
Krötenwanderung 2002
Hintergrundinfo
Ökologie der Amphibien
Zu
den einheimischen Amphibien oder Lurchen zählen Salamander, Molche,
Unken, Kröten und Frösche. Insgesamt leben in Deutschland
21 Amphibienarten.
Das Leben der Amphibien
ist eng an das Wasser gebunden. Zum Ablegen ihrer Eier (Laich) müssen
sie in jedem Frühjahr ihre Laichgewässer aufsuchen. Eine Ausnahme
bildet der Alpensalamander, der bereits voll entwickelte Jungtiere zur
Welt bringt. Die
erste Lebensphase im Wasser verbringen die Amphibien als Larven oder
Kaulquappen. Nach einer Umgestaltung des Körpers (Metamorphose)
beginnen sie ihr Landleben und kehren meist nur zur Fortpflanzungszeit
ins Wasser zurück.
Die
Haut der Amphibien trägt im Gegensatz zu den Kriechtieren oder
Reptilien (Eidechsen, Schlangen) kein Schuppenkleid, und ihre Hände
besitzen auch nur jeweils vier Finger. Ihre wasserdurchlässige,
kaum noch verhornte Haut bindet sie zeitlebens an Feuchtbiotope. Sie
schützen sich vor ihren Feinden, indem sie Schleim mit Giftstoffen
aus ihrer Haut absondern. Amphibien ernähren sich hauptsächlich
von Würmern, Schnecken, Insekten und anderen Gliedertieren. In
Gärten übernehmen sie die Funktion von biologischen Schädlingsbekämpfern.
Amphibien sind wechselwarme
Tiere. Ihre Körpertemperatur ist in hohem Maße von der Umgebungstemperatur
abhängig. Kälte und knappe Nahrung zwingen die Lurche zur
Winterruhe. Zum Überwintern werden passende Verstecke, wie der
Wurzelbereich von Bäumen, Erdlöcher, Felsspalten, Hohlräume
unter Steinplatten, unter totem Holz oder in Kleinsäugerbauten
aufgesucht. Salamander treffen sich oft in größerer Zahl
in Felshöhlen. Ein Teil der Frösche überwintert im Bodenschlamm
der Laichgewässer. Erst im Frühjahr werden sie wieder aktiv.
Viele
Amphibienarten werden erst nach einigen Jahren geschlechtsreif, Erdkrötenweibchen
zum Beispiel nach drei bis fünf Jahren. Sie erreichen aber auch
ein hohes Lebensalter und produzieren in dieser Zeit viele Nachkommen.
Laichgewässer
und Landlebensraum sind in vielen Fällen weit voneinander entfernt.
Viele Amphibienarten legen bei ihrer Frühjahrswanderung deshalb
teils große Entfernungen zurück. Von der Erdkröte sind
Wanderungen bis zu zwei Kilometern bekannt, und selbst beim Kammmolch
wurden Wanderdistanzen von mehr als einem Kilometer festgestellt. Die
Prägung auf das Laichgewässer erfolgt während der Larven-
beziehungsweise Kaulquappenphase. Viele Amphibien kehren dann zur Fortpflanzung
an ihr Geburtsgewässer zurück.
Durch die weitgehende
Zerstörung und Verkleinerung ihrer Lebensräume sind die Bestände
unserer Amphibien stark zurückgegangen. Ursachen dafür sind
insbesondere das Verschwinden von Kleingewässern aufgrund von Vermüllung
oder Überbauung sowie der stark zugenommenen Fahrzeugverkehr. In
einigen Regionen hat sich die Zahl der Kleingewässer in den letzten
50 Jahren um mehr als 80 Prozent verringert. Die hohe Dichte des deutschen
Straßennetzes führt dazu, dass Amphibien bei ihrer Frühjahrswanderung
oftmals Straßen überqueren müssen. Untersuchungen haben
gezeigt, dass bei einer Verkehrsdichte von 60 Fahrzeugen pro Stunde
90 Prozent der über die Straße wandernden Erdkröten
überfahren werden.
Seit
1980 stehen alle Amphibienarten gemäß Bundesartenschutzverordnung
unter besonderem Schutz. Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es außerdem
verboten, Amphibien, deren Laich und Larven der Natur zu entnehmen -
etwa um sie in Gartenteichen anzusiedeln.
Wer ein Grundstück
oder Garten besitzt oder nutzt, kann gezielt Lebensräume und Laichgewässer
für Amphibien schaffen. Das Einsetzen von Tieren ist nicht notwendig,
da Kleingewässer in der Regel innerhalb kurzer Zeit besiedelt werden.
Weitere Maßnahme, die den Lurchen helfen: Anlage naturnaher Gartenteiche
ohne Fischbesatz, ungenutzte Teile des Gartens gezielt verwildern lassen
und im Garten auf die Anwendung von Kunstdüngern und Giften (Pflanzenschutz)
verzichten.
Setzten Sie sich
für den Erhalt und für die Renaturierung von Kleingewässern
in Ihrem Umfeld ein. Vielerorts werden Amphibien bei ihrer Frühjahrswanderung
durch Krötenzaunaktionen vor dem Straßentod gerettet. Dabei
werden in Bereichen mit intensiver Amphibienwanderung entlang der Straße
niedrige Zäune aufgestellt und Fangeimer eingegraben. Die wandernden
Amphibien versuchen, die Folie zu umwandern, und fallen in die Fangeimer.
Aus diesen werden sie entnommen und sicher über die Straße
getragen. Die Krötenzäune müssen im Frühjahr über
einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten betreut werden. Effektiver
sind Straßensperrungen oder stationäre Anlagen mit Amphibientunneln.
Meist sind die bei Krötenzaunaktionen gesammelten Daten über
wandernde Amphibien die Begründung für dauerhafte Anlagen.
Andreas
Krone