
Krötenwanderung 2002
Hintergrundinfo
Ersatz-Laichgewässer
Wenn
die Kröte nicht mehr zum Laichgewässer kommt, muss das Laichgewässer
eben zur Kröte kommen. Nach dieser Methode wird heute immer öfter
verfahren. Häufig werden Ersatzgewässer jedoch ohne die nötigen
Vorkenntnisse in die Landschaft gesetzt und erfüllen weil
zu klein, zu beschattet oder zu naturfern angelegt nicht immer
den gewünschten Zweck.
Die An- oder Umsiedlung
von Amphibien wird meist auf gut Glück und ohne die notwendigen
Genehmigungen und Erfolgskontrollen durchgeführt. Selbst bei anpassungsfähigen
Arten ist das Einbringen von Amphibien in künstlich angelegte Gewässer
nicht unproblematisch, auch wenn es sich um eine Rettungsaktion handelt.
Es kann zur Abwanderung der Tiere, gemindertem Fortpflanzungserfolg,
geringen Überlebensraten der Larven und späteren Bestandseinbrüchen
kommen.
Dabei besiedeln
Amphibien neue Lebensräume relativ schnell von ganz alleine, auch
die als ausgesprochen ortstreu bekannte Erdkröte. Die Spontanbesiedlung
von neuen Teichen wird gefördert durch die Nähe bereits bestehender
Gewässer, die Lage im Bereich traditioneller Wanderwege und eine
möglichst geringe Entfernung zu den bevorzugten Landlebensräumen
der Amphibien.
Bei
der Wahl des Standorts sollten selbstverständlich schutzwürdige
Flächen wie Feuchtwiesen nicht beeinträchtigt oder zerstört
werden. Besonders günstig sind Flächen mit wasserstauenden
Böden. Nicht geeignet sind leider muss immer wieder darauf
hingewiesen werden Trockenflächen oder Hanglagen, bei denen
keine natürliche Wasserführung möglich ist. Die Gewässer
sollte ausschließlich von Grund- oder Niederschlagswasser gespeist
werden, da die Einleitung oder der Stau von Fließgewässern
durch den Eintrag von Nährstoffen und die Erwärmung des Wassers
negative Folgen hat. Schwankungen des Wasserstandes und das Trockenfallen
von Flachufern oder Tümpeln sind naturgegeben und sollten keinesfalls
durch eine künstliche Wasserzuleitung aufgehoben werden.
Die Gewässergestaltung
richtet sich nach den Ansprüchen der vorkommenden Lurche. Pionierarten
wie Kreuz-, Wechsel- und Knoblauchkröte sowie Gelbbauchunke, besiedeln
vegetationsarme, kleinere, seichte Gewässer, die häufig nur
zeitweise Wasser führen. Die übrigen Stillgewässer-Lurche
bevorzugen vegetationsreichere Gewässer. So profitieren alle Molcharten
von dichtem Pflanzenbewuchs unter Wasser. Der Wasserfrosch bevorzugt
große Wasserflächen mit Schwimmblattpflanzen und die Erdkröte
benötigt Strukturen im Uferbereich. Wichtig ist die ausreichende
Besonnung des Amphibiengewässers, da nur wenige "Waldarten"
wie Erdkröte und Bergmolch Beschattung vertragen.
Es
gilt immer der Grundsatz "naturnah und abwechslungsreich".
Also: nur natürliche Materialien verwenden (keine Folien in der
freien Landschaft), für einen nährstoffarmen Untergrund sorgen,
den Wasserstand nicht regulieren, wechselnde Uferformen und Wassertiefen
gestalten. Auf die "obligatorische" Insel kann ebenso verzichtet
werden, wie auf eine übertriebene, unnatürliche Ausstattung
des Lebensraumes mit Totholz, Steinhaufen oder Sandflächen. Die
Umgebung des Gewässers sollte möglichst naturnah sein und
einen Mindestabstand zu Äckern von 25 Metern und zu Straßen
von 250 Metern haben. Ein erweiterter Straßengraben ist kein Ersatzlaichgewässer,
auch wenn er durch eine Sperrvorrichtung zur Straße hin gesichert
ist. Ebenso wenig haben Laichgewässer inmitten eines Ackers etwas
mit wirksamem Artenschutz zu tun.
Bei der Teichneuanlage
ist ein Vorlauf von zwei bis drei Jahren zu berücksichtigen, während
der sich der Wasserchemismus einreguliert, erste Pflanzenstrukturen
entstehen und sich ein ausreichendes Nahrungsangebot für Amphibienlarven
entwickelt. Deshalb: bei der Anlage eines Gewässers keine Pflanzen
und Tiere, sondern etwas Zeit mitbringen.
Kerstin Oerter