NABU.de Aktionen & Projekte Willkommen Wolf! News Statement zum Tod einer Tierpflegerin in Schweden
Wölfe betrachten Menschen nicht als Beute
Wölfe betrachten Menschen nicht als Beute
Statement zum Tod einer Tierpflegerin in Schweden
Wölfe sehen Menschen nicht als Beutetiere an.
19. Juni 2012 -
Im schwedischen Tierpark Kolmården ist am Sonntag eine Wärterin im Wolfsgehege von einem Wolfsrudel getötet worden. Der NABU bedauert den Tod der Tierpflegerin.
Wölfe, die in Menschenhand aufgezogen werden, haben keine Scheu gegenüber Menschen, die sie kennen. Sie werden Bezugspersonen und können als Ersatzwölfe nicht nur das Ziel von Zuneigung, sondern auch von Ablehnung und Aggressionen werden. Tierpfleger sind sich daher immer der Kraft der Wölfe bewusst und sollten die entsprechenden Umgangsregeln für Wölfe in Gefangenschaft beachten. Welche Umstände zu diesem Unfall geführt haben, muss durch eine Untersuchung schnellstmöglich aufgeklärt werden.
Keine Konsequenzen für freilebende Wölfe
Die Wölfe in der Lausitz haben sich noch nie aggressiv einem Menschen genähert.
Der Vorfall gereicht nicht zum Beispiel für frei lebende Wölfe. Diese sind von Natur aus scheu und meiden den Menschen. Durch eine internationale Studie des Norwegischen Institutes für Naturforschung (NINA) (s.u.) ist belegt, dass Wölfe den Menschen nicht als Beute ansehen. Für das Betreten der freien Natur in den deutschen Wolfsgebieten bedarf es daher keiner Sicherheitsvorschriften.
Seit zwölf Jahren leben in der Lausitz Wölfe in einer vom Menschen bewohnten Kulturlandschaft. Es ist bis heute nie vorgekommen, dass sich ein Wolf aggressiv einem Menschen genähert hat. Der aktuelle Vorfall im Wolfsgehege Kolmården kann daher keine Auswirkung auf den Umgang mit frei lebenden Wölfen in Deutschland haben.
Wölfe müssen auch im Tierpark Wildtiere bleiben
Zwischen Menschen und Wölfen sollte kein direkter Kontakt hergestellt werden.
Eine der großen Attraktionen des Tierparks Kolmården war die Möglichkeit für die Besucher unter Aufsicht von Tierpflegern das Wolfsgehege zu betreten. Solche Begegnungen mit direktem Kontakt zwischen Mensch und Wolf lehnt der NABU ab. Der NABU tritt dafür ein, dass der Wolf als ein normales Wildtier angesehen wird. Sein eigentlicher Lebensraum ist die freie Natur Europas. Werden Wölfe in Zoos oder Wildparks gehalten, muss die Art und Weise der Haltung dies verdeutlichen. Wie alle anderen Wildtiere sind sie den Zuschauern mit Achtung und Respekt, vor allem aber mit Distanz vorzustellen. Ein direkter Kontakt zu Besuchern vermittelt den Charakter eines Wildtieres nicht. Es nährt das Bild eines Kuscheltieres, das der Wolf nicht ist.
Werden die Tiere nach den Vorstellungen des NABU gehalten, können sie wichtige Botschafter für die Wölfe in der freien Natur sein. Daher ist der NABU derzeit mit seiner interaktiven Wanderausstellung „Tour de Wolf“ auch in deutschen Tierparken, Wildgehegen und Zoos unterwegs, um dort, wo man Wölfe sehen kann, über deren freilebende Verwandte zu informieren.
Alle Termine der „Tour de Wolf“
Hintergrund: Die NINA-Studie (2002)
Das Risiko in Europa von einem Wolf angegriffen zu werden ist sehr gering.
Zur realistischen Einschätzung des Gefährdungspotenzials, das von Wölfen gegenüber Menschen ausgeht, haben 18 führende Experten aus Ländern mit Wolfsvorkommen im Auftrag des Norwegischen Institutes für Naturforschung (NINA) im Jahr 2002 eine Studie erstellt. Die NINA-Studie (The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans), in die sämtliche existierende Literatur und das Wissen über Wolfsangriffe aus Europa, Asien und Nordamerika aus den letzten Jahrhunderten eingeflossen ist, gilt als das umfassendste und fundierteste Werk zu diesem Themenkomplex. Demnach ist das Risiko in Europa oder Nordamerika von einem Wolf angegriffen zu werden, sehr gering.
In den extrem seltenen Fällen, in denen Wölfe Menschen getötet haben, waren die meisten Angriffe tollwütigen Wölfen zuzuschreiben. Neuere Fälle (d.h. nach 1950) sind selten, obwohl die Zahl der Wölfe in Europa zunimmt. Zurzeit gibt es etwa 15.000 bis 20.000 Wölfe in Europa, 30.000 in Russland und 60.000 in Nordamerika. Trotz dieser Zahlen konnten in Europa in den letzten 50 Jahren nur neun belegte Fälle gefunden werden, in denen ein Mensch von einem Wolf getötet wurde. In fünf von diesen Fällen hatten die Tiere Tollwut. Aus Nordamerika gibt es aus diesem Zeitraum keinen einzigen Fall. Fälle, in denen gesunde wildlebende Wölfe Menschen angegriffen haben, sind noch seltener. Dabei handelte es sich zumeist um „habituierte“ Wölfe (Wölfe, die über einen längeren Zeitraum an Menschen gewöhnt wurden, z.B. durch Anfüttern) oder Provokation (Wölfe, die massiv bedrängt wurden). Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr für den Menschen aus. Menschen gehören nicht zur normalen Beute von Wölfen.
Wölfe im dichten Straßennetz
Per E-Mail erhalten die Forscher Nachricht darüber, wo ihre Wölfe sich aufhalten. Satellitensender am Hals der Tiere verraten die aktuelle Position. Dank dieser Technik sind die Wissenschaftler den versteckt lebenden Säugern auf der Spur. Erste Rätsel konnten schon gelöst werden.
Mehr
Wölfin im Milkeler Rudel besendert
Am 2. Mai wurde eine einjährige Wölfin aus der Lausitz mit einem Halsbandsender ausgestattet. Der GPS-GSM Sender soll Daten zur Raumnutzung der Wölfe in Sachsen aber auch zum Abwanderungs- und Ausbreitungsverhalten von Wölfen in Deutschland liefern.
Mehr

NABU Regional
Service
E-Cards
Podcasts
Ab sofort gibt es den NABU zum Hören. Vogelstimmen, Musik und Interviews machen den Podcast zu einem wahren Vergnügen fürs Ohr.
NABU-Newsletter
Verbandsnetz
Ansprechpartner
Die NABU-Wolfexperten beantworten gerne Ihre Fragen:
Markus Bathen
Tel. 0172.6 45 35 37
Wolfpate werden
Helfen Sie mit, dass Wölfe in Deutschland wieder eine Heimat finden. Mehr
Spielen und gewinnen
Testen Sie Ihr Wissen über den Wolf und gewinnen Sie einen Wolfsklingelton. Mehr
Steckbrief Wolf
Die wichtigsten Fakten in Kurzform. Mehr
Natur fürs Handy
Wolfsgeheul und Vogelgezwitscher - nature rings bietet Tierstimmen für's Handy. Mehr






