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Hobor erholt sich gut
Neues vom Storchen-Horst
Tagebuch zu den Senderstörchen Helmut und Hobor, notiert von Kai-Michael Thomsen
Ende August 2010 - Abflug!
Storch Michael hat sich als erster auf die Reise gemacht! Am Freitagabend waren er und seine Partnerin nicht mehr auf dem Nest. Heute Morgen habe ich die Daten abgerufen und richtig er war Freitag schon fast 370 Kilometer nach Osten geflogen. Die Nacht verbrachte er gut 14 Kilometer östlich des Nationalparks Unteres Odertal.
Verfolgen Sie den Flug im Reisetagebuch!
20. August - Hobor erholt sich gut
Die besenderten Störche machen sich langsam startklar.
Hobor geht es besser! Er humpelt kaum noch, und wir glauben, dass er ohne Probleme seine lange Reise nach Afrika in ein oder zwei Wochen antreten kann. Er hat sich in den letzten Tagen sichtlich geschont, saß häufig auf dem Nest und ruhte.
Auch von Hobors Jungen gibt es auch einige Neuigkeiten. Der Jungvogel, der als erstes verschwunden war, wurde bei St. Peter Ording im Westküstenpark angetroffen. Unverkennbar, denn der Ring wurde abgelesen.
Von unseren anderen Störchen gibt es keine Neuigkeiten. Sie befinden sich immer noch an ihren Nestern. Und Helmut fliegt noch immer in der Umgebung von Wilster und Itzehoe herum.
Insgesamt war es in Schleswig-Holstein ein erfolgreiches Storchenjahr. Es brüteten 213 Storchenpaare (neun mehr als 2009), die 453 Junge aufgezogen haben. Seit mehr als 15 Jahren der höchste Bruterfolg.
16. August 2010 - Hobor hat sturmfrei
Hobor lahmt wieder stark auf einem Bein.
Am Freitag sind offenbar bei bestem Zugwetter die drei Jungen von Hobor abgezogen. Allerdings macht Hobor nun doch ein paar Sorgen, denn er lahmt wieder sehr stark auf dem verletzten Bein. Hat er sich am Freitag noch einmal verletzt oder ist die schon verheilt geglaubte Verletzung wieder aufgebrochen? Wir wissen es nicht und können nur hoffen, dass bis Anfang September, wenn er auf die Reise geht, wieder alles ok ist. Freitagabend hat er sich gleich ins Nest gesetzt und schien die "sturmfreie Bude“ zu genießen.
13. August 2010 - Abflug verzögert sich
Das gab es noch nie: Drei von Hobors Jungen sind wieder zurück.
Nun doch nicht. Zwei von Hobors Jungen, die abgezogen waren sind wieder zurück. Auch das dritte Junge war für einen Tag verschwunden. Ungewöhnlich, sagt NABU-Storchenbetreuer Rolf Zietz, denn das hat er so noch nicht beobachten können, dass die Jungen einige Tage verschwinden und dann auf einmal wieder am Nest zurück sind.
Die Gegend um Linden-Pahlkrug scheint in diesem Jahr für sich sammelnde Jungstörche ein beliebter Platz zu sein. Immerhin konnte Rolf Zietz neben Hobors Nachwuchs mehr als zehn Jungstörche zählen, davon neun beringte Störche aus der weiteren Umgebung.
In Bargen bei Senderstorch Michael ist derzeit noch ein Junges am Nest und in Pahlen bei Gustav und Anni sind noch drei Junge am Nest.
Bei Helmut haben sich keine großartigen Veränderungen ergeben. Er befindet sich immer noch in der Niederung der Stör.
8. August 2010 - Die Jungstörche ziehen ab
Die Jungstörche müssen den Weg nach Afrika alleine finden.
Der Abzug der Jungstörche ist im vollen Gange. Überall in der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge bilden sich kleine Storchentrupps von zehn oder mehr Vögeln, die auf gemähten Wiesen noch eine letzte Stärkung zu sich nehmen und sich dann auf den Weg machen. So konnte auch von NABU-Storchenbetreuer Rolf Zietz am Freitag auch im Wildpark Eekholt ein Storchentrupp von etwa 80 Vögeln gezählt werden. Darunter waren viele beringte Vögel.
Am Freitag und Samstag sind auch bei herrlichem Sonnenschein auch drei Junge von Hobors Nachwuchs abgezogen. Das letzte Junge wird dann auch in den nächsten Tagen nach Süden abfliegen. Auch die Jungen von Senderstorch Michael aus Bargen schraubten sich mit drei andern in die Höhe, während die Altstörche am Nest blieben. Sie bleiben noch einige Tage bei uns, bis sie sich Ende August auch auf den Weg machen. Ihre Jungen sind jetzt selbständig und müssen den Weg allein finden. Die Richtung, die sie einschlagen müssen ist ihnen angeboren. Auf ihrem Weg in den Süden treffen sie aber auf erfahrene Störche, die den Weg bereits schon einmal gemacht haben.
6. August 2010 - Die Brutsaison geht zu Ende
Wie lange werden die Störche noch auf den Horsten stehen?
Langsam, aber sicher neigt sich die Brutsaison der Störche dem Ende zu. Die meisten Jungen im Lande sind jetzt flügge. Nur wenige Nachzügler sitzen noch auf den Nestern. Bei unseren alten und neuen Senderstörchen sind die Jungen schon lange flügge und zumindest bei den Jungstörchen macht sich jetzt zunehmend die Zugunruhe breit. Ihr Abzug steht wohl unmittelbar bevor. Heute und morgen erwarten wir Sonnenschein – optimales Zugwetter.
NABU Storchenbetreuer Rolf Zietz konnte in der letzten Woche einige interessante Beobachtungen machen: „Am Dienstag standen Hobor und sein Weibchen um 10 Uhr gemeinsam längere Zeit auf dem Horst und klapperten sehr aufgeregt. Bald sah ich auch den Grund. Über Hobors Nest kreisten mindestens 18 Störche in großer Höhe, die sich dann rasch in Richtung Südwesten entfernten. Zehn Minuten später erhielt ich einen Anruf aus dem benachbarten Dorf Wiemerstedt. Dort wurde ein Storchentrupp aus 21 Störchen gesichtet und von den Anwohnern bestaunt. Hobors Junge waren jedoch abends wieder vollzählig am Horst.“
Das ist Michael, der neue Senderstorch aus Bargen.
Am Mittwoch standen neun Jungstörche nur etwa 100 Meter von Hobors Horst entfernt in der Hauskoppel - darunter Hobors Junge. Die anderen fünf waren allerdings auch keine Unbekannten, denn sie trugen Ringe, die Rolf Zietz selbst angebracht hatte. Sie stammten aus den Nachbardörfern Hennstedt Horst und Glüsing. Am Abend waren aber wieder alle Jungen von Hobor zurück am Nest.
Helmut hält sich immer noch in der Umgebung von Wilster nahe des Flusses Stör auf. Seine Partnerin Romy verbringt dagegen die Zeit weiterhin in Eddelak und Kuden. Weil Romy bereits vor der Besenderung einen Ring der Vogelwarte Hiddensee trug, wissen wir einiges mehr über sie, als über die anderen neuen Senderstörche. Sie ist jetzt 8 Jahre alt und wurde in Kietz im Havelland als Küken beringt. Im vergangenen Jahr brütete sie im Nachbardorf Kuden.
In Pahlen, am Fluss Eider, brüteten unsere beiden Senderstörche Gustav und Anni. Sie haben in diesem Jahr 4 Junge aufgezogen, die auch schon flügge sind. Auf der andern Seite der Eider in Bargen brütete der Storch Michael, der 3 Junge aufgezogen hat.
Nun wird es spannend, wer wird sich als erstes auf den Weg nach Süden machen? Wohin geht die Reise und wie weit nach Süden wird sie unsere Störche bringen? Wir werden wieder viel zu berichten haben. Und eine Frage stellen wir uns natürlich besonders: Werden sie die lange Reise gut überstehen, so dass wir sie im kommenden Frühjahr wieder in Schleswig-Holstein begrüßen können?
Aktuelle Aufenthaltsorte der Senderstörche gibt es im Überblick auf der Google-Karte. Dort können Sie auch die Reise der Störche mitverfolgen. Karte zur Storchenreise
2. August 2010 - Auch Heini ist flügge
Alle wieder vereint. Hobors Junge sind zurückgekehrt.
Nachdem sich zwei von Hobors Jungen am 27. Juli schon einer Zuggruppe von elf Störchen angeschlossen haben, sind jetzt beide wieder zurück am elterlichen Horst.
Auch Hobors fünftes Junge ist flügge. Der Jungstorch „Heini“ ist am 29. Juli von der Station Bergenhusen in die Freiheit entlassen worden. Er hat schon guten Anschluß gefunden und hält sich zusammen mit weiteren Bergenhusener Jungstörchen und einigen Altstörchen noch auf der Wiese in der Nähe der Station auf. Da in Bergenhusen und Umgebung zahlreiche Störche vorhanden sind bzw. sich diese dort jetzt schon zum Teil sammeln, ist seine Eingliederung in den Zugbestand wahrscheinlich überhaupt kein Problem.
Hobors Verletzung ist wohl zu 95 Prozent ausgeheilt. Das Laufen macht ihm keinerlei Schwierigkeiten. Auch nicht die Starts und Landungen. Allerdings hängt das verletzte Bein im Flug doch etwas herunter. Es ist deutlich sichtbar, scheint ihn aber nicht zu behindern. Seine erwachsenen Jungen füttert er immer noch.
28. Juli 2010 - Zugunruhe breitet sich aus
Auf geht's in den Süden!
Bei einigen Störchen macht sich schon die erste Zugunruhe bemerkbar. Gestern kreiste lange ein Trupp von elf Störchen bei bestem Sonnenschein über Hobors Nest. Das hat offenbar zwei von Hobors Jungen so gut gefallen, dass sie sich möglicherweise angeschlossen haben, denn abends waren nur zwei Jungstörche am Nest. Interessanter Weise war gerade der Jungvogel verschwunden der als letzter der vier vor 15 Tagen flügge wurde. Die verbliebenen beiden Jungen bekamen spät abends von Vater und Mutter noch eine Portion Futter.
Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass die ersten Storchentrupps herumziehen und sich schon langsam Richtung Süden aufmachen, obwohl die eigentliche Zugzeit noch nicht angebrochen ist. Dabei dürfte es sich um Nichtbrüter oder um erfolglose Brutpaare handeln. Sie machen an attraktiven Orten Rast und treffen auf weitere Störche und ziehen offenbar auch die ersten Jungvögel mit, sofern sie schon selbständig genug sind. An attraktiven Orten machen die Störche Rast und treffen auf andere Vögel, so dass die Trupps immer größer werden können.
Auch Helmut hat seinen Horst schon verlassen. Ob er sich allerdings einem Trupp angeschlossen hat wissen wir nicht, aber er hält sich immer noch in der Wilstermarsch auf.
27. Juli 2010 - Hobor geht es besser
Hobor verteidigte seinen Horst gegen Fremdstörche.
„Hobors Heilung macht wirklich gute Fortschritte“, berichtet Storchenvater Rolf Zietz. „Er läuft jetzt fast wieder normal. Gestern hat er allerdings sehr lange Zeit in der Schafskoppel gesessen. Das Hinsetzen machte ihm aber keinerlei Schwierigkeiten. Als mehrfach zwei Fremdstörche auftauchten verteidigte er zusammen mit seinem Weibchen seinen Horst. Beide klapperten häufig und lange. Nach meiner Einschätzung dürfte er in einigen Tagen wieder voll fit sein. Auf jeden Fall hat er ja noch genügend Zeit bis zum Beginn des Herbstzuges.“
23. Juli 2010 - Hobor hatte einen Unfall
Verkehrsunfälle sind selten. Trotzdem ist Hobor gestern morgen mit einem Bus kollidiert.
Schreck in der Morgenstunde. Gestern Morgen startete Hobor gegen 9:40 Uhr von seinem Nest, um über die Bundesstraße Richtung Süden in sein Nahrungsrevier zu fliegen. Dabei kollidierte er mit einem Linienbus, hatte aber Glück im Unglück. Er wurde offenbar nur an den Beinen gestreift und konnte auf einer nahen Wiese „notlanden“. Am Abend konnte NABU-Storchenbetreuer Rolf Zietz Entwarnung geben. Er stellte fest, dass Hobor zwar humpelte aber offenbar nichts gebrochen hat. Heute Morgen kann er wieder fast normal laufen. Glück gehabt – Hobor!
Obwohl Weißstörche in der Nähe des Menschen brüten, kommen Verkehrsunfälle doch relativ selten vor. Offenbar haben die angestammten Brutpaare gelernt mit der Gefahr umzugehen. Doch ein Risiko bleibt. Anders sieht es dagegen bei den Jungvögeln aus. Sie sind beim Fliegen noch sehr ungeschickt und haben deshalb ein sehr viel höheres Risiko einen Unfall zu erleiden.
Die Brutsaison bei unseren Weißstörchen nähert sich seinem Ende. Bei den meisten Paaren in unserer Region werden die Jungen jetzt flügge. Nach zwei mageren Jahren mit wenig Nachwuchs zählten die NABU Storchenbetreuer in diesem Jahr recht viele Junge. Günstige Witterung und ausreichend Nahrung, wie z. B. viele Feldmäuse haben das ermöglicht.
Namen für die Störche
Bald brechen Hobor und Helmut auf. Mit von der Partie sind in diesem Jahr vier weitere besenderte Störche. Zwei brauchen noch einen Namen. Stimmen Sie ab. Wie sollen die Störche heißen?
Bei Hobor und seiner Partnerin sind die Jungen jetzt schon seit mehr als einer Woche flügge. Das heißt aber nicht, dass sie schon selbständig sind. Sie werden immer noch von den Eltern mit Futter versorgt. Gefüttert wird dann auf dem Nest, aber auch auf der nahe gelegenen Wiese. Die Nachtruhe findet natürlich auf dem Nest statt. Noch gut drei Wochen, dann machen sich die vier auf den Weg nach Afrika.
Bei Helmut und seiner Partnerin hat sich leider in diesem Jahr kein Nachwuchs eingestellt. Bei den Ursachen rätseln wir immer noch. „Storchenvater“ Helmut Gülck ließ es keine Ruhe und er holte vor einiger Zeit fünf Eier aus dem Nest. Zwei Eier waren unbefruchtet, bei den anderen war der Embryo abgestorben.
Da es bei den beiden Eddelaker Störchen nun nichts mehr „zu tun“ gibt lässt die Bindung an ihr Nest nach. Während Helmuts Partnerin sich immer noch am Nest aufhält und in der Umgebung nach Futter sucht, vagabundiert Helmut herum. Zunächst ist er einige Kilometer nach Osten geflogen, hat sich aber dann nach Norden aufgemacht. Er verbrachte einige Tage in der Nähe von Meldorf in der Mieleniederung und nördlich der Kreisstadt Heide. Nun hält es sich wieder gut 16 km östlich von Eddelak auf, nördlich der kleinen Stadt Wilster.
13. Juli 2010 - Die ersten Junge werden flügge
Hobors Junge entdecken ihre Umwelt - nicht mehr nur vom Nest aus.
Am 8. Juli ist der erste von Hobors Jungen flügge geworden. Er trägt die Ringnummer DEW 5x061. Plötzlich lief der Kleine in der Hauskoppel von Rolf Zietz zwischen den Schafen umher. Abends stand er dann wieder wohlbehalten im Nest.
Am 9. Juli war auch schon der zweite Jungstorch vom Horst. Hier handelte es sich um DEW 5x060. Die beiden anderen Nestgeschwister sind offenbar noch nicht ausgeflogen, folgen aber sicherlich in den nächsten Tagen.
Das fünfte Junge, das schwächer war als seine Geschwister wächst in der Pflegestation Bergenhusen schnell heran. Es soll von dort ausfliegen und artgerecht mit den Bergenhusener Jungstörchen den Herbstzug antreten. Seine, ursprünglich geplante, Wiedereinhorstung wurde aus Sicherheitsgründen nicht vorgenommen. Storchenbetreuer Rolf Zietz berichtet: „Die vier Nestgeschwister hatten die Größe der Altvögel unwahrscheinlich schnell erreicht. In diesem Alter verfallen die Tiere nicht mehr in Schockstarre, wenn Gefahr droht. Hätte ich mich mit dem kleineren Storch genähert, wären sie vielleicht in Panik vom Nest gesprungen und hätten sich dabei womöglich verletzt.“
10. Juni 2010 - Helmuts Brut bleibt erfolglos
Diese jungen Störche sind, wie Hobors Junge, beringt worden.
Nach einer längeren Pause gibt es wieder einiges von unseren beiden Störchen zu berichten. Bei Familie Gülck in Eddelak stieg Anfang letzter Woche die Spannung. Jetzt müssten die Jungen schlüpfen und die ersten Fütterungen zu beobachten sein. Aber nichts tat sich. Immer weiter brüteten Helmut und seine Partnerin – auch heute noch. Das lässt nur den Schluss zu, dass offenbar die Eier unbefruchtet sind und in diesem Jahr in Eddelak keine Jungen schlüpfen werden – schade.
Bei Hobor gab es auch eine Überraschung – ein fünftes Junges reckte den Schnabel hoch. Am Montag stand die Beringung der Jungen an. Dabei stellte Storchenbetreuer Rolf Zietz fest, dass das Nesthäkchen im Vergleich zu seinen Nestgeschwistern sehr klein und schwach war. Er endschied sich dazu, das Junge zu entnehmen und in einer Pflegestation aufpäppeln zu lassen. Später soll das Junge wieder eingehorstet werden, damit es mit seinen Artgenossen im Spätsommer abziehen kann.
Hier wird einer der Jungen beringt.
Da die Jungen im Abstand von zwei Tagen schlüpften ist in diesem Fall das älteste Junge acht Tage älter als das jüngste und damit erheblich kräftiger. So bekommt das kleinste Junge nur dann genug zu fressen, wenn die Altstörche viel Futter finden können. Anderenfalls würde es sterben und aus dem Nest geworfen werden. Das mag sich sehr grausam anhören, macht aber für die Störche Sinn. Ist genug Futter da, können mehr Junge aufgezogen werden. Ist nicht genug Futter da, werden wenigstens ein oder zwei Junge flügge. Meist läuft dies unbeobachtet in den ersten Tagen der Jungenaufzucht ab. Das Eingreifen des Menschen in diese Vorgänge ist nicht erforderlich, denn es handelt sich dabei um ein natürliches Verhalten des Weißstorchs.
28. Mai 2010 - Dem Nachwuchs geht es prächtig
Die Storchenküken sind noch sehr klein.
Seit dem letzten Tagebucheintrag hat sich bei unseren Störchen einiges getan. Helmut und seine Partnerin haben fleißig gebrütet und nun erwarten wir täglich, dass das erste Junge schlüpft. Das werden wir daran erkennen, dass gefüttert wird. Das Junge selbst werden wir noch nicht sehen können – es ist einfach noch zu klein.
Hobor und seine Partnerin sind nun vor allem mit der Jungenaufzucht beschäftigt. Hier der Bericht von NABU Storchenbetreuer Rolf Zietz:
„Das Wetter in den letzten 14 Tagen konnte man weiß Gott nicht als frühlingshaft bezeichnen - kaum mal über 10 Grad und immer ein eisiger Wind. Die Jungstörche wurden von beiden Altstörchen mehrmals täglich gefüttert. Die Fütterungen gingen immer schnell von statten, und sofort wurden die Jungen wieder gehudert.
Offenbar finden die beiden Eltern reichlich Nahrung, denn die Altstörche nahmen nach der Fütterung immer ziemlich viele Nahrungsbrocken wieder auf, die die Jungen wegen ihrer noch geringen Größe nicht bewältigen konnten.
Die Storcheneltern finden in diesem Jahr genug Nahrung für die Kleinen.
Am 21.05.10 war nun endlich mal ein sonniger Tag mit nur geringem Wind. Und siehe da. Erstmals in diesem Jahr standen die Altvögel und ließen ihrem Nachwuchs die Sonne genießen.
Mit dem Spektiv konnte ich mit Sicherheit 2 Jungvögel zählen, vermutlich ist wohl doch noch ein dritter Jungstorch vorhanden. Die genaue Feststellung ist aber noch schwierig, weil die Jungen noch zu klein sind und Hobor das Nest wie in jedem Jahr hoch ausgebaut hat.
Noch eine weitere Beobachtung: Hobor scheint in seinem Nahrungsrevier - wie in den Vorjahren - reichlich Ringelnattern zu erbeuten. Ich konnte beobachten wie er eine ca. 50 cm lange Natter vor den Jungen herauswürgte. Die Natter lebte offenbar noch, denn als er sie wieder verschlingen wollte gelang es ihm vier oder fünf Mal nicht, weil sich die Natter mit dem Schwanzende zu einem Knoten verschlang. Die bereits halb im Storchenhals verschwundene und sich windende Natter musste Hobor deshalb immer wieder herauswürgen. Schließlich aber verschwand sie, offenbar immer noch lebend, im Storchenhals.“
Pfingsten gab es dann eine große Überraschung: Rolf Zietz konnte 4 Junge zählen. Drei haben schon eine gute Größe. Nur das Nesthäkchen ist etwas kleiner. Bis zu 8 Mal werden die Jungen jetzt gefüttert.
12. Mai 2010 - Freudige Überraschung
Bei Hobor hat sich Nachwuchs eingefunden. Das erste Junge ist geschlüpft, der NABU-Storchenbetreuer konnte am Montag die ersten Fütterungen beobachten. Heute wird wohl ein weiteres Junges schlüpfen, denn Störche legen alle zwei Tage ein Ei. Sie beginnen beim ersten oder zweiten Ei mit der Brut. So schlüpfen die Jungen in einem gewissen Abstand voneinander.
Während der letzten Woche gab es am Nest in Pahlkrug keine besonderen Vorkommnisse. Zwar schaute ab und dann mal ein fremder Storch vorbei, aber es reichte vollkommen aus, dass Hobor und seine Partnerin mit heftigem Geklapper anzeigten, dass ihr Nest schon besetzt ist.
In Eddelak wird jetzt gebrütet und Ende des Monats werden wohl die Jungen schlüpfen. Ab und dann kommt mal ein anderer Storch vorbei. Dabei handelt es sich um den einzelnen Storch aus dem Nachbardorf Kuden, in dem Helmuts Partnerin im vergangenen Jahr gebrütet hat. Handelt es sich etwa dabei um ihren alten Partner? Wir können es nur vermuten.
10. Mai 2010 - Film über Helmut
Der Tierfilmer Holger Schulz war zu Gast bei Helmut und seiner neuen Partnerin und hat einen Film über das glückliche Paar gedreht.
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30. April 2010 - Brutzeit
Die Brutzeit unserer beiden Störche ist von Routine geprägt. Während der eine Partner die Eier bebrütet kann sich der andere um sein Futter kümmern oder ausgiebig Gefiederpflege betreiben. Noch ist dafür Zeit genug. Sind erst die Jungen im Nest, wird es stressig für die Elternstörche. Hobor und seine Partnerin brüten jetzt sehr intensiv. Ab und dann kommt mal ein anderer Storch vorbei, um das Nest zu inspizieren. Könnte ja sein, dass man es noch besetzen könnte. Aber Hobor und seine Partnerin klappern heftig und zeigen damit, dass es ihr Zuhause ist.
Bei Helmut in Eddelak wird jetzt seit 3 Tagen gebrütet. Immer noch paaren sich die beiden. Wahrscheinlich ist das Gelege noch nicht komplett.
29. April 2010 - Film über Hobor
Der Tierfilmer Holger Schulz hat Hobor besucht und zeigt uns in einem kurzen Film, wie sich der Senderstorch nach dem langen Winter im Süden in Deutschland wieder eingelebt hat.
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23. April 2010 - Helmuts Partnerin ist eine alte Bekannte
Das Weibchen hat noch einen der alten Metallringe.
Das schaute der Nestbesitzer Helmut Gülck nicht schlecht, als er sich die Beine von Helmuts neuer Partnerin genauer angesehen hatte. War da nicht ein Ring? Richtig unten am rechten Fuß war ein Metallring zu erkennen. Im Unterschied zum Ring von Storch „Helmut“, der aus schwarzem Kunststoff hergestellt wurde und oberhalb des Intertarsalgelenkes angebracht wurde, ist dieser Ring nicht so auffällig und nicht so gut abzulesen.
Solche Ringe wurden bis vor einigen Jahren für die Storchenberingung eingesetzt. Man stellte aber fest, dass sich Weißstörche im Winterquartier bei großer Hitze auf die Beine koten. Durch die Verdunstung entsteht eine Kühlung aber die Harnsäure kann zwischen Ring und Bein laufen und kristallisiert aus. Dabei kann es zu Stauungen im Bein kommen und das Bein kann absterben. Deshalb wurden die sogenannten ELSA-Ringe aus Kunststoff entwickelt, an denen sich die Harnsäure nicht so stark ablagern kann.
Trotz der schlechten Ablesbarkeit gelang es aber Helmut Gülck, zumindest zwei Ziffern abzulesen. NABU-Storchenbetreuer Jörg Heyna schaute in seinen Listen nach. Und siehe da, bei der Störchin könnte es sich um eine alte Bekannte handeln, die im vergangenen Jahr im Dorf Kuden, unweit von Eddelak, einen Brutversuch gestartet hatte. Sie wurde als Jungvogel im Jahr 2002 in Kietz im Havelland beringt. Mal schauen, ob sich diese Vermutung bestätigt.
Gebrütet wird in Eddelak allerdings noch nicht. Dagegen ist das Brutgeschäft bei Hobor und seiner Partnerin voll in Gange. Das heißt für uns allerdings, dass es kaum spannende Dinge zu berichten gibt.
17. April 2010 - Helmut hat eine Partnerin
Seit heute Vormittag hat Helmut ein Weibchen. Diesmal wurde der ankommende Storch nicht wieder verjagt, wie bei den Besuchen zuvor. Und gleich paarten sich die beiden. Dann wird es nicht mehr sehr lange dauern, dass das erste Ei im Nest liegt. Immerhin hatte Helmut das Nest in den letzten Wochen gut repariert ausgebaut.
16. April 2010 - Hobor verteidigt sein Nest
Hobor brütet gemeinsam mit seiner Partnerin seit der letzten Woche fest. Beide, Weibchen und Männchen beteiligen sich am Brutgeschäft. Dienstag überflog ein Seeadler sein Nest. Beide Störche reagierten auf den Seeadler, als wenn es ein anderer Storch gewesen wäre. Sie klapperten und spreizten ihre Flügel ab, um zu zeigen dies ist unser Nest.
Helmut hat noch immer keine neue Partnerin. Er vertreibt immer noch jeden andern Storch aus seiner Umgebung. Sind das alles andere Männchen?
8. April 2010 - Klare Verhältnisse im Nest
An Hobors Nest ist in den letzten Tagen viel passiert. Am Samstag vor Ostern (2. April) haben die beiden Weibchen kurz gekämpft. Hobors angestammte Störchin hatte aber schnell für klare Verhältnisse gesorgt und die Nebenbuhlerin verjagt. Bis Hobor und Partnerin wieder zueinander finden konnten waren in den letzten Wochen insgesamt sechs verschiedene Störche auf dem Nest in Linden-Pahlkrug. Storchenbetreuer Rolf Zietz kann sich nicht erinnern, dass er so etwas in mehr als 30 Jahren schon einmal beobachten konnte.
Der Kampf dauerte nur ein paar Minuten.
Seit Mittwoch liegt das erste Ei im Nest und einer der beiden Störche bleibt immer am Nest. Das ist auch notwendig, denn heute griff ein weiterer fremder Storch das Nest mit dem brütenden Weibchen an. Aber Hobor war in der Nähe und sofort zur Stelle, um Schlimmeres zu verhüten.
Helmut ist noch immer Single. Zwar berichtet Familie Gülck davon, dass regelmäßig Störche am Nest in Eddelak vorbeikommen, aber immer wieder von Helmut vertrieben werden. Offenbar alles Männchen, die ihm sein Nest streitig machen wollen. Aber keine Sorge, es ist noch früh in der Brutsaison und die richtige wird bestimmt noch kommen.
1. April 2010 - Hobor hat eine „Neue“
Hobor hat eine Partnerin gefunden.
Heute hat Hobor eine Partnerin bekommen. Es ist aber nicht das Weibchen vom Vorjahr, denn es ist viel kleiner, wie Rolf Zietz feststellen konnte. Es finden erste Paarungen statt. Gegen 18 Uhr ist aber auch das Weibchen vom Vorjahr wieder in Linden-Pahlkrug angekommen. Obwohl ohne Kennring, erkennt Rolf Zietz sie an ihrem Verhalten. Es finden aber keine Kämpfe statt und das alte Weibchen verbringt die Nacht in der Nähe des Nestes, während Hobor und die „Neue“ auf dem Nest schlafen.
Übrigens haben in den letzten Tagen sehr viele Weißstörche ihre Nester bei uns erreicht. Allein sieben waren es bei uns in Bergenhusen. Dabei handelt es sich jetzt in der Hauptsache um Ostzieher. Es ist ungewöhnlich, dass bereits Ende März so viele Störche zurück sind. Von unserem Storch Hobor wissen wir, dass er den Winter im sudanesischen Sahel verbracht hat und er deshalb so früh in Schleswig-Holstein wieder zurück sein konnte. Er war offensichtlich nicht der einzige.
Helmut ist noch auf Brautschau.
Die ausgewerteten Klimadaten aus der Sahelregion zeigten uns, dass die Regenfälle dort etwa durchschnittlich gut waren. Für die Störche bedeutete dies offenbar ausreichend Heuschrecken und ermöglichte es ihnen, den Winter dort zu verbringen. So mussten sie nicht den langen Weg weiter nach Süden antreten und konnten wahrscheinlich deshalb früh zurück sein.
31. März 2010 - Hobor erobert sein Nest zurück
Weder Hobor noch Helmut haben bisher eine neue Partnerin. Aber es ist noch nicht einmal April und die meisten ostziehenden Weißstörche sind noch auf dem Weg in ihre Brutgebiete.
Am Abend, unbemerkt von Rolf Zietz, ist Hobor wieder da und der bisherige Nestbesetzer verschwunden. Wie Hobor das geschafft hat, ob es einen Kampf gegeben hat oder nicht, können wir nicht mehr herausfinden.
30. März 2010 - Auf Brautschau
Von Hobor gibt es keine Neuigkeiten und auch Helmut hat noch keine neue Partnerin. Aber es ist noch nicht einmal April und die meisten ostziehenden Weißstörche sind noch auf dem Weg in ihre Brutgebiete.
Die beiden Weißstörche aus Vetschau Cico und Luna haben bereits ihren Horst wieder bezogen. Sie können die beiden auch in diesem Jahr wieder live beobachten.
Jetzt zur Storchen-Webcam
29. März 2010 - Ein Tag im Land der Ideen
Das Storchenbesenderungsprojekt wurde als einer von "365 Orten im Land der Ideen" ausgezeichnet.
Heute war unser „Tag im Land der Ideen“. Ich hatte ja bereits Anfang Dezember davon berichtet, dass unser Projekt beim Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ ausgezeichnet wurde. Dieser Wettbewerb wird von der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler und mit Unterstützung der Deutschen Bank durchgeführt. Ziel dieser Initiative ist es jeden Tag des Jahres ein zukunftsorientiertes, kreatives und innovatives Projekt aus Deutschland vorzustellen.
Auf einer kleinen Veranstaltung bei uns im Michael-Otto-Institut in Bergenhusen überreichte uns Burkhard Baum, Vertreter der Deutschen Bank, einen Pokal und eine Urkunde. Ein Schild wird jetzt den Eingang unseres Hauses schmücken. Eingeladen hatten wir viele Unterstützer aus der Region, die uns bei unserem Projekt mit Rat und Tat zu Seite gestanden haben. Ich konnte in einem kleinen Vortrag die ersten Ergebnisse vorstellen.
28. März 2010 - Hobor zieht nach Süderholm
Ganz oben trohnt Hobor über Süderholm.
Hobor steht noch immer auf dem Nest in Süderholm. Süderholm ist ein kleines Dorf, dass etwa 7,5 Kilometer südwestlich von Linden-Pahlkrug liegt. Das Nest wurde von Hobor im vergangenen Jahr kurz vor seinem Abflug in den Süden bereits aufgesucht. Heute erhielt ich Fotos von Beate Hansen aus Delve. Ring und Senderantenne sind bei Hobor gut zu erkennen.
Was wird Hobor nun machen. Will er sich jetzt in Süderholm ansiedeln oder macht er doch noch einen Versuch sein Nest zurückzuerobern. Aber auch das Nest in Süderholm war im vergangenen Jahr von einem Storchenpaar besetzt. Was wird passieren, wenn die angestammten Besitzer wieder zurückkommen? Muss Hobor dann wieder von dannen ziehen?
Seit seiner Ankunft vagabundiert Hobor in der Umgebung herum. Er sucht auf den Wiesen am nahe gelegenen Moor nach Nahrung, macht aber auch größere Ausflüge. Auch in die Nähe seines alten Nestes ist er auch schon geflogen. Zumindest gibt es eine Ortung davon.
27. März 2010 - Hobor muss umziehen
Hobor ist wieder da. Er ist an dem Sender leicht zu erkennen.
Gestern überstürzten sich dann die Ereignisse am Nest von Hobor. Hier der Bericht von NABU Storchenbetreuer Rolf Zietz: „Große Freude gestern um 13 Uhr. Der Senderstorch "Hobor" stand wohlbehalten und offenbar in bester Verfassung auf seinem Nest. Der erste größere Zweig wurde schon 10 Minuten nach seiner Ankunft zum Horst hochgeschleppt. Dass der Horst von den Besetzern offensichtlich seit 2 Tagen verlassen worden war, darüber war ich im Grunde genommen froh.
Doch dann nahm das Unglück seinen Lauf. Hobor war nur eine Stunde alleine im Horst. Er wurde zweimal heftig angegriffen. Der Kampf dauerte nur etwa 3-5 Minuten. Beim zweiten Male wurde Hobor aus dem Nest gedrängt. Ich konnte bei seinem Abflug den Sender einwandfrei erkennen. Hobor wurde vom Männchen mit dem Ring 1x049 im Flug gejagt und verfolgt.
Hobor blieb seinem langjährigen Brutplatz bis heute 18 Uhr fern. Ich habe ihn aber trotzdem gefunden. Er steht auf dem Mastnest in Heide-Süderholm. Es scheint so als müsste er wohl erst mal zu Kräften kommen. Im unteren Brustbereich konnte ich erhebliche Blutspuren im Gefieder feststellen. Also hat er wohl in der ersten Runde den Kürzeren gezogen.“
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