
Krötenwanderung 2002
Aktionsbilanz
Stand 19. Juni 2002
Krötenwanderung
2002: Ein durchwachsenes Frühjahr
An
der Aktion "Krötenwanderung 2002" haben sich insgesamt
149 Amphibienschutzgruppen beteiligt. In die folgende Bilanz flossen
insgesamt 40 bis Mitte Juni einschließlich Vorjahresvergleichen
eingegangene lokale Auswertungen ein. Als Grobbeschreibung muss man
konstatieren, dass 2002 bundesweit gesehen kein besonders gutes Wanderjahr
war. An zwei Dritteln der Zäune gab es teils drastische Rückgänge,
vor allem bei den Erdkröten. An einem Drittel lagen die Ergebnisse
wenigstens im Schnitt der Vergangenheit oder sie waren sogar angestiegen.
Die für das Vorjahr geschätzten rund 300.000 geretteten Tiere
- bezogen auf die an der Internetaktion beteiligten Gruppen - werden
also 2002 nicht erreicht. Eine tabellarische Zusammenstellung von Einzelergebnissen
kann als PDF (93 KB) heruntergeladen
werden, detailliertere Angaben gibt es auf den Internet-Sonderseiten
unter den entsprechenden Ortsnamen.
Wanderverlauf
Der Wanderverlauf war bundesweit weitgehend einheitlich. Ein ständiges
witterungsbedingtes Stop and go ergab "ein verrücktes Jahr",
wie viele der Amphibienschützer meinten. Die Saison begann mit
einem frühen Wärmeeinbruch am 27./28. Januar, der erste Grasfröschen
und auch Erdkröten aus den Quartieren lockte. Auch Faden-, Kamm-
und Bergmolche gingen bereits auf die Reise, selbst frisch abgelegte
Feuersalamanderlarven wurden Ende Januar entdeckt. In der ersten Februarhälfte
wurde es wieder frostig, dann ging es um den 20. Februar kurz rauf mit
dem Temperaturen, es folgte erneut Frost und erst der Orkan am 26. Februar
führte noch einmal Warmluft heran.
Das Wechselspiel
ging so weiter. Anfang März wieder Frost in ganz Deutschland, selbst
in Küstennähe bedeckte eine Eisdecke die Laichgewässer.
Der zweite Frühjahrsorkan brachte wieder Warmluft, doch die sternenklaren
Nächte waren zunächst noch zu kalt, so dass erst am 12. und
13. März der erste große Wanderschub des Jahres einsetzte.
Der Hauptschub kam dann genau ein Woche später, nachdem zwischendurch
Schneefall bis ins Flachland die Amphibienwanderungen gestoppt hatte.
Die Nacht vom 18. auf den 19. März brachte bundesweit übereinstimmend
fast überall den Höhepunkt der Wanderungen. Ein Drittel bis
die Hälfte der Tiere erreichten zu diesem Zeitpunkt die Laichgewässer.
Das Einsetzen der Rückwanderung und das weitgehende Ausbleiben
von Hinwanderern war für viele Gruppen im Westen und Südwesten
dann in der letzten Märzwoche Signal zum Abbau der Zäune.
Teils wurden nun die Zäune umgestellt, um die Rückwanderung
abzusichern.
In den anderen
Regionen stellte das Wetter die Amphibienschützer auf eine harte
Geduldsprobe. Eine Woche nach Ostern setzten die Wanderungen frostbedingt
wieder fast komplett aus und erst um den 15. April wurde es nicht nur
wärmer, sondern endlich auch wieder feuchter. Im sächsischen
Bischofswerda zum Beispiel gingen daraufhin an zwei Tagen noch einmal
mehr als 500 Tiere auf die Reise. Auch in Schleswig-Holstein und Brandenburg
nahmen die Wanderung noch einmal Fahrt auf. Knoblauchkröten, Wechselkröten
und Rotbauchunken machten dabei ihrem Ruf als Spätstarter alle
Ehre.
Artenverteilung
Bei der Individuenzahl dominierte insgesamt ganz klar die Erdkröte,
sie machten oft 90 Prozent oder mehr der Tiere aus. Auf Platz zwei lag
der Grasfrosch, es folgten Teich- und Bergmolch. Im Norden und Osten
stark vertreten waren außerdem Moorfrosch und - etwas weniger
- Kamm-Molch. Springfrösche wurden fast ebenso selten registriert
wie Fadenmolche, bei beiden dürfte es aber noch eine Dunkelziffer
geben wegen der Verwechslungsgefahr mit Grasfrosch und Teichmolch.
Auch alle anderen
heimischen Lurche mit Ausnahme des Alpensalamanders wurden in den Eimern
gefunden, wobei Feuersalamander und Laubfrösche eher als "Beifänge"
gelten können und auch die Grünfroscharten keine ausgeprägten
Wanderer sind. Knoblauch-, Kreuz-, Wechsel- und Geburtshelferkröten
gehörten in absteigender Reihenfolge zu den seltenen bis sehr seltenen
Funden. Gelbbauchunken schließlich waren an den Amphibienzäunen
große Ausnahmeerscheinungen, während Rotbauchunken im Nordosten
recht regelmäßig auftreten.
Ursachen
Warum die Ergebnisse des Jahres 2002 so sind, wie sie sind, darüber
lässt sich zunächst nur spekulieren. Erklärungsansätze
gibt es mehrere und sehr wahrscheinlich überlagern sich die verschiedenen
Ursachen auch noch:
-
Ungünstiges
Wetter: Der Witterungsverlauf zwar zweifellos extrem, immer wieder
setzte nach kurzen Wärmephasen trockenes Frostwetter ein. Es
könnte also zu vermehrten Verlusten gekommen sein.
-
Das
Pendel schlägt zurück: 2001 war offensichtlich vielerorts
ein herausragendes Jahr, also könnte man 2002 teils von einer
Normalisierung sprechen.
-
Langzeitwirkungen: Andererseits gehen die Zahlen oft nicht nur hinter
2001, sondern auch hinter den bisherigen Schnitt zurück. Dort
wo die Rückgänge in einer fortgesetzten Linie mehrerer Jahre
liegen, ist eher eine Verschlechterung der allgemeinen Lebensbedingungen
der Amphibien zu vermuten.
-
Verzögerungswirkungen: Die Ursachen für aktuelle Rückgänge
können mehrere Jahre zurück liegen. Ist zum Beispiel die
Wanderung der Jungtiere in die Sommerlebensräume ungeschützt,
machen sich Verluste dann später in der reduzierten Zahl der
erwachsenen Laichwanderer bemerkbar.
-
Verluste durch Krankheiten und Parasiten: Da gerade die Erdkröten
besonders betroffen scheinen, könnte zum Beispiel arttypische
Krankheiten oder auch die parasitäre Krötenfliege eine Rolle
spielen.
-
Erfassungsmängel:
Viele Amphibienschutzgruppen haben selbst als Vermutung angegeben,
in diesem Jahr möglicherweise die Zäune nicht rechtzeitig
aufgestellt zu haben. Die Daten zeigen zwar, dass fast überall,
wo gute Ergebnisse erzielt wurden, auch bereits früh im Februar
die Zäune gestellt wurden. Umgekehrt galt dies aber nicht, denn
es gab hinreichend Orte mit frührem Zaunaufbau und trotzdem schlechten
Ergebnissen. Außerdem gehört die hauptsächlich betroffene
Erdkröte nicht zu den ganz frühen Arten, die Rückgänge
bei den frühen Braunfröschen und Molchen hätten dann
sogar noch stärker sein müssen.