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Zweiter Walliser Wolf wurde erschossen
Kantonsregierung macht Ankündigung wahr / Einsprüche übergangen
22. November 2006: Obwohl das Walliser Kantonsgericht einer entsprechenden Beschwerde von WWF Schweiz und Pro Natura aufschiebende Wirkung zugebilligt hatte, ließen die Behörden jetzt wie angekündigt innerhalb weniger Wochen bereits den zweiten aus Italien eingewanderten Wolf erschießen. Gegen Regierungsrat Jean-René Fournier, den für den Wolfsabschuss verantwortlichen Chef des Walliser Departements für Finanzen, Institutionen und Sicherheit, hat der WWF nun Aufsichtsbeschwerde eingelegt. Außerdem soll Strafanzeige gestellt werden.
„Ich finde es schockierend, dass der Kanton Wallis politisch immer noch dort steht, wo er vor elf Jahren nach dem ersten Wiederauftauchen des Wolfs bereits stand“, sagte WWF-Experte Kurt Eichenberger der Basler Zeitung. Die Kantonsregierung habe in der Wolfsfrage keine konstruktive Haltung. Man habe nichts unternommen, um den Herdenschutz im Wallis voranzutreiben, so Eichenberger weiter. Erfahrungen aus anderen Kantonen und Ländern zeigten, dass es genügend Konzepte gebe, die das Schadenspotenzial drastisch verringerten. Stattdessen organisiere die Regierung eine Treibjagd mit zehn Wildhütern.
Bericht der Basler Zeitung zum Wolfsabschuss
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Schweiz will eingewanderten Wolf abschießen
Italiens Regierung verärgert / Naturschutzverbände legen Beschwerde ein
15. November 2006: „Bei uns werden die Wölfe geschützt, in der Schweiz und in Frankreich werden sie getötet, diese Situation ist unerträglich", ärgert sich Italiens Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio. „Ich habe das Problem bereits in Brüssel bei EU-Umweltkommissar Dimas angesprochen. Er arbeitet an einer Richtlinie zum grenzüberschreitenden Schutz von Tierarten“, so Scaio zur Zeitung La Repubblica. „Die EU finanziert den Schutz der Wölfe und die Mitgliedstaaten töten sie. Wir werden nicht dulden, dass sich eine Situation wie beim Braunbären Bruno ereignet, den Italien geschützt und Bayern erschossen hat."
Erster Wolfsabschuss bereits im Oktober
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Doch Streit um die Wölfe gibt es derzeit vor allem im Grenzgebiet zur Schweiz und die gehört nun mal nicht zur EU. Ende Oktober war auf schweizer Seite eine Wölfin erlegt worden, die erst im April eingewandert war und – das ergaben DNA-Proben – aus einem der italienischen Rudel stammte. Wölfe sind in der Schweiz nach wie vor sehr selten. 1871 wurde hier der letzte will lebende Wolf erlegt und erst ab 1995 kam es wieder zur gelegentlichen Einwanderung von Einzeltieren.
Zum Vergleich: In Deutschland war der Wolf ebenfalls ausgerottet. Nach vereinzelten Einwanderungen aus Polen gab es im Jahr 2000 nach rund 150 Jahren erstmals wieder Wolfsnachwuchs in Deutschland. Heute leben in der sächsischen Lausitz zwei Wolfsrudel, in denen insgesamt bereits mehr als 25 Jungwölfe aufwuchsen. Viel größer sind die Wolfsbestände in Italien, dort leben rund 400 Tiere; in Spanien und Rumänien schließlich sind es sogar je 2000 bis 3000 Wölfe.
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Nun haben die Behörden des Kantons Wallis ein weiteres Tier zum Abschuss freigegeben. In beiden Fällen beruft man sich auf das so genannte „Konzept Wolf“, das Abschüsse dann erlaubt, wenn ein Wolf innerhalb eines Monats mehr als 25 Nutztiere reißt. Die Naturschutzverbände Pro Natura und WWF Schweiz haben umgehend Beschwerde gegen die erneute Abschusserlaubnis eingelegt. „Das Ziel des nationalen Konzepts Wolf ist klar: Schäden an Nutztieren sollen gestoppt werden“, betont Kurt Eichenberger, Projektleiter Biodiversität beim WWF Schweiz. „Im Winter befinden sich die Schafe aber wieder im Tal, also ist das Schadenpotenzial auf der Alp praktisch nicht mehr vorhanden. Es macht keinen Sinn, im Winter Wölfe abzuschießen, wenn gar keine Schafe mehr gerissen werden können.“
Naturschutzverbände fordern flächendeckenden Herdenschutz Gleichzeit sollte nach Ansicht von Pro Natura und WWF, das „Konzept Wolf“ überarbeitet und den veränderten Gegebenheiten angepasst werden, da es bisher von einem einzigen schadenstiftenden Wolf ausgeht. Inzwischen sind aber im Wallis mehrere Wölfe und Wölfinnen unterwegs. Für Urs Tester von Pro Natura ist klar: „Die Präsenz von Wölfinnen läutet eine neue Ära in der natürlichen Rückkehr des Wolfs ein. Das Konzept ist der neuen Situation nicht angemessen. Es gibt nur ein Rezept: flächendeckenden Herdenschutz.“ Genau dagegen wehren sich die Walliser Bergbauern aber bisher. Für sie ist es bequemer und billiger, die Herden unbeaufsichtigt auf den Sommerweiden der Berge weiden zu lassen. Pro Natura und WWF fordern Bund und Kantone auf, endlich mehr Mittel für die Ausbildung von Hirten und Schutzhunden zur Verfügung zu stellen.
Pressemitteilung von WWF Schweiz und Pro Natura (PDF)
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