bildet der NABU Rheinland-Pfalz sogenannte Fledermausbotschafter aus. Dabei müssen die Teilnehmer nicht nur ein Jahr lang bei Workshops Biologie-Wissen pauken, sie können auch bei Einsätzen des Arbeitskreises Fledermausschutz bereits praktische Erfahrungen sammeln. „Viele stoßen völlig ohne Vorwissen zu uns“, erzählt Projektleiterin Cosima Lindemann. „Das ist aber kein Problem, denn allein das Interesse an der Sache zählt.“ Anfang 2012 erhielten die ersten 34 Fledermausbotschafter ihr Zertifikat. Ziel ist es, insgesamt 90 neue Fledermausschützer auszubilden.


Und es sieht ganz so aus, als könnte das klappen. Schon in Kürze steht die 200. Auszeichnung an, dabei nimmt die Aktion ständig weiter Fahrt auf. „Das liegt sicher auch an der tollen Presseresonanz. Ich habe schon aufgehört, die Artikel zu zählen“, erzählt Lindemann. Und so rufen längst nicht mehr nur Fledermausfreunde an, die ihre Quartiere melden möchten, sondern auch Menschen, die den Flattermännern skeptisch gegenüberstehen oder unsicher sind. „Vorurteile gegenüber Fledermäusen sind immer noch weit verbreitet“, bedauert Cosima Lindemann. „Aufklärung ist also nötig und die Aufklärung hilft auch. Bei neun von zehn Anrufern lassen sich so die Bedenken zerstreuen. Wichtig ist der direkte Kontakt, dass man miteinander spricht oder sogar bei den Leuten vorbeischaut.“

Viele unbekannte Quartiere
Mit dem Vorbeischauen wäre Cosima Lindemann alleine überfordert. Hier springen die Aktiven des verbandsübergreifenden Arbeitskreises Fledermausschutz ein. Sie überprüfen auch vor Ort die Fledermausquartiere. Immerhin jede zweite der bisher gemeldeten Behausungen war selbst den Experten bisher unbekannt. Ist das Quartier in Augenschein genommen und bestätigt, kann die Auszeichnung erfolgen. „Dabei spielt es keine Rolle, ob im Dachstuhl hundert Fledermäuse wohnen oder nur eine“, betont Lindemann. „Schließlich sind Fledermausmännchen eher einzelgängerisch unterwegs und wenn jemand einem der Herren dauerhaft einen sicheren Einzel-Übernachtungsplatz bietet, verdient das Anerkennung.“

Plakette Fledermäuse willkommen!

Zur Anerkennung gehört, dass die Übergabe der „Fledermäuse willkommen!“-Plakette immer persönlich erfolgt. Mitgetragen wird das Projekt vom Landesumweltministerium. Bei besonderen Auszeichnungen lässt es sich Umweltministerin Ulrike Höfken daher nicht nehmen, die Plakette selbst zu überreichen. So etwa zuletzt Ende Mai, als die Gemeinde Wilgartswiesen ebenso wie Günther Werner aus Eppenbrunn geehrt wurde. Sowohl im Forsthaus Stüdenbach der Familie Werner als auch im Dachboden des Rathauses von Wilgartswiesen sammeln sich jedes Jahr mindestens 500 Weibchen des Großen Mausohrs, um ihre Jungen groß zu ziehen.

Von Fledermäusen auserwählt
Neben den recht stattlichen Mausohren gehören die daumenkleinen Zwergfledermäuse zu den typischen Hausbewohnern. Immer wieder kommt es auch vor, dass sie sich in normale Zimmer verirren. „Meist sind es unerfahrene Jungtiere, die auf der Suche nach einem geeigneten Quartier durch gekippte Fenster in die Wohnungen gelangen“, erläutert Cosima Lindemann. „Findet man tagsüber Fledermäuse, sollte man zunächst am Abend die Fenster weit öffnen und beobachten, ob die Fledermäuse den Weg hinaus von allein finden.“

Solche Tipps benötigt der im März ausgezeichnete Hans Schwaderer aus Neustadt an der Weinstraße nicht mehr. Bei ihm ziehen hinter dem Firstbalken in einer Mauerspalte mehr als 50 Zwergfledermaus-Weibchen ihre Jungen groß. Dies aber nicht erst seit Kurzem. „Fledermäuse leben schon seit meiner Kindheit hier“, erklärt Schwaderer. 1937 sei seine Familie in das Haus gezogen und die Mutter bemerkte schnell, dass sie sich das Dach mit Fledermäusen teilen. „Meine Mutter sagte zu mir: Hans, wir haben großes Glück und sind von den Fledermäusen auserwählt worden. Jetzt ist es unsere Aufgabe, uns darum zu kümmern, dass sie weiterhin bei uns wohnen können.“ In den 75 Jahren gab es lediglich zwei Jahre in denen die Fledermäuse nicht kamen.

Massenwohnung im Basalt
Zu den ganz großen Fledermausquartieren im Land gehören die alten Mayener Basaltgruben. Das System aus Steinbrüchen und großen unterirdischen Hohlräumen gilt mit 50.000 Tieren sogar als das größte Fledermauswinterquartier Deutschlands. Zur Schwarmzeit im Spätsommer sind es noch mehr: An die 100.000 Fledermäuse aus 16 Arten treffen sich in Mayen, um mögliche Winterquartiere zu erkunden und Artgenossen für die Paarung zu treffen. Der Einflussbereich des Grubenfeldes erstreckt sich bis Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie in die Benelux-Staaten.

Der NABU Rheinland-Pfalz hat vor einigen Jahren große Teile des Mayener Grubenfeldes gekauft, um sie dauerhaft für die Fledermäuse zu erhalten. Inzwischen sind die notwendigen Sicherungen und Sanierungen abgeschlossen. Die Stadt Mayen hat sich in diesem Prozess durch besonderes Engagement hervorgetan und stellte dem NABU einen Teil des Geländes für den Fledermausschutz zur Verfügung. Sie wurde daher zur „Halbzeit“ des Projekts mit der 150. „Fledermäuse willkommen!“-Plakette geehrt.

Informationen zum Projekt gibt es unter www.fledermäuse-willkommen.de oder direkt bei Cosima Lindemann unter fledermaus@nabu-rlp.de, Tel. 06131-1403929.

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