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Wolf aus Italien nach Bayern eingewandert

Wolf aus Italien nach Bayern eingewandert

Braunbär Bruno kam nicht alleine / Bekanntgabe erst nach sechs Monaten

Wolf

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist bereits im Frühjahr - praktisch zeitgleich mit Braunbär Bruno - ein Wolf aus Italien nach Bayern eingewandert. Anders als Bruno fiel der zwei- bis dreijährige, 30 Kilogramm schwere Wolfsrüde aber niemandem auf, bis er schließlich Ende Mai bei Pöcking am Starnberger See von einem Auto überfahren wurde. Es handelt sich um den ersten gesicherten Nachweis eines wild lebenden Wolfes in Bayern seit 150 Jahren.

Wolfsspuren und überfahrene Wölfe gab es während der letzten Jahre in Bayern zwar bereits mehrfach, vor allem in Ostbayern an der Grenze zu Tschechien. Meist waren es aber Flüchtlinge aus Wildgehegen oder die Herkunft konnte nicht bestimmt werden. Beim Pöckinger Wolf hatten die Biologen nun Glück. Genetische Vergleiche mit am 29. März im italienischen Formazzatal gefundenem Wolfskot identifizierten das Tier eindeutig. Der nicht sehr gut ernährte Wolf war offensichtlich auf der Suche nach einem eigenen Revier. Dabei hatte er innerhalb von zwei Monaten vom italienisch-schweizerischen Grenzgebiet bis nach Oberbayern eine Entfernung von mehr als 250 Kilometern Luftlinie zurückgelegt.

Wolf

Doch warum dauerte es ein halbes Jahr, bis über den Pöckinger Wolf informiert wurde? Man sei sich zunächst nicht sicher gewesen, ob es sich wirklich um einen Wolf handelt, sagt dazu Manfred Wölfl, Wildtierbeauftragter beim Landesamt für Umwelt. Tatsächlich gab es spätestens mit der Sektion des Tieres am Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung im Juli keinen Zweifel mehr, dass hier kurz vor den Toren der Landeshauptstadt kein Hund oder Mischling, sondern ein Wolf überfahren worden war. Der Verdacht liegt nahe, dass Umweltminister Schnappauf mitten in der großen Bruno-Aufregung wenig Lust hatte, nun auch noch über Wölfe zu diskutieren.

Und jetzt, wo dank der Genvergleiche durch die Uni Lausanne sogar die genaue Herkunft des Tieres feststeht, überlässt es das Umweltministerium dem Landkreis Starnberg, mit einer unauffälligen Mitteilung an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Minister lehnt eine persönliche Stellungnahme ab und schickt seinen Untergebenen Wölfl vor. Der bemüht sich, die Angelegenheit niedrig zu hängen. "Eher nicht sensationell" seit die Einwanderung des Wolfs, so Wölfl gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Dabei hat der Pöckinger Wolf alle Experten überrascht. Auf künftige Zuwanderer aus Böhmen oder gar Polen in den dünn besiedelten Bayerischen Wald war man gefasst, aber nicht, dass Tiere von Italien her die Alpen überqueren und bis in den Ballungsraum München kommen. Umso dringender wird ein übergreifendes Wildtier-Management. Doch die Leitlinien hierfür sind immer noch in Arbeit und müssen dann noch abgestimmt werden. Das kann dauern. (elg)

mehr Pressemitteilung des Landkreises Starnberg (PDF)

mehr Bericht des Bayerischen Rundfunks

Beitrag erstellt am 27. November 2006.

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