Thema: Kormoran und Teichwirtschaften
  1. User has not uploaded an avatar

    Wolfgang Mädlow
    Gast

    Hallo Herr Dettmann und alle anderen,

    die Blumberger Mühle ist in der Tat ein Sonderfall, weil der NABU dieses Teichgebiet zu Naturschutzzwecken und für die Umweltbildung gekauft hat. Dort gibt es ein Besucherzentrum mit 35.000 Besuchern jährlich, die dort die Natur genießen möchten. Ich glaube übrigens nicht, dass Kormoran-Abschuss vor den Augen der Besucher die Sympathie der Öffentlichkeit für derartige Maßnahmen erhöhen würde. Der NABU hat nicht den Anspruch erhoben, an der Blumberger Mühle eine Musterlösung für die Teichwirtschaften vorzustellen. Hier haben Naturschutz und Besucherverkehr absoluten Vorrang. Wir wissen, dass das in anderen Teichgebieten nicht so ist.

    Ich wundere mich ein wenig über den Vorwurf der „bewussten Fehlinformation“, die auf der Homepage des Landesfischereiverbandes erhoben wird. Nach der gestrigen Pressemitteilung des Landesfischereiverbandes sind in dem tschechischen Teichgebiet, aus dem die Satzfische kommen, ständig mehrere Mitarbeiter mit der Waffe unterwegs und gehen konsequent gegen Kormorane vor. Das haben wir in dieser Form bei uns nicht. Welchen Schutz der Kormoran genießt, hängt ja nicht nur von der EU-Vogelschutzrichtlinie ab, die hier und dort gilt, sondern natürlich von der rechtlichen und tatsächlichen Umsetzung vor Ort. Abgesehen davon hat diese Frage mit der Argumentationslinie gar nichts zu tun, denn ich habe ja deutlich gesagt, dass Import von Satzfischen keine allgemeine Lösung sein kann.

    Wir hatten in Brandenburg in den letzten Jahren immer wieder heftige Auseinandersetzungen um den Kormoran zwischen NABU und Landesfischereiverband. Wenn man genau hinsieht, wird man feststellen, dass es dabei praktisch immer um Maßnahmen der allgemeinen Bestandsreduzierung sowie um Maßnahmen an natürlichen Gewässern ging (Kormoranverordnung, Störaktionen in Brutkolonien). Gegen Vergrämungsmaßnahmen an Teichwirtschaften, bis hin zu Abschüssen, sind wir nie vorgegangen, weil wir hier den Handlungsbedarf anerkennen. Dass wir über die vielen Abschüsse nicht glücklich sind und vorrangig andere, passive Abwehrmaßnahmen verwirklicht sehen möchten, muss man uns schon zugestehen.

    Wolfgang Mädlow
    NABU Brandenburg
    Landesgeschäftsführer

    vor 10 months veröffentlicht #
  2. User has not uploaded an avatar

    Lars Dettmann, Landesfischereiverband Brandenburg
    Gast

    Sehr geehrter Herr Mädlow,

    Zitat:"... die Blumberger Mühle ist in der Tat ein Sonderfall, weil der NABU dieses Teichgebiet zu Naturschutzzwecken und für die Umweltbildung gekauft hat. ..."

    und Sie meinen, der ständige Import von Satzfischen ist dem Naturschutz und der Umweltbildung dienlich. Ich drücke beide Daumen, dass das auch in Tschechien längst grassierende Koi-Herpesvirus die Blumberger Mühle nicht per Lkw erreicht.

    Es wäre einfach nur ehrlich, wenn der NABU endlich klipp und klar dazu stehen würde, dass auch er keine wirkliche Alternativlösung hat, mit der Satzfische in Karpfenteichen vor dem Kormoran geschützt werden können.

    Wenn Sie und andere Vertreter des NABU auf der einen Seite die Vergrämungsabschüsse mehr oder weniger verdammen, ihre unverzügliche Einstellung fordern und sie da dann doch, eventuell, unter bestimmten Umständen, im Ausnahmefall zulassen wollen, wird das Ganze albern.

    Zitat: "... Dort gibt es ein Besucherzentrum mit 35.000 Besuchern jährlich, die dort die Natur genießen möchten. ..."

    Auch in den Peitzer Teichen sind Jahr für Jahr zahlreiche Besucher unterwegs und genießen die Natur. Denen erklärt man dort, warum Schreckschussanlagen und Vergrämungsabschüsse sein müssen. Lediglich der NABU macht Theater, weil der Lärm ja das Vogelschutzgebiet beeinträchtigt. Peitz produziert jedoch noch Satzfische ...

    Jedem denkenden NABU-Vertreter ist mit oder ohne Blumberger Mühle längst klar, dass Karpfenteichwirtschaft ohne Vergrämungsabschüsse von Kormoranen nicht mehr machbar ist. Aber die Konsequenz daraus ist, dass man den eigenen Standpunkt zu einem Kormoranmanagement ändern müsste. Das kommt allerdings nicht in Frage ...

    Wäre es dann nicht angebracht, sich die künstliche Empörung über die Vergrämungsabschüsse zu verkneifen und gemeinsam mit den Teichwirten nach einem Ausweg aus dem Dilemma zu suchen? Schon klar ... ich verlange zu viel.

    Zitat: "... Ich glaube übrigens nicht, dass Kormoran-Abschuss vor den Augen der Besucher die Sympathie der Öffentlichkeit für derartige Maßnahmen erhöhen würde. ..."

    Kommt darauf an, ob man ehrlich argumentiert oder wider besseres Wissen steif und fest behauptet, die Abschüsse wären nicht nötig, weil es angeblich Alternativen gibt.

    Zitat: "... Der NABU hat nicht den Anspruch erhoben, an der Blumberger Mühle eine Musterlösung für die Teichwirtschaften vorzustellen. ..."

    Ach wirklich? :-) Warum eigentlich nicht? Das wäre der Coup! Mit einem Schlag hätten Dettmann & Co. keine Argumente mehr, weiter an den Teichen im Land auf Kormorane schießen zu lassen. Sie hätten allein in den letzten beiden Jahren auf die Art fast 2000 Vögeln das Leben retten können. Wenn das für einen NABU nicht Ansporn genug ist ...

    Zitat: "... Hier haben Naturschutz und Besucherverkehr absoluten Vorrang. Wir wissen, dass das in anderen Teichgebieten nicht so ist. ..."

    Wenn Naturschutz tatsächlich Vorrang hätte, würde man in der Blumberger Mühle einsömmrige Karpfen (K1) produzieren und alles daran setzen, die im Spätsommer und Herbst vor Kormoranen zu schützen. Es muss nicht mit der Waffe sein, wird dann aber richtig teuer. Die ökologische Wertigkeit der K1-Teiche ist mit den Teichen, in denen Tschechische K3 auf Schlachtgewicht gebracht werden, nicht im Ansatz zu vergleichen. Das wissen nicht nur wir beide. Also aus Naturschutzsicht spricht verdammt viel dafür, gerade in der Blumberger Mühle wieder zur klassischen Teichwirtschaft zurück zu kehren.

    Zitat: "... Ich wundere mich ein wenig über den Vorwurf der „bewussten Fehlinformation“, die auf der Homepage des Landesfischereiverbandes erhoben wird. ..."
    Gilt die EU-VRL in Tschechien? Ja

    Ist der Kormoran damit auch in Tschechien generell eine geschützte Art? Ja

    Gilt deren Artikel 9 dann auch in Tschechien? Ja

    Wird dem tschechischen Lieferanten der Satzfische auf der Grundlage des Artikels 9 EU-VRL im Zuge einer Ausnahmegenehmigung der Abschuss von Kormoranen gestattet? Ja

    Erfolgen Vergrämungsabschüsse in Deutschland auf der Basis von Artikel 9 der EU-VRL? Ja

    Könnte man auch für die Teiche der Blumberger Mühle derartige Ausnahmegenehmigungen beantragen? Ja

    Und nur weil der NABU Letzteres nicht will, soll der Kormoran hier einen höheren Schutzstatus haben, als in Tschechien? Wen möchten Sie mit der Nummer auf den Arm nehmen? Mich? Dann achten Sie auf Ihre Bandscheiben ...

    Zitat: "... Abgesehen davon hat diese Frage mit der Argumentationslinie gar nichts zu tun, denn ich habe ja deutlich gesagt, dass Import von Satzfischen keine allgemeine Lösung sein kann. ..."

    Dann eiern Sie doch bitte nicht länger rum und sagen Sie uns endlich, was denn dann die Lösung ist? Eine Reduzierung des aktuellen Kormoranbestandes lehnen Sie ab. Vergrämungsabschüsse lehnen Sie eigentlich auch ab, aber uneigentlich kann man im Einzelfall ja auch mal hier und da durchaus ... aber nicht im Zuge einer Verordnung ... Hören Sie sich eigentlich selbst noch zu?

    Zitat: "... Wir hatten in Brandenburg in den letzten Jahren immer wieder heftige Auseinandersetzungen um den Kormoran zwischen NABU und Landesfischereiverband. Wenn man genau hinsieht, wird man feststellen, dass es dabei praktisch immer um Maßnahmen der allgemeinen Bestandsreduzierung sowie um Maßnahmen an natürlichen Gewässern ging (Kormoranverordnung, Störaktionen in Brutkolonien). Gegen Vergrämungsmaßnahmen an Teichwirtschaften, bis hin zu Abschüssen, sind wir nie vorgegangen, weil wir hier den Handlungsbedarf anerkennen. ..."

    Wie weit geht Ihre Realitätsverweigerung? Wollen Sie mir erklären, dass die UNB Frankfurt/Oder von sich aus 2008 auf die alberne Idee kam, an den Booßener Teichen pro Woche nur an zwei Tagen Vergrämungsabschüsse zu gestatten und anschließend fünf Tage Ruhe zu fordern? Wollen Sie mir erklären, dass die Weigerung der UNB Elbe-Elster für das Zulassen von Vergrämungsabschüssen am Lug-Teich wegen der Sorge vor Widerstand des ehrenamtlichen Naturschutzes nicht auf lokale NABU-Vertreter zurück geht?

    Zitat: "... Dass wir über die vielen Abschüsse nicht glücklich sind und vorrangig andere, passive Abwehrmaßnahmen verwirklicht sehen möchten, muss man uns schon zugestehen. ..."
    Welche denn? Wenn es die denn gibt, warum dann Satzfische aus Tschechien in die Blumberger Mühle kutschieren? Sie reden beständig um den heißen Brei.

    Mit freundlichen Grüßen

    Lars Dettmann

    Geschäftsführer
    Landesfischereiverband Brandenburg / Berlin e.V.
    Dorfstraße 1
    14513 Teltow-Ruhlsdorf

    Tel 03328/319150
    Fax 03328/319155

    http://www.lfvb.org

    vor 10 months veröffentlicht #
  3. Laura Knorr
    Kormoranfreund/in

    Guten Abend

    http://tinyurl.com/yknot8r
    http://tinyurl.com/yzxml6x

    Diese Symbolbilder sollen kein Scherz sein. An die Gruppe heranfliegen (nicht zu nah -> Kollisionen und Steuerungsprobleme) und dadurch aufscheuchen, falls sie soetwas überhaupt beunruhigt. Man könnte die Maschinen zusätzlich noch mit optischen/akkustischen Signalen versehen. Diese dürfen aber nur bei Bedarf angewendet werden, um andere Tiere (Vögel) - abgesehen vom Fluggeräusch - nicht noch mehr zu stören. Z. B. wenn die Kormorane nach einiger Zeit an die Modellhubschrauber gewöhnt sind.

    Falls das zu kurios klingt... das ist die einzige tötungsfreie Alternative, die mir eingefallen ist.

    Gruß, Laura

    vor 10 months veröffentlicht #
  4. User has not uploaded an avatar

    Holle
    Gast

    Hallo Laura,
    probier' aber bitte erst den kleinen Heli !
    mfG

    vor 10 months veröffentlicht #
  5. User has not uploaded an avatar

    Wolfgang Mädlow
    Gast

    Hallo Herr Dettmann,

    wenn es Sie beruhigt, will ich es gerne sagen: Auch der NABU hat kein Patentrezept, wie Kormoranschäden in Teichwirtschaften naturschutzgerecht abgewendet werden können. Welche passiven Abwehrmaßnahmen es gibt, brauche ich nicht zu wiederholen, sie sind auch in diesem Forum hier öfter erwähnt worden. Keine davon funktioniert überall gut und ist überall anwendbar. Andererseits gibt es Beispiele erfolgreicher Anwendung. Wir möchten, dass solche passiven Maßnahmen vorrangig eingesetzt werden, nach Prüfung vor Ort, was sinnvoll und durchführbar ist. Wir wissen, dass damit gerade bei den sehr großen Teichen in Brandenburg nicht überall das Problem auszuräumen ist. Wo das so ist, akzeptieren wir auch Vergrämungsabschüsse.

    Zu den Kormoranen in Tschechien: Bei all dem rhetorischen Feuerwerk ist mir noch nicht klar geworden: Sind Sie nun der Auffassung, dass in Tschechien mehr auf Kormorane geschossen wird als in Brandenburg oder nicht? Ich hatte Ihren St.-Florians-Vorwurf so verstanden, dass durch den Satzfischimport die Ruhe im Teichgebiet dadurch erkauft wird, dass wir die Produktion in ein Land verlagern, in dem Kormoranvergrämung auf eine in Deutschland von uns nicht akzeptierte Art und Weise stattfindet. Ich habe dieses Argument akzeptiert und es in dem rbb-Interview als Begründung angeführt, warum Satzfischimport keine allgemeine Lösung sein kann. Wenn Sie nun meinen, der Kormoranschutz sei überall gleich – OK, dann lasse ich mich gerne eines Besseren belehren und dieses Argument gegen den Import fällt weg. An der Position ändert sich trotzdem nichts, weil es andere Argumente dagegen gibt. Aber da sind wir ja auch gar nicht verschiedener Meinung.

    Wolfgang Mädlow
    NABU Brandenburg
    Landesgeschäftsführer

    vor 10 months veröffentlicht #

Antwort »